Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 25 (28.6.1901)
- Date
- 1901-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25. Die Wahrheit. Seite 7. Verschiedene Nachrichten. Wie«. (Hohe Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser halbem -Rabbiner der Wiener Cultusgemeinde, Herrn Dr. Adolf Schmied!, das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens verliehen. Diese hohe Auszeichnung des verdienstvollen Gelehrten und Seelsorgers wurde in allen Kreisen der Wiener Gemeinde freudigst begrüßt. Wien. Anlässlich des 70jährigen Geburtstages des Herrn Lector Meier Fried mann fand Samstag, den 22. Juni im Bet-Hamidrasch II., Tempelgasse 3, an der Stätte der langjährigen Wirksamkeit des gefeierten Gelehrten, ein Fest-Gottesdienst statt, an welchem nebst dem Jubilar und seiner Familie der Vice-Präsident der Wiener Cultusgemeinde, Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, Rector Dr. Schwarz, Prof. Dr. Büchler, Prof. Dr. Wilhelm Bacher, Amtsvorstand Wiener, Amtsleiter Horowitz, Obercantor Bauer, Secretär Fuchs, Dr. Herzfeld, die Rabbiner Dr. Abeles, Dr. Funk aus Preßburg, Dr. Grüll, Redacteur Dr. Löwy, Schriftsteller Silberbusch, Vertretungen der jüdischen Studentenvereine, sämmtliche Hörer des Seminars und viele andere Festgäste theilnahmen. Als der verehrte Jubilar die Segenssprüche bei der Thora beendet hatte, recitirte Cand. Theol. M. Mehrer einen schwungvoll verfassten Mischeberach, in welchem er die Bedeutung des Jubilars für das Judenthum hervorhob. Die Festpredigt hielt Cand. Theol. B. Hausner, der die Verdienste des geliebten Lehrers uno Meisters um die Wiener Gemeinde, wie um das moderne Judenthum überhaupt würdigte. Nach dem Gottesdienste wurde der Jubilar im Gotteshause und auch in seiner Wohnung vielfach beglückwünscht. Die Mehrzahl der Gratulationen war schon am Freitag, als dem eigentlichen Festtage, eingelangt. Nebst dem Ehrengeschenke der Wiener Cultusgemeinde und der Ernennung zum Ehrenbürger der politischen Gemeinde Mähr.-Weißkirchen seien von den zahlreichen persönlichen und schriftlichen Gratulanten besonders genannt: Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rector Doctor Schwarz, die Cultusvorsteher Salo Cohn und Ritter von Goldschmidt, ber Präsident des Curatoriums der theol. Lehranstalt Karpeles, eine Deputation des Bet-Hamidrasch, die unter Führung Rabbiner Dr. Schmiedl's eine silberne Menora überreichte, kais. Rath Dr. Lieben, Secretär Dr. Adler, Emanuel Baumgarten, Landesrabbinerschule in Budapest, Breslauer Seminar, Dr. Maybaumfür die theologische Hochschule in Berlin, Jüdischer Volksverein, Jüdisches Museum, Verein zur Hebung der Gewerbe, Scriptor Dr. Frankfurter, Geheimrath Professor Lazarus, Dr. Brüll-Frankfurt a. M., Dr. Ungerleider, Dr. Kayserling, Obercantor Bauer, Obercantor Schorr, Dr. Thaler, Dr. Biach-Brüx, Dr. Frankl- Grün, Dr. Kahan-Znaim, Dr. Rosenmann rc. Montag, den 24. Juni, 8'/» Uhr Abends, veranstaltete der Verein der Hörer an der Jsr. Theol. Lehranstalt in Wien im Restaurant Khuner, I., Adlergasse, einen Festabend, bei welchem alle Kreise der Wiener jüdischen Bevölkerung vertreten waren, um dem greisen Gelehrten die gebührende Ehre zu erweisen. Unter den zahlreich erschienenen Festgästea bemerkte man: Prof. Dr. D. H. Müller, Decan der phil. Facultät an der Universität Wien, Rector Dr. Schwarz, Prof. Dr - Büchler, den Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Docent Dr. Grünfeld und Gewitsch, Rabbiner D. Löwy und Soor, Schriftsteller Dr. B. Münz, kais. Rath Dr. S. Kohn, Dr. Wilh. Schneeberger, Rabb. Dr. Bosenzweig und Frau (Kojetein), Rabb. Dr. Rabbinowitz-Mähr-Weißkirchen, Rabb. Dr. Grüll, Rabb. Dr. Bergmann-Friedek, Prediger Grün, die Obercantoren Bauer, Guttmann und Schorr, Vertretungen aller jüdisch-nationalen Verbindungen und A. Als der gelehrte Jubilar den Festsaal betrat, wurde er vom Obercantor Guttmann mit einem Loruvb-Labo begrüßt und von der ganzen Versammlung mit Hochrufen empfangen. Cand. theol. S. Brett hielt eine schwungvolle deutsche Festrede, welche in würdiger Weise den Lebenslauf und die große Bedeutung des Jubilars schilderte. Nach derselben verwies Cand. theol. M. Mehrer in einer formvollendeten hebräischen Rede auf die großen Verdienste des Jubilars auf dem Gebiete der Midraschünd Agada-Litteratur, wie auf seine Bestrebungen zur Wiederbelebung der jüdisch nationalen Idee. Nach Recitation',eines erhebenden Jubiläumspsalmes durch Obercantor Guttmann begrüßte in besonders herzlicher Weise Rector Dr. Schwarz seinen Collegen zu seinem Festtage. „Lector Friedmann." meinte Rector Schwarz, „sei gar nicht 70 Jahre alt, sondern 70 Jahre juu Hierauf erhob sich der ,'gefeierte Jubilar von seinem Ehrensitze, um den vorzüglichen Rednern für die vielen Ehrenbezeugung von tiefem Herzen Dank zu sagen. Es folgten noch herzliche Ansprachen und Toaste von Rabb. D. Löwy, Rabb. Soor, Dr. Münz, jCultusvorsteher Gewitsch, Dr. Weißmann u. A., die sämmtliche in geistreicher Weise den gelehrten Jubilar feierten. Auf vielseitiges Verlangen trug Obercantor Schorr einen schwungvollen Mi-Scheberach vor. Um Mitternacht wurde die herrliche Feier geschloffen, die allen Anwesenden lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Wien. (Schächtverbot in Sicht.) Unter stürmischem Beifall der Majorität des Wiener Gemeinderathes stellten die Gemeinderäthe Sturm und Genoffen in der Sitzung vom 25. d. M. einen von 76 Gemeinde« j rLthen Unterzeichneten Antrag, in welchem verlangt wird, dass in den j städtischen Schlachthäusern das Schächten der Thiere verboten werde. Der , Antrag wurde der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugewiesen. Wien. Sonntag den 30. Juni. 2 Uhr nachmittags findet im l Tempel, I., Seitenstettengasse 4, die Trauung des Fräulein Rosa Fischer, i £od)ter des Direktors der israel. Kinderbewahranstalt Albert S. Fischer,! mit Herrn Julins Urbach statt. Wien. Samstag, den 6. Juli, halb 9 Uhr Bormittags, findet im! israelitischen Tempel, XX., Kluckigaffe, die Barmizwa-Feier des Con-! firmanden Paul Rosenthal, Sohn des im XX. Bezirke allgemein; beliebten Obmann-Stellvertreters des Bethaus-Vereines „Brigittenau"! und Ortsschulrathes Dr. Ernst R o s e n t h a l, statt. Baden. Der rühmlichst bekannte Stadt- und Curarzt in Baden > Dr. Joses Sch w a r z, feierte im Monat Mai, seinem bescheidenen i Wesen angemeyen, im engsten Familiencirkel den Gedenktag seiner! 25jährigen Thätigkeit im hiesigen Curorte. Bei diesem Anlässe ernannte i ihn der Ausschuss der hiesigen israel. Cultusgemeinde, deffen Mitglied; der Jubilar ist, in der am 19. d. M. stattgehabten außerordentlichen Sitzung, in Würdigung seiner vielen Verdienste und selbstlosen Mühej waltungen auf humanitärem Gebiete, zum Ehrenmitgliede der Badener! Cultusgemeinde. Auch die hiesige Chewra Kadischa, deren Ehrenmitglied j der Gefeierte schon seit Jahren ist, wie die Filiale der Wiener israel.! Allianz und die städtische Feuerwehr, die ihn schon vor Jahren wegen! seiner segensreichen Thätigkeit in derselben zu ihrem Ehrenmitgliede! ernannte, brachten Herrn Dr. Joief Schwarz Ovationen und warm-! empfundene Glückwünsche entgegen. In besonders ehrender Weise beglückwünschte ihn der Verein der Aerzte Niederösterreichs. Die Pfleglinge der Todesco-Stiftung und der Verwalter des Spitales scrophulöser Kinder, deren dirigirender Arzt Dr. Josef Schwarz ist, brachten Blumen! und tiefgefühlte Dankesworte. Zu bemerken sei noch, dass Herr Doctor! Josef Schwarz, der sich den Curort Baden betreffend schriftstellerisch! auszeichnete, durch seine Jahre hindurch gehaltenen Sanitätscnrse in der i Feuerwehr der erste Anreger zu der hier bestehenden Rettungszesellschaft war und die Feuerwehrmannschaft zu dieser humanen und allgemein nützlichen Thätigkeit instruirte und anleitete. Szenicz. (E i n a m e r i k a n i f ch e r W o h l t h ä t e r). Dieser Tage ist hier der Fabriksbesitzer Samuel Woolner aus Peoria (Amerika) zum Besuche seines Geburtsortes angelangt, der trotz seiner bereits fünfunddreißigjährigen Abwesenheit sehr oft der Dürftigen seiner Heimats« gemeinde gedachte, für welche er auch heuer schon zweimal größere Geldspenden eingeschickt hat. Er errichtete auch eine größere Stiftung bei der Cultusgemeinde und hat jetzt die Absicht, eine neue jüdische Volksschule in Szenicz erbauen zu lassen, welchem Zwecke er eine größere Summe zu widmen gedenkt. Anlässlich seines Besuches bei Herrn Rabbiner Marmorstein theilte er diesem seinen Plan mit, an dessen Ausführung er nur die eine Bedingung knüpfte, dass die Cultusgemeinde die von ihm stipulirten; Modalitäten annehme. Der Gemeind evorstand, vertreten durch den Prä- > sidenten Moritz Schönmau, und der Schulpräses Josef Reichsfeld sprachen! bei dem hochherzigen Wohlthäter zur Begrüßung vor und gaben ihm. I als er auch sie von seinem Plan in Kenntnis setzte, die Versicherung, dass | die Gemeinde ihm bei der Ausführung in jeder Weise entgegenkommen j werde. ‘ Budapest. In pietätvoller Erinnerung an den leider so früh Heimgegangenen Professor Dr. David Kaufmann hat der Maler Profeffor Jzsä Köves das von ihm mit künstlerischer Vollendung ausgeführte Porträt des hervorragenden Gelehrten der Landes-Rabbinenschule zum Geschenke gemacht. Das überaus gelungene Bild wurde im Lesesaale der Bibliothek angebracht, um die sich der unvergessliche Lehrer so sehr verdient gemacht hat. Budapest. Herr Dr. Jacob Schächter, Vice-Präses der Pester orthodoxen Gemeinde und P räsident des „Landes-bitcur vdauliw Vereines", verlobte am 18. d. M. seine Tochter, Fräulein K o r n e l i e, mit dem hauptstädtischen Arzt Dr. Isidor F r i e d m a n n. Der Bräutigam ist einer der Wenigen in u nserer Zeit, der trotz seines akademischen Grades eine überzeugungstreue r. „ehrlicher" Jude geblieben. Jntereffant ist es, dass Herr Dr. Friedma nn auch beim Militär, wo er ein Jahr als Militärarzt wirken musste, im strengsten Sinne des Wortes die Heiligkeit des Sabbath einhielt.