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Die Wahrheit · 1901-09-06 · Heft 35 (6.9.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 35 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 35. Die Wahrheit. Lette 9. Der schwere und doch sehr zierliche Pokal befindet sich noch im Besitze der Frau Mnsikvirector Bertha Weintraub. Er würde eine Zierde für jedes Museum abgeben. Noch im Jahre 1875 hatte er die Freude, aus ein Schreiben vom 15. Februar au Kaiser Alexander II. von Rußland, welchem er die Composition eines Psalms widmete, „Allerhöchst Dero wohlgewogeue Danksagung" zu empfangen (Kanzlei-Nr. 387 des Ministeriums des Kaiserlichen Hauses), 1878 aber, als ein allgemeiner Kräfteverfall bei ihm sich bemerkbar machte, wurde er pensionirt. Er selber hat mich noch, Lhue mein Wissen, dem Vorstande als seinen Nachfolger empfohlen, wofür ich ihm über das Grab hinaus zu Dank verpflichtet bin. Ich trat am 1. Mai 1879 meim Amt an. und als er. seine fromme Seele aushauchte, durfte ich mit ihm die vorgeschriebenen Gebete verrichten, bis bei ihm die Agonie eintrat und ich schweren Herzens den Sabbath begrüßen musste (s. Nr. 19). Er wurde am 26. December 1881 zu Grabe getragen. Ueber die Trauerseier und die im Drucke erschienene „Trauerrede" des Rabbiners Dr. I. Bamberger (Königsberg 1882, Ferd. Beyer) habe ich im „Jüd. Kantor" 1882, Nr 1, berichtet, in welcher Zeitschrift noch andere Erinnerungen (darunter die erwähnte von Lewandowski) Platz fanden. Vorstand und Repräsentanten, Freunde und Verehrer haben ihm Nachrufe gewidmet, in welchen hervorgehoben wird, dass er sich nicht nur als Cantor der Synagogen-Gemeiude, sondern auch über dieselbe hinaus „durch seine weit verbreiteten Compositionen und durch die von ihm ansgebildeten zahlreichen Schüler um die Hebung. und Veredelung der jüdischen Liturgie hochverdient gemacht." (Schluss folgt.) Das Kad-ischgebet. Von Bernhard Loewenthal. (8. Fortsetzung.) Jetzt erst erhob sie sich von den K.lieen und ihm die Hand reichend, sagte sie nur kaum hörbar: „Ich danke Dir." Es schien wirklich das Glück einziehen zu wollen in das Häuschen am Ende der Stadt, und oft hörte man im Vorübergehen ein helles Kinderlachen vermischt mit den warnenden Zurufen einer weiblichen Stimme. Max Wild hatte mit dem Rest seines Vermögens das kleine Häuschen mit dem niedlichen Garten erworben, und bald auch sollte er seine Schaffenslust und Lebensfreudigkeit wieder-- bekommeu. Sein „Fraueubildnis", welches er zur Ausstellung nach Berlin gesandt hatte, war von den Preisrichtern prämiirt worden, und einige Tage darnach trat ein bekannter Kunsthändler wegen Ankauf des Bildes mit ihm in Unterhandlung. Erst wollte Max von einem Verkauf des ihm so I theueren Bildes nichts wissen, doch endlich imnssle er auf! Drängen darein willigen, es für einen enorm hohen Preis abzugeben. Rahel wusste, weshalb sie sür den Verkauf des Porträts so warm eintreten musste. — War es doch jetzt möglich, den Gatten nach dem Süden zu schicken und so ihrem Kinde den Vater zu erhalten. Die Glaubensgenossen, die bisher in Max Wild nur stets den „Getauften" gesehen hatten, waren jetzt stolz auf ihn und mit einem mal hatte jeder etwas Lobenswerthes von seiner Jüdischkeit zu sagen. Ja, als „Jom Kipper" so recht andächtig im Temqel war, hatte Selig Rüben es sich nicht nehmen lassen, am nächsten Tage Jedem, den er traf, zuzurufen: „Habt Ihr gesehen, er ist nicht ein einzigesmal herausgewesen!" „Wer?" war die Gegenfrage. „Nu der Wilde!" sagte Rubin im Tone der Erkenntlichkeit für einen „Getauften". Dann aber kam der Winter und als Max endlich eingewilligt hatte, Frau und Kind zu verlassen und nach dem Süden zu gehen, um dort Genesung zu finden, da war es zu spät. Die Aerzte wollten ihm nicht eher reisen lassen, bis die bessere Jahreszeit kommen würde. — Der Frühling aber, als er mit lachenden Augen durch die Fenster des kleinen Hauses guckte, sah nur eilten bleichen Mann, mit feinen durchgeistige» Gesichlszügen, der im Bette lag und den Tod erwartete.- Mit stiller Resignation pflegte Rahel den Kranken, und als der Arzt ihr eines Tages mittheilte, dass sie sich auf das Schlimmste vorbereiten solle, da gab sie äußerlich ruhig nur zurück: ,. Ich weiß es, Herr Doktor, muss er sehr leiden?" „Nein", sagte der alte Doktor, „er wird einmal ruhig einschlasen!" Rahel ging in das andere Zimmer, hier kniete sie vor dem Bettchen des kleinen Leon nieder. „Gott. Gott", rang es sich gepreßt von ihren Lippen, „das ist zu viel!" Und es war wirklich zu viel. — Als man Max Wild nach 10 Tagen zur Kewure brachte, konnte sein Weib dein Todten nicht mehr das Geleite gebe», ein heftiges Fieber hatte sie auf's Kraukeulager geworfen. — In ihren Phantasien lebte nur das Kind und immer wieder und immer wieder das Kind. Daun ließ das Fieber an Heftigkeit nach und der Arzt gab Hosiuung auf Erhaltung der jungen Mutter. „Frau Perls", bat Rahel eines Tages mit schwacher Stimme, „bringen Sie mir, bitte, das Kind herein." Der Knabe eilte freudig zu ihr, küsste ihr die marmorbleichen Hände legte fein Spielzeug ihr auf's Bett und freute sich, dass sein Mütterchen, wenn auch leise nur und mit sehr schwacher Stimme zu ihm sprach. In Rahel aber lebte nur ein Gedanke: „Wenn ich todt sein werde, wer wird mir Kaddisch nachsagen? Wenn ich einst nicht mehr bin, wer wird meinem Kinde das Gebet lehren für das Seelenheil der Mutter? — — Von dieser Minute ließ sie sich eher keine Ruhe bis sie dem Knaben das Kaddischgeber gelehrt hatte. Der kleine Leon hatte einen klugen Kopf und bald konnte er das ganze Gebet hersagen ohne Fehler. Als die Mutter schon hinüberschlnmmern wollte in das andere Leben — da saß noch immer vor ihrem Bette der blondlockige Knabe und mit einem zufriedenen Lächeln schied Rahel von ihrem Kinde, sie wussse, hier hatte sie ihre Pflicht erfüllt, und ein Lächeln lag ans ihren im Tode erstarrten Zügen. Rahel hatte noch mehr gethan für ihr Kind. Gleich nach dem Toae ihres Gatten hatte sie au ihren Bruder geschrieben, er solle, wenn auch sie einst nicht mehr sein wird, sich doch des Knaben annehmen. Sie halte nicht viel gebeten, sondern mtt einfachen Worten ihm nur das Kind ans Her; gelegt. Jacob Gnrkind war damals, als der Brief in Berlin einlraf, selbst bettlägerig und so kam es, dass er von dem Inhalt des Schreibens erst nach seiner Genesung Kenntnis nahm. Sofort beantworte er den Brief, bekam aber sein Schreiben mit der lakonischen Bemerkung zurück: „Adressantin verstorben." (Fortsetzung folgt.) Aie geehrten Kerren Kantoren im In- und Anstande werden höftichst ersucht, die Aöonnementsöeiträge einsenden zu wolle», da auch die Itedaction große Verpflichtungen hat. Bruchleidende begehen ein Verbrechen an ihrer Gesundheit, wenn sie sich nicht sofort mit meiner Erfindung bekannt machen! Erhielt goldene Medaille! Habe vor] Herrn Professor Gussenbauer demonstriert. Prospect discret gratis! Karl Tiesel, Specialis t, Wien, XVI., Lerchenfeldergürtel 19a. in. 13 Hefte getixeilt, poco Heft fl- 1-—- Zu beziehen beim Verfasser: M. WODAK, Wien, II., Traunfelsgasse Nr. 6. Uomn07QQeh von ^en berufenen Autoritäten vorzüglichat bellcilllllcIZvdull} gutachtet und als vortreffliche Arbeit und naeh jeder Sichtung bedeutsame Erscheinung wärmsten» empfohlen, enthält Alles, was ein Israel. Cantor innerhalb und ausserhalb des Tempels an Chasonus, Secitativen und Casualien benöthigt, in reichster Füll«.

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