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Die Wahrheit · 1901-08-02 · Heft 30 (2.8.1901) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 30 (2.8.1901)
Date
1901-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Die Wahrheit. Seite 9. Inhabers des Cafe „Urania",, II., Taborstraße 25. Wir hatten Gelegen» heit, jüngst einer Aufführung des „Bar Kochba" von Goldfaden beiz»' wohnen, und muffen zur Ehre der Gesellschaft constatiren, dass ihre künstlerischen Leistungen auf der Höhe moderner Anforderungen stehen. Von den einzelnen Darstellern ist besonders hervorzuheben Herr Zucker» berg in der Titelrolle, der bei vorzüglichem Spiel auch über einen gut geschulten Heldentenor verfügt, sich aber einer deutlicheren Sprache be' sieißigen möge. Die Herren Streng, Silber und Liebgold verdiene» gleichfalls vollste Anerkennung. Von den Damen muß in erster Linie Frl. Stefanie Steif als „Dinah" lobend hervorgehoben werden, aber auch ihre Kolleginnen, insbesondere Frl. Karlik, bieten ihr bestes Können. Ein distinguirtes Publikum folgt allabendlich mit großem Interesse und unter -reicher Beifallsbezeugung den künstlerischen Darbietungen. N. CH. Währ.-Gstrau. Für die hiesige Gemeinde wurde Herr Bernhard Klein einstimmig als Obercantor gewählt und hat bereits seine Function angetreten. Szenicz. Samstag, den 27. v. M. fand im Hause seiner Ehrwürden unseres allverehrten, beliebten Herrn Rabbiner's I. L- Marmorstein die Barmizwa-Feier seines Sohnes statt, aus welchem Anlaffe Alles, was nur Bedeutung in der Gemeinde hat, sich daselbst einfand. Nach der sehr gelungenen Rede des Confirmanden richtete der ehrwürdige Vater desselben an den Confirmanden und die anwesenden Gäste eine zündende Ansprache, und hierauf blieben die Festgäste bei dieser wahren Szud’as schel Mizwoh noch einige Stunden in gehobener Stimmung beisammen. ZSudapeü. (Das Blutmärchen in Ungarn.) Wie man uns aus Szegedin schreibt, wird im Alföld das Ritualmärchen zu Wahlmanöverzwecken eifrig in Colportage gesetzt und gegen die Juden, sowie gegen die angeblich mit ihnen verbündete von ihnen bezahlte Regierung gehetzt. Seit Monaten schon wird in die Bevölkerung das Gerücht getragen,!dass die Regierung um ein Blutgeld von 70,000 Gulden den Juden die Erlaubnis ertheilt habe, zur Weihe der in Szegedin im Bau begriffenen Synagoge das Blut von 16 reinen christlichen Jungfrauen zu benützen. Der Wahnsinn findet leider Gläubige, und da und dort regen sich schon bis nun von den Behörden rasch und mit unglaublichem Erfolge unterdrückte Judenverfolgungen. In dem Dorfe Dorozsma ist kürzlich ein Hausierer fast erschlagen worden. Auch in Felegyhaza und Szabadka (Maria-Theresiopel) wurden schon Versuche gemacht, die jüdischen Kaufläden zu plündern. ISaja. Vorige Woche starb hier der emer. Rabbiner aus Berlin» Herr Dr. S. Nascher, der Sohn des verewigten Oberrabbiners von Baja. Stadt und Gemeinde vereinten sich, um das Leichenbegängnis des im 59. Lebensjahre verstorbenen Gelehrten würdig zu gestalten. Von der Säulenhalle des Tempels bewegte sich der imposante Trauerzug zum Friedhofe. Profeffor Eduard Nascher und Hoflieferant John Nascher aus Wien folgten dem Sarge ihres verblichenen Bruders. (Heschäftsnotiz.) Hermann Rath's Südfrüchten-Export-Geschäft in Triest ist Allen, welche zu den Feiertagen co-rn und cjtnnx benöthigen bestens zu empfehlen. Dieses altbekannte Geschäft ist in jeder Beziehung ein Muster von Verlässlichkeit, Coulance und gewissenhafter Expedition der demselben übertragenen Commssionen und Bestellungen und ist jedermann zu beglückwünschen, der seinen Bedarf bei dieser Firma deckt. Die vielen Anerkennungen von Rabbinen, Privaten und Händlern sprechen deutlich genug von der bedeutenden Ausdehnung dieses Geschäftes. _ Das Kaddischgebet. Von Bernhard Loewenthal. (3. Fortsetzung.) Wenn er Jude wird? Kaum hatte die Frage in ihrem Herzen Platz gefunden, da erfüllte sie auch ihr ganzes Sein. Ja, er musste Jude werden, er würde es thun. Hatte er doch vor einigen Tagen erst geäußert: wenn auch scherzend: Dein Gott ist mein Gott, wo Du hingehst, da will auch ich hingehen, wo Du stirbst da will ich begraben sein!" Warum hatte er nicht gesagt, Dein Volk ist mein Volk? Eine Weile grübelte Rahel darüber nach, dann hielt sie fest an dem Gedanken: „Er muss Jude werden", es schien ihr -er einzige Weg. Sie wusste der Vater würde auch dann noch unversöhnlich sein, aber sie selbst, sie war mit sich dann im Reinen. Gegen Morgen erst schlief sie ein, der Maler aber dort in seinem Atelier, der schlief nicht. Als die Sonne hell durch die Scheiben seines Atelier brach, verlöschte erst die Lampe — Er stand vor der Staffelei. — Auf der Leinwand sah man in seinen Umrissen einen herrlichen Mädchenkopf. Es war Rahel -;-Nur wenige Tage später, an einem herrlichen Juniabeud wandelten Max Wild und Rahel Guttind Arm in Arm die Gänge des Parkes entlang, der sich groß und schön jetzt im vollen Schmuck der Jahreszeit hinter dem Hause auf der Wasserstraße am Flusse entlang zog. Noch einmal bat Rahel: „Du musst Max, mir zuliebe musst du Jude werden!" Er hatte die Augenbrauen finster zusammengezoge», presste aber fest ihren Arm an seine Brust. „Dein Vater, Rahel, wird die Einwilligung zu unserer Vermählung doch nicht geben!" „Ich weiß es nicht. Vielleicht, nein!" "Auch wenn ich meinen Glauben wechsle und Jude werde, nicht?" »Bei seinen Ansichten, nein!" „Du bist dann arm!" Rahel sah ihn erstaunt an, dann sagte sie mit vor Angst und Erregung zitternder Stimme: „Ich werde vielleicht allem entsagen müssen, um Dir zu folgen, auch den Reichthnm", ihn scheu und bang, als wenn sie Furcht hätte, etwas Schreckliches zu hören, a»schauend fügte sie srageitd hinzu, „Was soll das Max?" Er sah ihr treu in die Augen. „Man könnte glauben, ich werde deines Geldes wegen Jude, das will ich nicht, ich will nur Dich, Du verlangst viel von mir, ich gewähr' es Dir gerne, ich werde Jude!" Rahel schlang weinend ihre Arme mn seinen Hals, er aber fuhr leiser fort: „und ich will Dir alles ersetzen, was Du um meinetwillen aufgibst, ich will Dich lieben, wie nie ein Weib geliebt worden ist, treu, innig und wahr, Du sollst mein Glaube sein, mein Gott und meine Religion,—ewig. „Ich danke Dir", jubelte Rahel ans, und keine Macht der Erde mehr hätte das junge liebende Geschöpf von dem Manne getrennt, den sie anbetete, der ihr alles war, — alles. Jetzt zogen Tage des Leids ein durch das hohe Portal und die starken grauen Mauern sahen viel Schmerz und Seelenqual. Aber sie schwiegen, sie hatten nicht Worte die kalten Steine, sie hatten keine Sprache und keine Thräne. (Fortsetzung folgt.) 8MT Ich ersuche die geehrten Mitarbeiter unseres Mattes in der Zeit vom I. dis 20. August Manuskripte und redaktionelle Inschriften nicht an die Redaktion in Men, sondern an die Adresse: Dr. M. Löwy in Schönwald, Mähren zu senden. Administrative Inschriften und Anfragen find weiterhin an die Administration in Wien zu richten. 3)r. Sftoriz JEöwy Chefredakteur. Vir ersuchen die geschützten Herren Abonnenten, namentlich die geehrten Herren Cantoren, nm Einsendung der lausenden und rückständigen Abonnementsbetrüge. Die Administration.

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