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Die Wahrheit · 1901-05-31 · Heft 21 (31.5.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 21 (31.5.1901)
Date
1901-05-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die ZAaHrHsil Rrdartion u. Administralion Wien, II/l, Novaragaffe 27. Ä. f. öfltrr. Postsparcasia Thrck-Conto Nr. 846.251. > » s, r L t. 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und Jnsertionsij betrüge sind in Wien zahlbar. I Unabhängige Aeitfchrift für Mische Interessen. Erscheint jeden Freitag. Matt« : .Das sieget Gottes ist Mahrheit Lezngspreir: Ganzjährig Halbjährig «. 12.- «. 6- Für Lultusbeamte: Ganzjährig ... 9. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... Mark 6 Nudel oder 16 ijrci. Ar. 21. ien, 31. Mai 1901. Inhaltr Gott erhalte unfern Kaiser! — Die Mädchenconfirmation. — Ludwig van Beethoven und Rahel Löwenstein. — Die Emancipalion auf dem Papier. — Errichtung einer historischen Commission. — Ungar.-israel. Handwerks- und Ackerbau-Verein. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zum nächsten Cantorentag. — Verschiedene Nachrichten. Jene geehrten Kerren Aöonnenten, die Kurorte , ober Sommerfrischen aufsuchen, werden höftichst! um rechtzeitige Uekanntgaöe ihrer Adresse ersucht, damit die weitere Austessung des Mattes pünktlich erfolgen könne. Aleichzeitig ersuchen wir um Einsendung der rückständigen Aöonnementsöeträge. Die Administration. Gott erhalte unfern Kaiser! Der edelste und ritterlichste aller Monarchen konnte selbstverständlich das erhebende Pfingstfest, das mit dem Zauber der wiedererstandenen Natur das menschliche Auge entzückt und das Gemüth erheitert und beglückt, nicht vorübergehen lassen, ohne Werke der Huld und Gnade zu üben. Nicht durch phrasenhafte Worte, sondern durch Thaten erzieht unser Kaiser sein Volk zur Humanität und Duldsamkeit. Mit dem Besuche des Reconvalesceiltenheims in Hütteldorf am Pfingstsonntag, wo dem edlen Herrscher tausende Herzen entgegenjubelten, und mit dem Acte der Gnade an Leop. Hilsner, der der Möglichkeit Raum gab, dass die Wahrheit ans Tageslicht komme, hat unser edler Monarch zur Evidenz documentirt. dass er es als seine Lebensaufgabe betrachtet, dem Segensspruch, der sich uns Juden auf die Lippen drängt, wenn wir des Gesalbten ansichtig werden: »Sei gelobt, o Ewiger, dass Du einen Theil van Deiner Ehre und Herrlichkeit einen Menschgeborenen abgetreten hast", in des Wortes edelster Bedeutung stets gerecht zu werden. Wir wollen heute nicht untersuchen, von welchem Schmerze das Herz des edlen Monarchen erfüllt war, als er den Streit der Nationen und den Hass gegen die Bekenner der Mutterreligion aller positiven Confessionen in seiner Gemarkung toben und wüthen sehen musste. Sr. Majestät geht demnächst als Friedensapostel nach Prag, und nur ein Ruf wird sich dort allen Kehlen entringen: „Gelobt sei Dein Kommen, gesegnet Deine Heimkehr!" Wir Inden haben in den kritischen Tagen der Verfolgung, Aufreizung und Plünderung aus dem Munde des erhabenen Monarchen Worte vernommen, die vollauf geeignet waren, uns zu beglücken und für alles erlittene Ungemach zu entschädigen. Mit Genugthuung jedoch muss constatirt werden, dass die Antwort ans die Frage Ernst Schneiders an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses: „Wann wird der Hilsner gehängt?" nunmehr von allerhöchster Stelle prompt erfolgt ist. Wir geben auch der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, dass es in absehbarer Zeit der ganzen cioilisirten Menschheit gegönnt sein wird, die wahren Schuldigen in dieser Affaire ausfindig zu macheü, dann werden die Bethörten und Verhetzten zur Einsicht gelangen, das Volk wird sich von den gewissenlosen Strebern mit Eckel und Abscheu abweuden, der Gedanke der Zusammengehörigkeit wird wieder alle Bewohner dieses Reiches erfüllen, und im gemeinsamen Ausblick zu der Lichtgesralt auf dem Habsburgerthrone wird allen Lippen das Gebet entströmen: „Gott erhalte und beschütze unfern Kaiser!" N. Chameides, Wien. Die Mä-chenronfirmaiion. Anlässlich der vor einigen Tagen in mehreren Gemeinde- und Vereinssynagogen stattgehabten Mädchenconfirmation gelangten an uns mannigfache Zuschriften aus dem Publikum, die uns nahelegten, die Frage der Mädchenconfirmation neuerlich der öffentlichen Diskussion zu unterbreiten. Obwohl wir mit unseren diesbezüglichen Ausführungen im Vorjahre wenig praktischen Erfolg erzielten, so freut es uns dennoch, dass unsere Anregungen, wie eben diese Zuschriften beweisen, nicht ganz auf unfruchtbaren Boden gefallen sind und in weiteren Kreise» vollste Billigung gefunden haben. Dieses Bewusstsein gibt uns Anlass, uns heute abermals mit der Frage der Mädchenconfirmation zu beschäftigen, und trotz der schwer zu beseitigenden Indolenz hoffen wir doch das öffentliche Gewisse» wachzurufen, auf dass Dinge, in denen wir und mit uns zweifellos viele Gemeindemitglieder eine Schädigung unserer religiösen Einrichtungen sehen, wenigstens nicht widerspruchlos geschehen können. Unseren Standpunkt im Allgemeinen haben wir ja im Vorjahre genügend präcisirt, indem wir in Nr. 20 unseres Blattes schrieben: »Um eventuellen Misverständnissen vorzubeugen, müffen wir von Vorneherein erklären, dass wir nicht zu den Gegnern der Mädchenconfirmation gehören, trotzdem wir uns dessen vollkommen bewusst sind, dass diese Ceremonie in keiner Weife traditionell begründet und einem fremden Cultus entlehnt ist. Wir fürchten nicht so sehr das Schreckgesp.-nst des „chakka* hagoj“, glauben vielmehr, dass man Gutes auch ' von Anderen

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