Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 18 (9.5.1902)
- Date
- 1902-05-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18. Die Wahrheit. Seite 9. tie Schaffung eines Martyrologeuthmn aus Heiligen, die für ' die Seligkeit der Menschheit zn sterben bereit waren, und die ' Lehre des mori^ die den jüdischen Prinzipien von ' „V"N2 ganz und gar widerspricht, schufen einen sehr reich- > haltigen Stoff für Kirchenmusik. Neue Volkslieder über Leiden * und Freuden, über die Vernichtung aller irdischen Lebenslust ilnd die hoffnungsvolle Verheißung im Himmelreich wurden zur j neuen Basis der christlichen Musik. j (Fortsetzung folgt.) j Verschiedene Nachrichten. Wien. Im Tempel des X. Bezirkes hielt Herr Rabbiner Dr. Mandel am letzten Tag des Pessachfestes nach der Seelengedächtnisfeier eine Predigt, welche auf die Zuhörer tiefen Eindruck machte. Er gedachte pietätvoll des verstorbenen Rabbiners Löwy» schildern fein Wirken als Lehrer und Prediger der Gemeinde und würdigte ganz besonders dessen Verdienste um den Aufbau des Tempels im X. Bezirke- Zugleich hielt er auch dem am Montag verstorbenen Ehrenvorstande, Herrn Sigmund Rosenthal, einen tief empfundenen Nachruf. Wien. (To me-ch E w j onim.) Es gibt Wohl kaum ein humaneres Menschenwerk, als wenn man dem vom Schicksal hart verfolgten Glaubensbruder, den die Verhältniße zwingen, seine Familie, Haus und Hos und den heimatlichen Boden zu verlassen, um in der Fremde, nicht selten in der weiten Ferne bei mildtähtigen Menschen Hilfe für sich und die Seinen zu suchen, wenn man diesem Enterbten der Gesellschaft unter die Arme greift, ihm milde Gaben reicht und dort, wo er an Sabbath¬ und Festtagen Rast und Ruhe hält, einen. Freilisch gewäht. Solche Wohlthätigkeit zu üben, hat sich der Verein zur Unterstützung armer zugereister Glaubensgenossen, 2. Bezirk, Herminengasse 6, zur Aufgabe gestellt. Um sich von der Thütigkeit dieses Vereines im abgelausenen Vereinsjahre ein Bild entwerfen zu können, genügt wohl zu constatiren, dass am verflossenen Pefsach-Feste allein nahezu 700 Personen mit Freitisch und Geldunterstützungen bedacht wurden. Es war aber auch herzerhebend mitanzusehen, mit welcher Andacht und Inbrunst die Betheilten an den Sederabenden an der Ceremonie theilnahmen, und eim Lust und Freude wahrzunehmen, mit welch' sichtlichem Behagen sie dem darauffolgenden Mahle, bei dem es auch an den üblichen arba kausaus nicht fehlte, zusprachen. Was aber dem schönen Werke die Krone aufsetzte, das war die Art und Weise, wiejder Vorstand des Vereines in seinem Eifer für die gute Sache bei dem Betheiligungsacte Gast sreundschast übte. Derselbe, durchwegs aus Männern von echtem, regem Wohlthätigkeitssinne bestehend, hat es sich nämlich zur Pflicht gemacht, abwechselnd bei den Mahlzeiten anwesend zu sein, die den Bethteilten gemeinschaftlich verabreicht werden. So geschah es auch am Peffachfeste. Vor Beginn des Seder hatten sich die Herren fast vollzählig in > dem geräumigen, festlich erleuchteten Speisesaale der Restauration j Bibring, 2. Bez., Gr. Schiffgasse eingefunden und die Anordnungen! getroffen, die sich im Interesse der Betheilung als nothwendig erwiesen.! Und als der Obmann des Vereines, Obercantor M. Schorr, die > mittlerweile angesammelte Gästeschaar in einer warmen, herzlichen; Ansprache begrüßte und derselben, anknüpsend an die hohe Beduetung! des, Festes Trost und Muth zusprach, da richteten sich die gebeugten j Gestalten förmlich auf, da erheiterten sich ihre tiefernsten Gesichter all-! mählich und in ihren Zügen spielte sich jene Herzensempfindung ab,! welche erkennen ließ, dass sie das Zeichen der Dankbarkeit sei, die sie! ihren hochherzigen Glaubensgenossen für die überschwengliche Gastfreund- | fdjaft zum Ausdruck bringen wollten. Wir rufen den vom humanem Geist beseelten Mitgliedern, so wie dem wackeren Vorstande des Vereines, der der Wiener Judenschaft nur zur Ehre und Zierde gereicht das wohlverdiente gvgasvbvr koach zu, richten aber gleichzeitig an unsere Stammesgenofsen in Nah und Fern denn innigen Ayell, diesem wahrhaft mustergiltigen Menschenwerke sowohl durch regen Beitritt, als auch Spendenzuschuß zur gedeihlichen Weiterentwicklung zu verhelfen. D. Sk. Wien. Am Sonntag, den 4. d. wurde unter zahlreicher Betheiligung der in weiteren Kreisen als Talmud-Gelehrter bestbekannte Herr Alexander Süsie Chameides im Alter von 63 Jahren zu Grabe getragen. Der Verblichene genoß seine Erziehung und talmudische Ausbildung im Hause seines Großvaters, des einstigen Duklaer und nachmaligen Tismeniczer Rabbiners Nathan Aschkenazy s. A. Nach seiner Verehelichung widmete er sich für kurze Zeit dem Kaufmannstande, um dann sein spateres Leben hindurch der talmudischen Forschung zu obliegen. Durch 20 Jahre lebte er Wien, wo er wegen seines Wissens und Charakters allseitiger Werthschätzung sich erfreute. Waidhofen. Herr Cantor Otto Friedländer, bisher in Piesling, hat seinen Posten in Waidhofen a. d. Th. bereits angetreten. Kokk. Am letzten Pessachtage waren es 25 Jahre, seitdem unser sehr beliebter Cantor seine erste Stelle in Nagh-Bittse angetreten, 19 Jahre seit er hier in größter Achtung amtirt. Cantor Blau ist atlch im Kreise seiner Collegen sehr geschätzt. Frag-Smichow. Am 24. April fand die feierliche Einweihung einer von Herrn Jacob M. Tauffig, einem hochgeachteten Mitgliede unserer Gemeiitde, zum Andenken an seinen in der Blüthe verstorbenen Sohn Max Tauffig besonders für den Jugendgottesdienst gewidmeten Thorarolle statt. In feierlichem Auszuge unter Vorantritt weißgekleidete Schulmädchen und Schüler des hiesigen Gymnasiums wurde unter einem von vier sehr würdigen Mitgliedern unserer Gemeinde getragenen Baldachin die Thorarolle, ein wahres Kunstwerk, vom Herrn Rabbiner Docent Tr. Herzog bei mächtigem Chorgesang und einem geradezu entzückend schön vorgetragenen Solo (Ps. 19.) unseres sehr beliebten 2bercantors, Herrn Otto Goldbaum, in den Tempel gebracht. Rach feierlichem Umzüge mit sämmtlichen Thorarotten wurde unter Absingen des »Wefoth- Harorah^ aus der Rolle der für diesen Tag bestimmte Theil vorgelesen und der edle Spender, der übrigens bei diesem Anlässe vom Herrn Rabbiner den Morenuntel erhielt, als Erster anfgerufen, wobei er noch namhafte Beträge für verschiedene wohlchätige und humane Zwecke spendete. Die Feier fand ihren Abschluß in der ungemein gehaltvollen Rede unseres ehrivürvigen Rabbiners, die wie immer ein Muster homiletischer . Beredtsamkeit war. Bei dieser Gelegenheit nahm der Herr Rabbiner auch Veranlassung, der verehrten Gattin unieres hochgeachteten Eultnsvorstehers, Frau Regina Grab, für die große Schenkung von Ornamenten imd sehr kostbaren persis.hea Teppichen für unser schone, Gotteshaus zu danken. Krankfurt a. W. Sonntag, den 25. d. findet hier im Saale »zur ausgehenden Morgenröchedie Trauung des Fräulein Emma Ullmann .mir Herrn Marco Großkops, Sohn As Herrn Obercantors I. Groß köpf, statt. tzroat. Kreutz. Am 2. d. M. harten wir die Ehre, den Eultusches von Croatien, in Kreutz zu begrüßen. Nach dem er an der Einweihung der neuen Schule theilgenommen hatte, begab er sich in den Tempel, an deffen Pforten er zuerst von Herrn V orsteher Marko Breyer und dann vom Herrn Rabbiner Dr. Engel mit einer schwungvollen croatischen Rede begrüßt wurde. Unter Orgelkängen in das Gottes» haus geleitet, lauschte der Cultaschef den Recitationen unseres beliebten Obercantors Buchsbaum und den trefflich aufgeführten Chorgesängen, mit welchen die Feier einen erhebenden Verlaus nahm. Bei dem hierauf folgenden Empfang einer Deputation der Cultusgemeinde erwiderte der Cultuschef auf die Ansprache des Vorstandes, dass es ihn außerordentlich freue, die Ueberzeugung gewonnen zu haben, dass die Gemeinde in Herrn Dr. Engel einen hochgebildeten Rabbiner habe, der auch das lobenswerthe Streben und die Fähigkeiten besitzt, in der Landessprache zu predigen. Herr Rabbiner Dr. Engel und Herr Vorsteher Marko Breyer waren auch zur Galatafel beim Bisch os Drohvbeczki geladen, und letzterer empfing die beiden Herren überaus herzlich. Illrovitiz» (Slavonien).! Schon lauge nicht hat unsere Gemeinde die eine der ältesten Slavoniens ist, einen so weihe- und würdevollen, Peffach verlebt. Wir haben dies unserem »eugewähltem Obercantor Herrn Jsak Freudes. Schüler des Obercantors I. Bauer i» Wien, zu, verdanken, deffen Begabung öffentliche Anerke nung verdient. Herr Freudes, der sich in der kurzen Zeit, während welcher er hier fungict, die Herzen Aller wie im Stnrme erobert hat, besitzt prächtige Stimmmittel, hat moderne cantorale Schulung, beherrscht das alte ChafonuS und zeigt fich in feinem ganze» Betragen auch außerhalb des Gottes* Hauses als ein Mann von vorzüglichen Charaktereigenschaften.