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Die Wahrheit · 1902-04-18 · Heft 16 (18.4.1902) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 16 (18.4.1902)
Date
1902-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sttte 8 Die Wahrheit. Nr. 16. Ausruf. Es ist bekauut, dass am Wiener Platze außerordentlich zahlreiche junge Leute bei Kaufleuten, Handwerkern und sonstigen Gewerbetreibenden, sei es als Lehrlinge oder Gehilfen angestellt sind. Dieselben geratben in das reichbewegte Leben der Großstadt zu einer Zeit, wo ihr Character erst der Reife und Festigkeit harrt, der Mensch daher äußeren Einflüssen am zugänglichsten ist. Den meisten ist es nicht vergönnt, bei einer jüdischen Familie Anschluss zu gewinnen. So ohne-Halt in dem reißenden Strom der Weltstadt dastehend, gleichen sie einem in den Wind hineingewehten Blatte. Wer zählt die Vielen, die uns auf diese Art schon verloren gegangen sind? Aber auch unter denen, die uns verblieben, welch' schwere Schäden an Leib und Seele mögen Viele von ihnen infolge der gedachten Umstände davongetrageu haben! Davon abgesehen, welche Liebe und Anhänglichkeit können solche junge Leute zu ihrer Glaubensgemeinschaft gewinnen, vermöge deren Zugehörigkeit ihnen zwar auf Schritt und Tritt Zurücksetzung, Benachtheilignng und Kränkung erwachsen, aus deren Mitte ihnen jedoch keinerlei Zeichen der Theilnahme und Liebe entgegengebracht werten? Andere Bekenntniße, welche längst nicht wie wir in dem Maaße den schwersten Anfeindungen ausgesetzt sind, entfalten in richtiger Erkenntnis dessen, was für ihre Gegenwart und Zukunft von der größten Bedeutung ist, eine außerordentlich reiche und nachhaltige Thätigkeit nach der Richtung hin. Unser Verein „Tifereth Bachmim" hat es nun unternommen, einem bedauerlichen Mangel, wie er aus diesem Gebiete in unserer Mitte unstreitig vorhanden ist, Abhilfe zu verschaffen. Er will den hierin Wien in Stellung befindlichen jungen Leuten eine Vereinigung stiften, damit keiner mehr ohne Anhalt dem bewegten Treiben der Großstadt gegenüber dastehe. Zu diesem Zwecke will er das gesellige Leben in wahrhaft religiösem Sinne unter denselben entfalten, alle guten und edlen Bestrebungen in ihrer Mitte anregen und vor allem Sinn und Verständnis für das Judenthum und seine erhabene Uebcrlieserung erwecken. In diesen Kreisen, die vielfach das Judenthum nur als eine Last zu empfinden bekommen, will er all' die Gesinnungen der Liebe bethätigen, damit sie die Zugehörigkeit zu demselben als die schönste Wohlthat betrachten lernen. Es ergeht daher an alle verehrten Glaubensgenossen die ebenso dringende und ergebene Bitte, unsere Bestrebungeit durch gütige Beiträge zu fördern. Der V o rst an d des i s r. I ü n gl i n g s v e re i n e s „Tifereth N a ch u r i m" Iieta Kah, Schriftführer Dr. Daniet Sink, Obmann H., Herminengasse 18. II., Glockengasse 6. Gemeinde- und Vereinsbote. Me«. (Synagogen- Verein ^Beth-Jsrae I“.) In der <un «. Avril b. I. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung des Synagogen-Vereines «Beth-Jsrael - nach polnisch-jüdischem Ritus (II., Leopoldsgaffe 29) wurde der Verwaltungsbericht für das Jahr 1901 zur befriedigenden Kenntnis genommen und dem Vorstande rücksichtlich der Gebarung im abgelaufenen Jahre das Absolutorium einstimmig ertheilt und in besonders ehrender Weise der Dank und die Anerkennung ausgesprochen. Die statutarisch ausgelosten Vorstandsmitglieder Herren S. Landau, A. M. Opper, Josef Silbermark rmd Jacob Weichselbaum wurden einstimmig wiedergewählt; auch wurden die Revisoren Herren Jffdor Belf, Jacob Obst und Sigmund Tischler und die Schiedsrichter Herren Dr. Hernranu Engländer, Hermann Flieg und Jonas Reizes für das Jahr 1902 wiedergewählt. Wie«. Der isr. Tempel- und Schulverein, VI, Stumpergaff 42, HAt Sonntag, den 20. April, 3 Uhr Nachmittags im Vereinslocale VI., Stumpergaffe 42 die IX. ordentliche Generalversammlung mit nachfolgender Tagesordnung ab: 1. Berificirung des Protokolls der VIII. ordentlichen General-Versammlung vom 21. April 1902. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Vorlage der Rechnungsabschlüffe und der Bilanz pro 1901. 4. Bericht der Revisoren. 5. Bestimmung der Jahresbeiträge der Mitglieder pro 1902. 6. Wahl der Revisoren pro 1902. 7. Wahl des Vorstandes nach §§ 37 und 42 der Vereinsstatuten. 8. Anträge. Bade«, 14. April, Nun ist auch die israelitische Cultusgemeinde Baden aus der Reihe der Primitiven ausgetreten und hat sich mit einem gewaltigen Ruck dem Schönen und Erhabenen auf dem Gebiete des Gottesdienstes genähert. Am letzten Samstag, den 12. d., ließ zum ersten Male ein gut geschulter Chor die heiligen Gesänge in unserem Gotteshaus« ertönen, und hiebei soll es, so Gott will, für die Zukunft bleiben. Wohl unser bisheriger bewährter Cantor, Herr Jacob Schäfer, stellte als solcher seinen ganzen Mann und hat sich durch seinen angenehmen Vortrag die Sympathie der ganzen Gemeinde erworben und wird derselben auch weiterhin seine gediegene Kraft weihen; aber der Vorstand, dem klugen Satze unserer Weisen huldigend: »Weise ist jener, der das unvermeidlich Kommende geistigen Auges vorauszusehen vermag", wollte das Neue, das nicht ausbleiben konnte, auf dem conservativen Stamme, der in unserer Gemeinde breite und tiefe Wurzeln geschlagen, pfropfen und äcceptirte neben Herrn Schäfer auch Herrn M. Seifert als Cantor, dem schon von seiner Amtstätigkeit im Fugbach-Tempel in Wien ein rühmlicher Ruf vorausging und der am vergangenen Samstag sein heiliges Amt zum ersten Male Hierselbst ausübte. Ueber die Erstleistung des Herrn Seifert herrscht in der hiesigen Cultusgemeinde nur eine Stimme, die des Lobes und voller Anerkennung für seine Fähigleiten. Kenntniße und Begabung. Der Vortrag mit seinem Chore war weihe- und würdevoll und wirkte auf alle Andächtigen erhebend und fascinirend. Um dies mit einem schwerwiegenden Worte zu bekräftigen, werde hervorgehobcn, dass Cantor Seifert mit seinem Vortrage selbst die Allerconservativsten in unserer Gemeinde für diese Neuerung gewonnen, was dahier viel zu bedeuten hat. Um aber diese Harmonie zu vervollständigen, ließ der Vorstand den Jnnenraum des Tempels durch frische Malerei und sonstige Einrichtungsstücke verschönern, und die Tempelbesuchcr werden mit Recht ausrufen können: „Wie schön sind Deine Zelte, Jacob!“ Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass anlässlich dieses allgeiälligen Fortschrittes, die Ehegatten Herr Rudolf und Frau Ernestine Kohn, Gesellschafter der Firma Bernhard Kohn in Wien, der Cultusgemeinde ein werthvolles Harmonium spendeten, wofür Beiden hier öffentlich der Dank ausgesprochen wird. Budapest. (Jubiläum eines Wohlrhätigkeitsvereines.) Der Wohlthätigkeirsverein „Zion" beging im Beisein des Cultusministers Wlaffics in solenner Weise den Abschluss seiner fünfzigjährigen segensreichen Wirksamkeit. Die Jubiläumsfeier fand im Prunksaal des ..Hotel Royal" statt, wo sich die Vertreter der Regierung, der Munizipalbehörde und der wohlthätigen Corporationen und Vereine in großer Anzahl eingefunden hatten. Die Ehrengäste wurden vom Vereins - Präsidenten Ignaz Schlesinger, der sich seit vielen Jahren ausschließlich dem Zion-Verein widmet und mit gerechtem Stolz auf die Erfolge des Vereins zurückblicken kann, auf die Estrade geleitet. Die Feier begann mit einem Mendelssohn'schen Choral, der unter Leitung des Obercantors Lazarus von Mitgliedern des Opernhauses mit Orgelbegleitung vorgetragen wurde. Der stimmungsvolle Text des Chorals — eine Apotheose der Nächstenliebe — ist ein gelungenes Werk Dr. Alexander Feleki'S. Hierauf hielt der Ehrenpräsident Paul Tencer die Festrede. Er erinnerte an die bescheidenen Anfänge des im Juli 18'1 von einem regsamen und für das Wohl und Wehe der armen Volksclaffe besorgten Kleinbürger Namens Anton Kurländer gegründeten Vereins, ließ die wichtigsten Vorkommniße im Leben des Vereins Revue passiren und betonte, dass der Verein nicht nur durch Werke der Menschenliebe, sondern auch durch seine stets patriotische Haltung die Anerkennung der Gesellschaft errungen habe. Er begrüßte den anwesenden Minister Dr. Wlaffics, die Vertreter der Behörden und Corporationen. Dann gelangten die Schreiben des Ministerpräsidenten Koloman Szell und des Abgeordneten Dr. Max Falk zur Verlesung, die ihr Fernbleiben entschuldigten. Den nächsten Punkt des Programms bildete Vereinssecretär Joses Weißlovits ver* lesene Monographie des „Zion"-Vereins. Danach hat der Verein blos für humanitäre Zwecke 300,000 Kr. jährlich verausgabt und verfügt derzeit über einen Reservefonds von 670,000 Kr. Mit einer Schlussrede Paul Tencer's und dem von den Anwesenden stehend angehörten „Himnusz“ schloss die schöne Feier. Minister Dr. Wlaffics, der dem j Präsidium zu den Erfolgen des „Zion"-Vereins gratulirte, wurde, als er den Saal verließ, stürmisch acclamirt.

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