Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 18 (10.5.1901)
- Date
- 1901-05-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 18. Die Wahrheit. Seite 9. Diamant, V., Margarethenplatz 7; Restaurant Neumann, VI., Maria» hilferstraße 61; Restaurant Wendlinger's Nachf., IX., Müllnergaffe 1; Cafe Brammer, IX., Liechtensteinstraße 1; Restaurant Oczeret, X., Kepplerplatz 7; Restaurant Herlinger, IV., Schwendergaffe 1; Cafä Jungmann, XVI., ' Ottakrmgerstraße 21; Restaurant Müller, XVI., Hubergasse 16; Cafö Körner, XX., Brigittenauerlände 30; Cafä „Neptun", XX., Mathildenplatz 7; Restaurant Kohn, XX., Treustr. 1. Kostet. Herr Rabbiner Kopl Blau, Rabbinats-Affefsor in Berbo, tveilte als Gast seines Bruders, des hiesigen Cantors, vorigen Samstag in unserer altehrwürdigen Gemeinde und wurde bei diesem Anlässe von i unserem sehr geehrten Herrn Rabbiner A. Weiß im Einvernehmen mit dem Vorstande unserer^ Gemeinde mit einem Vortrage beehrt. Der hervorragende Talmudgelehrte, welcher erst Charifos und nachher Megidos sprach, erntete mit seinem gedankenreichen und geistvollen Vortrage reichen und allgemeinen Beifall. Eine zahlreiche Zuhörerschaft folgte mit gespannter Aufmerksamkeit den interessanten und fesselnden Ausführungen des Vortragenden bis zum Schlüsse. Nach dem Mincha- Gebete begaben sich unser sehr geehrter Herr Rabbiner mit dem Vorstande und zahlreichen Gemeindemitgliedern zu Herrn Rabbiner Kopl Blau und dankten chm für seinen interessanten Vortrag. Bei dieser Gelegenheit muss constatirt werden, dass unser derzeitiger allgemein beliebter Herr Rabbiner, während der kurzen Zeit seiner hiesigen Amtswirksamkeit es verstanden hat, in der Gemeinde das Interesse für Thora und minn tim in beträchtlichem Maße zu heben, was ihm als ein besonderes Verdienst angercchnet werden muss.^ j Haölonz. Der Vorsteher der isrl. Cultusgemeinde, Herr Daniel | Mendel, der 20 Jahre lang dieses Ehrenamt bekleidet, feierte dieser j Tage in aller Stille seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, der ob seiner! trefflichen Charaktereigenschaften großes Ansehen genießt, ist Stadtver- ■ ordneter. Aufsichtsrath der Sparcasse rc. Die Cultusgemeinde ruft eine j den Rainen des Jubilars tragende Wohlthätigkeitsstiftung ins Leben.! Z»rag. Die hiesige Schriftstellerin, Frau Regina Mirsky-Tauber. j Gattin des Cantors am Neuen Tempel, Herrn Leo Mirsky, hielt am! 2. d. im „Jüdischen Frauenverein" im Hotel Bristol einen Vortrag „Skizzen aus Rumänien" betitelt. Die Vortragende besprach Land und! Leute, Verkehr, Theater, Schulwesen, Geschäfts- und Familienleben in | Rumänien in fesselnder Weise; besonders eingehend wurde die traurige i Lage der rumänischen Juden besprochen. Zum Schlüsse sprach die Vorj tragende den Wunsch aus, dass es denselben gelingen möge, das Mit-! gesühl aller maßgebenden Factoren der Culturstaaten zu erringen,! damit sich ihre traurige Lage zum Besseren wende. Reicher Beifall folgte; den interessanten Ausführungen.! Budapest. Rabbiner L. Pollak, das beliebte und vielverehrte! Mitglied des Pester Rabbinats, feiert, so es Gottes Wille sein wird, i am 26. d. M. das seltene Fest der halben Jahrhundertswende seiner; Rabbinerthätigkeit. Wie wir hören, werden sowohl seine frühere Ge-! meinde in Jnowrazlaw, als auch die Pester israel. Religionsgemeinde,! sowie die überaus große Zahl der Verehrer Pollak's seinen Gedenktag durch Darbringung großer Ovationen ehren. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben. Von Moritz Scherbe!. (Nachdruck verboten.) (48. Fortsetzung ) 13. Der letzte Gedanke. Hier Glück und Freude. Allein wir leben einmal aus der Erde, wo, wenn ein Theil derselben vom Sonnenlicht hell beschienen wird, auf dem anderen die finstere, unheimliche Nacht sich ausbreitet. Wir treten in die armselige Wohnung der Witwe Lindenberg, der Mutter Gabriels. Es ist ein kleines, niedriges Stübchen, das wir antreffen. Die Ausstattung desselben ist eine dürftige, was einige bessere Möbelstücke, die Ueberbleibsel von früheren, besseren Zeiten, durchaus nicht verdecken vermögen. Gabriel hatte nach dem Tode des Vaters es versucht, durch Ertheilung von Stunden den häuslichen Bedarf aufzubringen, was zwar nur knapp geschehen konnte, immerhin aber doch die Familie vor Mangel bewahrte. Allein er war den Anstrengungen nicht gewachsen, dazu kam noch der stille Gram, der an seinem Lebensmark zehrte; er wurde krank und bettlägerig. Frau Lindenberg und ihre jüngeren Kinder lebten von der Zeit an, wo Gabriel nicht mehr im Stande war, für sie etwas zu thun, von der Unterstützung, die ihr von Abraham Glanzberg und noch von anderer Seite zu Theil wurde. Mit tiefem Schmerze sah die arme Mutter ihren hoffnungsvollen Sohn jener Krankheit verfallen, die unheilbar in ihrer Natur, dort wö sie sich festgesetzt, langsam aber mit schrecklicher Sicherheit ihr Opfer dem Tode in die Arme treibt. Die Schwindsucht mit allen dem, worin sie sich äußert, Husten, Brustschmerz und körperliches Siechthum, sie war es, die Gabriel bereits seit mehreren Wochen im Bette festhielt. Er fühlte und erkannte, dass eine Genesung für ihn nicht mehr in Aussicht stehe, vielmehr die Zeit nicht mehr fern sei, wo er sein Dasein beschließen und fein junges Leben das Endziel finden werde. Wie oft, hatte er diese Stunde nicht schon herbeigewünscht, wie satt war er schon dieses Leidens geworden, das ihn den Todeskelch tropfenweise leeren ließ? Was sollte noch ferner dieser in ihm arbeitende Geist in der gebrochenen Körperhülle, wodurch die Qualen über das verfehlte Leben in ihm nur verlängert wurden? Wo war er mit seinen Ansprüchen an die Welt geblieben, tvohin hatte ihn der Eistr in der geistigen Arbeit geführt? Er hatte für dieselbe nicht ein goldenes Ziel vor Augen, er träumte von dem Besitze Fremmas, er glaubte sie mit feinem geistigen Reichthum gewinnen zu können, ihre Liebe zu erhalten, wenn auch seine körperliche Erscheinung keine bevorzugte sei — ja er wäre dahin gekommen — oa zerstörte ein verderblicher Zufall das goldene Gebäude, das er sich errichtet. Wohl ein Zufall, den er verfluchen konnte, wenn er dessen fähig gewesen wäre. Der Nihilist kam ins Haus, nächtlicher Weise ins Haus, und raubte ihm das, was sein Lebensglück bilden sollte. Ter Nihilist. — Was ist ein Nihilist? Ein Mann der Verneinung, ein Mensch, der an keine sittliche Weltanschauung, an keinen Gort glaubt und die Religion von sich stößt. Und dieser Nihilist erreichte das, was ihm, dem an Gott Glaubenden, mit ihm Lebenden und Strebenden versagt wurde. Wer von ihnen beiden hatte vernünftig, er wollte nicht sagen, recht gehandelt? Jener mit seiner Auflehnung gegen die tausendjährige Tradition des Gottesglaubens, oder er mit der Jnnehaltung des religiösen Princips? Jener mit seiner Verleugung der göttlichen Weltregierung, oder er mit dem Vertrauen zu einer höheren Gerechtigkeit, Gnade und Liebe? Wer hatte Recht? Wer war klüger? Jedenfalls lag hier der Vvrtheil auf der Seite des Anderen. Und was sagt die Religion zu dieser Verrheilung der Geschicke, will sie sie rechtfertigen, kann sie sie rechtfertigen? Kühne Frage! Schon Moses, schon David und Jeremias haben sich mit ihr beschäftigt aber kaum eine Erklärung dafür gefunden. (Schluss folgt.) Concurs. In der israelitischen Chor-Tempel-Kemeinde strada sf. Vineri Nr. 13. zu Bukarest ist die Stelle des zweite» Cantors zu besetzen. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 2400 Francs und sonstigen Emolumenten verbunden. Bewerber müssen NT' und im Besitze einer schönen Tenorstimme, musikalisch gebildet, außerdem ein tüchtiger Chordirigent sein. Bewerber welche aui diesen Posten refleetiren, müssen ihre Offerte längstens bis Ende Mai einsenden. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. Bukarest, den 16/29. Mai 1901. Concurs. In hiesiger Gemeinde ist die Stelle des ersten Cantors unst gepr. Beligionsledrers zu besetzen. Reflectanten wollen ihre Angebote nebst Zeugniffen und Gehaltsaniprüchen dem Unterzeichneten einreichen. Es wird nur auf eine erste Kraft reslectirt. Aer Dorkand der Synagogen-Hemeinde Aüstetdorf.