Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 21 (31.5.1901)
- Date
- 1901-05-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21. Die Wahrheit. Seite 9. Zukunft ist unser. Verstund es Einer, die Gunst vorwegzunehmen,, die lächelnd in ihrer Wiege schlummert, er müsste das Eisen/ das im Feuer der Gegenwart roth und heiß, weich und schmiedbar geworden, nach seinem Willen formen und pressen. Wehe uns, so wir lässig die Hand in den Schoß stecken, unfürsorglich dahinbrütend! Schon flehen wir an der Schwelle der Schabnathseier*), in der Rüstwoche jenes Offeirbarungsfestes, dessen Vollwürdigung in dem unveräußerlichen Gute aller Völker, in dem heiligen Dekalog, zu erblicken ist. Ihm als Partner zur Seite stehend, noch beiweitem ihn an Größe über bietend, ist der Guss und Fluss des einfachen Dreiwortsatzes: W’ohawto lereacho komocho! Vielleicht bringt es der löbl. Vorstand des österr.-ungar. Cantorenvereines übers Herz, diese allumfassend gedachte Menschenliebe ein klein wenig auch auf jene Collegenschaar zu übertragen, die eine Art ist von seiner Art und Fleisch von seinem Fleische. Dies wünscht aus tiefstem Herzensgründe Ihr allezeit ergebener Isidor Schwarz, Linz. Verschiedene Nachrichten. Wien. Welch' großer Beliebtheit und Werthschätzung Obercantor Bauer sich erfreut, das zeigte sich bei der Trauung seiner Tochter, Frl. Manzi Bauer mit Herrn Architekten Heinrich K e st e l, die Sonntag, den 27. d. M. im türk. Tempel stattfand. Eine solche Fülle hat das prachtvoll decorirte Gotteshaus wohl noch selten gesehen und wir bemerkten unter den Anwesenden: das Präsidium und die hervorragendsten Mitglieder der türk. Gemeinde mit ihrer Damen, Vertreter des Vorstandes und des Beamtenkörpers der Wiener Cultusgemeinde, viele j Rabbinen und Cantoren, zahlreiche Gelehrte, Musiker und Künstler, Vertreter verschiedener humanitärer Vereine rc. Die cantorale Function vollzog der Brautvater, der eine wirklich meisterhafte Leistung bot. Es war geradezu erhebend, als er mit seiner herrlichen Tenorstimme, die durch die begreifliche Erregung an Innigkeit gewann, den Matowu mit verstärktem Chor und Orgelbegleitung und die Schewa Brochaus vortrug. Die ebenso gemüthsvolle als sinnreiche Trauungsrede hielt der Schwiegersohn des Obercantor Bauer, Herr Rabbiner Dr. Kahan aus | Znaim, der sich als brillanter und geistrei l er Redner zeigte. Nach Vor-! lesung der Kesuba und Vollzug der Trauungsceremonie durch Rabbiner I Papo wurde eine Schlußhymne aufgeführt. Der Chor stand unter der trefflichen Leitung des wackeren Chormeisters Isidor Löwit, der sein ganzes bedeutendes Können für das Gelingen des Hochzeitsfestes einsetzte und nach dem allgemeinen Urtheil der zahlreich anwesenden Fachleute seinen Chor auf der Höhe musikalischer Aufführung zeigte. Nach der Trauung vereinigte sich der engere Familienkreis im Restaurant Khuner zum Hochzeitsmahle, für dessen elegantes und geschmackvolles Arrangement Herrn Khuner vollste Anerkennung und allseitige Empfehlung gebührt. JSudapest (Rabbiner-Jubiläum.) Montag, am 21. b. Vormittags von 10 bis l Uhr war das mit Palmen und Lorbeerbäumen reich geschmückte und mit einem heiligen Schreine, welcher die vom Rabbiner P o l l a k geschriebene Thorarolle enthielt, versehene, glänzend beleuchtete Arbeitszimmer des Rabbiners L. Pollak der Schauplatz einer ebenso seltenen als erhebenden Feier. Rabbiner Pollak, der als Verkünder des Gotteswortes in der Rombach-Synagoge seit Hrei Jahrzehnten verdienstvoll wirkt, feierte heute die Vollendung seiner halbhundertjährigen Rabbinerthätigkeit. An diesem Ehrentage war der noch rüstige Jubelgreis Gegenstand aufrichtigster Verehrung; es gab Adressen, Ehrendiplome, Begrüßungs-Telegramme, Gratulationsbriefe und kostbare Geschenke die schwere Menge. Nicht nur hiesige, sondern auch Mitglieder anderer Jsraelstengemeinden des In- und Anslandes, ganz besonders aber zahlreiche Rabbiner wetteiferten miteinander, Pollak zu beglückwünschen. Seine geräumige Wohnung konnte die große Zahl der erschienenen Festgäste kaum fassen. Es kamen zahlreiche Deputationen, so diejenige des von Pollak gegründeten Vereins „Nächstenliebe" (Ahawat r«im) mit dem Präsidenten Jakob Boschan als Sprecher, ferner mit dem *) Der Artikel konnte wegen Raummangel vor dem Schabuathfeste nicht veröffentlicht werden. (Die Red.) Vicepräsidenten Julius Adler und dem Vorstandsmitglieds Director Arnold Kohn; dann kam die Deputation der Shnagogenbesucher mit ihren Vorständen Leopold Keppich, Eduard Fleischmann, Samuel Münz und Abraham Nagler, ferner Obercantor Jakob Bachmann, Professor Moriz Rethy, Dr. Emil Farkas u. A. Sprecher waren der Universitäts- Docent Dr. Max Schächter (ungarisch), auf dessen würdevolle oratorifche Leistung wir noch zurückkommen werden, und Rabbiner Feldmann (deutsch). Cantor Josef Keller verlas eine von ihm verfasste, in claffischem Hebräisch gehaltene Adresse, und Dr. Armin Muranyi überreichte den Stiflungsbrief über eine 500 Kronen betragende „Rabbiner L. Pollak- Stiftung" zu Gunsten des Vereines „Nächstenliebe". Es folgte die Deputation, der isr. Mädchenschule, deren Führer und Sprecher Director Nathan Halasz war. Hierauf kam der Jugenderziehungs-Verein (Chinoch neorim), ebenfalls eine Gründung des Rabbiners Pollak. geführt von Jakob Messinger. Sprecher war der Gemeindelehrer Goldberger. Es folgte die Deputation der isr. Religidns-Profefforen, als deren Sprecher Dr. David Schön fungirte. Nun kamen die Vertreter der Altofener Jsraelitengemeinde lind der Chewra Kadischa, unter Führung des Präsidenten Samuel Ehrlich und des Oberrabbiners Dr. Elias Adler, die paffende Ansprachen an den Jubilar richteten. In Vertretung des Rabbinats überbrachte Dr. Samuel Kohn die herzlichsten Gratulationen. Die Pester isr. Religionsgemeinde repräsentirten Universitäts-Professor Dr. Ignaz Goldziher und der Cultuschef Samlrel Deutsch. Noch kamen Rabbiner Dr. Julius Weißburg und Aushilfsprediger Dr. Fenyes; ferner die Talmudisten, die Schochtim und die Maschgichiin der Gemeinde. Alle Ansprachen erwiderte der Jubilar mit tiefer Rührung und er fand für Jeden ein passendes Wort. Adressen liefen ein von der Pester isr. Religionsgemeinde, der Pester Chewra Kadischa. dem Pester isr. Frauenverein, von dewSynagogenbesuchern. von den hiesigen Gemeindebeamten, von dem Verein „Nächstenliebe", vom „Concordia"-Verein und von dem Jugenderziehungsveretn, ferner von der Jsraelitengemeinde, der Chewra Kadischa und dem „Poel Zedek"-Verein in Nyitra, dem Geburtsorte Pollak's, von der Jsraelitengemeinde und dem Rabbinate in Prag und von der Jsraelitengemeinde in Kremsier. Depeschen kainen von den Rabbinnen Hirsch (Hamburg). Dr. Himmler (Nyitra), Dr. Kopstein (Beuthen). Dr Cohn (Jnowrazlaw). Dr. Fischer (Prag), Dr. Rosenfeld (Czernowitz). Dr. Cohn (Breslau), Dr. Venetianer (Ujpest), Dr. Austerlitz (Eperjes), Dr. Stein (Nagyßombat), Dr. Rosenberg (Arad), Dr. Brüll (Frankfart a. M.), Dr. Weiß (Eßtergom), Dr. Ungerleider (Berlin), Dr. Flesch (Mohacs), Kuttna und Farkas (Szabadka), Dr. Bendiner (Prag), Prof. Dr. S. Nascher (Baja), von den Jsraelitengemeinden Arad, Jnowrazlaw, O-Buda, Topolya und Janowitz; von der Chewra Kadischa in Nyitra; ferner von dem Präsidenten der Pester isr. Religionsgemeinde Sigmund . Kohner, dem Präsidenten der Nyitraer Jsraelitengemeinde Josef Engel, vom Secretär des russischen Großindustriellen Poliakoff, Dr. Herz; ferner vom Literaten Jakob Fischer (Wien), von Frau Charlotte Naschitz, der ausgezeichneten Directrice des i'ten Mädcheninternats der ungarischen Hauptstadt, vom Dr. Julius Gr. Chefarzt, und Dr. Michael Mohr, Oberarzt des „Adele Brody"-Kinderspitals, vom Präsidenten der „Concordia" Sigmund L. Breitner, vom Sanitätsrath Dr. Carl Hertzka, vom Professor an der isr. Landes-Lehrerpräparandie Sigmund Ozer u. A. Die Familie des Jubilars hatte sich fast vollzählig um ihr allverehrtes Oberhaupt versammelt. Aus der Ferue eilten herbei deffen einziger Sohn, der Berliner Kaufmann Pollak, sein Schwiegersohn Dr. Alex. Goldfahn Rabbiner in Topolya, sein Bruder Max Pollak, Privatier, und sein Neffe Moriz Pollak, Kaufmann, beide aus Neutra, u. A. Noch sei erwähnt, dass der Dichter S. Kohn in Prag, der berühmte Verfaffer des „Gabriel", sich mit einer kleinen Widmung einstellte. Er schrieb nämlich seinem Freunde: „Der Gott, der es gewollt, — Dass Du vom Silber kamst zu Gold, — Der führe Dich an seiner Vaterhand — Vom Golde auch zum Diamant!" D. H. Spitzer. Budapest, 29. Mai. (T e l e g r a m m.) Der Präsident der Pester Chewra Kadischa, Herr Moses Ehrlich, ist heute Nacht im 73. Lebensjahre an einem Schlagfluffe gestorben. RSmerbatLkiü.