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Die Wahrheit · 1902-07-18 · Heft 28 (18.7.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 28 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 Dte Wahrheit. Seite 9. verschiedene Nachrichten. Wie«. Am 11. d. M. ist in Krasna (Mähren) der Commereial« rath Alois Reich, früherer langjähriger Chef der Glasfabriks-Firma S. Reich & Comp, im 72. Lebensjahre verschieden. Der Verblichene nahm in den industriellen Kreisen Oesterreichs und des Auslandes eine hervorragende Stellung ein und hat das von seinem Vater gegründete Unternehmen im Vereine mit seinen auch schon verstorbenen Brüdern zu bedeutungsvoller Ausdehnung und Geltung gebracht. Seit dem Jahre 1877 leitete er in Wien das große Geschäftshaus und zog sich erst vor ungefähr Jahresfrist ins Privatleben zurück. Ueberaus rühmenswerth ist sein vielgeübter Wohlthätigkeitssinn und das große Interesse, das er allen jüdischen Angelegenheiten entgegenbrachte. Bis zu seinem Lebensende gehörte er dem Bethausvorstande der Wiener Cultusgemeinde an und bethätigte sich, trotz beruflicher Ueberbürdung, mit großem Eifer in diesem Ehrenamte. Das Leichenbegängnis dieses seltenen Mannes fand Montag den 14. d. M. unter außerordentlicher Theilnahme der weitesten Kreise in Wien statt.^ Die Functionen versahen Rabbiner Dr. Schmied! und Obercantor Guttmann unter Assistenz des 1. Cantors Blatt und des Tempelchores. Wien. Eine überaus bemerkenswerthe Trauung fand vor einigen Tagen in der hiesigen Carlskirche statt, woselbst ein Sohn des Commercialrathes und Cultusvorstehers Leopold Pollak, nach erfolgtem Uebertritt zum Christenthum, ein Fräulein Zamarski zum Traualtar führte. Einen weiteren Commentar zu dieser Nachricht halten wir für überflüssig, doch wird erst jetzt die semerzeitige Stellungnahme des Herrn Commercialrathes gegen einen jüdischen Baumeister so recht erklärlich. Was die jüdische Gesinnung dieses Mannes betrifft, so gilt hier das bekannte Wort „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!" Wie wir übrigens vernehmen und auch allgemein erwartet wird, hat Herr Leopold Pollak sein Mandat als Cultusvorsteher bereits zurückgelegt. Sein Scheiden aus dem Cultusvorstande wird kaum eine merkliche Lücke in demselben empfinden lassen, wohl aber in Zukunft zu größerer Vorsicht bei der Auswahl der Candidaten für diese Körperschaft mahnen. Wien. (I ü d i s ch e r S ch u l v e r e i n i m X. Bezirk.) Sonntag, am 13. Juli fand im „Jüdischen-Schulverein" eine Schlnßfeier statt, bei welcher das Bild des verdienstvollen Obmannes, Herrn Jacob S. Straßberg, in feierlicher Weise enthüllt wurde. Zu diesem Feste waren Vertreter der verschiedensten Vereine erschienen. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Der Obmann begrüßte zunächst die Vertreter der'Cultusgemeinde, Herrn Religionsinspector Dr. Langfelder und Herrn Adjunkt Braun, den Obmann des Tempelrer eines im X. Bezirk, Herrn C. Seligmann,'die Vertreter des Humanitätsvereines X., die des Zweigverbandes Zion, die des Gesangsvereines Joria, die des Vereines Ansche Emes, und ertheilte zur Festpredigt dem Leiter der Schule, Herrn Rabb. Dr. Mandl, das Wort. 'Derselbe betonte zunächst die hohe Bedeutung der hebräischen Sprache, warf dann einen kurzen Rückblick auf die Leistungen des verflossenen Jahres, die regsame Betheiligung des Vorstandes der Schule und forderte schließlich die Kinder zu stetem Fleiße auf. Nach Absingen der Volkshymne durch die Schuljugend, unter Leitung des Herrn Cantor Weißmann, ergriff der Obmannstellvertreter, Herr Moritz Faltitschek, das Wort. In seiner geistreichen Rede, die mit ausgewählten hebräischen Citaten gewürzt war, besprach er die weise Umsicht, und große Opferwilligkeit des Obmannes, dem es zu verdanken ist, dass die Schule auf einem solch hohen Niveau steht. Er bemerkte richtig, dass es dem Vorstande gelungen ist, einen 2ivn mx an die Spitze des Vereines zu stellen. Aus Dankbarkeit hiefür ließ derselbe ein Bild des allverehrten Obmannes anfertigen, welches Redner somit enthüllte. In sichtlicher Erregung dankte der Obmann für die ihm erwiesene Ehre und die Unterstützung des Vorstandes bei seiner Thätigkeil und stattete dem Leiter der Schule, Herrn Rabb. Dr. Mandl, und dem Lehrer, Herrn I. Pisk, für ihre Leistungen und Mühe Dank ab. Hierauf hielt Herr Adjunkt Braun eine kurze Ansprache an die Kinder, deren zahlreiches Erscheinen ein beredtes Zeugnis für die Thätigkeit der Schule ist, und ermahnte dieersteren, dass sie die Lehren der Schule in sich aufnehmen mögen, um gute Juden zu werden. Mit der Vertheilung der Zeugniße schloss/ die erhebende Feier, die als ein schöner Beweis dafür gilt, dass es in Wien rege wird und dass sich hochherzige Männer finden, die für das geistige Wohl des Judenthums mit ihrer ganzen Kraft einstehen. I. P. Wieu-Wariahisf. Herr Obercantor Dünmann hat durch das am 8. di M. erfolgte Ableben seiner Gattin Rosa, geb. Schäfer, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Die große Beliebtheit, deren sich Herr Obercantor Dünmann in den Kreisen der Mariahilser Bevölkerung zu erfreuen hat, zeigte sich bei dem am 10. d. am Central-Friedhofe statt gefundenen Leichenbegängniße, dem eine Deputation des Vorstandes des Mariahilfer Tempel-Vereines, mit dem Präsidenten Herrn Archit. Max Fleischer an der Spitze, beiwohnte; man sah weiters Herrn kais. Rath Josef Toffler, die! Herren Obercantor Jurberger, I. Cantor Silbermann und viele andere j Berufsgenoffen des Leidtragenden, die Angestellten und viele Mitglieder j des Mariahilfer Tempel-Vereines, u. v. A. Die Trauergesänge wurde« j von Herrn Obercantor Singer, der sich dieser Funktion in collegialster Weise widmete, wahrhaft ergreifend zu Gehör gebracht, während der ehrwür« dige Seelsorger der Mariahilfer Gemeinde, Herr Gemeinderabbiner Dr. Taglicht, der Verblichenen in gewohnt meisterhafter Weise einen Nachruf; hielt, der alle Anwesenden auf das Tiefste erschütterte. Wien. Herr Moritz Weißmann, Cantor im X. Bezirke, hat durch! das am 13. Juki nach längerem Leide» erfolgte Hinscheiden seiner Gattin . Jeanette, die im 32. Lebensjahre den Ihren entrissen wurde, einen tief» j schmerzlichen Verlust erlitten. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, den i 15. d. M. unter allgemeiner Tbeilnahine statt und wurden dem schwer! geprüften Gatten zahlreiche Beileidskundgebungen zu rheil. Wien. (Edelhofers Volks-Orpheum.) Die seit einenr! Jahre in diesem Etablissement eugagirte jüd. polnische Gesellschaft erfreut j sich ununterbrochen allgemeiner Sympathie und find auch die Leistungen j derselben stets auf der Höhe. Zudem versteht es Herr Edelhofer, sein i Stammpublikum durch seine vorzügliche rituelle Küche zu befriedigen, i Dass im Saale fettgedruckte Affichen zu lesen sind, in welchen die! Herren Gäste ersucht werden, Freitag Abends nicht zu rauchen, ist ent-! schieden eine lobenswerthe, für die anderen jüdischen Restaurationen nach, I ahmenswerthe Einrichtung; zumindest sollen zu Ehren des Sabbathes die Zündholzbehälter entfernt bleiben. Letzten Samstag kam „Jontel Schnorrer, Singspiel von Goldfaden, zur ersten Aufführung und haben die Herren : Kanner, Reismann und Podzameze uns» Hirsch in diesem Stücke äußerst; gelungene Figuren creirt. Frau Kanner, der Lieblings des Publicums, i erfreute wieder durch Spiel und Gesang und erntete stürmischen Beifall.! Aberhollabrunn. Unter zahlreicher Betheiligung der Eltern der! hiesigen Schul- und Gymnafialjugend und unter Anwesenheit unseres! allverehrten Präses, Herrn Max Wallisch, sammt den Herrn Ausfchussmit- I gliedern Max Herzog und Johann Ranzenhofer, fand Samstag, den! 12. d. M. 5 Uhr nachmitt, der Schulfchlußgottesdienst statt. Herr Cantor! und Religionslehrer S. Jellinek exekutirte das Minchagebet und hielt | dann an die versammelte Schuljugend eine zündende Rede über die j Bedeutung der Religions» und Glaubenslehre. Hierauf sprach er bei offener! Bundeslade das Kaisergebet, und mit der Volkshymne, welche von allen | Anwesende» stehend mitgesungen wurde, schloß diese erhebende Feier.! Lemberg. (Hebräische Ansprache eines Erzbischofs.) Es l gereicht wahrlich jedem Menschen zur Zierde, wiffeuschaftlich herauszu- I wachsen aus der Gilde der Zeitgeuoffen, noch mehr aber sich in Gegeu-! fatz zu allen ihn umgebenden Strömungen zu stellen, deren Berechtigung er; nicht anerkennt. Diese heutzutage gewiss seltene Erscheinung Aschen wir! bei dem neugewählteu Erzbischof Graf Szepitzki, der sich herbeiließ, die i Juden in der heiligen Sprache anzusprechen, und so den Beweis er-! brachte für die hohe Sympathie, die er für die hebräische Sprache und! die heilige Lehre empfindet. Der Erzbischof machte nach Antritt seines! Erzbisthums eine Rundreise durch die seiner Diezöse zugehörenden Ge- ' meinden und fam auch nach Strozow, wo er von der jüdischen Bevölkerung, . wie üblich, unter Entgegeutrageu der „Sefer Thora" unter einem , Baldachin empfangen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt der Schul- , direktor Taubeles eine Ansprache an Seine Eminenz. Wie erstaunte : aber die Deputation, als der Erzbischof ihnen im correctesten Hebräisch folgendes erwiderte: , ^?x 'n inn ,1272 71-2 can -b>v ,:m:i itrx cirrn! ’:nx. : 'c^F^X!'n 1212' : pnx 7C 1-12122 22-1X 1127 ,1?1 1112 'MSI 12*X P1X.11; X7.i ,22111x2 1:111x2 ,1:111x2 22111x2 ,i:.nii 22.1111 ,z2'-7.< -rpx ,1:177a '! 1X111 7X 2172' .1:727 1.1 X 2X X7N ,::.i:x 2V1X; Ueber den erhabenen Sinn dieser Erwiderung viel Worte zu; machen, erachten wir für unnöthig, da aus jebem Worte Friede, Einj tracht und priesterliche ahronidische Milde spricht, aber wir freuen uns! vom Herzen über diese programmatische Kundgebung und schließen mit | dem Wunsche: .Eita '2xv2 nirinn .112 ':i2 i>2 im;.i' '2 j Dr. :H. Bierer. „Israelitische Allianz zu Wien.“ Der Verein bezweckt: 1. Die Volkserziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch andere geeignete Mittel zu fördern: 2. Israeliten, wo sie ihres Glauben» wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei [ Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung von ] hundert fl. ö. W. lebenslängliches Mitglied des Vereines, j Anmeldungen zu Beitritt werden erbeten unter der Adresse; I „Israelitische Allianz zu Wien“ I.. Weihburggasse 10, I. Stock»

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