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Die Wahrheit · 1902-04-04 · Heft 14 (4.4.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 14 (4.4.1902)
Date
1902-04-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Die Dabrbeit Seite 9. gemeinde, I., Seitenstettengasse 4, die diesjährige Generalversammlung des «Ferienheim" statt. Die Mitglieder werden gebeten, sich recht zahlreich zu betheiligen.. r Meu. (Verein für jüdische Geschichte und Litter a t u r.) Am 30. März hielt Herr M. A. Fürst im Saale des jüdischen Volksvereines einen Vortrag über ,Samson Wertheimer und die österreichischen Juden." In eingehender Weise schilderte Redner die damaligen Zustände in Bezug auf die Judenschaft und das Wirken des Landesrabbiners und Ober-Hof- und Kriegssactors Samson Wertheimer. Wie dieser Talmudgelehrte von universellem Ruse auch als Staatsdiener hervorragte und ob seiner erprobten Redlichkeit und außergewöhnlichen Weltklugheit von Kaiser und Reich in den delikatesten und verwickelt sten Staatsgeschäften zu Rathe gezogen wurde, wie er seinen großen Einfluss nur zum Besten seiner verfolgten Stammesgenoffen, nie aber für sich oder die Seinen verwandte, das zeichnete Redner in so vollendeter Weise, dass das zahlreiche Publikum ihm mit lautem Applaus lohnte. Wien. Vorletzten Freitag wurde der Custos der hiesigen Seminar^ Bibliothek, Herr Jacob Lemberger, der plötzlich im Alter von 54 Jahren verschied, zu Grabe getragen. Herr Rabbiner Dr. Schmied! widmete als Curator der jüdisch-theologischen Hochschule dem Verblichenen, der einer vornehmen Preßburger Patrizierfamilie entstammte, einen seine Tugenden und Frömmigkeit würdigenden Nachruf, und Rector Dr. Schwarz schilderte den Pflichteifer und die Berufstreue dieses so gewissenhaften Mannes. Im Namen der Zöglinge der Anstalt sprach Dr. Margulies am Grabe einige tiefempfundene Worte. Wien. Am 22. v. fand im Saale des Hotels «Centraleine große Purimfeier statt, die von einem Somit« zu Gunsten der jüdischen Toynbee-Halle veranstaltet wurde und einen glänzenden Verlauf nahm. Besonderen- Beifall fanden die künstlerischen Leistungen der Opernsängerin Frau Elizza Elischer, des Opernsängers Herrn Dr. Eugen Lamberti, welche von der Claviervirtuosin Frau Rosa Pollak in vorzüglicher Weise begleitet wurden, sowie die Vorträge des Violinvirtuosen Herrn Josef Schorr und der Claviervirtuosin Frl. Elsa Sternbach. Herr Architect Oscar Marmorek seffelte die Zuhörer durch eine vorzügliche, schwungvolle Festrede. Die gelungene Akademie beschloß die Erstaufführung des einactigen Purimstückes „Hamans Sturz" von D. Th. Schorr, welche mit stürmischen, nicht enden wollenden Beifallsstürme ausgenommen wurde. Die Darsteller Frl. Frieda Groand (Esther), Herr O. Decraffeau (Achasveros), Herr A. Manot (Mordechai), Herr v. Frankl (Haman), Herr D. Th. Schorr (Hofnarr), Herr A. Keßler (Sakalos) und Herr Emil Tanz (Minister Haman) boten vorzügliche Leistungen und wurden wiederholt gerufen. Frl. Groand verdient besonderes Lob; sie war eine entzückende, die Zuhörer begeisternd mit sich reißende, von edler Leidenschaft und Liebe zu ihren: Volke erfüllte Esther. Der Autor wurde stürmisch gerufen und durch Ueberreichung eines prachtvollen Lorbeerkranzcs ausgezeichnet. Auch die anderen Mitwirkenden wurden durch herrliche Blumenspenden ausgezeichnet. Der Akademie folgte ein animiertes Tanzkränzchen, das die Gäste bis in den grauenden Morgen zusammenhielt. Die artistische Leitung lag in den bewährten Händen der Herren H. Stückgold und D. Th. Schorr. Der Toynbee-Halle fällt ein bedeutender Reingewinn zu. Wien. Am 30. März ist der jugendliche Schauspieler und Recitator Eduard Grün, Sohn des durch seine schriftstellerische Thätigkeit bekannten Prediger S. Grün, im 23. Lebensjahre gestorben. Beinr Leichenbegängniße, das am l. April stattfand und durch die Munificenz der Wiener Cultusgemeinde verschönt wurde, versah Obercantor Oesterreicher vom 20. Bezirke die rituellen Functionen in erhebender Weise, und am Grabe hielt unser Mitarbeiter, Herr Nathan Chameides, dem verblichenen jungen Künstler einen tiefempfundenen Nachruf. Möge die allgemeine Theilnahme dem tiefgebeugten Vater zum Tröste gereichen! Juaim. Am Purimtage hielt der verstärkte Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde eine außerordentliche Sitzung, in welcher der einstimmige Beschluss gefasst wurde, Sr. Ehrwürden dem Herrn Rabbiner Dr. I. Kahan das Definitivum mit entsprechender Gehaltserhöhung zu bewilligen. Nach beendeter Sitzung überbrachte der Präses der Gemeinde, Herr Hermann Steiner, dem sehr beliebten Seelsorger diese Mittheilung im Namen des Vorstandes. Hreöitsch. Dienstag den 8. April halb 2 Uhr Nachmittags findet hier die Trauung des Fräulein Regine Fischer, Tochter unseres allseits beliebten Cantors Josef Fischer, mit Herrn Samuel Gerstmann aus Pirnitz statt. Arag. («Fraternit as-, Verein absolv. jüd. Hände l s a k a d e m i k e r.) Die constituirende Versammlung fand Sonntag, den 23. März im Hotel »Goldener Engelunter Betheiligung aller zionistischen Vereine statt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat Obmann : Emil Obernik. Obmannstellvertreter Oscar Schönfeld: Schrift sührer: Richard Außenberg; Bibliothekar: Max Lichtenstern; Caffier Carl Hermann; Ersatzmänner: Gustav Lichtenstern und Heinrich Schwarz. M Bostetöerg. Am 23. März fand die Beerdigung des Lehrers i. P. Herrn Earl Schleim statt. Die Beliebtheit, deren sich der Verstorbene stets erfreut hatte, fand ihren Ausdruck in der großen Zahl der Trauergäste, viele k. u. k. Officiere der Garnison, die katholische Geistlichkeit, die k. k. und fürstl. Schwarzenbergschen Beamte», die städt. und Sparcaffa-Beamten, eine Abtheilung der freiwilligen Feuerwehr und der gesammte Lehrkörper mit den Schülern und Schülerinnen der hiesigen Volks- und Bürgerschulen waren erschienen. Die Lehrer hatten den Sarg mit einem prachtvollen Kranz geschmückt. Ferner nahmen an der. Leichenfeier theil der isr. Cultusvorstand mit seinen Mitgliedern und von Nah und Fern eine Anzahl ehemaliger Schüler des Verstorbenen. Rabbiner Stein hielt am offenen Grabe einen warmen Nachruf. Hottsch-Ieniäau. Unter zahlreicher Betheiligung der weitesten Bevölkerungskreise fand am 17. März die Bestattung des Herrn MareuS Kornfeld, gewesenen Chefs der Finna M. M. Kornfeld, auf dem hiesigen isr. Friedhof statt. Herr Marcus Kornfeld war ein Mann von umfassendster Bildung und erfreute sich wegen seines biederen Charakters und seiner strengen Reellität im geschäftlichen Verkehr allgemeiner Werth schätzung. Rabbiner Dr. Thieberger aus Prag hielt vem Verstorbenen einen sehr warmen Nachruf. Lemberg. Frl. Dr. Mathilde Goldfluß fungirt als Assistentin an der hiesigen botanisch-landwirthschastlichen Control- und Versuchsstation. ' Sie ist die erste Frau, die in Oesterreich eine solche Stelle inne hat. In Warschau geboren, absolvirte sie dort die Gymnasialstudien, maturirte im 16. Lebensjahre, studirte dann in Genf Philosophie als ord. Hörerin und promovirte nach ausgezeichnet abgelegten Prüfungen im Jahre 1899. Sie studirte dann noch in Paris und bei Proseffor Bonnier in Fontainebleau, kehrte hierauf in ihre Heimat zurück und erhielt schon nach kurzer Zeit die Berufung an die oberwähnte Anstalt. Budapest. Am 24. März hat im „Hotel Royaleine größere Zionisten-Versammlung behufs Gründung eines Zionistenvereines in der Metropole Ungarns stattgefunden. Nach Begrüßung der Anwesenden und Hinweis aus den wohlthätigen Einftuss des Zionismus durch Herrn Feichtmann erörterte der Universitätshörer W. Ringwald in einer gediegenen Rede die geschichtliche Nothwendigkeit des Zionismus. Stürmischen Beifall erntete die in ungarischer Sprache gehaltene Rede des Juristen Steiner. Derselbe sagte unter Anderem: ..Juden wollen wir bleiben, ungarische Juden, aber so, dass wir auch Juden bleiben. Das Baseler Zionisten-Programm steht durchaus nicht im Gegensätze zu den patriotischen Gefühlen. Wir wollen mit unserem Zionismus nichts weiter erlangen, als eine internationale Verständigung hierüber, wie man der Judennoth abhelfen kann". Sodann sprachen die Herren Marmorek, Abrahamsohn und Gabel. Ein großer Theil der Anwesenden meldete sofort den Beitritt an, daher zu erwarten ist, dass der Budapesier Zionisten-Verein bald seine Thätigkeit am hiesigen Platze entfalten wird. Budapest. Der Tenorist des ung. Opernhauses Eugen D«ri wird demnächst von der Bühne zurücktreten. Dem wenig beschäftigten Sänger soll nämlich von Seite eines hauptstädtischen israelitischen Tempels der Antrag gestellt worden sein, die Stelle eines Obercantors mit einer besonders hohen Gage anzunehmen. Döri hat den Antrag angenommen und macht bereits Vorstudien für seinen neuen Berus. Szenitz. In vorletzter Nummer dieses Blattes wurde mitgetheilt, dass der vor kurzem verstorbenen Wittwe nach Herrn Salomon Feldbauer s. A. das Verdienst gebührt, ihren Mann zu verschiedenen wohlthätigen Stiftungen veranlasst zu haben. Demgegenüber muß constatirt werden, dass Herr Feldbauer, noch bevor er seine zweite Gattin kennen lernte, die erwähnten Stiftungen errichtet hat. Mako. Der hiesige israelitische Frauenverein beging am 18. März die Feier seines 25jährigen Bestandes und in Verbindung hiemit das erfolgreiche Wirken seiner Präsidentin, der Witwe Frau Hermann Abeles, die seit dem Bestände dieser humanitären Institution an deren Spitze steht. Der Frauenverein feierte diese 25. Jahreswende mit einer Festsitzung und einem Banket, errichtete eine Stiftung von l000 Kronen auf den Namen seiner Präsidentin, welche Aufmerksamkeit die Jubilarin damit erwiderte, dass sie dem Frauenvereine ebenfalls 1000 Kronen spendete, damit dieser Betrag als Stiftung verwaltet, deren Zinsen alljährlich einem armen Mädchen zugute kommeil werden. Zur Meachlung.! Firma Adolph und B. Hofbauer. Diese bekannte Modej waarennrma, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Zoller'schen! Stiftungshause, Wien I., Tuchlauben 24—26 (Wiuterbierhaus) etablirt war, übersiedelt wegen Umbau nach I , Bauernmarkr io, um nach Vollendung des Neubaues, der nach Angabe und den Bedürfnißen dieser Firma entsprechend aufgeführt werden wird, wieder in dasselbe zurückzukehren. Wie es bei einem so alten Geschäfte nicht anders möglich ist, häufen sich im Lause der Jahre viele Artikel, sowohl in Seidenals auch in Modewaaren aller Art, welche ins provisorische Local nicht mitgenommen werden, sondern noch im Tuchlauben-Local so rasch als möglich zu besonders reducirten Preisen verkauft werden, da die Demolirung demnächst beginnt. Ausweis. Für die Wittwe Tiger sind bei der Redaktion dieses Blattes nachstehende Spenden eingelaufen: Cantor Hartuch, Krakau, 2 K., Obercantor Minkowsky, Odeffa, 2 Rubel, durch Cantor Jlllius Fürnberg in Neuhaus Zdoko 4 K., Frauenverein 2 K , Cantor I. Fürnberg 2 Kr.,^in Summa 10 Kr. und 2 Rubel.

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