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Die Wahrheit · 1902-07-11 · Heft 27 (11.7.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 27 (11.7.1902)
Date
1902-07-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27. Pie Vabr-eit. Sette 9. Lein Direktor gegenüber in sehr anerkennender Weise über die erzielten Unterrichtsresulte aus, namentlich belobte er die Lehrgeschicklichkeit und die eifrige Wirksamkeit der Lehrerin Frl. Franzisca Auspitz. Wien. Herr Cantor Eduard Regner von der „Talmud-Thora"- Synagoge, welcher durch seine überaus sympathische Stimme und seine erhebende Vortragsweise nach alter und neuer Richtung, sowie durch sein würdiges Auftreten sich die Sympathien weiterer Kreise erworben hat, wurde in der am 7. d. M. mit Hinzuziehung von Vertrauensmännern abgehaltenen Plenarsitzung mit großer Majorität als Obercantor der Fugbach-Synagoge gewählt. Korneuvurg. Sonntag den 6. d. M. fand die jährliche Schulprülung der Religionsschule fürhierund Umgebung statt, zu welcher unser allverehrter Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann aus Floridsdorf, der Präses des Ortsschulrathes, Advokat Dr. Kladiwo, der Schulinspee'or Direktor Lux, sowie zahlreiche Eltern und Kinderfreunde erschienen. Nach yollzogener Prüfung, die übe aus befriedigende Resultate ergab, lobte Herr Rabbiner Dr. Rosenmann den Fleiß und das Wissen der Schüler und sprach dem Religionslehrer, Herrn S. Zelinka, der bereits 20 Jahre in unserer« Verein als Lehrer thätig ist, für sein ersprießliches und tüchtiges Wirken besondere Anerkennung aus. Rach einer von allen Anivesenden beifällig aufgenommenen Erwiderung des Religionslehrers wurde die Volkshymne gesungen, womit diese für Klein und Groß erhebende Feier ihren Abschluss fand. Zzrünn. Der Vicepräsident der hiesigen Cultnsgemeinde, Kais. Rath Hermann Epler, der, wie in letzter Nummer dieses Blattes gemeldet wurde, äm 5. d. M. das fünfzigjährige Jubiläum seines Dienstantrittes bei der Nordbahn begehen sollte, ist am 2. Juli nach längerem, schwerem Leiden gestorben. Sein Hinscheiden hat nicht nur in der hiesigen Judenschast, die an dem Verblichenen einen ihren bewährtesten Führer und einen ihrer treuesten Anhänger verliert, sondern auch in den weitesten Kreisen der Landeshauptstadt aufrichtige Trauer hervorgerufen. Ein tragisches Geschick hatte ihn vor längerer Zeit auf das Krankenlager geworfen und ihm vor wenigen Wochen die treue Lebensgefährtin, mit der er nahezu fünfzig Jahre in glücklicher Ehe lebte und die ihm an seinem Schmerzenslager in zärtlicher Fürsorge als Pflegerin und Trösterin zur Seite stand, geraubt. Nun hat es ihn selbst, zwei Tage vor seinem 50jährigen Dienstjubiläum, aus der Mitte seiner Kinder und zahlreichen Freunde gerissen. Kais. Rath Hermann Epler war einer der ältesten und geachtetsten Beamten der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Am 7, April 1830 zu Szobotist in Ungarn geboren, absolvierte Hermann Epler in den Jahren 1847 bis 1851 die technischen Studien in Wien und trat anfangs Juli 1852 in die Dienste der Nordbahn. Nachdem er sowohl bei der Bahnerhaltung wie beim technischen Betriebe längere Zeit thätig g wesen, übertrat er zum Verkehrsdienste. Vor etwa dreißig Jahren kam er als Stationsvorstand nach B>ünn, welche verantwortungsvolle Stelle er mit nie erlahmendem Eifer und mit seinen gediegenen fachmännischen Kenntnißen in einer sowohl vom Publikum als auch von der Verwaltung der Nordbahn vielfach anerkannten Weise bis zu seinem Ableben bekleidete. Seine humane Denkweise bethätigte Kais. Rath Epler durch viele Akte der Wohltätigkeit, und in der hiesigen Cultusgemeinde, deren Präsidentstellvertreter er seit vielen Jahren war, hat er sich durch sein erfolgreiches, gemeinnütziges Wirken die wärmsten Symphatien und allgemeine Hochachtung errungen. Der Kaiser würdigte die vielfachen Verdienste Eplers durch Verleihnng des Kais. Rathstitel^, und des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone. Außerdem war Kais. Rath Epler Inhaber des Medschidje-Ordens dritter Klaffe. Sein Ableben; beklagen fünf Söhne und vier Töchter, sowie eine große Enkelschaar; sein ältester Sohn, Herr Adolf Epler, weilt, wie bekannt, seit Jahren in Johannesburg (Südafrika). Hemitsch. Am 30. Juni hat unsere Cultusgemeinde einen unersetzi lichen Verlust erlitten, indem eines seiner verdienstvollsten und wohlthätigsten Mitglieder, Herr Moritz Fleischner, Glasfabriksverwalter zu Hausbrünn, zu Grabe getragen wurde. Welcher Beliebtheit sich der Verstorbene erfreute; und wie schmerzlich sein frühes Hinscheiden allseits empfunden wurde, zeigte sich an der enormen Betheiligung aller Schichten der Bevölkerung , und zahlreicher Vereine, deren Ehrenmitglied der Verstorbene war. Im Trauerhause verrichtete Herr Obercantor M. Fuchs unter Mitwirkung seines gutgeschulten Chores die üblichen Trauerfunctionen, worauf Herr Rabbiner Dr. Keßler einen tiefergreifenden Nachruf dem Verstorbenen widmete. Daraufhin wurde die Leiche unter Begleitung eines schier endlosen Leichenconductes zur letzten Ruhestätte nach Gewitsch überführt,; Woselbst nach Vortrag der üblichen Liturgien durch Obercantor Fuchs und einer abermaligen Trauerrede des Rabbiner Dr. Keßler der Cultus- , Vorsteher, Herr med. Dr. Tobias Löwit, im Namen der Gemeinde von dem Verblichenen rührenden Abschied nahm. Im Namen sämmtlicher in der Fabrik beschäftigten Arbeiter sprach einer derselben, indem er tief-; empfundenen Dank zum Ausdruck brachte für die väterliche Fürsorge, mit welcher der Verstorbene für ihr Wohl bedacht war. Unter Absingung des Schiwißi wurde hierauf das Grab geschlossen, n'iwn] Irag. Am 1. Juli fand hier in der Wohnung der Brauteltern; die Hochzeit des durch sein humanitäres Wirken bekannten Großindustriellen, Herrn Emanuel Grab, Mitchef der Firma M. Grub Söhne in Prag, mit Fräulein Mizzi Neumann, Tochter des Herrn Richard Neumann und der Frau Paula, geb. Haurowitz, in Gegenwart eines distinguirten, zahlj reichen Publikums statt. Bei der Trauung fungirten die Herren Rabbiner! Dr. I. Fischer und Cantor Leo Mirsky.! Roleuöerg. Die israelitische Cultusgemeinde Rosenberg, (Böhmen)! versendet nachfolgenden Aufruf: Eine geschichtliche Thatsache ist es, dass! die vielen und inannigfacbsten Wechselfälle, die im Verlaufe der Zeiten das jüdische Volk heimgesucht haben, in ihm die Ergebenheit für den heiligen Glauben unserer Väter und die Vaterlandsliebe nicht erschüttern j konnten Denn nach der Zerstörung des jerusalemischen Tempels fand auch Israel seinen geistigen Mittelpunkt in dem öffentlichen Gottesdienste in der Synagoge. Im Gotteshanse fand er für seinen irdischen Wandel! Kraft und Ausdauer, Mut und Hoffnung. Trost und Belehrung. Mit jedem i Tage jedoch mitten im Gewühle des allgemeinen Daseinskampfes wird besonders der Existenzkanpf eines jeden Inden schwerer und verzweifelter,! namentlich in den kleineren jüdischen Gemeinden, wo. die geringen Er- 1 toerbsguellen in erschreckender Abnahme begriffen sind. Demzufolge suchen auch die meisten Mitglieder solcher Gemeinden ihre Zuflucht in den größeren Städten, um dem wirtschaftlichen Elend auszuweichen. Die wenigen Zurückgebliebenen, die ungeachtet dessen mit dem vollständigen Aufwands ihrer Kräfte an dem Bestände und der Fortdauer ihres Gemeindewesens unermüdlich arbeiten, stnd leider mit geringfügigen Mitteln ausgerüstet. Da der ergebenst Unterzeichnete Vorstand sich veranlasst sieht, das mehr als ein halbes Jahrtausend zählende Gotteshaus unserer uralten israelischen Gemeinde von innen und außen zu renoviren, ivendet er sich ganz ergeben mit dem Appell an die Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit unserer Glaubensgenossen, uns helfend und unterstützend an die Hand zu gehen. Hoffend, dass diese bescheidene Bitte ihren gottgefälligen Zweck nicht verfehlen wird, nimmt das Cassaamt der israel. Cultusgemeinde Rosenberg (Böhmen) jede beliebige Spende dankend entgegen, was auch dann in den Zeitschriften für jüdische Interessen namhaft gemacht werden wird. Israelitische Cultusgemeinde Rosenberg (Böhmen): Ignaz Offner, Eultusvorsteher. Dr. M. Margel, Rabbiner. Adolf Arnstein, Josef Robitschek. Wakahk». Eines der ältesten und hochgeachtetsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herrr Ignatz Wertheimer, ist unter großer Betbeiligung Montag den 30. Juni bestattet worden. Der Verblichene, der das ungewöhnlich hohe 'Alter von 9l Jahren erreichte, war feit nahezu 26 Jahren leidend, aber trotzdem übte er immer Wohlthätigkeit in ausgedehntem Maße und war überall am Platze, wo es galt, in- und auch außerhalb der Gemeinde Gutes zu thun Bei dem Leichenbegängniße ioartii der Vorstand der Gemeinde, mit Herrn Cnltnsvorsteher Wein- >v..rm an der Spitze, die Vorsteher der Chewra-Kadischa Fischer, Gutsbesitzer S. Pisk, Spitzer, Dr. Liechtenstein, Dr. Reves, Brauhausbesitzer Stern und ein zahlreiches Publikum aus der Gemeinde und der Umgebung anwesend. Von Nah und Fern eilten die Verwandten herbei, um dem Verblichenen die letzte Ehre und Dankbarkeit zu erweisen, namentlich die Neffen, Gebrüder Wertheimer mit dem ältesten Bruder, dem bekannten Möbelfabrikanten aus Wien, Herrn Moritz Werthheimer. welcher mit besonderer Liebe andem verstorbenen Onkel hing. Herr Rabbiner Dr. Lewin hielt einen beredten Nachruf, in welchem er die seltenen Eigenschaften des Dahingeschiedenen schilderte, und Cantor Rosenstein recitirte die Tranergebete. Im Namen der Verwandten sprach Herr Moritz Wertheimer tiefempfundene Dankes- und Abschiedsworte und erklärte, alle von seinem innigstgeliebten guten Onkel im Testamente ausgesprochenen Legate an verschiedene Wohlthätigkeitsvereine, Verwandte und Diener aus eigenen Mitteln flüssig zu machen, was auch, wie uns mitgetheilr wird, bereits geschehen ist. Das Andenken an Zgnatz Wertheimer wird in unserer Gemeinde lange erhalten bleiben. n'3's'rn Hsakatyurn. Unser Obercantor, Herr Leopold Katz, hat sich mit Fräulein Olga Goldner aus Zala Ezerszeg verlobt. Bei der diesbelrestenden Miltheilung in der vorigen Nummer dieses Blattes wurden die Domicile des Bräutigams und der Braut irrthümlicher Weise verwechselt. Kannover. Die Verehrung, die unserem allverehrten Herrn Obercantor Linhart enigegengebracht wird, zeigte sich anlässlich der Verlobung seiner ältesten Tochter Gisela mit dem Weingroßhändler, Herrn Josef Kramer aus Szegzärd (Ungarn), indem sich der überwiegend größte Theil unserer Gemeinde persönlich zur Gratulation in der Wohnung der Branteltern einfand. Der mit so reichen Stimmmitteln begabte Obercantor erfreut sich hier in Folge >einer glän;enden Leistungen und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit der allergrößten Beliebtheit. D'aris. Bernars Lazare hält in einer Zuschrift an die ..Am-ore-- gegenüber einem Dementi des rumänischen Amtsblattes an feiner Behauptung fest, dass ein Beamter des Unterrichts-Ministeriums, Dimitrescu, einer Versammlung präsidirt habe, von welcher Banden auszogen, um vor dem ,,Adevenil" zu demonstriren. Auch Hütten die Bukarester Blätter am Tage nach dem Tumult die 'Namen der geschädigten jüdischen Geschäftsleute in den Straßen Patria und Vacarestt mitgetheilt, und weder von diesen Geschäftsleuten, noch von der Polezei fei diesen Mittheilungen widersprochen worden. Er selbst (Lazare) sei niemals provokatorisch aufgetreten und habe auch kein „Losungswort" ausgegeben. Man habe zuerst den Domänen-Director Kalinderu nach der französischen Gesandtschaft geschickt, um den Geschäftsträger anfznfordern, dass er Lazare zur Abreise bewege, und als eine Ablehnung erfolgte, habe Sturdza ihn durch einen Emissär bitten lassen, nicht den geplanten Versammlungen beiznwohnen, andernfalls er (der Ministerpräsident) nicht dafür einstehen könne, dass keine Ruhestörung in den jüdischen Stadttheilen entstünde. Deshalb habe er jLazare) beschlossen, Bukarest zu verlaffen, allein trotzdem fanden die Demonstrationen statt, offenbar, weil man befürchtete, er könnte seinen Entschluss ändern.

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