Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 37 (20.9.1901)
- Date
- 1901-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. Die lvadrhen. Leite 9. später die Regierung gelangen, während der Künstler mit dem religiösen Cultns absolut nichts gemein hat und auf eine staatliche Anerkennung niemals berechtigten Anspruch erheben kann. Unser Gottesdienst aber besteht nach wie vor aus einem einzigen religiösen Theile. dessen Vertreter der Cantov oder R e l i g i o n s d i e n e r ist. Brüx, am 8. September 1901. I. Lamm, Obercantor. Das Kaddischgebet. Von Bernhard Loewenthal. (10. Fortsetzung.) Bekenner der Religion, welche ebenso wie die mosaische das Wort lehrt r ,,Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst", haben das Recht, ihre Glaubensgenossen gegen Menschen wie gegen Thiere zu Hetzen, ihre Brüder zum Mord gegen ihren Nächsten zu reizen, und würden sich nicht entblöden, ihre Untergebenen zu Raubzügen gegen ihren Nebenmenschen anzuführen. Muss man da nicht an die Mauern des Ghetto denken? Und darf man in solcher Zeit vergessen, dass man Jude ist? Ob reich, ob arm, ob orthodox oder liberal, ja wenn er selbst seinem Glauben den Rücken gekehrt hat „der Jude bleibt Jude!" Wenn es auch scheint, als ob man sein ,,Judenthum" ihm vergessen hätte, es ihm nicht zum Vorwurf macht, der Augenblick kommt doch, wo er scheel angesehen wird und ihm, wenn auch nur im Blick, gesagt wird: „Du Jude". Da hat denn Mancher schon vergessen, dass er stolz sein kann aus sein Judenthum, auf. seinen Glauben und seine Nation und oft, nur zu oft, ist von all' dem, was das Wort „Jude" Hohes und Edles in sich birgt, manch einem nicht viel mehr übrig geblieben als der Versöhnungstag und am Jahrzeitslage das „Kaddischgebet". „Ja, das Kaddischgebet!" So ist der Jude. Wenn alles von ihm schon abgefallen ist, was „Jüdischkeil" bedeutet, wenn er sich vollständig schon losgerissen glaubt von dem Althergebrachten, wenn er keinen Gott mehr können möchte und feinen Glauben, dann taucht vor seinem Geiste ein einsames, fernes Grab auf, ein Gedanke wehmüthig und weich, durchzuckt seine Seele, sein Herz erbebt und wenn er auch noch so entfernt ist von der letzten Ruhestätte seiner Lieben, so drängen sich doch am Jahrzeitstage der theueren Dahingeschiedenen die Worte des Gedenkens auf seine Lippen und leise, das Antlitz gen Osten gekehrt, sagt er das Kaddischgebet. Mit unsichtbaren Fäden ist der Jude an das Grab seiner Eltern gefesselt, über Berg, Meer, Gebirge und Thal nach Jahrzehnten noch zieht es ihn dort hin, wo seine Dahingeschiedenen im Schlummer des Todes ruhen, er wallfahrtet d ann nach dieser Stätte, um hier zu beten. Wie also hätte der kleine Leon dieses verstehen sollen? Wie hätte er das wissen sollen, was das heißt: „Vergiss nicht das Kaddisch!" Wohl war er für sein Alter schon zu klug, er aber war ein Kind und Kinder lernen und vergessen leicht, sie haben ja so viel zu lernen und so unendlich viel zu vergessen. Ein Leid macht nicht solchen Eindruck auf ihr Gemüth, wie bei einem erwachsenen und es ist gut so — wir wären sonst nie glücklich gewesen. Bei Leon verwischten sich bald die Ereigniße, die sich in den kleinen Häuschen mit dem sauber gehaltenen Garten, für so traurig abgespielt hatten und die Eindrücke, die er im Hause seines Onkels empfing, nahmen in seiner Seele Platz. Da war die kleine Alice, seine Cousine, mit der er sich bald, nach Art der Kleinen, befreundete. (Fortsetzung folgt.) AUFRUF. In Anbetracht des eminent wichtigen Zweckes, den unser Institut verfolgt, erlauben wir uns, jeden Glaubensgenossen dringendst zu bitten, dasselbe durch Beitritt zu unterstützen. Credit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte. J. K a r e i s, k. k. Hofrath. Richard ßappaport. Hermann Eltbogen, Cultusvorstand. Der Aufsichtsrath: Emanuel P o 11 a k, Oberbuchhalter. Dr. phil. Paul ~7 eisengrün. Heinrich Kornmehl, Fleischhauer. Alfred Morawetz, Beamter. Die Direction: Jakob Reichmann, Buchdrucker. Adolf Rakowski, Kaufmann. Leon Drublowitz, Zahnarzt. Josef P o 1 la k, Firma Pollak & Neuron, Obmann. Salo Klausner, Obmann-Stellvertreter. Max Pappenheim, leitender Director. Moriz Pozsonyi, Schriftführer. Heinrich Weiner. Gottlieb Herrmann. Auszug aus den Statuten des „Credit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte“ Cregistrirte Genossenschaft mit beschränkter Haftung) Gegenstand nnd Sitz der Genossenschaft. § 2. Die Genossenschaft hat ihren Sitz in Wien und bezweckt: a) bei ihren Mitgliedern, durch Entgegennahme von Einlagen, welche verzinst werden, und den Anspruch auf Gewährung von Darlehen erhöhten Sinn für Sparsamkeit und Capital- Sammlung anzuregen. b) den Mitgliedern entsprechende, leicht rückzahlbare Darlehen zur Förderung ihres Erwerbes oder zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage zu verschaffen. Genossensohaftsfonds. § 3. Der Fonds der Mitglieder wird gebildet: a) aus den von den Mitgliedern zu zahlenden Geschäftseinlagen; jt)as Credit-Institut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte (registrierte Gre33.ossexxsola.att xxa.it 'beschräxxlrter Haftung) _ WIEN, II., Eeopoldsgasse IS r. 49 übernimmt SPAREINLAGEN zu 4 Pore, mit 141ägi ger, zu 41/* Perc. mit monatlicher, zu 5 Perc. mit dreimonatlicher Kündigung. b) aus dem Reservefonds; c) aus dem von der Direction zu beschaffenden Betriebsfonds. Derselbe kann durch Aufnahme von Spareinlagen beschafft werden; d) aus freiwilligen, nicht rückzahlbaren, einmaligen Beiträgen, welche der Genossenschaft, von welcher Seite immer, zur Verfügung gestellt werden. Personen oder Gesellschaften, welche solche Beiträge leisten, sind nicht Mitglieder der Genossenschaft und besitzen weder Rechte noch Pflichten in derselben. Gesohäftsantheile der Mitglieder. § 4. Der Geschäftsanteil jedes Mitgliedes wird auf einen Betrag von 100 Kronen festgesetzt. Das Direktorium.