Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 28 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Die Wahrheit. Seile 9. Rossini eben so sehr unterhält, als sie sich durch einen öou allem Gewöhnlichen ganz abweichenden Charakter auszeichnet. Indem ich auf Verlangen mit Vergnügen mein Urtheil über die Leistungen des Herrn Weintraub niederichreibe, wünsche ich ihm ausrichtig baldigst einen seinen Talenten angemessenen Wirkungskreis und mit ihm die Gelegenheit, selbige auch fernerhin entwickeln und fruchtbar machen zu können. Breslau, den 10. Juni 1838. I o h. T h e o d. M o s e w i u s, König!. Universitäts-Musikdirector und Director der Sing-Akademie Breslau." Mosewius war ein geborener Königsberger und sein Zeugnis scheint dort fruchtbaren Boden gesunden zu haben, denn > im August 1838 kam Weintraub nach Königsberg, woselbst j gerade der Cantorposten frei geworden war, und nach einem! Probevortrag, über welchen so manche freundliche Pregstimmen; (in der „Hartung'schen Zeitung" und der »Zeitung des Juden-! thums") erschienen, wurde er als erster Cantor angestellt. Erst , unter dem 26. Mai 1862 wurde diese Stellung in eine l e b e n s-; längliche umgewandelt, jedoch trat die betreffende ,.Vokalion" j erst mit dem 1. Januar 1863 iu Kraft. Hier in Königsberg; setzte er seine Musikstudien bei dem königlichen Musikdirector -Ed. S o b o l e w s k i fort, spielte auch im Theater-; Orche ft e r (Sobolewski war u. A. auch Theater-Capellmeister) die Violine, die er vorzüglich zu behandeln wusste und durch , Äie er so musikalische Ainegung fand, versolgte aber auch allezeit den gefassten Plan, eine Sammlung von Synagogeu-Gesängen : cherauszugeben, den er im Jahre 1859 durch Herausgabe seiner „Tempelgesänge Leliire realisirte. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Anlässlich des Jahresschlusses veranstaltete die hiesige Talmud-Thora-Schule zugleich eine interne Feier, nämlich die des 70. Geburtstages ihres verdienten Lehrers, Herrn Wilhelm Heller, der seit 11 Jahren an dieser Anstalt ersprießlich swirkt. In Gegenwart des gelammten Lehrkörpers und in dessen Namen — der einer. Director Löw Ivar ebenfalls anwesend — hielt Herr Oberlehrer Cohn eine herzliche, erhebende Beglückwünschungsrede, die der Jubilar mit aufrichtigen Dankesworten erwiderte. Namens der Schuljugend richtete der Schüler der 4. Classe, M. Koppel, der nun ins Gymnasium Übertritt, eine schwungvolle Ansprache, die den ergreifendsten Eindruck machte. Herr- Heller gedenkt auch fortan sich seinem Berufe zu widmen. Wien. Mittwoch, den 17. d. M., ist hier der Hof- und Gerichtsadvokat, Dr. Max Ornstein, im 44. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, ein gesuchter Anwalt und Vertheidiger, war vom allgemeinen, namentlich unter seinen Berufsgenossen stark^ verbreiteten religiösen Jndifferentismus nicht angekränkelt, sondern ein überzeugungstreuer und opferwilliger Jude, der sein intensives Interesse für das jüdische Vereinsamt» Gemeindeleben in Wien bei jeder Gelegenheit gerne bethätigte. n'2'r's'.i Wien. Der emeritirte israel. Hauptschullehrer, Herr Moses Pick, der durch 60 Jahre als Lehrer in verschiedenen Gemeinden Böhmens, darunter über ein Vierteljahrhundert in Prag, mit ausgezeichnetem Erfolge wirkte, feiert am 23. Juli 1901 in Pohrlitz, Mähren, woselbst er; seine Ferien bei seinem Sohne, Dr. Gustav Pick, verbringt, seinen achtzigsten Geburtstag. Der Jubilar hat es, wie selten ein Lehrer, veri standen, seinen Schülern Liebe zum Judenthum einzuprägen und sich! auch die Hochachtung und Zuneigung aller seiner ehemaligen Zöglinge >' erhalten. Eine von ihm herausgebene Fibel „Limde Hetew“ erfreut | sich besonderer Verbreitung und ist bereits in sechzehn Auflagen er- , schienen. Die innige Hingebung deS Jubilars zum Judenthume und seine Liebe zur Jugend zeigen sich in den von ihm herausgegebenen Jugendschristen. Trotz seines hohen Greisenalters kommt der Jubilar mit fast jugendlichem Eifer seinem schweren Berufe als Privatlehrer nach, in ungebeugtem Gottvertrauen trotz des unermesslichen Schmerzes, den ihm am Abende seines Lebens der allzufrühliche Tod seines Sohnes, des Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. Ludwig Pick' bereitete, der die Stütze und die Freude seines Alters gewesen ist.! Waden Vorige Woche wurde Frau Regine E i ch n e r, geb! Dörfler, die Schwiegermutter des Beamten der Armeilanstalt der Wiener | Cultusgemeinde, Herrn Isidor Pollak, bei zahlreicher Betheiligung zu | Grabe getragen. Rabbiner Reich widmete der Verblichenen einen ehrenden i Nachruf, besonders ihre Frömmigkeit und Herzensgüte hervorhebend, die; sie armen Kranken gegenüber bewies und bewährte. Cantor Schäfer trug > die Trauergebete erhebend vor. Möge ihr Andenken ein gesegnetes sein! Aoskowitz. Der in der hiesigen Gemeinde hochgeachtete Herr j David Schostal ist am 7. d. im Alter von 37 Jahren gestorben. Der j Verblichene hat unter Radetzky alle italienischen Feldzüge mitgemacht! und mit ihm dürfte einer der letzten Veteranen aus der Armee des großen Feldherrn dahingeschieden sein. Beim Leichenbegängniße, das unter sehr großen Betheiligung der hierortigen Bevölkerung stattfand, war auch der Schwiegersohn des Verblichenen, Herr Josef Back aus Wien» anwesend. Stessenveränderuugen. Der bisherige Obercantor I. Licht aus Przemysl tritt am 1. August seine Stelle als Cantor der Budapester Gemeinde an. — Herr Cantor I. L ö w y, bisher in Mödling, kommt als Obercantor nach Floridsdorf. — Cantor Ö st e rr eich er aus Steinbruch bei Budapest wurde als Obercantor für den Bethausverein im 20. Bezirk Wien engagirt. Stratznitz, Der hiesige Oberlehrer, I. Binde r, feierte vorige Woche sein 40jähriges Amtsjubiläum und erhielt aus diesem Anlasse eine prachtvolle Adresse von Seiten seiner Schüler in Kostl und Straßnitz nebst anderen ehrenden Ovationen. Der verdienstvolle pädagogische Schriftsteller und Schulmann gedenkt nunmehr seine Lehrtätigkeit aufzugeben und seinen Wohnsitz in der Großstadt zu nehmen. Kartsbad. Der neugewählte Obercantor der hiesigen Gemeinde, Herr Jacob Weiß, hat vorigen Samstag seine Antrittsfunction unter großem Beifall der Gemeinde und Anerkennung des Vorstandes gehalten. Hoffentlich wird Herr^ Weiß bezüglich; der Sicherung seiner Stellung etwas vorsichtiger als sein Amtsvorgänger sein. ILudapeü. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr D. H. Spitzer, welcher durch einen Unfall verletzt wurde, bestndet sich bereits auf dem Wege der Besserung, was wir freudigst constatiren. ZLonyhad. 134 Jahre Jahre alt und doch ein „junges" Ehepaar! Am 12. Juni hat in Bonyhad eine überaus interessante Hochzeit stattgefunden; der Gomboser Einwohner I. Wallentin, der seine 71 Jahre zählt, heiratete nämlich das „Fräulein" Rosa Bettelheim, die schon vor 63 Jahren das Licht der Welt erblickt hat. Die rituelle Trauung vollzog Rabbiner Dr. Rosenthal im Hause der Braut. Bemerkenswerth ist, das Wallentin das Fräulein schon vor 42 Jahren ehelichen wollte, die Eheschließung unterblieb aber infolge eines Hindernißes. Fräulein Beitelheim nahm sich das so zu Herzen, dass sie beschloss, einsam ihren Lebensweg zu wandeln. Lemberg. Vor Kurzem besuchte der römisch-katholische Erzbischof Weber aus Lemberg auf seiner Visitationsreise die Stadt Zborow. Der Erzbischof von Lemberg, wie die Kirchenbehörde und Stadtgemeinde bereiteten dem hohen Gaste einen sympathischen und begeisterten Empfang, zu dem auch die jüdische Gemeinde und die Baron Hirsch-Stiftungs. schule eine ehrenvolle Einladung erhielten. Dieser Einladung folgend postirte sich die jüdische Deputation mit dem Rabbiner, Sr. Ehrwürden David Kleinhändler, und dem Cultusvorstande, Herrn Jakob Katz, an der Spitze, sowie der gesammte Löhrkörper sammt Schuljugend der Baron Hirsch-Schule mit einer jüdischen Fahne unter Führung des Schulleiters He.rn Isidor Gezelt an der errichteten wunderschönen Ehrenpforte. Bei leiner Ankunft schritt 'der edle Kirchenfürst auf die jüdische Deputation zu und begrüßte dieselbe freundlichst, und als der Rabbiner den Gast im Namen unserer Religion und unserer jüdischen Bevölkerung in kunstvollen Ausdrücken in deutscher Sprache willkommen hieß, war derselbe ob dieser Huldigung sichtlich sehr gerührt, erwiderte in leutseligster Weise, drückte dem Rabbiner kollegial und liebevoll die Hand und dankte für den Empfang in herzlichen und warmen Worten. In seiner Predigt, welche er vor einer nach Tausenden katholischer Zuhörer zählensen Versammlung hielt, sowie in allen seinen Predigten in seinen Diöcesen ermahnte er zu wiederholten Malen und in beredten Worten seine Zuhörer, mit den Juden in Eintracht und in Frieden zu leben, sich an ihrer unerschütterlichen Frömmigkeit, ihrem moralischen Mandel und ihrer Lebensweise ein Beispiel zu nehmen und sich nie gegen sie zu versündigen, Rögen die Ermahnungen dieses edlen Kirchenfürsten ihre Früchte tragen l