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Die Wahrheit · 1902-01-17 · Heft 3 (17.1.1902) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1902
Issue
Heft 3 (17.1.1902)
Date
1902-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Admiuistlarton 1 Wien. n/1. Novaragaffe 27. jj ft. r Sstrrr. Postsparcassa Theck.Conto Nr. 840.251. S * f« i a 11:! 20 Heller per Nonrareille-Zeile.! AAviinemeiitSnnd Insertion-» | beträte sind in Wien zahlbar. j ahrHsit Dektschrlft für jMfchr [ttfmfen. jj Sqtgsfms:!l Ganzjährig . .ft. 12.— | Halbjährig ... ft. 6.— j Für Lultas beamte: 1 Man,jährig ... ft. 10.— Erscheint jeden Kre itng. Motto: .Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für Ausland: Ganzjährig .... 8 Mark >1 6 Rubel oder 10 Frc».! _I! Nr. 3. Wien, 17. Jänner IMS. Inhalt: Ueber den hebräischen Unterricht an den Oberclassen der Gymnasien und Realschulen. — Erweiterung des Wiener israel. Spitals. — Prager Berichte. — Ein Sängergreis in Brodnöthen. — Jüdischer Schulverein für den 9. Bez. Wiens. — Ausruf jan die Collegen in Böhmen. — Zur Organisation. —Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen um umgehende Erneuerung des Wonnements und Einsendung des Köonnementsöetrages. j Kteichzeitig öitter^rvir die Könner nnd Areunde! unseres Blattes, in allen öffenttichw Localen hier und in der Wrovinz „Kie Wahrheit" zu verlangen. Ueber den hebräischen Unterricht an den Oderctassen der Gymnasien und Neatschnten. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink. III. Es wird nicht selten dem Religionsunterrichte zum Vorwurf gemacht, dass er so wenig dazu thue, um die Schüler mit dem Gottesdienste und seiner Ordnung vertraut zu machen. Diesem Vorwurfe lässt sich eine gewisse Berechtigung nicht absprechen, nur müssen wir den Sitz des Uebels besser abstecken, um dessen Ursachen klar zu Tage treten zu lassen. Bei näherem Zusehen zeigt es sich nämlich, dass der Uebelstand zunimmt, je höher wir in die Classen hinaufsteigen. Die Schüler des Untergymnasiums, der Volks- und Bürgerschulen können sich im Gottesdienste viel leichter zurecht finden, als die des Obergymnasiums, bezw. der Oberrealschule. Woher diese seltsame Erscheinung? Ganz einfach, weil jene denn doch noch öfter einen Gottesdienst besuchen, zu Hause ein Gebet verrichten als diese. Wer will sich nun wundern, dass solche Schüler, wenn einmal ein Familienereignis oder Trauerfall den Besuch des Gottesdienstes nothwendig macht, wie verirrt und rathlos dastehen? Unser Gottesdienst vollzieht sich im Grunde für jeden, der mit seiner Ordnung nur einigermaßen vertraut ist, nach einem sehr durchsichtigen Plane. Früher, als die Theilnahme an demselben eine rege. nnd regelmäßige war, konnte das israel. Kind ohne alles äußere Hinzuthun in denselben hineinwachsen, ^retzt er sich doch immer — die einfache Tefillath-Mincha abgesehen — aus den einleitenden Hymnen, in welchen wir der Gottheit Preis verkünden, um solcher Hand die rechte Gebetsstimmung vorzubereiten, aus dem Sche'ma und seinen Vor- und Schlußbenedictionen, der Tefilla und ihren Einlagen und Abschlußgebeten zusammen. Dieser sehr durchsichtige Grundriss erfährt nun an Sabbaten und Festtagen mancherlei Veränderungen, Erweiterungen und wieder anderseits Kürzungen. Die Herausgeber von Gebetbüchern setzen bei dem Betenden die Kenntnis der wochentägigen Gebetordnung voraus. Um die Gebetbücher durch unnütze Wiederholungen nicht ungebührlich anschwellen zu lassen, beschränken sie sich aus die Anführung der für jene Tage eigens bestimmten Gebete. Hier jedoch erleidet die Rechnung, soweit wenigstens unsere Studierenden der Mittelschulen in Betracht kommen, einen großen Fehler. Dem wird auch dadurch nicht abgeholsen, dass manche Gebetbücher vorne im Jnhaltsverzeichniße die für jeden Sabbat, bezw. Festtag j bestimmten Gebete namentlich znsammenstellen. Kaum hat das des Hebräischen entwöhnte Ohr mühsam sestgesteül, an welcher Stelle der Vorbeter hält und man befindet sich ans dem besten Wege, dieselbe im Gebetbuche ausfindig zu machen — siehe da. das von demselben beobachtete Tempo hat ihn indeß schon wieder wo anders hingesührt — und die Verlegenheit nimmt aufs neue ihren Anfang. Die ungewohnte Situation ist bei anderen gar von einer derartigen Verblüffung begleitet, dass sie unter ihrem Eindrücke theils das Inhaltsverzeichnis gänzlich übersehen, theils in der Hitze des Affektes es nicht richtig zu gebrauchen verstehen. Die katholische Kirche zwingt die ihrem Bekenntniße angehörigen Schüler ohne jede Ausnahme, wenigstens einmal in der Woche, den Gottesdienst zu besuchen. Es ist dies ein Zug, der nicht seine schweren Bedenken hätte und daher zur Nachahmung nicht ohne weiteres empfohlen werden soll. Unserem Zustande gegenüber, wo die überwiegende Anzahl von Schülern Jahr aus, Jahr ein in keinen Gottesdienst kommt, will er mir jedoch als das kleinere Uebel erscheinen. Die jungen Leute kommen anfangs widerwillig, nehmen jedoch in dem Maße, als der Gottesdienst wirklich Gediegenes in Bezug auf den Vortrag der Gebete und die Verkündigung des Gotteswortes bietet, mit immer steigendem Interesse daran theil. Mit der bloßen theoretischen Unterweisung — dem, was die Schule besten Falles bieten kann — erzieht man noch keine Inden. Die praktische Bethätigung im häuslichen Leben und in der lebendigen Theilnahme am Gemeindegottesdienfte muß damit Hand in Hand gehen. Auf welch betrübende Wahrnehmungen muß da der aufmerksam beobachtende Lehrer auf Schritt und Tritt stoßen! Wie wenige Schüler wissen noch etwas von einem Segen vor der

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