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Die Wahrheit · 1902-02-07 · Heft 6 (7.2.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 6 (7.2.1902)
Date
1902-02-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6. Die IVabrkeit. Seite 9. Ler Stillosigkeit einen stilvollen Vortrag erreichen wollte und erreichen musste. War es dann zu verwundern, wenn man die Notifizirungen berühmter Cantoren Ton für Ton auswendig lernte, den Flügelschlag der eigenen Phantasie hiedurch crtodtete und für immer dem Banne der Abhängigkeit von der Phantasie eines Andern ausgeliefert war? Dieser bis nun üblichen, im gedankenlosen Nachsingen Haftenden LehHnethode tritt Friedmann ganz entschieden entgegen, indem er der jeweiligen Nummer auch die ihr eigenthümliche Jntervallenfolge voranschickt und hiedurch dem Lernenden ganz zweifellos die Wege vorzeichnet, die er zu wandeln hat, um au das ersehnte Ziel zu gelanaen, d. h, um regel- oder stilgerecht recitiren zu lernen. Um dieser offenbar zu Tage tretenden Absicht gerecht zu werden, bestrebt sich der Herausgeber, möglichst einfache Tonverbindungen anzuwenden; er speculirt nicht in Tönen, will nicht gelehrt erscheinen, sondern bringt lediglich die allereinfachste, man könnte füglich sagen, die allerdürftigste Form zur Anwendung. Vom Gesichtspunkte des landläufigen „Woil-Singeu", müssten diese Ausschreibungen des Jigdal, Adaun aulom, Broches rc. einfach als »drongisch" bezeichnet werden; dem! entgegen constatiren wir, dass wir in dieser sich selbst auf-! erlegten Beschränkung der Form geradezu den Meister er-! blicken, der in der Einfachheit seine Größe bekundet. Friedmann kennt die Geschichte des Kirchengesanges, der ja aus! dem Tempelgesang hervorging, weiß, dass all diese Singweiseu aus uralter Zeit stammen; weiß, dass es dazumal einen sogenannten Ambitus (Umfang) gab, der die Grenzen der Melodie präcise vorschrieb, und ist in löblicher W.ise bestrebt, selbst dort, wo die Singweise, nach moderner Auffassung, zum Durchbrechen der Schranken drängt, dcin alten Gesetze des Ambltus möglichst gerecht zu werden. Dies ist die Ursache der scheinbaren Dürftigkeit der bezeichneten Melodien. Die lobenswerthe Einfachheit dieser Ausschreibungen ermöglicht es dem Lernenden, wie im Handumdrehen, selbstschöpferisch zu werden, dndem er mit denselben Tönen, jedoch in verschiedener Verbindung derselben zur stilgerechten Selbstarbeit gedrängt wird. (Fortsetzung folgt.) Gemeinde- und Vereinsbote. Wien. (Toynbee-Halle.) Die zweite General-Versammlung Her Toynbeehalle fand am vorigen Donnerstag bei zahlreicher Betheiligung der Mitglieder statt. Der Vorsitzende Dr. Leon Kellner legte die Principen dar, welche bei der Gründung der Toynbeehalle maßgebend und entscheidend waren, nämlich einen gemeinsamen Boden zu schaffen, auf welchem Reich und Arm, Hoch und Niedrig, Jung und Alt — fern vom politischen Gezanke und confeffionellen Streite — Belehrung und gesellige Unterhaltung finden und so das jüdische GemeingeNihl gepflegt werden solle. Nach dem Muster der Londoner Halle geschaffen, übertrifft bereits die Wiener Anstalt ihr Vorbild und dient schon derzeit anderen ähnlichen Gründungen in Provinzstädten zur Nachahmung. Der Ausbau der Halle dürfte im Laufe der nächsten Jahre erfolgen, eventnell «in eigenes Haus angekauft werden, um die verschiedenen Curse bequem unterbringen zu können. Nach Genehmigung des Jahresberichtes referirte der Caffier, Herr I. Kremenitzky, über die Caffegebahrung, nach -welcher ein jährliches Budget von 4—5000 Kronen zu decken sei. Baron Rothschild widmete einen Betrag von 1000 Kronen, ebenso habe Hausbesitzer Weiner, in dessen Hause die Halle sich befindet, die Jahresmiethe arm 400 Kronen reducirt. Cultusvorsteher Eltbogen erklärt sich gern bereit, ein etwaiges Ansuchen des Vereines um lleberlaffung des Winter- Betlocales im Brigittenauer Tempelgebäude für Creirung eines hebräischen Curses beim Tempelvorstande zu besürworten. In den Ausschuss wurden theils neu-, theils wiedergewählt: Die Herren Rector Dr. Schwarz, kais. Rath M. Hirsch, die Cultusvorsteher Dr. Gustav -Kohn, Direktor Simon, Docent Dr. Josef Pollak vom „Bene B'rith" Dr. Leopold Kahn, Hermann Berliner rc. Den Ehrendamen, namentlich Frau Dr. Kahn, Frau Rosa Feigenbaum und Frau Primarius Dr. Kornfeld wird der besondere Dank votirt. —n. — Die jüngst in der Toynbeehalle gehaltenen Vorträge der Herren Rabbiner Mr ^ill M^-Rabbinatscand. Aroy Frankfurter verdienen besonders reglstrirs' zu^werden. Herr Dr. Grill hält auch geschichtliche Vorträge im 2. Bez., (Local des „Offe Cheffed" 2. Bez., Schiffamtsbaffe 5), die.Hch großer, Anerkennung erfreuen. Auch Damen.sahen wir Lnter den Zuhörer». In unserer so bewegten und von confeffionellen nud ^rationalen Conflicte» so erregten Zeit ist es von hohem Interesse,^asts. ^kr Vergangenheit unseres Volkes und nach treffende» Analogien aus dem Mittelalter, namentlich über die Verfolgung d«s Talmud durch Eisenmenger, Pfefferkorn und Wagenseil, deren bloße Nachbeter un d Nachtreter die Rohlinge und Consorten bilden. Eingehendes zu vernehme « und daraus Belehrung und Kraft im Gottvertrauen für die Jetztzeit zu schöpfen. Wien. Bei der am 26. Jänner d. I. stattqefundenen General- Versammlung des Bethaus-Vereines ^Am Volkert* wurden die zur Auslosung gelangten Herren: Adolf Schrämet, Hermann Ehrenfeld. Max Kraus, Ignatz Freundlich. Ludwig Cantor. Elkan Bauer einstimmig wiedergewählt und die Herren Salomon Beck, Ignatz Reiser und Josef Fischer neugewählt. Bei der Constituirung wurden gewählt: Obmann Adolf Schramek, I. Obmann-Stellvertreter verm Ehrenfeld. II. Obmann-Stellvertreter Frankl, Schriftführer Hoffmann, Schriftführer- Stellvertreter Jgn Reiser, Cassier Max Kraus. I. Eontrollor Sal. Beck. II. Eontrollor Fischer, Tempelvorsteher: Max Kraus, Rosenblatt, Mittler. Wien. Am 30. Jänner fand die constituirende Generalversammlung des „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" statt. Zweck des Vereines ist die Verbreitung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und Litterarur vom Standpunkte des traditionellen Judenthums. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 1 Kr. vierteljährig. Der erste Bortrag findet Sonntag, den 9. Feber, halb 8 Uhr Abends im Festsaale des jüdischen Volksvereiues, 2. B.'z., Leopolvsgaffe 49, statt. Karten sind, soweit der Vorrath reicht, bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. In den Vorstand wurden gewählt: Herr Med. Dr. F. Rosenthal Obmann, Sigmunv Bondi, Stud. Phil. Max Eisler, Stud. Med. A. Feuerring, M. A. Für«, Leopold Rosenbaum, Theodor Pappenheim. Mitglieder-Anmeldungen nimmt der Cassier, Herr Leop. Rosenbaum, 2. Be;., Kl.-Schiffgasse 9, entgegen. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter. XX., Traunsfelsgasse 1 1. Stock.) Samstag, den 9. d. M. fiubit ein Vereinsabend mit Vortrag des Herrn Wilhelm Epstein statt. Tbema: »Die körperliche Hebung der Juden." Beginn präcise 6 Uhr Abends Piakovar. Am 28. Jänner fand in unserer Cultusgeineme nde das 25jährige Jubiläum unseres hochgeehrten Herrn Vorstehers Adelt Kohn statt. Zahlreiche Deputationen der umliegenden Gemeinden, sow.e die Spitzen der hiesigen Behörden und viele Rotabilitäten fanden sich um fünf Uhr nachmittags im Sitzungssaals ein, von wo man den jubilirenden Vorsteher in den Teinpel geleitete. Nach Aufführung eines „U»t»u«u" durch den Chor, unter Leitung unseres Obercantors Jose» Weißmann hielt Herr Rabbiner Dr. Ungar aus Effeg, der während der Rabbiner-Vacan; die Functionen versieht, eine glänzende Festpredigt. Sodann sang der Chor Psalm 118, wobei Obercantor Weißmann ein Solo mit Orgelbegleitung sang, welches großen Beifall fand. Auch der exacte Schlussgesang des Chores (Psalm 150) wurde allgemein anerkannt. Abends fand ein großartiges Bankett statt, an dem alle Mitglieder der Cultusgemeinde und die Spitzen der Behörden theilnahmen, und in zahlreichen Toasten wurde der Jubilar allseitig gefeiert. Verschiedene Nachrichten. Aren Der durch zahlreiche philanthropische Acte, sowie durch mannigfache Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen bekannte Vorsteher der Wiener Cultusgemei> de, Herr Salo Cohn, hat der k. k. Akademie der Wissenschaften behufs Veröffentlichung der Ergebniße der Forschungsreise des Dr. Musil in Palästina den Betrag von 20.000 Kronen zur Verfügung gestellt. Herr Salo Eohn hat für den gleichen Zweck schon früher 12.000 Kronen gespendet. Wie». Sonntag, den 2. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Frl. Jda Freyberg. Tochter des bekannten Banquiers, Herrn Wilh. Freyberg, mit Herrn Robert ßolitzer statt. Den Trauungsact, welchem in Folge der Beliebtheit der Familien Freyberg und Politzer ein zahlreiches, distinguirtes Publikum beiwohnte, vollzogen Oberabbiner Tr. Güdemann und Obercantor Singer. Wie«. In der Synagoge in der Leopoldsgaffe fand am Samstag ■nrv 's die feierliche Barmizwa-Ceremonie des Stud. Julius Edwanitz, Enkel des im weiteren Kreisen bekannten R. Israel F-der, Zögling des Herrn Religionslehrer Lazar Reufeld, statt. Der Consirmand trug die Schluss-Parascha und Haftora in vollendetster Weise vor, und zu Ehren des Festes wurden von Herrn Obercantor Schorr besondere Gesänge executirt. Rabbiner Mayersohn hielt eine gedankenreiche Derascha, in welcher er ausführte, dass bloße platonische Anerkennung der jüdischen Lehre im Herzen nicht genüge, vielmehr muffen Theorie und That, Lehre und Leben in schönster Harmonie und innigstem Einklänge mit einander verbunden sein. Deshalb muffe» auch die TefiUin schel ja«i vor den Tefitlm schel rosch angelegt werden, um dadurch anzudeuten, dass die praktische Handlung entscheidend sei im Judenthum. Die kurze und kernige Rede machte auf sämmtliche Besucher des Bethauses der besten Eindruck.

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