Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 47 (6.12.1901)
- Date
- 1901-12-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47. Die ll?ahrhen. Seite 9 Der Verein, der seit circa 11 Jahren Vortragsabende inscenirt, "bie mit Vorliebe aus den besten Kreisen besucht werden, kann auch mit "diesem Abende und dessen Erfolg zufrieden fein. Wünschenswert wäre es aber, dass diesem mit seltenem Eifer thätigen Vereine Kaufleute, Industrielle, Gewerbetreibende und der? Angehörige gebildeten Stände als Mitglieder beiträten, um den Verein, der sich die wirtschaftlichen Agenden aller Stände zu besorgen zur Aufgabe gestellt, noch würdiger nach außen zu repräsentiren. Wien. Sonntag, den 1. December vorm, fand in Sohr's Restauration, 2. Bez., Circusgasse, das Bekleidungsfest der „Tischgesellschaft zur Bekleidung jüdischer alter Männer" in äußerst erhebender und feier-! licher Weise statt. Zu demselben hatten sich viele Gönner und Mitglieder der Tischgesellschaft eingefunden. Nach Begrüßung der erschienenen Ehrengäste, Cultusvvrsteher Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, Bezirksrath Mensch, der Obercantoren Guttmann und Bauer, Cantor Regner und Anderer, durch den Obmann wurde die Feier mit der Absingung eines Chores „Geprnsen fei die Stunde" v. Sulzer, unter der tüchtigen Leitung des Chordirigenten Löwit, welcher auch Schriftführer der Gesellschaft ist, «ingeleitet, wobei Obercantor Guttmann das Solo sang und vielen Beij fall erntete. Hierauf hielt der verdienstvolle Obmann, Herr JsidorSchwarz, | eine Ansprache, in welcher er der Befriedigung Ausdruck gab, dass es j in diesem Jahre der Gesellschaft ermöglicht wurde. 33 alte, würdige | Glaubensbrüder zu bekleiden. Dann sang Obercantor Bauer unter Mitj Wirkung des Chores den „Segen" v. Sulzer, woraus Cultusvorstand Dr. I Spitzer, äußerst lebhaft acclamirt, eine wirkungsvolle Rede hielt. In j besonders feierlicher Weise übergab hierauf der Obmann dem verdienstj vollen Mitglieds, Herrn Michael Back, das ihm von der Tischgesellschaft verliehene, kunstvoll aus gestattete Ehrenmitgliedsdiplom. Nachdem noch mehrere Herren in Form von Toasten ihrer Freude über das humane Wirken dieser ehrenvollen Tischgesellschaft Ausdruck geliehen und das Fest als ein echt jüdisches gefeiert hatten, stattete ein alter Herr, im Namen Aller, den Dank der Beschenkten ab. Dann trug Obercantor Guttmann das „Benschen" in ausgezeichneter Weise vor, womit dieses schöne und gelungene Fest einen würdigen Abschluss fand. Wien. Der theologische Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt in Wien, veranstaltet Samstag, den 7. d. M. 8 Uhr abends in Khuner's Restaurant, 1. Bez., Adlergasse Nr. 6, eine eine Chanuka-Feier. Wien. Sonntag, den 8. d. M. 4 Uhr nachmittags findet im israelitischen Blindeninstitute auf der hohen Warte die Chanuka-Feier der Instituts-Zöglinge statt, an welcher wie alljährlich das Curatorium und gewiss auch viele Gäste theilnehmen werden. Wien. Montag, den 9. d. M. 4 Uhr nachmittags findet in der israelitischen Kinderbewahranstalt eine Chanuka-Feier statt. Wien. „Im jüdischen Verein jugendlicher Arbeiter", 20. Bez., Trauenfelsgasse 1, sind die Bibliotheksstunden vom 8. December angefangen jeden Sonntag von 6 —7 Uhr abends. Bücherspenden werden im Vereinslocale entgegengenommen. Karten für die Sonntagsnachmitags- Vorstellungen im Burgtheater sind jeden Samstag Abeud erhältlich. Anmeldungen für bie Gesangssection übernimmt Herr Julius Körpner 2. Bez., Nooaragasse 17. Jeden Sonntag von 7—9 Uhr abends im Vereinslocale Vortrag oder Discufsion. Gäste stets willkommen. Wien. Sonntag, den 1. December fand in der Synagoge, Große Schiffgafse 8, die Trauung des Fräulein Hermine Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard Hofbauer, mit Herrn Isidor Felsenburg statt. In Anbetracht der großen Popularität des Brautvaters in der Wiener Gemeinde und der hohen Achtung, deren auch sich die Familie des Bräutigams in orthodoxen Kreisen erfreut, war die Zahl der Hochzeitsgäste so bedeutend, dass das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt war. Unter den Anwesenden bemerkten wir: Die Cultusvorsteher Bezirksschulrath Dr. Spitzer, Dr. Berger und Hermann Eltbogen, Professor Dr. Gärtner, die Rabbinen Marmorstein-Szenitz, Horowitz-Also Kubin, Reich-Wien, Dr. Rosenmann-Floridsdorf, den Rabbiner von Neuhäusel, die Obercantoren Bauer, Schorr, Guttmann, die Cantoreu Regner und Schreiber, Lommerzialrath Stiaßny, die Redakteure Dr. Bloch und Dr. Löwh, den gesammten Vorstand der „Schiff-Synagoge" und viele Andere. Nach Verrichtung des Mincha-- gebetes im Golteshause wurde die Trauungsceremonie durch Rabbiner Fürst und Cantor Wittmann nach streng orthodoxem Ritus im Tempelhose vorgenommen, woselbst trotz des heftigen Sturmes, der an diesem Tage herrschte, die Chuppa unter freiem Himmel ausgestellt wurde. Wien. Im Alter von 103 Jayren .verschied hier Frau Oru Albachary, geb. Elias, und wurde Montag den 2. d. M. zur ewigen Ruhe bestattet. Im Trauerhause hatten sich viele Mitglieder der türkischen Gemeinde und die beiden Präsidenten Marcus M Ruffo und Licco Adutt eingefunden. DerSohn der ehrwüdigen Verblichenen ist der Chef des bekannten Großhandlungshauses Samuel Albachary u. Co., welcher auch Vorstandsmitglied der Gemeinde ist und große Verehrung genießt. Die Functionen versahen Rabbiner Papo und Obercantor Bauer unter Assistenz des gesammten Chores, welcher unter Leitung de s Dirigenten Löwit stand. Wien. (Berichtigung.) Herr Fab. Ogutsch, 1. Cantor, nnd Herr Joseph B. Levy, 2. Cantor der neuen Synagoge in Frankfurt a. M., die in der vorletzten Nummer unseres Blattes als angemeldete Mitglieder des „allgemeinen Cantorenverbandes" genannt waren, theilen uns mit, dass sie Werh darauf legen, zu constatiren. dass sie bis jetzt nicht Mitglieder des Cantorenverbandes geworden find. (Die Veröffentlichung der beiden Anmeldungen war die Folge eines Jrrthums, der nicht Herrn Obercantor Großkopf in Frankfurt a. M., sondern uns selber zuzuschrriben ist. Die Redaction.) ZSndapest. Vor Kurzem fand hier im Tempel in der Tabakgaffe die Trauung des Fräulein Hulda Tennenbaum, Tochter des Obercantor» I. Tennenbaum in Stuttgart, mit Herrn Simon Kaufmann aus Budapest, Geschäftsführer der hiesigen Firma Jonas und Sohn, statt. Den Trauungsact, dem ein zahlreiches Publicum beiwohnte, vollzogen Rabbiner Dr. Kahserling und Obercantor Lazarus in besonders festlich Weise. Dr. Kayserling hielt, anknüpfend an den Psalmvers: dornot» haboh b’schem adonaj“ eine geist- und schwungvolle Rede, die sichtlich vom Herzen kam und zu Herzen drang, und Obercantor Lazarus bot eine exzellente Gesangsleistung. Besonders die Schlussnummer „Lloksros" für Männerchor und Cantorfolo wurde von demselben künstlerisch vorgetragen. Auch der Organist, der ein Meister seines Instrumentes genannt werden darf, und der Chor boten Ausgezeichnetes. Andapest. Die israelitisch -^ungarische slitterarische Gesellschaft hielt unter dem Vorsitze des königl. Rathes Dr. Philipp Weinmann eine Ausschusssitzung, in welcher Secrrtär Dr- Joseph Banoczi zunächst über die Wirksamkeit der Gesellschaft im verflossenen Jahre Bericht erstattete. Der Secretär meldete, dass auf die 2000 Kronen-Preisausschreibung für die Abfaffung einer israelitischen Litteraturgeschichte zwei Arbeiten einlangte», keine derselben jedoch des Preises würdig befunden wurde. Die Concurrenz wird abermals ausgeschrieben. Paul Tencer j sammelte einen Preis von 2500 Kronen für die „Geschichte der Juden } von der Zerstörung des zweiten Tempels bis zur Gegenwart"; Proben der Concurrenzarbeiten sind bis zum 15. September 1902 der Gesellschaft einzusenden. Nachdem diese Berichte zur Kenntnis genommen worden, wurde das Co mit 6 der Rechnungsrevisoren durch Sigmund M. Breitner ergänzt. Es folgte unter dem Vorsitz Adolf Agai's eine Vortragssitzung. Audapelt. (Ungarisch-israelitischer Landes fonds) Aus Anlass der Versammlung der israel. Gemeindedistricts- Präsidenten hielt auch der Ausschuss des ungarisch-israelitischen Landesfonds eine Sitzung, zu welcher sich die hauptstädtischen und Provinz-Mitglieder in großer Anzahl einfanden. Den Vorsitz führte Martin Schweiger. Schriftführer Dr. Franz Mezey legte den Präsidialbericht vor. Aus dem auf die Vergangenheit bezüglichen Theile desselben ist hervorzuheben, dass der Landesfonds an der Ludovica-Academie mit einem Betrage von 150.000 K. Stiftungsplätze errichtete, in Körösmezö eine Schule gründete und arme Cultusgemeinden unterstützte. Aus dem für die nächste Zukunft festgestellten Programm ist zu erwähnen, dass der Landesfonds außer den Spesen für die Weilerentwickelung der Körösmezöer Schule für die Aufrechterhaltung der Institute armer Gemeinden 8000 Kronen, für vier Reisestipenvien (je ein Hörer der Philosophie, Mediziner, Maler und Bildhauer) insgesammt 4000 Kr., zur Unterstützung armer Zöglinge der israel. Landes-Lehrerpräparandie 1000 Kr. und zur Veranstaltung von Vorträgen in der Provinz 600 Kr. in das Ausgabenetat aufnahm. Bon den für den Landesfond gezeichneten 888.182 Kr. sind bisher 532.965 K. eingefloffen und außerdem beträgt die Summe der von einzelnen Corporationeu verwalteten Stiftungen 164.200 K. Blos die Zinsen der Stiftungssummen dürfen für die festgestellten culturellen Zwecke verwendet werden. Für das Jahr 1902 stehen den 19.100 Kr. betragenden Ausgaben gegenüber 26.000 K. Einnahmen zu erwarten. Den Funktionären wurde das Absolutorium ertheilt, und zwar in Begleitung mehrerer Dankreden. Statt Sigmund Kornfeld's, der auf seine Stelle als zweiter Präsident resignirt hat, wurde Dr. Moriz Mezey, und an die Stelle des verstorbenen Controlors Alexander Wahrmann wurde Dr. Adolf Kohner gewählt. Kattowitz. Donnerstag, den 14. November fand im hiesigen „Verein junger Kaufleute" ein Böcklin-Abend statt, bei welche,n der berühmte Kunstkritiker Dr. Richard Mnther, Profeffor der Kunstgeschichte an der Breslauer Universität, einen Vortrag über Böcklin hielt. An diesen reihte sich die Vorführung Böcklin'scher Gemälde durch ein Sciopticon, die durch musikalische Vorträge unseres wohl erst kurze Zeit hier wirkenden aber außerordentlich beliebten und anerkannten Obercantors, Herrn Simon Singer, und durch Recitationen des Herrn Dr. Ernst Hellfried eine ebenso stimmungsvolle als künstlerische Ergänzung fanden. Das „Oberschlesische Tagblatt" schreibt darüber folgendes: „Die Vorführung Bö cklin'scher Meisterwerke durch das Sciopticon wirkte vortrefflich, wenngleich der höchste Eindruck, der der Farbe, ihnen versagt blieb. Indessen wurd e dieser Mangel dadurch ausgeglichen, dass sich mit der Kunst der bildlichen Darstellung Poesie und Musik verbanden. Herr Dr. Hellfried begleitete die einzelnen Bilder durch ausgezeichnete Recitation von Stellen aus Hugo von Hoffmannsthal's dem Inhalt wie der Form nach gleich schönem „Tod des Tizian", die wie für diesen Anlass geschaffen schienen, und Herr Obercantor Singer gab am Harmonium eine von ihm selbst herrührende musikalische Begleitung, welche die Stimmung noch mehr ins Feierliche hob. Die tiefempfundene Einleitung, die im Ernst wie nach der heiteren Seite sicher treffende, feine, gefühlvolle und feffelnde Charakteristik der einzelnen Abschnitte sprach zum Herzen der Hörer". — Obercantor Singer hat die Musik zu den Böcklin-Bildern als Melodram componirt und Profeffor Muther war von der Musik so begeistert, dass er den Componisten bestimmte, dieselbe dem Drucke zu übergeben. Wie uns mitgetheilt wird, hat das Vereinscomite dem Obercantor Singer den musikalischen Theil besonders deshalb übertragen, weil er nicht nur Musiker sondern auch Maler ist. der in seinen Mußestunden schon manch schönen Beweis seiner doppelseitigen künstlerischen Begabung geliefert hat. r: