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Die Wahrheit · 1901-08-18 · Heft 33 (18.8.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 33 (18.8.1901)
Date
1901-08-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33. Die Wahrheit. Seite A. Und während wir uns am Dienstag Vormittag auf Einladung des Vorstandes der Cultusgemeinde iu corpore per Droschke auf den Friedhof begaben, um an den Gräbern unserer großen Meister Sulz er und Gold stein einen Act heiligen Bedürfnißes zu erfüllen, und während wir uns labten an den reichen Kunstschätzen des jüdischen Museums, da arbeitete Herr Doctor L ö w Y jene großartigen Resolutionen aus, die so trefflich Wiedergaben, was Alle bewegte, und in einem wunderbaren Augenblicke der Nachmittagsitzung zur einstimmigen Annahme gelangten. Damit war der Würfel gefallen, der erste Schritt zur Organisation der Cantoreu von Oesterreich-Ungarn und Deutschland war gethan, und die Freude darüber kam in allgemeinem Enthusiasmus zum Ausdrucke. — Angesichts solcher Errungenschaft fühlte man sich dem verdienstvollen Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantorenvereines als dem Einberufer des Cantorentages zu großem Danke verpflichtet und unter der Devise: 12 NNVV51 nS'JJ "n rr&y m'n n* schickte man sich an, dem Dreigeistern Singer, Bauer, L ö w y unter stürmischen Hochrufen den schuldigen Tribut zu zollen. Und nach einem nochmaligen Kaisertoast erklärte der Präsident den Cantorentag für geschlossen. Da wir deutsche College» nunmehr die Heimreise anzutreten hatten, nahmen wir sofort Abschied, der in einzelnen Fällen einen sehr herzlichen Charakter trug. Alles in Allem ist zu hoffen, dass sich die Gemeinden -unseren Bestrebungen ebenso sympatisch gegenüberstellen, wie es die israelitische Cultusgemeinde Wien und wie es die -Synagogengemeinde Elberfeld und Gleiwitz in dankenswercher Weise bereits gethan haben. An der nöthigen Jntellegen; fehlt es nur ilt den seltensten Fällen, und wo einWille ist, da ist auch ein Weg. Unter solchen Auspizien, sowie unter der Voraussetzung ,dass die Gesundung des Cantorenstandes durch eine Radikalkur, durch eine Reformation an Haupt und Gliedern herbeigesührt wird, ist mit Sncherheit anznnehmen, dass nach Anschluss der auf normale Weise herangebildeten Cantoren zn einem juristisch-persönlichen Verein ein zweites Karlsbad nicht mehr vorkomml, dass vielmehr dem Canlorenstande ausnahmslos diejenige Würdigung entgegengebracht werden kann, die er er dient, die ihm aber durch die Macht der Verhältniße in vielen Fällen leider noch vorenthalten wird. Das Kaddifchgebet. Von Bernhard Loewenthal. (6. Fortsetzung.) Die alte Wirthschaflerin, die Rahel, als diese noch ein ganz kleines Mädchen war, aus den Armen herumgetragen hatte, begegnete ihr zuerst. „Rahel! Um Golteswillen Rahel!" schrie diese ans. „Ja, ich bins", sagte Rahel leise, „ich will ihm mein Kind bringen, vielleicht kann er mir um seinetwillen vergeben." Die Alte führte die bleiche Frau ins Zimmer und ging bann Salomon Gutkind zn benachrichtigen. Bange Minuten vergingen, Rahel schien jede Secunde eine Ewigkeit. Endlich that sich die Thür auf —Jacob war es, der schnell auf die Schwester zntrat: „Der Vater ist krank, Rahel, rege ihn nicht ans, er will Dich nicht sehen!" damit reichte er ihr die Hand. Rahel blickte erstaunt bald auf ihren Bruder, bald auf das süß schlummernde Kind, Jacob aber fuhr fort: „Wenn Du Geld gebrauchst, so sollst Du es nnr sagen, aber den Vater verschone, er ist so schon kein Mensch mehr, der noch viel ertragen könnte." In Rahel bäumte sich der alte Stolz auf. Wenn der Vater ihr verziehen hätte, wenn der Bruder nicht so schroff .gewesen wäre, hätte sie sein Anerbieten angenommen. Sie hätte Vertrauen gehabt und dem Bruder erzählt, dass sein einstiger Freund, trotz schwerer Arbeit, im Ringen nach wahrer Kunst nicht vorwärts kommen kann, sie hätte ihn gebeten, ihr die Mittel für Max zu gewähren, damit er zur K'.äftigung seiner Gesundheit nach dem Süden könne, so aber kam nichts von alledem über ihre Lippen, todestranrig, flehend sah sie den Bruder an. „Er soll doch nur sein Enkelkind sehen", rang es sich ihr aus qualgepresster Brust. Jacob wendete sich ab: „Er will nicht, hörst Du, Rahel, er will nicht, erspare mir, seine Worte Dir zu wiederholen!" Das Kind begann leise zu weinen, Rahel aber sprang, wie von einem tödtlichen Biss getroffen, vom Stuhle auf. „Ach so, Ihr weist mich fort von hier, aus meinem Elternhaus." Dann schien sie zn wanken, ihre bleichen Lippen pressten sich fest aufeinander, als ob sie eine Vision sehe, richteten ihre Blicke sich ins Leere: „Mutter, Mutter," schrie sie auf, „wenn Du noch lebtest — Mutter!-" Jacob griff das Kind auf, die Schwester war ohnmächtig in den Sessel znrückgesunken. „Man soll sie gut anfheben!" befahl er kurz dem auf sein Läuten herbeigeeilten Mädchen, „bringen Sie meine Schwester in das kleine Zimmer, mit dem Drei-Uhr-Zuge will sie vom P. Bahnhof abreisen." Dann ging er in das anstoßende Gemach, setzte sich ans Fenster und den Kopf in die Hände vergraben, seufzte er hoch auf: „Armes Weib, arme Schwester! das ist der Fluch eines Vaters, Mutter, Mittler, wenn Du noch lebtest!" — — Seit dieser Zeit hatte man in Berlin nur wenig von Rahel gehört. Weder der Vater noch Jacob wussten, mir welchen Unglücksfällen das arme Weib zn kämpsen hatte. Max sah von Tag zu Tag bleicher aus. Ein innerer Kummer schien an seiner Seele zu nagen. Mit Widerwillen nur führte er die Aufträge auf Portraits und andere alltägliche Bilder ans. Er hatte einmal einen anderen Weg vor sich gesehen. Keine Klage aber,^ kein Wort des Unwillens kam über seine Lippen. Er liebte Rahel und sie liebte ihn wieder und beide umschloß noch fester ein schönes, inniges Band, der kleine Leon. Dieser war der Sonnenschein des Hauses geworden. Wo seine klaren Guckäugelein hinblickten, wurde es Licht. Da wurde Max Wild ernstlich krank. — Er legte sich zu Bett, stand wieder einmal auf, musste sich wieder schonen. Die Aerzte wussten nicht recht, was ihm fehle, wo es sitzt. Eines Tages zeigte sich eine kleine Blutspur an der Erde, der alte Doctor, der Hausarzt, war gerade da, um nach dem Patienten zu sehen, Max war mit ihm allein im Zimmer: „Ich habe es gewusst, Hexr Doctor!" „Hm! Hm!" machte dieser. „Sie müssen nach dem Süden!" (Fortsetzung folgt.) Sehwe’zer Uhren-Industrie. Allen Fachmännern. Offizieren, Post-, Bahn» »Y »nd Polizeibeamten. sowie Jedem, der eine IM111* gute Uhr braucht, zur Nachricht, da» wir den All'in - Verkauf der neuerfundene« Original Genfer I4karar. Elektro-Gold» Vlaque-Rem.-Uhren «System Glashütteübernommen haben. Diese Uhr« besitzen ein antimagnelischeS Präzifionswerk. find genauest regulirt und erprobt, und leisten wir für jede Uhr eine 3jährige jchriftliche Garantie. Die Gehäuse. welche aus drei Deckeln mit Sprungdeckel (Savonette) bestehen. sind hochmodern, prachtvoll ausgestatlel und aus dem neuerfundenen, absolut unveränderlich. amerikanischen Goldin-Metall hergestellt und außerdem noch mit einer Platt: 14 karat. Goldes überzogen unt besitzen daher das Aussehen von echtem Golde derart, daß sie selbst von Fachleuten von einer echt golden» Uhr. die 200 K kostet, nicht zu unterscheiden find. Einzige Uhr der Welt, welche nie das Goldausjehen verliert. 1Ü.ÜV0 Nachbestellnngeu uns ca. 30UÖ BelodungSschreiben innerhalb 6 Monaten erhalten. 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