Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 40 (18.10.1901)
- Date
- 1901-10-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ais Wahrchsil »ebactiott u. Administration Wien. 11/1. Novaragaffe 27. AnaVtzängige Keilschrift für jüdische Lszugrpni»: Ganzjährig . . #. 12.— St. k östrrr. Postsparcasia Untere-sen. Check-Conto Nr. 846.25,. Für Lultusboamte: > ftfitfttc: Ganzjährig ... 9. 10.— 20 Heller per Noupereille-Zeilr. Erscheint jeden Freiing. Für Ausland: Abonnement-- und Insertion-» Ganzjährig .... 8 Stast betrüge find in Wien zahlbar. | Motto: »Das Siegel Gottes ist Wahrheit 6 Rubel oder 16 Frcs. itr. 40. Wien, 18. ©daher IM. Anhalt r Zum Duell Soyka-Löwenfeld. —lUeber die Nothwendigkeit jüdischer Volksschulen. — Die Eidesablegung „mors judaiee“. — Oesterreichisch-Jsraelitische Union. — Erinnrungsblätter. — Gustav Wiener. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zur Eantoren-Organisation. — Mayer Wodak. — Fünfundzwanzigjähriges Amtjubiläum. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen die geehrten Herren Abonnenten nm Einsendung der Abonneinentsgebühr sür das am 1. Octobertzbegonnene IV. Quartal nnb Begleichung der Rückstände von den Sommermonaten. Die Redactton. Zum Duell ZoyKa-Löwenseld. Es ist nicht das erstemal, dass die Antisemiten in ihrem blindwüthigen Kampfe gegen die Juden die Ehre und das Ansehen staatlicher Institutionen verunglimpfen, und so haben sie auch bei der Besprechung des vor Kurzem mit so tragischem Ausgange stattgehabten Duells Soyka-Löwenfeld das Ofstciers- Ehrenkleid mit ihrem Schmutze beworfen, weil der Träger desselben, einer der Secundanten Löwenfeld's, jüdischer Abkunft ist. Daraufhin sah sich die „R e i ch s w e h r", die gewissermaßen als osficiöses Organ des Officierscorps gilt, veranlasst, gegen die antisemitische Presscampagne in einem leitenden Artikel entschieden Stellung zu nehmen. Das Bemerkenswerthe der betreffenden Ausführungen liegt jedoch nicht in der ausgezeichneten, mit vernichtendem Sarkasmus geführten Polemik gegen die antisemitische Pressbande, sondern in der der weitesten Verbreitung würdigen Thatsache, dass in einem der höchsten Militärbehörde nahestehenden Blatte einmal das Märchen vom Antisemitismus in der Armee und insbesondere im Officierscorps offen und unzweideutig negiert wird. Nachdem nämlich die Niederträchtigkeit und Hohlheit der gegen den erwähnten Secundanten erhobenen Beschuldigungen und die lächerliche Haltung, die die Antisemiten in der Duellsrage gegen die Juden überhaupt eiunehn.en, nachgewiesen wird, heißt es zum Schlüsse des beregten Artikels folgendermaßen: „Soweit also die antisemitische Presscampagne gegen Löwenfeld und Jakobsohn geht, braucht man sie nicht ernsthafter zu nehmen, als sie sich selbst gibt. Aber diese Campagne greift über den Einzelsall und seine Personen in die Allgemeinheit hinüber, sie greift an Ansehen und Satzungen des Ofsicierscorps.' Und da hört der Spass auf. Da muss man mit allem Ernst und allem Nachdruck erklären, dass es im Officierscorps irgend welche Unterscheidungen nach Abstammung oder Gla ub ens bete n n t n i s n i ch t gibt u n b nicht geben darf. Wer dje Ehrenzeichen des Officiers trägt, der ist Of fi c i er, sei er n u n C h r i st, Jude, M o s lim oder Hindu. Uud wer dem Officiersstande angehört, der untersteht unbedingt jenen geschriebenen uud ungeschriebenen Satzungen und Anschauungen, welche in diesem Stande über Ehre uud Ehrschutz bestehen. Nach diesen Satzungen und Anschauungen, soweit sie sich auf die Genugthuuug mit den Waffen in der Hand beziehen, liegt alle Verantwortung der Anordnung und Durchführung des Zweikampfes ausschließlich bei den Scnndanten. Sie sind es, nicht die beiden Gegner, welchen Auswahl und Bereitstellung der Waffen zukommt. Wer also die bloße Möglichkeit erörtet, dass bei einem Duell, dem drei active Officiere und ein Reserveofficier als Cariellträger anwohnten, ein Verschulden oder eine Außerachtlassung hätte Vorkommen können, welche die Chance des einen Gegners schmälern und die des andern fördern musste, der verdächtigt die Gesammtheit der Cartellträger und durch sie das Officierscorps, dem sie angehören. Und das muß mit allere Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Entweder man weiß Thatsachen vorzubringen, die ein solches Verschulden oder eine solche Außerachtlassung beweisen, dann bringe man sie vor. Aber nicht gegen Einen der Cartellträger, sondern gegen Alle, denn sie haften solidarisch. Wenn man das aber nicht kann, dann unterlasse man doch auch, anzudeuteu, zu vermuthen, zu verdächtigen. Es mag ja sehr schmerzlich sein, die beiden Judenstämmlinge, die man schon so hübsch präparirt hatte, den Einen als Mörder, den Anderen als Mordgehilfen, angesichts der unbequemen Thatsachen wieder freigeben zu müssen. Es ist wahr, nicht alle Tage erschießt so ein Judenstämmling seinen. Gegner im Duell, und der seltene Fall eignet sich wirklich ausnehmend gut für partei-politische Berwerthung. Aber die Armee, das Officierscorps sind denn doch wichtiger als die politische Reclame, auch wenn sie eine Partei noch so sehr vonnöthen hat. Ist es eine Partei, die den Staat will, die Armee und das Officierscorps, dann muß sie eben das Bischen Reclame opfern. Kann sie das aber nicht, danit ist sie keine Partei, die Bestehendes respectiren will, sondern dann ist sie eine Nachbarpartei der Socialdomokratie. Wenn Herr Dr. Lueger und seine Partei mannhaft erklären wollen, dass sie den „Militarismus" nicht minder erfrig bekämpfen, wie die Socialdemokraten es thun, dann können sie gegen Armee und Officierscorps losziehen nach Herzenslust. Aber eine Ordnungsparrei sein wollen, und dabei an den Grundquadern rütteln, auf de,reu der beste Pfeiler des Staatsbaues, die Armee, ruht, das geht nicht an. Nochmals also, wie schon einmal gesagt: Entweder einen längeren Mantel oder einen kürzeren Fisch."