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Die Wahrheit · 1902-01-24 · Heft 4 (24.1.1902) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 4 (24.1.1902)
Date
1902-01-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4. Die Dabrkeit. Seite 9. -ie seit tausend Jahren und länger griechisch waren, sondern auch in den Diadochenstädten Aegyptens, Mesopotamiens und Syriens, insbesondere auf den Hochschulen zu Alexandria, Jerusalem und Antiochia. Angesichts dieser Thatsachen ist es ein ein etwas kühnes Beginnen, luenu man. den Versuch macht, das Zünglein der musikalischen Wage nach der einen oder anderen politischen Seile der Diadochenperiode Hinneigen zu lasten, um, wie es geschehen ist, von einer syro-helleuischen Basis der Musik zu reden. Allein Herrn Birnbaum genügt es nicht, ein syrisches Zeitalter da zu finden, wo cs wirklich zu suchen ist, nein, erweist auf Byzanz hin und lässt im Jahre 547 das weströmische Reich untergehen. Wahrscheinlich hat er beim Niederschreiben dieser seiner Zeilen in Nr. 26 vom 5. Juli übersehen, dass Byzanz seit dem Trennungsjahre 3*5 die Hanptstadt des oströmischeu Reiches war, und dass das weströmische Reich schon im Jahre 476 von Odoakar erobert wurde. Einem ernsten Forscher dürfen solche Verstöße gegen historische Thatsachen nicht passiren, und es ist anzunehmen, dass auch das Patronat des weiterhin citirten Rabbi Jehuda Gaon notariell nicht beglaubigtist, wiewohl ich nicht in der Lage bin, solches nachzuweisen. Was aber den Papst Sergius I. als ferneren Gewährsmann für die Birubaum'schen Argumentationen betrifft, so sei hier erwähnt, dass derselbe mit deul Syrerthnm nichts gemein hatte, als den bloßen Zufall der Geburt. Er wurde zu Palermo erzogen und bestieg am 15. December 687 den päpstlichen Stuhl. Es war das in musikalischer Beziehung eine Zeit, in welcher nicht allein das griechisch-römische System, sondern auch das aus ihm hervorgegangene ambrosianische seit etwa 100 Jahren durch die Plagal>Töne Papst Gregor des Großen überwunden und erweitert war. Dass dann der zufällig aus Antiochia stammende Papst Sergius hingegangen wäre und die Musik mir einen Male syrisirt hätte, das glaubt Herr Birnbaum, selbst wenn Sergius eine syrische Musik gekannt hat, im Ernste genommen doch wohl selber nicht. (Schluss folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Die litterarischen und künstlerischen Darbietungen in der hiesigen Toynbeehalle! vom letzten Sonntag waren besonders bemerkenswerth. Schriffieller Steinschneider schilderte in pikanter und drastischer Weise interessante Erlebniße in der Stadt Zwittau aus dem Revolutionsjahre 1848, der Clavier-Virtuose Hochstein brachte einige Wagner'sche Phantasien zu Gehör und Herr Schorr trug einige humoristische Gedichte höchst gelungen vor. Sämmtliche Vortragende ernteten wohlverdienten Beifall. Doch die piece de resiatance des Abends bildete die Production des neunjährigen Emil Fisch, der auf der Violine „Ein Madrigal" von Simonetti und das „Volkslied" von Komzak geradezu entzückend spielte. Am lebhaftesten wurden aber die nationalen Weisen des „Schomer Israel", ferner eine Composition Juda Halevy und das Dreyfus-Lied acclamirt. Möge sich an diesem jungen Jünger der Kunst der Wunsch erfüllen, der in den Worten enthalten ist: '\t>?ina papn n*. Wien. Sonntag, den 26. Jänner 1902 präcise 5 Uhr Abends, findet im Bethaus-Locale, II., Fugbachgasse Nr. 7, die XXV. ordentliche General-Versammlung des israel. Bethhaus-Vereines am Volkert statt. Tagesordnung: 1. Wahl von 2 Scrutatoren. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren und Ertheilung des Absolutoriums. 4. Wahl Don 6 Herren in den Ausschuss mit dreijähriger Functionsdauer. Wahl von 1 Herrn mit zweijähriger Functionsdauer für den freiwillig ausscheidenden Herrn Hermann Braun. 5. Wahl von 2 Revisoren mit einjähriger Functionsdauer. 6. Eventuelle Anträge. Wie«. Der Verwalter der isr. Versorgungsanstalt, Herr Rudolf Koditschek, erhielt anlässlich seines 25jährigen Dienstjubiläums zahlreiche Gratulationen, unter anderen vom Präsidenten der Cultusgemeinde kais. Rath ^Heinrich Klinger und dem ersten Vicepräsidenten Dr. Alfred Stern. Namens der Beamtenschaft übergab erster Secretär kais. RathDr. Lieben dem Jubilar ein Ehrengeschenk. Samstag den 18. d. fand in der Ver° forgungsanstalt eine officielle Feier statt, zu welcher die Vorsteher Salo Cohn, Baurath Stiaßny und Dr. Breuer, das gesummte Damencomite ore Familie des Jubilars, Primarius Dr. Loebl mit den Anstaltsärzten Dr. Frisch und Dr. Gerber, der Anstaltsbeamte Brösler und sämmtliche Insassen sich einfanden. Herr Vorsteher Salo Cohn sprach dem Jubilar in herzlichen Worten die Anerkennung des Vorstandes aus, ebenso7 im Namen des Damencomites Frau Präsidentin Diamant, welche gleichzeitig ein kostbares Geschenk überreichte. " Wie». Die Trauung des Fräulein Jda Freyberg, Tochter des Herrn Wilhelm Freyberg, mit Herrn Robert Pollitzer sindet Sonntag den 2. Februar, 3 Uhr Nachmittags, im Tempel in der Seitenstette»- gasse statt. Wien. Sonntag, den 2. Februar, */4 3 Uhr Nachmittags,".findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Gisela Beckmann, Tochter des im 2. Bezirke allgemein bekannten Fleischhauers, Herrn Ignatz Beckmann, mit Herrn Wilhelm Deutsch statt. Wien. Montag den 20. d. wurde Frau Ernestine Grünspann, Mutter des Besitzers der Bären-Avotheke Severin Heinrich Grünspann, im Alter von 63 Jahren zu Grabe getragen. In der Ceremonienhalle fungierte I. Cantor Schiller, und Rabbiner Dr. Schmiedl widmete der würdigen und wackeren Frau einen warmen Nachruf. Sie ruhe in Frieden! Künfkircke«. Am 25. December v. I. fand in Fünfkirchen die Wahl der israel. Gemeinderepräsentanz statt. Dieselbe besteht aus 43 Mitgliedern. Am I. Jänner l. I. wählte die Repräsentanz den Gemeinde- Vorstand und die Mitglieder des Schulstuhles. Präses der Gemeinde wurde Herr Joses v. Engel, Mitchef der bekannten Holzindustriefirma Adolf Engel li. Söhne. Herr Josef v. Engel ist ein bekannter Mäcen der Kunst und Litteratur. Selbst ein vorzüglicher Musiker, ist er auch . Präsident des Fünfkirchner Philharmonischen Vereines. Sein neues! Drama „Die Marannen", das er unter dem Pseudonym „I. E. de Sinoje" veröffentlichte, hat in litterarischen Kreisen sehr gefallen. Vicepräsident wurde der beliebte Arzt Dr. Ignatz Fodor, der aber dem Vernehmen nach wegen vielseitiger Inanspruchnahme dieses Ehrenamt nicht annehmen kann. Mitglieder des Vorstandes wurden die Herren: Adam! Deutsch, Hermann Glaß, Dr. Eugen Krauß, Dr. Victor Fürst, Arnold > Fischet, Redacteur Ludwig Lenkei, Joh. Nep. Weiller, Jzn. Neumann, Emerich Hirschler, Samuel Hirschfeld, Lud. Spitzer und Beni Krauß sen. Am 6. d. constituirte sich der Schulstuhl. Präses des Schulstuhles wurde Dr. Karl Stern, der bereits dieses Amt mit schönem Erfolge i versah. Vicepräses Bela Kondor, Director der Fünfkirchner Handels- - akademie. Nach der Eonstituirung der Gemeindeausschüffe lud der neu-; gewählte Präses der Gemeinde die gesummte Repräsentanz, weiters daS j Beamtencorps wie auch die Lehrer zu einem Festbankett ein. Dasselbe! fand am II. d., Abends, im Prüfungssaale der israel. Gemeindeschule statt. Etwa 6öWersonen nahmen an demselben theil. Der Gemeindepräses begrüßte sämmtliche Anwesende in einem geistreichen Toast aufs herzlichste und erbat sich deren Unterstützung. Hierauf hielt der Oberrabbiner Dr. Armin Perls eine zündende Ansprache, in welcher er der begründeten Hoffnung Ausdruck gab, dass der neue Vorstand die Agenden mit Kopf,; Herz und Hand leiten werde. Es toastirten noch der gewesene Gemeinde-! Vicepräses Dr. Wilhelm Nemes, die Repräsentanten Dr. M. Kelemen, Dr. Adolf Blau, Dr. Mano Wessel, Bela Kondor, Schuldireetor Jac. Klingenberg, Dr. Leopold Löwy, Siegm. Teleki, Mor. Reich, Dr. Victor Fürst, der Secretär Gabor Weiß, welcher die verdientesten ehemaligen Führer der Gemeinde Revue passiren ließ, und Lehrer B. Sasvari. Letzterer bewies in einem humorvollen Toast, dass die jüdische Schule verleumdet werde. Man sagt: ein Lärm, wie in einer Judenichule.! Schon Jakob sagte, als er von hin- und hergehenden Engeln träumte: cvi^K c» n? pK. Die piece de resiatance waren einige vorzüglich vorgetragene Piecen des Obercantors Geza Ernster, welche mehremals förmliche Beifallsstürme hervorriefen. Chordirector Isidor Goldj stein begleitete die trefflichen Lieder mit gewohnter Genialität auf dem i Harmonium. Am Schluffe des großartig gelungenen Abends, der sich! bis über die Mitternachtsstunde erstreckte, bat der Wirth, es möge die; geehrte Repräsentanz und die Beamtenschaft ihm immer Folge leisten,! wenn er sie rufen werde. —! Kattowitz, den 21. Jänner. Der vom Vereine junger Kaufleute! veranstaltete „Liliencron-Abend" nahm einen geradezu sensationellen! Verlauf. Das bedeutungsvolle, ganz eigenartige Vortragitalent des : Dichters wie auch dessen gleichfalls eigenartige und bedeutungsvolle poetische und prosaische Gaben fanden ungetheilten und unumschränkten Beifall und Anerkennung. Eine glückliche Eingebung muß die musikalische Bearbeitung von vier Liliencron'schen Gedichten seitens unseres neuen Obercantors. S. Singer, genannt werden. Obercamor Singer,! der in unserer Stadt seit seinem Amtsantritt, '!s Cantor und Sänger j sich allgemeiner Anerkennung erfreut, zeigte mit dieser musikalischen Be-! arbeitung der vier Liliencron'schen Gedichte ein bedeutendes componistisches Talent, von dem wir noch viele holde Gaben erwarten dürfen. Die beiden Lieder „Zu spät" und ..Erwartung" sang der Componist, Obercantor Singer, selbst unter rauschendem Beifall, während die beiden anderen Lieder ..Glückes genug" und „Verbotene Liebe" von Fräulein Jenny Freund überaus wirkungsvoll vorgetragen wurden. Zum Ge-! lingen des Abends trugen auch die Herren Paul Rappaport und Max : Wachsmaun, ersterer durch seine ganz excellenten Biotin-, letzterer durch seine feinfühligen Pianosorte-Vorträge wesentlich bei. Alles in Allem! demnach ein genussreicher und wahrhaft poesieersüllter Abend, für den 1 den Veranstaltern volle Anerkennung gebührt. W.«.

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