Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1902
- Issue
- Heft 12 (21.3.1902)
- Date
- 1902-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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5" ML—— . Il "J. - V Nr. 12 Die IPabrbeit Seite 9. ^antorentag zu besuchen, und es ist erfreulich, dass nach dieser Richtung ein'Erfolg zu verzeichnen ist. Die Erklärung des Vorsitzenden und Obmannes des rnahr. Cantorenvereines, Herrn Obercantor Heller, der in höchst taktvoller Weise die oft stürmische Sitzung leitete, hat nicht zum geringen Theile dazu beigetragen, die Mißverftändniße, die zwischen beiden Vereinen herrschten, zu lösen. Der mähr. -Cantoren-Verein sei kein Concurrenzverein des österr.-ungar. ^antoren-Vereines, erklärte wiederholt der Vorsitzende; bei selbstverständlich gleicher Intention der Hebung des Cantorenstandes hat der mähr. Cantoren-Vereiu hauptsächlich die Gründung «iner Pensions- und Wittwen- und Waisen-Unterstützungseassa für seine Mitglieder ins Auge gefasst; er denke sich den Au schluss des Provinzvereines an den großen Hauptverein mit Lem Sitze in Wien und sehe nur in einer großen mächtigen Vereinigung das Heil für die Cantoren. Nun, der erste Schritt tväre gethan. p:n_ Verschiedene Nachrichten. Men. Fräulein Thilla Heller, Tochter des Directors Heller Dom israel. Bildeninstitute auf der Hohen Warte, hat sich mit Herrn Alexander Klein verlobt. Wien. Sonntag, den 30. März halb 3 Uhr nachmittags findet im Tempel IX. Bez., Müllnergafse 21, die Traung des Fräulein Laura -Rubin, Tochter des Herrn Musikdirektor Rubin in Prag, mit Herrn Bernhard Stöffel statt. Wien. Die angekündigte Maskenredoute, welche der humanitäre Geselligkeitsverein .Die Szenitzer in Wien" Samstag, den 15. d., im Hotel Continental abhielt, ist glänzend ausgefallen. Der Prachtsaal war Don Gästen aus den besten Kreisen der Gesellschaft überfüllt. Das überaus rührige Comits, bestehend aus den Herren Jos. Back, Jacob Fröhlich imd Max Reichsseld. darf mit dem Erfolge zufrieden, fein und dürfte ein «ettes Reinerträgnis dem Bereinsfonde zugeführt werden. Wien. Eine genussreiche Darbietung wird dem concertliebenden Publikum noch vor Schluss der Saison zu Theil werden. Der bekannte Orgel- Virtuose S. Storch veranstaltet Mittwoch, den 26. d., im kleinen Musik- Dereinssaale unter gefälliger Mitwirkung der Clavier-Virtousin, Fräulein -Gisela Springer, und des Concertsängers, Herrn Eduard Gärtner, ein Orgel-Concert, in welchem er neben Werken von Buxtehude, Bach, Mendelssohn auch eine eigene Composition (Variationen) über das hebräische Lied, „Eli Zion" spielen wird. Karten sind zu haben in der -f. k. Hofmusikalienhandlung Albert I. Gutmann im Hofopernhause, Lei Alexander Ross, Kärntner ring 11, und in der Musikschule Storch, H., Leopoldsgasse 27 a. Slockerau. Das Tempel bau-Comits veranstaltete Sonntag den 16. d. M. im „Bayrischen Hof", in Wien einen Unterhaltungsabend verbunden mit Tanzkränzchen. der sehr gut besucht war. Das Reinerträgniß floß dem Fonde zur Erbauung eines Tempels in Stockerau zu. Das Comits, an dessen Spitze der verdienstvolle Vorsteher, Herr Moritz Greipel, stand, gab sich redliche Mühe, den Abend womöglichst amüsant zu machen, was auch vollends gelungen ist. Der artistische Leiter, Herr Josef Roffig, trug einige Lieder recht nett vor, und die humoristischen Vorträge hatten die Lacher auf ihrer Seite. Möge es den Stockerauern, welche, wie uns mitgetheilt wurde, in zwei Lager getheilt sind, durch baldige Rückkehr zu Friede und Eintracht gelingen, ihr schönes Werk ausführen 311 können. Zwittau in Mähren. Ter hiesige Obercantor, Herr Adolph Lebo* vitsch, früher Obercantor der Hofsynagoge in Prag, wurde zum Obercantor und Sccräter der isr. Cultusgemeinde in Meran gewählt. Pilsen. Anlässlich des Ablebens des Herrn Simon Hoff.'mann in Pilsen wurden an Stelle von Kränzen für die Wohlthätigkeitsvereine Pilsens insgesammt 307 7 Kronen gespendet, die folgendermaßen vertheilt wuden: Der Verein „Chewra-Kadischa" 377 K., der Frauenverein 359 K., der Kreuzer-Verein 637 K., der Freitisch-Verein 1704 K. Prag. Herr Markus Ottenfeld, Obercantorund Religionslehrer der Gemeinde Karolinenthal bei Prag feierte jüngst das schöne Doppeltest des 70. Geburtstages und 40-jährigen Dienstjubiläums, aus welchem Anlasse dem in-und außerhalb seines Wirkungskreises beliebten und allseits geachteten Jubijar zahlreiche Ovationen und Glückwünsche dar» gebracht wurden. Szeuitz. Unter zahlreicher Betheiligung fand vorige Woche da» Leichenbegängnis der im 73. Jahre verstorbenen Wittwe Salo». Feldbauer statt. Die Verblichene war eine edle, fromme und gute Frau, welche es verstanden hat, ihren vor zwei Jahre» verstorbene» Gatte» zu verschiedene» wohlthätigen Stiftungen zu bewegen, die i» hiesiger Gemeinde creirt wurden. Am Grabe hielte» ergreifende Rachrufe: der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Marmorstein, der Sohn der Dahiugeschiede»en» Rabbiner Fischer aus Sarvar. und der Zweite Sohn, der Direktor der orth. Bürgerschule in Preßburg. n'2'»>2'n Nudapest. Eine Deputation der Fortz'chrittspartei der Razsnyoer israelitischen Religionsgemeinde machte vorige Wache im Abzeoronete»- hause dem Cultus» und Unterrichtsminister Julius Wlaffics ihre Aufwartung. Ihr Führer legte dar, dass es nicht gelungen sei. die anlässlich der Rozsnyoer Rabbinerwahl aufgetauchten Differenzen zu schlichten, weshalb die Gemeinde den Minister bitte, dem berechtigten Wunsche der Mehrheit der Gemeindemitglieder entsprechend zu verfügen, dass die Rozsnyoer israelitische Religionsgemeinde einen Rabbiner und Religionslehrer erhalte, der die Jugend in nationalem Geiste zn erziehen vermöge. Der Minister versprach, die Angelegenheit zu untersuchen »nd die entsprechenden Verfügungen zu treffen. Aattorvitz (Ob.-Schles.) Die hiesige Chewra-Kadischa feierte Montag den 10. März ihr Stiftungsfest durch ein Feüeffen im Stadthaussaale mit darauffolgenden humoristischen und theatralischen Darstellungen. Rach Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Gäste durch den Vereins» Vorsitzenden, Herrn L. Altmann, brachte derselbe den Kaisertoast aus. Die vielen anderen Toaste und Tischreden aufzuführeu oder auch nur zn streifen, würde zu weit führen. Es sei daher nur die Rede des Herrn Rabbiner Dr. Cohn erwähnt, der es versteht, immer wieder aufs Reue durch seinen geistvollen Vortrag zu fesseln und zu segensreichem Wirken anzuspornen. Nächstdem zündeten die Reden der Herren Stadtrath Wiener und Rechtsanwalt Epstein. Ganz besonders erwähuenswerh sind auch die gesanglichen Vorträge des Herrn Oberkantor Singer, die einen wirklichen Genuß boten. Auch in den anderen Festaufführungen wurde Vorzügliches geleistet. Das aufgeführre Theaterstück >var ein Werk eines hiesigen Arztes. Im Ganzen verlief das Fest in schönster Weise. London. (Jüdische Geschworene.) Bei einer in London stattgefunvenen Schwurgerichtsverhandlung, bei welcher es sich um einen Mord handelte, wurde unter anderen auch ein Herr Cohen als Geschworener ausgelost. Er ersuchte jedoch um Enthebung, weil nach jüdischem Glauben ein Nachkomme der Hohenpriester an solchen Verhandlungen nicht theilnehmeu dürfe. Der Präsident: „Sie glauben also, dass Ihre j Religion es Ihnen verwehrt, einen Todten zu besichtigen? " (Es handelte sich um einen Augenscheinsbefuud.) — Herr Cohen: „Gewiss, die Frage I ist bereits früher zu unseren Gunsten entschieden worden?- Ein anderer! jüdischer Geschworener wollte auch enthoben sein, doch wurde sein Gesuch abgewiesen, da er weder dem Stamme Cohen, noch dem der Leviten angehörte. Jüdische Statistik. Die Zahl sämmtlicher Inden der Erde wird gegenwärtig aus circa 11 Millionen geschätzt. Davon entfallen auf Europa 9 Millionen, auf Asien und Amerika je 900.000, -Afrika circa 670 000 und Australien circa '20.000. In den einzelnen europäischen Staaten eristiren: in Rußland circa 5 Millionen, in Oesterreich-Ungarn 1,900.000, in Deutschland nicht ganz eine Million, in der Türkei 350—400.000, in Rumänien über 300.000. Frankreich mit Algier circa 200.000, England über 150.000. Italien circa 45.000, Holland und Belgien circa 10.000, in den -übrigen Staaten unter JlO.OÖO. Als die beiden größten jüdischen Gemeinden dürften New--Z)ork mit 350.000 und Warschau mit 230.000 Juden zu betrachten sein. Danksagung. Allen Gönnern, Freunden und Bekannten, die uns gelegentlich der Verlobung unseres Sohnes Simon mit Fräulein Else Gräupner beglückwünschten, eutbieten wir hiemit innigen und herzlichen Dank. Wien, im Mär; 1902. Obercantor Singer sammt Frau uui* Farnilie. Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien. Die Vorlesungen des Sommersemesters nehmen “Donnerstag, den 1. Mai, ihren Anfang; die Aufnahmsprüfungen finden Mittwoch, den 30. April, statt. Das Curatorium.