Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 39 (11.10.1901)
- Date
- 1901-10-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063101--01576-3068178- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 39. Die Wahrheit. Seite 11. volle Rede, welche auf alle Theilnehmer einen nachhaltigen Eindruck übte. Am Abend desselben Tages wurde er nach vollendetem Gottesdienste in den Sitzungssaal gebeten, wo ihn eine Damendeputalion erwartete, und die 8jährige Grethe Spiegel, das liebliche Töchterchen des Herrn Julius Spiegel, überreichte ihm als Ehrengeschenk der Damen des 20. Bezirkes ein schweres Silber-Cigaretten-Etui mit kunstvoller Gravierung. Herr Oesterreicher nahm das Geschenk aus den Händen des Kindes in Empfang und dankte in gemüthbewegter Rede. N. CH. Mie«. (Musik- und Gesangschule Morini, 2. Bez., Taborstraße 52.) Der Unterricht im neuen Schuljahre hat bereits am 15. d. begonnen und finden täglich Einschreibungen und Aufnahmen statt. Dieses Institut, welches in Wien zu den ältesten und bestrenommiertesten gezählt wird, bedarf keiner Anpreisung, und es soll nur daran erinnert werden, dass die Zöglinge desselben durch die vorzüglichen, unter persönlicher Leitung des Directors Morini stehenden Lehrkräfte unter Anwendung einer ausgezeichneten Lehrmethode in sämmtlichen Fächern der Tonkunst auf das höchste Niveau der künstlerischen Ausbildung gebracht werden. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Freundschaftsbund", gegründet 1895 zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der Cofession, veranstaltete am 5. October im großen Festsaale des Hotel Central II., Taborstraße 8 einen heiteren Vortragsabend (Simchath-Thora- Fest) verbunden mit einem Tanzkränzchen, der sich zahlreichen Besuches erfreute und ungemein animirt verlief. In Anbetracht des wohlthätigen Zweckes hatten in besonderer Liebenswürdigkei u. A. Fräulein Marie Zwerenz, Soubrette d. k. k. priv. Carltheaters, Fräulein P. Teloni Souberette des Jantschtheaters, die Herren Louis^Treumann rom k k. priv. Carltheater, E. u. A. Golz, I. Sachs vom Jantschtheater dem Vereine zur Verfüglmg gestellt und wurden die Darbietungen der genannten Künstlerinnen und Künstler mit vielem Beisalle ausgenommen?^ Die Tanzmusik besorgte die beliebte Saloncapelle Herlinger. Aaden. Der letzte Sukkothtag, der Freudentag des Thorafestes, ist zugleich der Sterbetag des zuin allgemeinen Bedauern jso früh Heimgegangenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann. Mit Feuereifer für das Wohl seiner Glaubensgenossen eintretend und immer bestrebt/.das Webe derselben zu mildern, betheiligte er sich stets —Zwomöglich die Oeffenr'- lichkeit meidend — an jeder diesbezüglichen Action, und^ wo Rrth^und That nöthig war, war er gewiss am richtigen Platze zu finden. Dessen eingedenk und mit Berücksichtigung des für die Badener israelitische Cultusgemeinde so wichtigen Umstandes, dass der um das Judenthum so hoch verdiente Vater des Verblichenen^, Herr iDavid R. v. G u tm a n n, durch eine außerordentliche munificentej Spende dieser Gemeinde es ermöglichte, den Bau eines neuen Tempels mit aussichtsvollem Erfolge in Erwägung zu ziehen, hat unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Wilhelm R e i ch, -es als seine Herzenspflicht angesehen, am Schemini- Azareth in der vor dem Maskir gehaltenen Predigt des dahier im Vorjahre selig entschlafenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann zu gedenken.^wobei er dessen so früh erfolgten Tod als einen herben Verlust für die österreichische Jndenheit der andächtig lauschenden Versammlung in ergreifenden Worten darstellte. Jeder Einzelne fühlte sich durch diese Haskoro gehoben und es bemächtigte sich der Zuhörer eine tiefgefühlte pietätvolle Stimmung; der meisterhafte Redner bezeichnete in treffender Weise den Verblichenen als „Mäh Jehuda isch towu, mit der Erklärung, er^sei eine Leuchte Judas, und als solcher der würdige Vertreter des illustren Namens „Gutmann" gewesen. Die durch diese Haskoro bei allen Tempelbesuchern erweckte Empfindung wiedergebend, sprechen wir es auch aus: „seoüer zadik liwroeho“ DasAndenken des verstorbenen Dr. Ludwig Ritter von Gutmann möge zum Segen für ganz Israel sein! I. Hobitschau. Ueber Einladung der hiesigen Cultusvertretung hielt Herr Dr. Adolf Kapralik, Erzieher bei der durch Wohlthätigkett sowie durch Bethätigung echt jüdischen Fühlens besonders bekannten Familie des verstorbenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann sel. Andenkens, am ersten rutw, vmi Tag sowie '112 hs Abend tiefsinnige, formvollendete Predigten, die auf die Gemüther der zahlreich erschienenen Andächtigen ihre zündende und erhebende Wirkung auszuüben nicht verfehlten. Herr Dr. Kapralik, ein im deutschen wie jüdischen gleich ausgezeichneter Gelehrter hat auf das Mussafgebet am nsn an Tage in würdiger und verständnisvoller Weise zum Vortrage gebracht und sich damit den Dan! und die Anerkennung aller Mitglieder erworben. Hr.-Kanizsa. Anlässlich des hundertsten Geburtstages Rabbi Sacharja Frankel's hat unser Oberrabbiner, Herr Dr. Neumann, die Schemini-Azareth-Festpredigt vollends deffen Andenken gewidmet. Die anziehende Schilderung seiner geschichtlichen Laufbahn, so wie die sachlich gelehrte Darstellung seiner theologisch wiffenschaftlichen Thätigkeit als Gründer und langjähriger Director de- Breslauer Rabbiner-Seminars hatte die zahlreich versammelten Zuhörer ungemein gefeffelt. G. punafökdvar. Am 25. v. M. fand die Beerdigung der Eheaattin des greisen hochverehrten Rabbiners in Apostag unter überaus großer Theilnahme der Bevölkerung statt. Die Verblichene hatte in ihrer Sinneszerrüttung am heiligen Versöhnungstage ihrem Leben eigenhändig ein Ende gemacht, und während der Gatte in tiefe Andacht versunken in der Synagoge die Gesundheit seiner schwerkranken Gattin herbeiflehte, hatte im Hause daheim das Eheband einen ewigen Riss erhalten Erst am Abend wurde die schreckliche That bekannt und man vermochte kaum den hochbetagten Rabbiner aufrecht zu halten, als die Kunde von dem grauenhaften Hinsche.iven seiner Ehehälfte, mit der er 46 Jahre hindurch Freud uud Leid getheilt hatte, zu seinen Obren drang. Nachdem er sich von seinem ersten Schmerze einigermaßen erholt hatte, ließ er seinen einstigen Schüler, Dr. Sam. Partos, telegraphisch zu sich berufen, um in seiner trüben Lage bei ihm sich Rath zu erholen. Dieser war auch mit seiner Gattin zu seinem greisen Meister geeilt, und am Beerdigungstage nahm er rührend von der Verblichenen Abschied und sprach dem gebrochenen, tiefgebeugten Lehrer Muth und Trost zu. Rührend war es anzuschauen, mit welcher Seelenstärke der alte Rabbiner von seiner treuen Ehehälfte Abschied nahm. Alles war tief ergriffen, Nun ruht sie in Frieden, die keine Ruhe hier auf Erden gefunden. Möge ihr die Erde leicht sein» mözder himmlische Vater die Wunden heilen, die er in seinem Grimme dem verlassenen Greise geschlagen, und möge dieser in seinem heiligen Berufe wahren Trost finden!_Kol-mewasaer. Schönstes GescbetiK für jsraeliten! Durch jede Buchhandlung zu beziehen, eventuell auch direct vom Verlag. Gerühmte israelitische ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ ★ Männer und JYaue* in der Culturgeschichte der Menschheit. Lehens- und Charakterbilder aus Vergangenheit und Gegenwart. Ein Handbuch für Haus und Familie. Mit zahlreichen Porträts und sonstigen Illustrationen von Dr Adolph Kohut. In diesem Werke wird aller Welt klar und deutlich nach gewiesen, dass, sowie der Jude sich nach seiner eigenthümlichen psychischen und physischen Anlage acclimati sirt, ebenso auch der jüdische Geist in der ganzen Welt und auf allen Gebieten geistiger und moralischer Thäthigkeit Bedeutendes zu leisten im Stande ist. Meinen Glaubensgenossen, vor allen den jüdischen- Familienvätern, möchte ich rathen, in dem Buche mit allen Mitgliedern der Familie jede Woche ein Capitel zu studieren und den Inhalt _aich einzuprägen etc. Köln, am Rüsttag des Versöhnungstages 5661/1901. Dr. Frank, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde. 2 Bände prachtvoll mit Goldschnitt gebunden 2b M. Verlag von A. H PAYNE in Leipzig-Readnitz. Bernh. Steinhardt Schneidermeister Wien, I., Tuchfauben 10. Erstes Wiener Specialgesehäft für Synagogen-Ornate I" Adjustirungen liefert den P. T. Herren Rabbinern u. Cantoren nach Heber einkommen zu ermässigten Preisen und guten Conditionen. Muster und Illustrationen auf Verlangen gratis und franea