Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1901-09-06 · Heft 35 (6.9.1901) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 35 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063062-3063097--01524-3068122
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Wahrheit Redaction u. Administration Wien. H/l, Novaragaffe 27. Unabhängige Keilschrift für süöische Lez»g»prn»: Ganzjährig . . A. 12.— Halbjährig ... St. 8.— St. k Bfltrr. Postsparcassa j Lheck-Eonio Nr. 840.251. Interessen. Für Lultusbeamte: j I n f t c a 1i: «anzjLhriA . . . Ä. 10.— / . | 20 Heller ver Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. , Für Ausland: j j Abonnementsuiib Insertion-» Ganzjährig .... 12 Mark betrüge sind in Wien zahlbar. Molto: .Dar Sieget Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 10 FrcS. _i Nr. 35. Vien, k. September IM. Inhalt» Des Schofars Töne. — Die Rechtsverhältniße der Juden. —Anfänge des Telegrafen in Bibel und Talmud. — Leon Modena und Jofef Salomo Delmedigo. — Israeliten Marokkos. — Verschiedene Nachrichten — H. Weintraub und seine „Tempelgesänge." — Feuilleton: Das Kaddischgebet. Des Schofars Töne. Mächtig ergreifend schlagen die Töne des Schofar an jedem Morgen in diesem Monate an unser Ohr. Sie flüstern uns zu, uns des Irdischen zu entkleiden und Vorbereitungen für ein geistiges Kleid zu treffen. Ties in unser Herz einschneidend sind die Ermahnungen des Schofar. Sie entrücken uns der irdischen Umgebung und versetzen uns in das geistige Land der Ewigkeit. blpa fl ist es ja die Gottesstimme selbst, die wir aus des Schofars Schall vernehmen, und so dünkt es uns, als stünden wir vor der ewigen Göttlichkeit. Eine geheime Macht und magischer Zauber scheint über die Töne des Schofar ausgebreitet zu sein, eine Zauberkraft, die es versteht, des Menschen Herz rege zu machen und seinem Gotte näher zu bringen. Ein unzertrennliches Band umschlingen sie um Gott und seine Menschen Wehmüthig und gedankenvoll dringt der Schall des Schofar in unser Herz und lässt uns au etwas Unsichtbares, an etwas Ueberirdisches denken. Ja dieser Schofar versteht es, uns von vergangener Größe seines Volkes zu erzählen, er spricht zu uns bald in leisem Flüstertöne, bald wieder in anhaltender, begeisterter Poesie von den Großthaten und Uuglücksfällen Israels. Mächtig eingreifend in die Geschicke Israels ist der Schofar, sein steter Begleiter und Mahner, er ist der Dictator seines Volkes. Milde, Barmherzigkeit und oft strenge Härte der Gerechtigkeit birgt er in sich: bipn fl nynna GflSs nby Unter Jubelschall erhebt sich Dflbs die göttlich strafende Gerechtigkeit (pn ma-DflSs), die ewige Barmherzigkeit zeigt sich unter dem Donner der Posaunen erhaben (a'örrn ma - fl). Als des Allmächtigen Herrlichkeit in dichtem Gewölke seinem Volke Israel am Horeb erschienen war, um die Lehre seiner heiligen Thora zu verkünden, da war es der Schofar, der die heilige Mission hatte, das strahlende Licht des hereinbrechenden Morgens in seinem ganzen Umfange, seinem Volke Israel zu verkünden, pn nawfl vri ISO pTm Die Stimme des Schofar ward immer stärker, um bleibend für die Zukunft im Herzen des Volkes den Eindruck zu fesseln, den dieser Schall verursachte; er machte ihnen die Religion zu ihrem Lebenselement. „Sie sollen eingedenk sein des Tages, an welchem sie am Horeb gestanden", rief die himmlische Stimme Israel zu, ans dass sie sich diese ewig denkwürdige Scene vor Augen halten, damit sie ihren Beruf sich vor die Seele führen, die Thora der ganzen Menschheit beizubringen, welcher dann ihren Bestand in den unruhigen, immer schäumenden, vom Sturme aufgepeitschten Wogen des Lebens sichert. Wenn unsere Weisen uns die Augen nicht geöffnet hatten, würden wir beim Betrachte»! der Kraft des Schofars »vie vor einem unlösbaren Räthsel stehen. Es »vird uns im 0. Eapitel Josua erzählt: Die Stadt Jericho war fest verschlossen, hohe starke Mauern uingaben dieselbe, so dass es unmöglich schien, sich beit Einzug zu erzwingen. Jede Kriegslist »var vergebens, auf natürlichem Wege war es undenkbar, diese Festung einzunehineu. Da sprach nun der E,vige zu Josua: „Schaue, ich habe Dir die Stadt Jericho und ihren König bereits gegeben, so »nnringet die Stadt einmal und so thur es sechs Tage. Sieben Priester solle»» sieben Posaunen tragen, bestimint zu jubeln vor der Lade, und am siebenten Tage mnringet siebenrnal die Stadt und die Priester sollen in die Posaunen stoßen. Da »vird es geschehen, »venu in das Horn geblasen »vird, wenn Ihr die Stimme des Schofars vernehmen »verdet, so soll das ganze Volk einen großen Lärin auschlagen, und die Mauer dieser Stadt »vird einstürzen, dem Volke »vird der Einzug frei." Diese Geschichte »vird so Mancher in das Reich der Fabel verweisen und sie nicht ernst nehmen, und doch ist es aus eine ganz einfache Weise geschehen, »venn »vir auch selbst »vissen, dass der Einsturz derJerichomaner nicht einein starken Schall des Schofars direct zuzuschreiben ist. Ein ähnliches Bild gibt uns Aufklärung und »vir können dasselbe als Licht in der mysteriös scheinenden Jerichogeschichte gebrauchen. Z»t dem Satze 11. Exodus-Cav. 17: So lange Mose die Hände emporhielt, siegte Israel, und »ve»»n er sie sinken ließ, da siegte Amalek, sägen unsere Weisen (s"y e«3 man hinzu: 'vsb vhanarho nraw "irr nonba wy rwe br rr »27 arpasb aaS ns paytpai nSya ^3 psnao ,2:^3 p .'131 pan rrt isS aw paare in awav Welchen Zusammenhang hatte nun das Aufheben der Hände mit dem Siegen im Kriege? Jnsolange Mose die Hände gen Him»nel streckte und Israel zmn Gebete;»lm Allvater iin Himmel anfeuerte, »venn sie ihr Auge und Herz dem himmlischen Vater zmoendeten, da waren sie ihres Sieges gelviss; »venn sie aber sich nur ans eigene Kräfte stützten und die göttliche Hilfe nicht anriefen, da siegte Amalek. Wenn wir nun seinen Blick in die Geschichte Israels »versei», so getviunen »vie die Ueberzeugung, dass die lange Kette von Leiden, Dualen und Trübsalen dem Abwenden von ihrem Gölte beizumesseu ist und paane ifl 'iai nS*;e ’sto pance w jar bi sich immer bewahrheitete. Die Bedeutung des Schofar ist dieselbe, »vie das Emporheben der Hände bei Mose. Seine Töne erinnern Israel, dass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.