Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Dubno 1× ep/1000595
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 15 Die Dabrbeit Seite 9. Gottes zum Seelenheile fener, die uns zu dieser heiligen Mission erkiesen. Hätten wir tausend Zungen und sängen wir Mann für Mann wie ein Seraph, wir könnten nicht überzeugender reden, nicht hinreißend schöner singen, als die schlichten Worte und Töne dieser in sechs Punkten zusammengefaßten Standesorganisation es thun. D'rum herbei Ihr -College» Alle! herbei, herbei zu unserer Fahne! Schaaret Euch um uns Alle. Alle, groß und klein, gering und vornehm; wir helfen Euch zum Siege. Gott mit uns, die Wahrheit für uns; Gerechtigkeit soll fürder unser Panier sein! - Der Anschluss an unsere Organisation soll aber Niemanden hindern, irgend einem Vereine beruflichen oder nicht beruflichen Charakters nach wie vor anzngehören. Bleib' ihm, liebwerther College, in Gottes Namen treu, so lang' er fortfährt, Dir und den Deinen irgend eine Gunst rein materieller Natur auf die Dauer zu sichern. Gedenkst Du aber, Mensch unter Menschen zu sein und nicht ins Blaue hinein zu vegetiren, das heißt von heut' auf morgen lebend, wie es dermals leider Gottes unser Aller Schicksal ist, so verabsäume es ja nicht, so zu thun wie wir es Dir rathen: Eins mit uns zu fein in dem Kampf ums nackte Dasein! verschiedene Nachrichten. Wien. Am 24. v. M. starb hier während eines vorübergehenden Aufenthaltes Dr. Salomon Mandelkern, ein Gelehrter von internationalem Rufe, der seit Jahrzehnten Leipzig zu seiner zweiten Heimath gemacht hatte. Geboren am 25. April 1842 zu Mlynow, einer kleinen Ortschaft bei Dubno in Wolhynien tRußland), warf er sich frühzeitig mit Eifer auf das Studium der Philologie und besonders der orientalischen Sprachen. » Er absolvirte in Petersburg die akademischen Curse mit Auszeichnung und erhielt für seine Preisarbeit von dem Senat der Petersburger Universität die große goldene Medaille. Als Rabbiner nach Odessa berufen, fand er neben seinen Amtsgeschäften noch Zeit, an der dortigen Hochschule Jurisprudenz zu studiren. Durch diese wurde er auch auf die abendländische Philosophie gelenkt. Um sich auch mit dieser gründlicher vertraut zu machen, begab er sich nach Leipzig und Jena und erlangte an letzterer Universität den philosophischen Doctorgrad. Im Jahre 1881 legte er sein Amt in Odessa definitiv nieder und siedelte nach Leipzig über, um sich ganz seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen Mandelkerns litterarische Thätigkeit war eine sehr vielseitige. Besonders als neuhebräischer Dichter und Schriftsteller erlangte er frühzeitig Anerkennung und er nahm unter den Meistern des neuhebräischen Stils eine 'hervorragende Stelle ein. Er schrieb in dem reinsten Hebräisch der Propheten, aber er behandelte die Sache moderner, und so gelang ihm auch das schwere Kunststück, die Verse unserer großen neuzeitlichen Dichter in dem Idiom des Alten Testamentes wiederzugeben, ohne ihrem Gedankeninhält Zwang anzuthun. Neben vielfachen litterarischen Arbeiten und einer regen Thätigkeit als Lehrer der slavischen uud orientalischen Sprachen, durch die er sich den Lebensunterhalt schaffen musste, leistete er anerkanntermaßen Hervorragendes aus wissenschaftlichem Gebiete. Mit beispielloser Energie und Ausgauer ging Mandelkern in Leipzig an ^die Ausführung seines früh gefassten Planes, eine neue alttestamenliche Bibelcyncordanz .abzufassen. Der Laie kann sich von dem Umfange und der Mühseligkeit .dieser Arbeit kaum einen Begriff machen. Nach zehnjähriger, rastloser Thätigkeit war das coloffale Manuscript so weit gediehen, dass an die Drucklegung gedacht werden konnte. Diese brachte neue, ungeheuere Schwierigkeiten und nahm über drei Jahre in Anspruch..Diese „Hebräisch- Chaldäische Concordanz des Alten Testaments" ist ein monumentales Werk in jeder Beziehung. Sie verewigt den Ruhm des nunmehr verblichenen Verfassers in der wissenschaftlichen Welt. Wien. Am 30. März l. I. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein^ Laura Rubin, Tochter des bekannten Musikdirektors und Componisten, Herrn David Rubin in Prag» mit Herrn Bernhard Stöffel statt. Prediger Dr. Gelbhaus, welcher dieselbe vollzog, wies in seiner Rede an die Braut auf die religiöse und ideale Lebensführung ihrer Eltern hin, wobei er die musikalisch-synagogalen Schöpfungen ihres Vaters rühmend erwähnte. Obercantor Kläger, unterstützt von 'seinem gutgeschulten Chor unter Leitung des Cantor Pekarnik, trug die Gesänge in erhebender und wirkungsvoller Weise vor. Der Trauung wohnten viele Hochzeitsgäste bei. Kkoridsdorf. Am 13. d. M. feiert Herr Ignaz Löw, 2. Cantor Religionslehrer der hiesigen Cultusgemeinde, seinen 60. Geburtstag und gleichzeitig das 40-jährige Jubiläum als Religionslehrer. Er wirkte früher in Göding und Krems und seit 24 Jahren zur vollsten Zufriedenheit in unserer Gemeinde. Der Jubilar ist eine bei der Floridsdorfer Bevölkerung beliebte und geachtete Persönlichkeit und wird demselben, wie uns mitgetheilt wird, von seinen gewesenen Schülern und Schülerinnen -ein Ehrengeschenk überreicht werden. . Kauih. Bei Besetzung der Cantorstelle in unserer Gemeinde wurde Herr Max Groß, Schüler des verewigten Ober-Cantor Tiger aus Karlsbad, per Acclamation zum Cantor und Religionslehrer gewählt. Herr «Cantor Groß wird seinen Posten am 1. Mai «»treten. Hemesvar. Montag, den 7. d. M. istHFrau Eugenie Sonntag, geb. Grünberger, die Gattin des Obercantors Moritz Sonntag in Temesvar-Fabrik nach kurzem Leiden gestorben. Das^ Leichenbegängnis fand am 8. April 5 Uhr nachmittags vom Trauerhause unter überaus zahlreicher Betheiligung der Gemeinde statt, und dem tieferschütterten Gatten. der mit der Verblichenen in 33-jähriger glücklicher Ehe lebte, wendet sich die allgenieine Theilnahme zu. Aagy-Atad. Unser Obercantor, Herr Dlugatsch. hat sich magyarisiren lassen uud führt den Namen Moritz Dorwosch. Airoviticza. Der neugewählte Obercantor unserer Gemeinde, Herr Jsak Freudes, hat sein Amt am 1. April angetreten. Erster Wadchen-Ansstatlnngsverein a. <$. tu Andapest. Urner großer Betheiliguug seitens der Mitglieder hat am 25. März die 39. ordentliche Generalversammlung dieser allgemein geschätzletl Anstalt, deren allmäligeS Eulporsteigen von Jahr zu Jahr beobachtet werden kann, stattgesunden. Wie aus den wesentlichen Bilanzposten und aus dem Berichte zu entnehmen, lvar das Verwaltungsjahr 1901, trotz der allgemein herrschenden ungünstigen wirthschaftlichen Verhaltniße, sowohl in Bezug auf den Mitgliederzuwachs als auch in finanzieller Hinsicht ein erfolgreiches. Es wurden neu eingeschrieben 13.359 Antheile. An Ausstattungsbeitragen ist die Summe vou Kr. 630.265.21 ansbezahlt worden, die Prämienreserve wurde um Kr. 1,568.981 vermehrt und beträgt nunmehr Kr. 6,939.367.79, den übrigen statutenmäßigen Titeln, Prämienerhöhungsfond, Spezialreserve, Beamten-Pensionsfond u. s. w. wurden Kr. 168.720.48 zugewendet. Die Prämien-Einnahme ist mit Kronen 2,166.496.81, | das Zinsen- und Hauszinserträgniß mit Kr. 308,021.90 ansj gewiesen. Die Bilanz stellt eine Aktivstand von K. 7,874.335 14 I fest, welchem folgende Hauvtpoften zur Bedeckung dienen: Werthpapiere mit Stückzinsen (Kronenrente, Hauptstädtisches Anlehen und 4'/2perzentige erstklassige Pfandbriefe) Kronen 3,392.054.66, 'Sparkasse-Einlagen Kr. 2,054.025.12 eigene Gebäude nach Abschreibung von Kr. 15.108.48 Kr. 1.495.741.20, Polizzendarlehen Kr. 320.736.96, Peusionsfond, Spareinlagen der Beamten Kronen 83.500.41, rückständige Beiträge Kr. j 428.669.54, Baarkassestand Kr. 91.407.25. Der Bericht wurde beifällig zur Kenntniß genommen und auf Antrag der Mitglieder Bela Krißlinkovics und Dr. Philipp Braun der Gesammtdirecti on einstimmig Dank und Anerkennung volirt. Zu Authentikatoren des Generalversammlungs-Protokolles wurden designirt die Herren Hermann Chitz und Karl Rutfay; in den Aufsichtsrath wurden für die Dauer eines Jahres die früheren Aufsichtsräthe wiedergewahlt. Merstcherungs-Actien-Gefelkschaft „Attas". In der am 5. d. abgehaltenen II. ordentlichen Generalversammlung der Lebens-, Militärdienst- und Renten-Bersicherungs-Actien-Gesellschaft „Atlas" wurde der Jahresbericht für 1901 erstattet. Demselben ist zu entnehmen, dass bei der Gesellschaft 5306 Anträge mir einer Versicherungssumme vou 16,938.200 K. eingereicht und 5010 Polizzen mit einer Versicherungssumme von 14,661.500 K. ausgestellt wurden. Am Jahresschlüsse waren 6830 Polizzen über eine Versicherungssumme von 19.431.000 Kronen in Kraft, wofür die Garanliefonds (Prämien - Reserve und Ueberträge) 875.470 Kronen betragen. An Prämien wurden 647.963 K. 19 H. vereinnahmt, das ist um 152.649 K. 19 H. mehr als im Vorjahre. Die Organisations-Kosten wurden gänzlich aus der laufenden Rechnung gedeckt; überdies wurde eine Specialreserve für Abschreibungen mit dem Betrage von 30.000 Kronen gebildet. Die Reserve für die mir Gewinnantheil Versicherten erhöhte sich um 10.000 Kronen. Nach Genehmigung des Rechenschaftsberichtes wurde gemäß dem Anträge der Revisoren dem Verwaltungsrathe und der Direktion Decharge ertheilt und beschlossen, von dem Reingewinne im Betrage von 53.167 Kronen eine Dividende von 4 pCt. des Actien- Capitals zu vertheilen uud den Rest per 3167 Kronen auf neue Rechnung vorzutragen. Der Actiencoupon gelangt ab 7. April 1902 an der gesellschaftlichen Hanptcassa zur Auszahlung. Die statutengemäß ausgeschiedenen Mitglieder des Berwaltungsrathes und das Revisions-Comit« wurden einstimmig wiedergewahlt.