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Die Wahrheit · 1902-04-11 · Heft 15 (11.4.1902) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 15 (11.4.1902)
Date
1902-04-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrüsil Nedaction und Administration '} I Wien. II/,. Novaragaffe 2?.! _ l K. k. österr. Postsparcasia Check-Conro Nr. 846.251. Inserate 20 Heller per Noupareille-Zeile.. Abonnements» und Jnserationsbeti äge sind in Wien zahlbar und klagbar. <Z*& Heitschrifl für Mische Mieressen.! Brprssprrrs:! Ganzjährig . ... St 12.—! | Halbjährig . ... St. 8.— j Für Cultusbeamte: i Ganzjährig.... K. 10.— I Erscheint jeden Freitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für Ausland: Ganzjäbrig . . .8 Mark, j 6 Rubel oder 16 FcS. Ar. 15. Wien. 11. Äpril 1902. Anhalt r Eine Ernüchterung — Creoitinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte. — Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen der Gymnasien und Realschulen. — Eine neue Talmud-Uebersetzung. — Synagogenverein „Beth-Jsrael". — Jüdischer Schulverein. — Das Kaddischgebet. — Gemeinde- und Vereinsbote. -- Commentar und Glossen zum Organisationsplan. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen unsere geehrten Abonnenten um Einsendung der laufenden Abonnementsgebühr für das am 1. April brgonnrneNuartal, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Abonnement: 3 Kronen vierteljährig. Die Ndministration. Eine Ernüchterung. Budapest, nach Purim. Ein wunder Punkt im jüdischen Leben der ungarischen Hauptstadt, zu dessen Heilung aber glücklicherweise sich einige beherzte Inden ansgerafft haben, soll hier berührt werden. So wie in Wien die L e o p o l d st a d t der Ort des Zusammenflußes aller gemischten jüdischen Elemente ist, bildet hier in Buch apest die Leopoldstadt (der Y. Stadtbezirk) den Centralisationspunkt des jüdischen R e i chthu 111 s. In diesem Bezirke existirt das „Leopoldstadter Casino", welches circa 1300 Mitglieder zählt, von denen nahezu 1200 Juden sind. Es wird deshalb von mancher Seite alsjüdisches Casino bezeichnet, obwohl es wahrhaftig nichts Jüdisches an sich hat, da daselbst weder eine iv^-Küche geführt, noch Anstand genommen wird, am^Sabbath und selbst am Jomkippur Karlen zu spielen, zu rauchen, usw. Ganz besonders zeichnete sich dieses „Institut" in letzterer Zeit durch den unerhört verschwenderischen Luxus aus, der bei den in feinen Lokalitäten veranstalteten „Festabenden" herrschte. Zu einer solchen Sous wollten acht .Mitglieder der antisemitischen Volkspartei des Reichstages Einladungen erhalten, die ihnen die Direktion des Casinos, in der Meinung, dieser Besuch werde demselben zu hoher Ehre gereichen, auch bereitwilligst ausfolgte. Einige Tage vor dem Abendfeste brachte die Direkrion dieses „freudige Ereignis" zur Kenntnis der Mitglieder, deren Mehrzahl Beifall klatschte, worauf einige selbstbewusstere Herren energisch dagegen protestirten, dass berüchtigten Antisemiten Einladungen zngestellt wurden. Es entstand ein heftiges Wortgefecht, im Verlaufe dessen der Lärm so bedeutend wurde, dass eine weitere Berathung nicht möglich war. Diese wurde jedoch zwei Tage hierauf fortgesey und endete mit dem fehr klugen Beschlüsse, weder den bereits angekündigten, noch überhaupt in naher Zukunft einen Festabend abzuhalten. Run haben die acht antisemitischen Depntinen, die an den dekolletirten „Zionstöchtern" ihr mißgönnerisches Auge weiden wollten, das leere Nachsehen. Ihre Absicht war keine andere, als pan hit; nx nun*? auf dem Boden des Casinos Blößen zu entdecken, Schimpfmaierial für ihre fauberen Organe zu sammeln, sich an Speise, Trank, Tan; und Tand mit den .Jüdinnen gütlich zu thun und dann in den diversen antisemitischen Zeitungen gegen die „Protzenhaftigkeit" der Juden losznziehen. Dank den wenigen vernünftigen Mitgliedern des Casinos ist dieses in seiner Gänze davor bewahrt worden, dem hinterlistigen Coup der acht Antisemiten aufzusitzen. Wenn man endlich in hiesigen vornehmen jüdischen Kreisen guten Geschmack hat, um einzusehen, wie eckelerregend es ist, sich an „noble" Antisemiten zu schmiegen und vor ihnen zu kriechen, dann ist dies an und für sich vielleicht doch schon ein Zeichen der nahenden Besserung. Lreditinstitut für jüdische Gewerbetreibende mid öeamte. Antisemitismus und andere sociale Uebelftände machen unseren Glaubensgenossen auch in der Residenz den Kampf ums Dasein zu einem immer härteren, und als eine treffliche Waffe für denselben erweist sich das im Vorjahre im Schoße des „Jüd. Volksvereines" gegründete „Credit-Jnstitut für jüdische Beamte und Gewerbetreibende" (reg. Genossenschaft mit beschränkter Haftung) Wien, II., Leopoldsgasse 49. Allein die Mittel dieser segensreichen Institution sind bisher noch zu beschränkt, um einen wirklich ausschlaggebenden Factor im jüdischen Erwerbsleben Wiens zu bilden, und so sieht sich die Leitung des Credit-Jnstilutes veranlasst, mit nachstehendem Aufruf, der allseitige Beherzigung und Unterstütz.ing finden möge, sich an die besitzenden Kreise und besonders an die bekannten Mischen Philanthropen zu wenden: „Eine tiefempfundene Lücke im wirthschaftlichen und gegeschäftlichen Leben des sogenannten „kleinen Mannes" im Judenthum füllt das Credit-Jnstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte aus. Sehr oft hängt die Existenz der ganzen Familie eines kleinen jüdischen Geschäftsmannes oder Beamten von der Beschaffung eines kleinen billigen Credites ab. Schon

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