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Die Wahrheit · 1901-08-09 · Heft 31 (9.8.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 31 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. Die Ivahrheit. Seite 9. beschick, sondern anch entschiedene Begabung für seriöse Musik" u. s. w. In ähnlichem Geiste schreibt an Weintraub der berühmte Theoretiker A. B. Marx (übrigens ein getaufter Jude, über Welchen Dr. Kohut Ausführliches bringt) in einem Briese vom 12. Mai 1863, der, laut erfolgtem Anschreiben, dazu beigetragen hat, dass er am 8. März 1873 von Kaiser Wilhelm I. Las Patent als „Königlicher Musikdirektor" -erhielt (Dasselbe trägt die Chiffre U 7133). Dieser Brief lautet: „Ihr Werk „Loliire Beth Adonai“ habe ich erhalten und habe ich mich über viele Nummern desselben außerordentlich gefreut, da sie in sehr Würdigemund rein kirchlichem Style gehalten sind. Sie hätten übrigens nicht nöthig gehabt, mir die gedruckten Rezensionen des M. D. Herrn Sobolewsky k. einznsenden, indem Sie nur solche Mittel zur Harmonie -anwandteu, wie es unser größter Kircheumusiker Palestrina gethan hat. Mit dem Wunsche, dass Ihre verdienstvollen Arbeiten, welche nicht allein allen jüdischen Synagogen, sondern anch christlichen Mnsikkennern sehr zn empfehlen find, die würdige Verbreitung und Anerkennung finden mögen, verbleibe ich in voller Achtung Ihr ergebener A. B. Marx Professor und Doktor der Musik. Das Original dieses „Palestrina-Briefes", ans dem sich Max Weintraub (Frankfurt a./M.) in seiner eRplik über die angewandten Kirchentonarten gegenüber M. Deutsch (Breslau) beruft (Zeit. d. Jndenth. 1861/62), ist nicht mehr Derhanden. sondern eine Kopie von Weintraub'» Hand, klebrige.is hatte W. bereits mittelst Allerhöchster Kabinels-Ordre vom 20. Januar 1862 die kleine goldene Medaille für .K u n s t verliehen erhalten, desgleichen er 1871 für deneiugesandteu „Psalm 7 2" folgendes Schreiben ans dem „Geheimen Civil- Kabinet" erhielt. ws* Geh. Civil-Kczbinet Berlin, den 17. Mai 1871. -Sr. Majestät des Königs von Preußen. Seine Majestät der Kaiser und König haben die von 'Ew. Wohlgeboren unter dem am 3. d. M. eingesaudle Partitur Ihres „Psalm 72" mit dem Ausdruck der Anerkennung für Ihr ernstes künstlerisches Streben, welches sich in dieser Komposition von neuem glücklich bewährt hat, hnldreichst anznnehmen geruht.! Ich entledige mich gern des mir von Sr. Majestät ertheilten! Auftrages, Ihnen dafür und für die in der Jmmediat-Eiugabe Dom 3. d. Ak. ausgesprochene Segenswünsche Allerhöchst Ihre Dank zu erkennen zu geben, indem ich zugleich die beiden eingereichten Schriftstücke wieder beifüge. Der Geheime Kabinetsrath v. Wilmowsky. An Herrn Cantor H. Weintraub Wohlgeboren zu Königsberg in Preußen. 15057 Die beiden Schriftstücke, aus welche in dieser „Cabinets- Ordre,, Bezug genommen wird, scheinen folgende zwei Briefe zu sein, die darum von Werth sind, weil die in meinem Besitze befindliche Composition bisher noch nicht veröffentlicht wurde, Lurch ihren Zusammenhang mit Kaiser Wilhelm I. aber an Gewicht gewinnt. Ich hätte sie gern der Neuauflage der „Tempelgesänge" einverleibt gesehen, wie ich es als eine Pflicht gegen den längst abgeschiedenen Componisten erachtete, der Neuauflage Las B i l d n i ß Weintraub's vorzusetzen. Vielleicht holt der rührige Verleger in dieser Beziehung manches nach. Dies ckönnte so manchen Besitzer der ersten Auflage veranlassen, auch die zweite anzuschaffen. Oder wurde ein „Nachtrag" mit den angedeuteten Verbesserungen mehr am Platze sein? Der Wortlaut der beiden, wie es scheint nicht ganz absichtslos hervorgerufenen Anschreiben von L a u d i e n (gest. 8. Oktober >1893) und Pa bst (seit Einführung der Orgel daselbst auch Organist der Königsberger Synagoge, für welche er eine Anzahl schöner Gemeindelieder componirte, die noch heute, einige zwanzig Jahre nach seinem Tode, bei der Gemeinde sehr beliebt sind) ist folgender: Königsberg, 4. April 1371 Sehr geehrter Herr! „Der Psalm 0-dur All" maestoso, den Sie unlängst zur Beurtheilung schickten, erfolgt anbei zurück. Es gereicht mir zu besonderem Vergnügen Ihnen mitzutheilen, dass es meinen ganzen Beifall hat. Die Anlage ist in jeder Beziehung eine dem Text entsprechende. Die Instrumentation um, die Führung der Singstimmen lassen nichts zu wünschen übrig, indem die ersten maßvoll und mit vieler Sachkenntniss, letztere so sangbar geführt worden ist, dass sie nicht nur leicht ausführbar, sondern auch effektvoll wirken muss. Bei der Stelle „Mögen die Berge Frieden bringen" thut der Dominantakkord ihre (!) sehr gute Wirkung. Das Andante 34 As-dur, ein Solo-Ouanett, dessen musikalischer Inhalt der Glanzpunkt des Psalms ist, zeigt neben der wahren Empfindung anch die Gediegenheit des Componisten in Betracht des edlen Ausdruckes und der ungezwungenen Stimmenführungen. Zu dieser Demuth singt der Chor unisono „Vor ihm knien die W üfte n bew 0 hner", dem dann ein Lobgesang Gottes in erhebender Weise folgt und in einer Fuge „Amen" mit Plagalschluss endigt. Indem ich Ihnen zu dieser Composition bestens gratuliere gebe ich mich der Hoffnung hin, dieselbe be: passender Gelegenheit anfführcu zu können. Genehmigen Sie die Versicherung der vorzüglichen Hochachtung Ihres ganz ergebensten L a u d i e r, Musikdirektor. „Mein lieber Herr Camor! Auf Ihren Wunsch mein Urtheil über Ihre neueste Composilion Ihnen schriftlich mitzutheilen, erlaube ich mir Ihnen Folgendes zu sagen. Sie haben bereits viele gediegene Compositionen geliefert und sich namentlich durch Ihre große Sammlung von Tempelgesängen einen weit verbreiteten Ruf erworben, welcher für alle Syuagogen-Gemeindcu ein bleibender sein wird. Ihre letzte Composition, der 72. Psalm für gemischten Chor mit Soli und Orchester, bestehend aus einem All? moderato, Andante und All? mit einem fugirten Schlusssatz, zähle ich unbedmgt zu Ihrem besten. Dieselbe ist leicht ausausführbar, sehr gesanglich melodiös und dem Text ganz entsprechend. Die Orchestration ebenfalls ohne Schwierigkeiten und zeigt eine genaue Kenntnis aller Instrumente und Effecte. Sie ist nicht nur allen jüdischen Gemeinden zum Vortrag in der Synagoge, sondern allen Gesangsvereinen als eine gute und gediegene Composition bestens zu empsehlen. Indem ich durch dieses mein aufrichtiges Urtheil über Ihre neueste Composition mich einer angenehmen Pflicht entledige, wünsche ich, dass Ihnen die Kraft noch recht lange verbleiben möge, noch mehr so brauchbare und schöne Tonstücke zu schaffen. Mich Ihnen bestens empfeh lend zeichne ich als Ihr ergebenster A u g. P a b st König!. Musikdirektor Cantor und Organist im Dom. Jum allgemeinen Lantorentag. Don Fuchs, I. Cantor im XVII. Bezirk, wurde ebenfalls in's Comite der Wiener Cantoren gewählt. Cantor Weiß Tobitschau entschuldigte sein Fernbleiben vom Cantorentage. In nächster Zeit wird die constituirende Versammlung des Wiener Comites stattfinden. Diejenigen College«, welche dem allgemeinen Cantorenverein beizutreten gedenken, wollen Ihren Beitritt unter Einfettung der Eintrittsgebühr von 1 Krone beim Vorstand des „Oesterr. ungar. Cantoren-Bereines", Wien, I., Seitenstettengafse Nr. 4 anmelden.

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