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Die Wahrheit · 1902-02-14 · Heft 7 (14.2.1902) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 7 (14.2.1902)
Date
1902-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rrdaction u. Administration Wien, II/l. Novaragaffe 27. Ä k östrrr. Pofisparcafia Lheck-Lonto Nr. 84«>.251. r a f, r a t t : ,f0 Hrller p»r Noupareillr-Heil«. AdonnemrntSn»d JnsertioilS» biträge find in Wien zahlbar. abrksit ^abhängige Heiischrift für Mische Inleresseir. Erscheint jeden Freitag. Motto: .Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Lez»ArprnL: San,jährig . . *. 12.—!, Halbjährig ... St. | Für Lultusbeamte: Ganzjährig . . . «. lö.— Für Ausland: Ganzjährig .... 8 Mark 6 Rubel oder 16 Frcb. Ar. 7. Wien, 14. Februar IM. Inhalt: Der Jugendgottesdienst. — Für unsere Heranwachsende weibliche Jugend. — Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen de* Gymnasien und Realschulen. — Der Jahrmarkt im Gottteshause — Gemeinde- und Vereinsbote. — Cantorales »nd Synagogales aus Amerika — Zwei Trauungsgesänge — Verschiedene Nachrichten. Die geehrten Ireunde und Könner unseres Blattes werden ersucht, in assen öffentlichen Localen und Vereinen „Die Wahrheit" zu verlangen und für die Auflegung derselöen einzutreten. Are Wedaction. Der Ingendgoltesdienjt. Zwei Gründe sind es, die mich veranlassen, über den in der Aufschrift genannten Gegenstand in diesen Blättern zu sprechen, obwol über ihn kaum etwas Neues wird gesagt 'werden können. Einmal ist es die ehrwürdige Gestalt des in der letzten Nummer der „Wahrheit" als Urheber der segensvollen Einri tnng genannten Herrn E m a u u e l Bau mg arten, die mich zu den nachfolgenden Zeilen anregte. Er steht vor mir der Greis mit den Silberhaaren, der liebevolle Freund und Förderer der Jugend, der geistvolle Beherrscher unserer heiligen Sprache, der feinsinnige Uebersetzer »Obobotii lialeivo^votst", der Dichter des Idylls „Ruth“. Viele Unberufene werfen sich heute als „Netter des Judenthnms" auf. Man hält Borträge, man schreibt Zeitungsartikel, man discutiert, disputiert und debattiert über alle möglichen und unmöglichen Fragen, welche angeblich Heilmittel sein sollen für das nicht unbedenklich erkrankte Judenthum, und darob vergisst man schier jener Männer, die für das Judenthum und sein Schriftthum mehr geleistet haben, als ein Dutzend jener Geschöpfe, die mit viel Geschrei und wenig Wissen auf den Schultern des stark gebeugten Judenthums sich emporschwingen möchten. In dem Lärm des Tages lasst uns der. Männer nicht vergessen, die ihr reiches Können und Wissen in den Dienst des Judenthums stellten, die, gleich starken Bäumen, in der Vergangenheit wurzelnd, hinüberragen in die Gegenwart. Die Einrichtung des „Jugendgottesdieustes" ist oft bekämpft worden, und auch Dr. Daniel Fink widmet in seinen vortrefflichen Ausführungen ,,U'ber den hebräischen Unterricht an unseren Mittelschulen" ihm einige, wenn auch nicht gerade aufmunternde Worte. Und das ist der zweite Grund, warum auch wir über ihn einiges hier sagen wollen, auf dass er beurtheilt werde nachdem alten Grundsätze: „Man soll sie. billig hyren beede".! Die alte religiöse Erziehung im jüdischen Hauke wird! gewiss der „Jugengottesdienst" nicht ersetzen können. Unsere! Jugend in die etwas complicierte Einrichtung unseres Gebet-; buches einznführen, ist gewiss nur der Praxis möglich, undj jede, wenn auch noch so gekünstelte Theorie wird hier einer j kaum einnehmbaren Festung gegenübersteheu. Uns, die wir! schon zu den Aelteren gezählt werden können, leiteten unsere! Eltern an, sie führten uns in's Gotteshaus, unter ihren j streng wachenden An gen lernten wir die oft labyrinthischew! Wege des Gebetbuches kennen. Wie können heute die zwei I wöchentlichen Religionsftundeu das leisten, wozu in halbver-! qangeuen Zeilen zwei bis vier Stunden täglich bestimmt waren 1 Betrachtet mau den „Jugeudgoltesdienst" von diesem Stand-! punkte, so ist er in der That ein wenig nützendes Surrogat.! Wir aber gehen von dem Grundsätze aus: Helfe, was helfew > kann, und lasst uns retten, was zu retten ist. Wir sind überzeugt, dass viele unserer Kinder nicht wüssten, wie eine- Thorarolle aussieht, wenn sie nicht dazu augehalten würden, wöchentlich einmal ins Gotteshaus zu gehen. Unsere Erfahrung lehrte uns aber, dass der Gottesdienst viele unserer Jünglinge zu Frageil anregte, auf die sie auch beim besten und iiistrnctivileu Unterrichte nie gekommen wären.' Man wird förmlich genöthigt, einen Theil der Religionsftunde! gottesdienstlichen Fragen zu widmen. Und in der Thal, die Zeit, die man auf ihre Beantwortung verwendet, ist keine i unfruchtbarem Gerede geweihte. Und da kommen wir am! einen Gegenstand, der uns als der wichtigste erscheint, soll! der Gottesdienst ein fruchtbringender sein — wir meinen: j die Exhorte. Ist diese so gestaltet, dass sie die Jugend auzieht, belehrt, erhebt, begeistert, dann wird man von dem Gottesdienste sagen können: „Was gepflanzt wird im Gottes- Hause, draußen im Leben wird es zur herrlichen Frucht er^ blühen". Die Exhorte soll das Wort Gottes erläutern, zugleich aber unsere Jugend mit allen Einrichtungen und gesetzlichem. Bestimmungen des Judenthums vertraut machen, sie soll die Ethik des Judenthums mit seiner Praxis in Verbindung, bringen, kurz eine wohlthätige Erweiterung und Ergänzung des Religionsunterrichtes bilden. Vor allem wird es nothwendig sein, durch sie auf den Inhalt der betreffenden Sidrah < und Haphtarah einzugehen. So bleibt die Jugend in steter Berührung, ja inniger Verbindung mit dem sittlichen Gehalte

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