Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 17 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 17. Di« Dahrheit. Seile 11. Verschiedene vachrichten. Me«. Montag, den 21. April am Erew Peffach, als ganz Israel ' sich zum Feste der Freiheit rüstete, ist Herr Rabbiner D. Löwy, der langjährige Redacteur der »Neuzeit*, ein alter und begeisterter Kämpfer für die Freiheit seines Volkes, in hohem Alter zur ewigen Ruhe eingegangen. Mit jugendfrischem Geiste war der Verblichene bis in seine letzten Lebenstage hinein in seinem erziehlichen Doppelberufe thätig und sein von hingebungsvoller Liebe zu seinem Volke getragenes Wirken, das von der Mittvelt wiederholt anerkannt wurde, wird auch bei der Nach» § weit verdiente Würdigung finden. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag; den 24. April, 11 Uhr Vormittags, unter ungewöhnlich großer Betheiligung der officiellen jüdische Kreise, sowie zahlreicher Freunde, Verehrer und Schüler des Verblichenen am Centralfriedhofe statt. Die cautorale» Functionen versah in besonders ergreifender Weise Obercantor Singer unter Assistenz des I. Cantor Blatt und des Tempelchores. An der Bahre; sprach Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, indem er Jbie! Umkehrung des Psalmwortes: ,.lo omus ki echje waassapper maasse! joh“ auf den Verewigten anwandte, der ein begeisterter Verkünder der 1 Thaten Gottes war und daruni in ewigem Andenken der Gemeinde bleiben! wird. Namens der Redaction der „Neuzeit" sprach Herr Eduard Beer ties- : empfundene Abschiedsworte, und Herr Seligmann, der Obmann des Tempelj Vereines im 10. Bezirke, wo Rabbiner Löwy zuletzt seines seelsorgerischen Amtes! waltete, zeichnete mit einfachen, schlichten, aber überaus wirksamen Worten I das segensreiche und friedenbringende Wirken des Verblichenen, dem die! Gemeinde stets ein ehrendes Andenken bewahren wird. Hierauf wurde der Sarg unter den üblichen Gesängen zu Grabe getragen. Der Familie des Verblichenen, besonders dem ältesten Sohne, Herrn Julius Löwy, Chefredakteur des „Jllustrirten Wr. Extrablatt", wendet sichH allgemeine > Theilnahme zu. Men. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Mittwoch den 30. April, halb 8 Uhr Abends, fand in Kuhners Restauration I., Adlergasse 6, die 12. ordentliche General-Versammlung des Vereines wit folgender Tages-Ordnung statt: 1. Erstattung des zehnjährigen Berichtes durch den Präsidenten. 2. Cassa-Bericht. 8. Bericht der Revisoren. 4. Anträge und Interpellationen. Weiterer Bericht in nächster > Nummer. Men. (Ferienheim.) Die ungünstige finanzielle Lage, in! welcher sich dieser seit 10 Jahren bestehende, für das Wohl armer kranker! Kinder unserer Glaubensgenossen wirkende Verein derzeit befindet, ver-; anlasst den Vereinsvorstand die Zahl der zu entsendenden Schützlinge ■ gegen das Vorjahr zu verringern. Anmeldungen können deshalb nur! mehr bis zum 15. Mai l. I. zwischen 4 und 7 Uhr Nachmittags IX.! Türkenstraße 17 erfolgen. Beitrittserklärungen oder Spenden wolle! man an das Präsidium I., Schottenring Nr. 2 richten. \ Wien. Wie seit Jahren, so hält auch Heuer Se. Ehrwürden, Herr | Rabbiner Dr. Daniel Fink, im Bethause im Bolkert II., Fugbachgasse 7,; täglich nach dem Minchagottesdienste wissenschaftliche Vorträge über die! .Sprüche der Väter". Men. Donnerstag, den 8. Mai, y42 Uhr Nachmittags, findet im; Tempel I., Seitenstettengasse 4, die Trauung des Fräl lein Charlotte j Schiller, Tochter des 1. Cantors der Wiener Cultusgemeinde, Herrn I.; Schiller, mit Herrn Hermann Gestring statt. Wien. Donnerstag, den 8. Mai um2.Uhr nachmittagssfiudet im israel. Tempel, IX., Müllnergasse die Trauung des Fräulein Olga Brod, Tochter des Herrn S. Brod, mit Herrn Richard Schwarz, Hutfabrikant in j Wien, statt. Wien. Am 20. April fand im türkischen Tempel die Trauung; des Fräulein Paula Stern, Tochter des in Simmering sehr beliebten und hochgeachteteniBezirksarztes, Herrn Dr. Julius Stern, mit Herrn Samuel Amar j aus Budapest in Anwesenheit eines zahlreichen distinguirten Publicums und \ Vertreter vieler Vereine statt. Den Trauungsact vollzogen Rabbiner! Papo und Obercantor Bauer. Wien. Donnerstag, den 8. Mai 3 Uhr nachmittags findet im j Tempel, X., Humboldtgasse die Trauung des Fräulein Anna Straßberg, i Tochter des verdienstvollen Tempelvorstehers im X. Bezirke, Herrn j Jacob S. Straßberg, mit Herrn Manfred Hutterer statt. j Wie«. Donnerstag den 8. d. M., 4 Uhr Nachmittags, findet in! Gloggnitz die Trauung des Beamten der Wiener CultuSgemeinde, Herrn! Rudolph Kraus, mit Fräulein Helene Ullmann statt. j ArS««. (Concert Wasservogel.) Am 15. April fand im Festsaale des Deutschen Hauses ein sehr intereffantes Concert des achtjährigen Wunderknaben Ernst Waffervogel, Pianisten aus Wien, statt. In demselben hatten noch aus Gefälligkeit Herr Obercantor Heller und sein Töchterchen Elsa, wie auch die Lehrerin des Wunderknaben, Frl. Jenny Patonay aus Wien, mitgewirkt. Der Abend war von hervorragend künstlerischem Erfolge begleitet. Die Brünner Tagesblätter äußern sich über dasselbe in besonders anerkennender Weise. Sogar der hier allgemein bekannte antisemitische Musikreserent einer hiesigen Tageszeitung musste den großen künstlerischen Erfolg zugestehen. U. A. schreibt der „Mähr.-schlesische Correspvndent-: „Der künstlerische Erfolg des gestern Abends im kleinen Festsaale be* Deutschen Hauses staltgefundeneu Concertes des achtjährigen Pianisten Ernst Waffervogel war ein guter. Von seiner Lehrerin, dem Fräulein Jenny Patonay, am zweiten Claviere begleitet, eröffnete der Wunderknabe aus Wien die Production mit dem ersten Satze aus dem Clavierconcerte in D-moll von W. A. Mozart; diesem folgten mehr als zwölf verschiedene Clavierpiöcen, die er allein spielte. Wir erwähnen darunter Bach's Gavotte aus der 6-moll- Sonate, Beethoven's Variationen in 6-äur über das Volkslied „Mich fliehen alle Freuden-, Schumann's zwei Stücke aus den „Kinderscenen", Liszt's „Etüde-, Haydn's zweiten Satz aus der L-moU-Sonate, sowie kleinere Stücke von Dreyschok, Rubinstein, .Hans Schmitt, Reinhold» Boffi-Pacher, Gade :c. Alle diese verschieden stylisirten und klanggefälligen Piecen trug der kleine Waffervogel frei aus dem Gedächtniße, mit sicherem, recht kräftigem Tone und Anschläge vor und rief hiemit, wie selbstredend, immer anhaltenden und warmen Applaus hervor. Wenn ihm, wie voraussichtlich, eine weitere aufmerksame Pflege zu Theil wird» wenn sein Fleiß anhaltend bleibt, wird sich sein musikalisches Talent, seine geistige Auffassung gewiss schön entwickeln und ihn zu den Höhen der Kunst führen. Selbstverständlich muß hiebei nur der ideale Zweck in seiner weiteren Ausbildung vor Augen bleiben, damit die in ihm noch schlummernden Fähigkeiten nicht von falschem Ehrgeize und naheliegender Gewinnsucht unterdrückt werden. Sein Auftreten ist gewinnend, seine technische Fertigkeit bedeutend entwickelt, sein Vortrag lobenswerth. Eine schärfere Charakteristrnng der gebotenen Vortragsstücke kann man von ihm wohl noch nicht verlangen, da seine Aufmerksamkeit dem technischen Theile zum großen Theile gehört. Herr Obercantor Josef Heller sang drei Lieder von Brahms, darunter „Der Tod ist die kühle Rächt", Fr. Schubert's „Der Doppelgänger- und „Der Neugierige-, ein Lied von Böhm, sowie „Das Ständchen" eigener Composition und die Grals- Erzählung aus „Lohengrin" von Richard Wagner. In seinem Vortrage vereinigten sich das klangvolle, ansprechende, kräftige Organ mit der deutlichen Wortgebung, sowie correcten Ausführung, zu schöner und lobenswerther Wirkung, deren natürliche Folge ein lebhafter Beifall und wiederholte Hervorrufe, sowie ein prächtiger Lorbeerkranz waren; angenehm überraschte bei dem gewandten Sänger das schöne Piano. Mit gespannter Aufmerksamkeit, rührender Sorgfalt und sauberer Discretion begleitete Herrn Heller dessen jugendfrisches Töchterchen, Fräulein Elsa Heller, bei den Liedervorträgen. Gewiss unter der sorgsamen musikalischen Pflege ihres feinfühligen Sänger-Vaters stehend, verdiente auch sie den gespendeten Beifall, sowie die Blumenspenden, die ihr gereicht wurden. Die Erscheinung, dass die Tochter den Vater im öffentlichen Concerte begleitet, ist für uns in Brünn ebenso neu als appart und wirft einen schönen Klang-Reflex ans der Harmonie herzlichen Familienlebens." — ^Jn gleich anerkennender Weise äußern sich die „Brünner Morgenpost" und die „Brünner Theater-Zeitung". Eine merkwürdige Erscheinung für die Brünner Verhältniße ist es, dass der größte Theil der Anwesenden aus kunstsinuigen, intelligenten christlichen Zuhörern bestand und ausnahmslosden Mitwirkenden Anerkennung und Lob spendete. Fiesling. In unserer Cultusgemeinde wurde Herr Bernhard Insel, Schüler des Obercantor Bauer in Wien, nach einem mit großem Beifalle abgehaltenen Probevortrag als Cantor und Religionslehrer acceptirt. Ae«Hä«set. Samstag, den IS. April ist hier Herr Cantor, Mathias B a l 0 g h plötzlich gestorben. Hkeiwitz. Herr Obercantor Magnus Davidsohn, der seit l i/2 Jahren Hierselbst seines Amtes waltet, hat nunmehr von dem hiesigen Vorstände einen zwanzigjährigen Penstonsvertrag, verbunden mit einer Gehaltserhöhung erhalten. Herr Davidsohn, der sich trotz feiner Jugend eines glänzenden Rufes erfreut, ist kürzlich zum Cantor der Berliner Gemeinde gewählt worden, hat jedoch die Wahl mit Rücksicht auf seine definitive Anstellung Hierselbst abgelehnt