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Die Wahrheit · 1902-03-28 · Heft 13 (28.3.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 13 (28.3.1902)
Date
1902-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13. Die Wabrbeit Seite 9. sind auch die anderen erwähnten Recitative atto Zoekor und atto uißleso. Was sollen wir nun auch bezüglich der meisterhaften prosodischen *) Anordnung der Textesworte hinzufügen? Unsere Altvorderen verstanden ja gewaltig zu „sagen", allein, wie bereits erwähnt, ihr „Sagen" war ein staunenswerthes Spielen mit Tönen und harmonischen Wendungen, weil der Text ihnen lediglich Mittel zum Zwecke, bot; bei Friedmann jedoch begegnen sich Wort und Ton in heiliger Umarmung zu untrennbarer Einheit. Unseren alten Meistern schwebte vor Allem die künstlerische Verarbeitung des Musikgedankens vor, bei Friedmann jedoch macht sich die künstlerische Gestaltung des Wortes durch den Ton oder auch umgekehrt geltend, welche Gestaltungsmacht uns in anschaulicher Weise die Bausteine für eine Kuustform im modern-ästhetischen Sinne liefert, deren Pflege bei den Nachfolgern hiemit angebahnt erscheint. Bei den Nachfolgern? Es umflort sich der Blick bei der Wahrnehmung, lvie wenig fachmännische Eignungen von den» jenigen verlangt werden, die die heilige Mission haben sollten, die hohe Bedeutung des jüdisches Cantorates an die Zukunft zu überliefern. Eine starke Stimme des Candidaten genügt vollauf, um die innere S t i m m e der Vorstände, die früher nach sonstigen fachmännischen Qualitäten des Candidaten geforscht, zum Schweigen zu bringen. Doch meinen wir, dass es noch immer besser und ideal denkende Cantoratseleven geben wird, welche, trotz dieser unfassbaren Strömung, den Intellekt besitzen werden, etwas Rationelles lernen zu wollen. In diesem Buche Friedmann's „Schir lischlomo“ werden sie ausgiebige Quelle» für ihre Studien finden. verschiedene Nachrichten. Wien. Herr Manfred Hutterer, Procurist des Bankhauses Sic>. v. Bauer, hat sich mit Frl. Anna Straßberg, Tochter des Vorstehers im X. Bez., Favoriten, Herrn Jacob S. Straßberg, verlobt. Wien. (Verein für j ü d. Geschichte u n d L i t e r a tu r.) Sonntag den 30. März, 8 Uhr Abends, im Festsaale des „Jüd. Volksverein", II., Leopoldsgasse 49, Vortrag des Herrn M. A. Fürst: „Samson Wertheimer und die österreichischen Juden." Gäste willkommen. Vien. Am 18. d. M. fand eine zahlreich besuchte Vertrauensmännerversammlung jüdischer Arbeitsloser im Locale des „Allg. jüd. Arbeitervereines" statt. Genosse Heinrich Diamant, der schon lange an einer Statistik jüdischer Arbeitsloser arbeitet, führte den Vorsitz. Er erklärte, dass in Wien das erstemal eine Versammlung dieser Art stattsinde und dieselbe den ersten Spatenstich zur Organisation der jüd. Arbeitslosen bedeute. Nach Besprechung der traurigen Lage der jüd. Arbeitslosen, die von Niemandem unterstützt werden und hungern müssen, schloss der Redner seine Ausführungen, mit der Bemerkung, dass viele gute Kräfte dem Judenthume und der menschlichen Gesellschaft verloren gehen, denen unbedingt helfend beigestanden werden müsste. An der darauffolgenden Discussion betheiligten sich die Genoffen Bela Szanto, Lüftschitz, Feiner, Klei». Breffler, Körpner, Wortmann. Genoffe Salamon Hirschensohn referirte in einer glanzvollen Ausführung über den Zionismus und unsere gegenwärtige Stellung zu anderen Institutionen. An der Hand von Thatsachen wies er nach, dass das Vorgehen der meisten jüd. Humanitären Jnsttitutionen verfehlt ist und verwies auf die Thatsache, dass , anstatt Arbeitsgelegenheit zu schaffen, arbeitslustige junge Männer zu Schnorrern herangebildet werden. Die größeren Unternehmer nehmen principiell Juden nicht auf, deshalb die große Zahl jüdischer Arbeitsloser. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: An die Cultusgemeinde ist heranzutreten, da die Armenpflege ihr Ziel vollständig verfehlt, dass die Geldunterstützung in Arbeit umgewandelt werden soll, ebenso auch an den jüd. Verein für Arbeitsnachweis, dass er wirksamer seine Thätigkeit ausübe. Hierauf wurde zur Durchführung der nbthigen Schritte folgendes Nothstandscomitö gewählt: Die Genoffen Heinrich Diamant, Salamon Hirschensohn, Bela Szanto, Karl Lüftschitz, Hermann Fried. Gleichzeitig wurde beschloffen, das Nothstandscomit« habe die Hilfsaction einzuleiten durch öffentlichen Aufruf in allen Zeitungen, damit thatkrästige Männer sich an die Spitze der Bewegung stellen. Genoffe Diamant erklärte in seinem Schlussworte, dass es heilige Pflicht jedes redlich Denkenden sei, die Bewegung zu unterstützen, damit allgemein der Roth der jüd. Arbeiter entgegengetreten werde, und er sprach den Wunsch aus, dass diese Worte, gesprochen zur rechten Zeit und am rechten Orte, Widerhall ^finden mögen, allwo noch ein jüdisches Herz schlägt j und empfindet. Demnächst findet eine große Versammlung statt. *) Es dürfte einem musikgewandten Cantoratsjünger von nun ab unmöglich werden, die von uns nachgewiesenen Steigerarten, auf welche der Verfaffer in der Vorrede des Werkes nächdrücklichst hinweist, zu umgehen.! Siklos. Die hierortige „Chewra Kadischah" hielt am 16. dieses iin's ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, zu der die Miti glieder beinahe vollzählig erschienen waren. Nach der Eröffnungsrede des Vereinspräsidenten, Mor. Kürschner, verlas der Schriftführer den Jahresbericht, in welchem er sämmtliche bedeutungsvolleren Momente berührte, die während des Jahres im Gebühren des Vereines aufgetaucht sind. Mit Befriedigung schöpfte die Generalversammlung auS j diesem Berichte die Ueberzeugung, dass die Agenden des Vereines in! den Händen wackerer Männer ruhen, die keine Mühe scheuen, das Gedeihen des Vereines auf ein immer höheres Niveau zu bringen. Und das Bestreben der Leitung ist auch nicht fruchtlos geblieben, denn die hiesige Chewra Kadischah kann mit vollem Rechte als Musterbild hingestellt werden. Nach Verlesung des Berichtes folgte die Neuwahl. — In Würdigung ihrer Verdienste wurden sämmtliche Vorstandsmitglieder wieder gewählt. Herr Mor. Kürschner als Präses, Herr Mor. Steinbach als Bicepräses, und als Ausschussmitglieder die Herren Wilhelm Weiß, Mor. Eisner, Samuel Reich, Mark. Mautner, Alex. Roger, David Holzer, Jg. Fürst und Anton Staub. Als neues Mitglied kaur Herr Franz Löwy in den Vorstand. Mit dem Amte eines Kassiers wurde Herr Mor. Gottlieb betraut an Stelle des Herrn Geza Paunz, der vielseitige Beschäftigung vorschützend. diese Stelle nicht mehr annehmen wollte. Um aber den verdienstvollen Mann nicht ganz vom Schauplatze der Thätigkeit weichen zu lassen, wurde er zum Rechnungsrevisor gewählt und ihm Herr Leopold Schwarz in gleicher Eigenschaft beigestellt. Das Amt des I Schriftführers wurde abermals Herrn Jg. Kellner übertragen, der das-! selbe schon seit einer Reihe von Jahren bekleidet. Erwähnt sei noch,! dass die Generalversammlung eine Deputation, bestehend aus den Mitgliedern : Mor. Kürschner, Wilhelm Weiß, David Holzer. Franz Löwy und Jg. Kellner an Frau Mor. Steinbach entsendet hat, um derselben auf Anregung des Herrn Wilhelm Weiß in Anerkennung der hervorragenden Verdienste, die sie sich auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und ' Menschenliebe erworben hat, eine Dankadresse zu überreichen. In aller j Stille, ohne jeden Aufwand, übt diese edle Frau schon seit Jahren ihre! gottgefälligen Handlungen aus, besucht die Kranken, um nach Thunlich-! keit ihre Schmerzen zu lindern, und wo Noth eingezogen, erscheint sie! den Bedrückten als rettender Engel. Der Präses. Herr Mor. Kürschner, - verdolmetschte als Führer der Deputation in schwungvoller Rede die! Dankesgefühle der Chewra Kadischah, worauf der Schriftführer das i Wort ergriff und ebenfalls in einer Ansprache über die Bedeutung der! Dankadresse sprach, diese dann der Allverehrten überreichend. — Es sei! nun auch hier der Wunsch zum Ausdrucke gebracht, dass der Allvater j diese edle Frau noch recht lange in ungeschwächter Gesundheit zur Freude! ihrer vornehmen Familie und zum Wohle der leidenden Menschheit er- | halten möge. — Unmittelbar nach der Generalversammlung fand der i übliche Trauer-Festgottesdienst statt, bei welcher Gelegenheit unser ehr-! würdiger Herr Rabbiner Dr. Dezsö Klein, der sich in unserer Gemeinde j eines hohen Ansehens erfreut, durch die ungarische Predigt, die er hielt, wieder Beweise seiner seltenen Eloquenz gab. Wirkungsvoll waren aber auch die schönen Trauergesänge, die ans dieser Veranlagung zur Aufführung gebracht wurden. Unser gerngehörter Obercantor, Herr Benö Klein, glänzte mit seiner herrlichen Stimme, und der Chor, unter der trefflichen Leitung unseres tüchtigen Chordirigenten Lewi Gottesmann, bot eine geradezu kunstvolle Leistung. Dir Juden in London, Nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1900 beträgt die Einwohnerzahl Londons 4,520 971 Seelen. Rechnet man die Bewohner derjenigen anstoßenden Ortschaften hinzu, die bisher noch nicht mit London vereinigt sind, so ergibt sich für dieses .Größer-London" eine Bewohnerzahl von 6,581.372 Seelen. Die Zahl der Juden, auf Grund der Begräbnislisten berechnet, beträgt 104.550 Seelen, das ist l»/g Percent der Gesammtbevölkerung. Litteratur. Mein Bekenntnis, von Franz v. Borgias Schmid. Verlag „Brand" in Stuttgart 60 H. In knapper Form, aber sehr entschieden trittper Verfasser gegen die katholische Glaubenslehre auf und für das Judenthum, für den reinen Monotheismus, ein. Wenn auch seinen Ausführungen manche Jrrthümer anhasten, so ist doch das Erscheinen einer solchen Schrift beachtenswerth, namentlich aber das Motto: „Die Erlösung und Einigung der großen Menschheit ist dem Judenthum Vorbehalten", das ist seine culturelle Miffion, — darum kann es von den Völkern der Erde auch nicht aufgezehrt werden". Dr. Kahan, Znaim. 3. Ausweis. Für die Witwe Tiger find an Spenden weiters eingelaufen: Rabbiner Freund. Wien 2 K., Moriz Abeles, Saaz, 3 K., Redaction der „Neuzeit" 3 K., Sammlung deS Obercantor Kürschner. München bei der Hochzeit Leilbronner 84 K., Max Zerner,.Wien, 4 1, Obercantor Kartschmaroff, Kanizsa 20 K-, Cantor Schönfeld, Tab 2 K., Cantor Steiner. Polna 2 K., Cantor Oesterreicher, Wien 8 K., Cantor LagodzinSkY, Eiwanowitz 2 K., Mährischer Cantoren-Berein 50 K. Zusammen 170 K. Hiezu die bereits ausgewiesene» 252*30 K., in Summe K. 422*30. I. Cantor ». Blatt, Wien, II., Tempelgaffe 3.

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