Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 38 (27.9.1901)
- Date
- 1901-09-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 88. Die Wahrheit. Serie 9. Wir stehen am See im Banne unbegrenzter Bewunderung, denn 'wir wissen nicht, ob wir mehr seine Spiegelglatte, seine durchsichtige Klarheit, seine unermeßlich scheinende Tiefe, oder ob wir mehr seinen Reichthum, die Freigebigkeit anstaunen sollen, mit welcher er dem Strome ununterbrochen solch große Waffermengen liefert. Auch bei Ihnen, sehr -geehrter Herr Jubilar, wissen wir nicht, ob wir mehr Ihre mannigfache humanistische Bildung, Ihre fachwissenschaftiche Gelehrsamkeit, die Klarheit Ihres scharfen Denkens, die Tiefe Ihres unbestechlichen Rechtsgefühls, Ihre Belesenheit und Ihre Beredtsamkeit, oder ob wir mehr Ihre praktische Thätigkeit bewundern sollen. Ihre erfolg- und segensreiches Wirken -als I. Vicepräses unserer Gemeinde wie der „Jsrae litischen Allianz", als Präsident des von Ihnen gegründeten „Allgemeinen österr.-isr. Gemeinde- Hundes" und nicht ganz zuletzt als gewesener Gemeinderath. Wir freuen uns dankbaren Herzens dieser Verlegenheit, denn wir preisen Gott, dass wir in Ihnen einen Mann besitzen, dem wir als Juden s o vieles Schöne und Gute verdanken, von dem wir noch so vieles Schöne und Gute zu erwarten berechtigt sind. Bei Ihnen, sehr geehrter Herr Jubilar, ist das Fest des 70. Ge» burtstages in doppeltem Sinne ein jüdisches, einmal, weil an diesem 'Feste eine sehr große jüdische Gesammtheit den innigsten Antheil nimmt, rmd dann, weil Ihre Siebzig mit Fug und Recht den Namen „tid“ verdienen, „“pd“ heißt zu deutsch Geheimnis und bezeichnet mit seinen brei Buchstaben den Zahlenwerth von 70. Nun, 70 Jahre alt zu werden, ist kein Geheimnis, aber 70 Jahren so geistes- und jugendfrisch, so Io schöpferisch zu wirken und segensreich zu walten, wie es bei Ihnen der Fall ist, das ist allerdings ein unlösbar zu nennendes Räthsel, ein -Geheimnis, wie jenes des Sees und des von ihm gespeisten Stromes. Dass Sie uns noch lange, lange, noch einige Jahrzehnte ein solches Geheimnis, ein solches Räthsel bleiben, das ist der Inbegriff all der Wünsche, welche ich Ihnen im Namen Ihrer zahllosen Verehrer und ■ Freunde ausspreche.; Möge es Ihnen noch lange vergönnt sein, im Kreise Ihrer theuern ' Familienglieder auf der sonnigen Höhe zu verharren, die Sie heute; «innehmen, mögen Sie noch ungezählte Jahre segensreich wirken zum; Wvhle und Heile unserer Gemeinde, zum Stolz und zur Ehre der ganzen jüdischen Gesammtheit!" I Aie». Mit Mendl Hilferding, der am 25. d im 85. Lebensjahre zu Grabe getragen wurde, ist eine Leuchte des Judenthumes dahingeschieden, die es bei Lebzeiten sorgsamst vermied, die Oeffentlichkeit mit sich zu beschäftigen. Der Verblichene, der einer hervorragenden jüdischen Gelehrtenfamilie entstammte, war ein scharfsinniger Talmudist und ein bedeutender Humanist. Gleich Moses Mendelssohn war er viele Jahre in einem bedeutenden Geschäftshause in angemessener Stellung und widmete jede freie Stunde seines Lebens wissenschaftlichen Arbeiten, in erster Linie auf talmudischem Gebiete. Da Hilferding seine Werke bei Lebzeiten nicht im Druck erscheinen lassen wollte, befindet sich in »einem Nachlasse eine große Zahl von Manuscripten von eminent wissenschaftlichem Werthe. Hilferding hinterlässt einen Sohn, drei Töchter und eine Anzahl Enkel und Urenkel. Der Schriftsteller Kwaschefski und Ingenieur Löw-Beer sind die Gatten seiner Enkelkinder. Beim Leichenbegängnis hielt im Trauerhause der in Fachkreisen bekannte Talmudist, Herr Süskind Chameides, seinem langjährigen Freunde einen ebenso wissenschaftlich durchdachten wie tief empfundenen Nachruf, zu dem Thema w'2 moWn s«2? jctr ’O nw« und in der Ceremonienhalle des Centralsriedhofes sprach Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann ausgehend von dem Satze: r2np ton na» 22n Tint»n „Wenn ein Schriftgelehrter stirbt, sind Alle seine Anverwandten, da die ganze Menschheit durch seinen Heimgang einen B erlust erleidet" in gewohnter geistreicher Weise. N. Ch. Wie». Der Nestor der Wiener Sprachlehrer, der bekannte Philanthrop Professor Simon Hoffinann, errichtet einen Sammele irs für englische Sprache, dessen gesammtes Erträgnis dem humanitären Vereine Thorath Chessed gewidmet ist. Herr Professor Hoffman» erfüllt damit den doppelten Zweck, jungen Leuten Gelegenheit zu geben, die so wichtige englische Sprache gegen ein minimales Honorar bei einem Meister zu lernen und Wohlthätigkeit zu fördern. Anmeldungen werden erbeten an Herrn Leopold Rosenbaum, Vorstand des ,,Vboratb Chessed“, Wien, 2.Bezirk, Große Pfarrgaffe 11. StoLera«. Einen recht herben Verlust erlitt unser sehr^geschätzter Cantor und Religionslehrer, Herr I. S. Werdisheim, durch Len Tod seines 17jährigen talentvollen Sohnes Emil. Nach langer Krankheit verschied dieser brave Oberrealschüler Sonntag, den 8. d. M. Bei dem Monkag stattgefundenen Begräbniße hielt der trauernde Vater vor der zahlreich versammelten Gemeinde eine tief empfundene Rede, die die Anwesenden zu Thränen rührte. 8MT Are nächste Nummer unseres Blattes erscheint in Kotge der Aestwoche erst nach den Sukkotß-Ieiertagen. Aie Administration. AUFRUF. ln Anbetracht des eminent wichtigen Zweckes, den unser Institut verfolgt, erlauben wir uns, jeden Glaubensgenossen dringendst 2U bitten, dasselbe durch Beitritt zu unterstützen. Credit-In3titut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte. J. K a r e i 8, k. k. Hofrath. Richard Rappaport. Hermann Eltbogen, Cultusvorstand. Der Aufsichtsrath: Emanuel P o 11 a k, Oberbuchhalter. Dr. phil. Paul *7 e i s e n g r G n. Heinrich Kornmelil. Fleischhauev. Alfred Morawotz, Beamter. Die Direction: Jakob Reichmann, Buchdrucker. Adolf Rakowski, Kaufmann. Leon Drublowitz, Zahnarzt. Josef P o 1 la k, Firma Pollak & Neuron, Obmann. Salo Klausner. Obmann-Stellvertreter. Max Pappenheim, leitender Director. Moriz Pozsonyi, Schriftführer. Heinrich Weiner. Gottlieb Herrmann. Auszug aus den Statuten des „CrediMnstitut Cregistrirte Genossenschaft Gegenstand nnd Sitz der Genossenschaft. § 3. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Wien und bezweckt: «) bei ihren Mitgliedern, durch Entgegennahme von Einlagen, welche verzinst werden, und den Anspruch auf Gewährung von Darlehen erhöhten Sinn für Sparsamkeit und Capitalsammlung anzuregen. b) den Mitgliedern entsprechende, leicht rückzahlbare Darlehen zur Förderung ihres Erwerbes oder zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu verschaffen. Genossensohaftsfonds. § 3. Der Fonds der Mitglieder wird gebildet: a) aus den von den Mitgliedern zu zahlenden Geschäftseinlagen; für jüdische Gewerbetreibende und Beamte“ mit beschränkter Haftung) b) aus dem Reservefonds; c) aus dem von der Direction zu beschaffenden Betriebsfonds. Derselbe kann durch Aufnahme von Spareinlagen beschafft werden; d) aus freiwilligen, nicht Rückzahlbaren, einmaligen Beiträgen, welche der Genossenschaft, von welcher Seite immer, zur Verfügung gestellt werden. Personen oder Gesellschaften, welche solche Beiträge leisten, sind nicht Mitglieder der Genossenschaft und besitzen weder Rechte noch Pflichten in derselben. Gesohäflsantiieilo -der Mitglieder. § 4. Der Geschäftsantheil jedes Mitgliedes wird auf einen Betrag von 100 Kronen festgesetzt. Das CrediMnstitut für jüdische ©ewerbetreibende und Beamte (registrierte G-enoBsensohaft aalt beach ränkter Haftruag) WIK N, II., Leopoldsgasse N r, 40 »■ —■ übernimmt SPAREINLAGEN za ^Ptrc. mit 141s giß er, zu 4'/ä Pure. mit monatlisher, zu 5 Pire. mit dreimuuattrcliur Küadiguof. Da» Direktorium.