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Die Wahrheit · 1901-09-20 · Heft 37 (20.9.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 37 (20.9.1901)
Date
1901-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaction u. Administranon [ Vien. 11/1, Novaragaffe 27. —! Jt. f. BfUrr. Postsvarcassa Lheck-Conto Nr. 846.251. Hnaktzängige Heitschrifi für Msche > Lezngsprejr: Ganzjährig . . A. 12.— Halbjährig . . . Jt. 6.— Interessen. Für Lultus beamte: > n fi t a 11: Ganzjährig . . . Ä. 10.— 20 Heller per Nouvareillr-Zeile. Erscheint jeden Freitag.! Für Ausland: Abonnementsnnb Iniertions» Ganzjährig .... 8 Statt betrüge sind in Wien »adldar. Motto : .Das Siegel Gottes ist Vahrheit »" 6 Rubel oder 16 Frcb. Kr. 37. Wien, 20. September Ml. Anhalt r Der Versöhnungstag der Menschheit. — Die Rechtsverhältniße der Juden. — Die Festfreude der Juden in früheren Zeiten. — Krise im Simmeringer Bethaus-Verein. — Orthodoxen-Organisation in Wien. — Verschiedene Nachrichten. — (Santot oder Künstler. — Feuilleton: Das Kaddischgebet. Aa am 1- Actoöer öereits ein neues Huarlat beginnt, ersuchen wir um Einsendung der rückständigen AöonnemenLsöeträge. Die Administration. Der Versöhnungstag der Menschheit. Bekanntlich wurde im Tempel zu Jerusalem nicht blos für das Volk Israel, sondern auch für die siebzig Völkerschaften der'Welt am Jom Kippur je ein Opfer dargebracht. „Gott liebt die Völker, all ihre Heiligen sind in seiner Hand, sie lagern gleichsam zu seinen Füßen, empfangen wie Schüler seine Worte". Auch der Talmud, der mit Unrecht als intolerant verrufen ist, enthält den denkwürdigen Satz: „Die Frommen aller Völker, die zur Belehrung und Aufklärung der Welt beigetragen und sich zur Erkenntnis des Einig-Einzigen emporgeschwungen haben, sie haben Antheil an der ewigen Seligkeit und sind für das Jenseits nicht verloren". Es muss demnach blos eine Formel gesunden werden, um auch im sociaen Verkehr den Frieden und die Versöhnung zu begründen und zu festigen. Diese Formel ist der „G l a u b e a n G o t t", und nur die auf diesem festen Grunde fußende Moral und Menschenliebe können von Dauer und Bestand fein. Das Erwachen durch den Posaunenschall und frommes Wirken allein genügen nicht, es bedarf außer dem stricten Leben nach den mosaisch-talmudischen Gesetzen der hiezu entsprechenden, wahrhaft religiösen Gesinnung, dann ist die bürgerliche-Gesittung und rigorose Gesetzmäßigkeit keine rein mechanische Werkheiligkeit, kein durch äußerliche Erziehung erzielter Drill. So ersehnen und erflehen wir besonders in den Gebeten am Neujahrs- und Versöhnungstage das baldige Herannahen der von den Propheten verkündeten Epoche des Gottesreiches, in welchem die Macht des Bösen gebrochen sein wird aus Erden und Bosheit und Gehässigkeit wie Rauch aufgehen werden. Die ganze Natur wird von einer heiligen Scheu vor der Gottheit erfüllt sein, die Furcht vor ihr wird kommen über alle Creaturen, alle Geschöpfe werden ihr Knie beugen vor Gott, seine Herrlichkeit und Herrschaft erkennen und anerkennen „und sie allesammt bilden den einen einigen Bund, den göttlichen Willen zu vollziehen mit einmüthigem Herzen!" „Darum hoffen wir, Gott unser Herr, auf Dich, dass wir Dich ehestens schauen werden in Deiner ganzen Macht und Herrlichkeit, wie Du bannest allen Greuel von der Erde, und aller Götzendienst ist getilgt; wie Du vervollkommnest die Welt und sie verklärest im Reiche derAllmacht, dass Alle, die leben im Fleische, Dich rufen bei Deinem Namen, alle Sünder aus Erden sich zu Dir bekehren, alle Weltenbewohner es wissen und erkennen, dass vor Dir sich beuget jedes Knie, zu Dir schwöret jede Zunge! Vor Dir, unserem Gott und Herrn, beugen sie das Knie und fallen sie nieder; Deinem Ramen geben sie die Ehre und den Ruhm und nehmen über sich einstimmig und einmüthig das Gesetz und die Herrschaft Deines Reiches; dann regierst Du über sie, ehestens und in Ewigkeit!" Je mehr wir uns aber von Gott entfernen, desto gottloser wird der Zustand der menschlichen Gesellschaft sich gestalten, denn wahre Ruhe finden wir nur in Gott und im festen Gedenken au ihn; die Frevler gleichen dem bewegten und aufgeregten Meere, sie können keine Beruhigung finden bei dem heillosen Wesen ihres Gewissens. Auch ein Staat, dessen ganzes Gewicht und dessen ganze Macht nur aus der ultima. ratio der Gewalt beruht, der nur stark und mächtig zu werden sinnt durch die rücksichtslose Ausnützung der brutalen Jnstincte der großen Massen, des Egoismus und Hedonismus, der epicuräischen und gottleugnerischen Genusssucht, der Hypocrisie und der chauvinistischen Leidenschaft in nationaler und ökonomischer Beziehung, der in der Politik die Ethik außer Acht lässt, kann für die Dauer keinen Bestand haben, kann sich nicht m normaler Weise entwickeln; denn Gewalt ruft wieder Brutalität und Gewaltstreiche hervor, wie wir es ja erst in den jüngsten Tagen zu sehen traurige Gelegenheit hatten. Also die Devise des Versöhnungstages, durch Buße und Besserung das innere Gleichgewicht der Seele und des Gemüthes wiederzufinden, sei auch der Leitstern unseres Völkerlebens für die Staaten-Gemeinschaft im großen Ganzen. Der Vortheil der Länder liegt in der Ges ammt heit, in der größtmöglichen Wohlfahrt und Zufriedenheit aller, wo das 3uum cuique thunlichft gewahrt wird, wie der Prophet es Israel zuruft: durch Ruhe und Gelassenheit soll und kann und wird Euch geholfen werden! p*;mn irm wi Dasselbe kann auch für den kommenden „langen Tag" der Zukunft gesagt werden, der da „ganz Sabbath" ist für die internationale G o t t e s g e m e i n s ch a s t im „Nalekutii LeLaääai" .Beruhiget Euch und Ihr werdet leben — Euer Herz erwache zu neuem, kräftigen Leben für die Ewigkeit!" (Ps. 22). Gewöhnet Euch, das Zeitliche unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit und nach dem Willen des Ewigen zu de-

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