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Die Wahrheit · 1901-05-03 · Heft 17 (3.5.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 17 (3.5.1901)
Date
1901-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaction u. Admiiiistralioii -! U)ien, II/1. Novaragasie 27. jj Jt k österr. Postsparcassa Chkct.Conto Nr. 846-25.1. _ i: ii Infi ca 11 I |i 20 Heller Der Nonvareille-Zeile. j| Abonnementsnnd Jnsertions» betrüge sind i» Wien zahlbar.! ^abhängige eitfchrift für jüöische Erscheint jeden Freitag. JReffo : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Ganzjährig Halbjährig . *. 12. . St. 6. Für Lultusbeamte: Ganzjährig K. 10— Für Ausland: 'j Ganzjährig .... 12 Mark;j 6 Rubel oder 16 Frcs. i! Nr. 17. Wien, 3. Mai IM. Inhalt r Die Weltreligionen. — Hervorragende christliche Gelehrte über den Ritualmord. — Leopoldstädter Frauen-Wohlthätiqkeits-Verein. — Zur Belovarer Blutlüge. — H. Weintraub und seine „Tempelgesänge". — Verschiedene Nachrichten. — Litteratur. - Feuilleton: Der Nihilist Wir ersuchen dringendst um Einsendung der rückständigen AHonnementsöeträge. Kie Administration. Die Weltreligionen. Von Dr. B. Die Zeit religiöser Disputationen und gewaltsamer Bekehrungen gehört, von verschwindend kleinen Ausnahmen abgesehen, einer längst vergangenen Zeit an. Das treffliche Wort Lessings : „Es eifere jeder seiner unbestochenen von Vornrtheilen freien Liebe nach" wird der Jahrhunderte, vielleicht der Jahrtausende noch bedürfen, ehe es in der Praxis zur Ausführung gelangen wird, in der Theorie aber ist es von allen objectiv Denkenden anerkannt. Das Rad der Zeit lässt sich nicht rückwärts drehen, und so begreifen wir, dass der Rector der katholischen Universität in Washington, Bischof Keane, gegen Ende des 19. Jahrhundertes folgende Worte aussprach: „Eine Gesellschaft intelligenter und gewissenhafter Männer, die ihre religiösen Ueberzeugungen ohne Geringschätzung anderer, ohne Bitterkeit und ohne Streitlust, mit Wahrheits- und Menschenliebe sich gegenseitig ve:tragen, wird ein ehrenvolles Ereignis in der Geschichte der Religion sein und kann nur zum Guten führen." Ein solch' ehrenvolles Ereignis war auch die Versammlung von Vertretern aller Religionen zur Zeit der großen Weltausstellung in Chicago im Jahre 1893. Von Religionsbekenntnissen waren vertreten*): Der Judaismus, die römisch und die griechischkatholische Kirche, die armenische, anglikanische, lutherische Kirche, der Islam, Hinduismus, Brahmo-Somaj, Budahismus, Zoroaster, Confucianismus, Japauismus. Wir sind Professor Wilhelm v. Zehender zum Danke verpstichtet, dass er uns in einem deutsch geschriebenen Buche kurze Auszüge über die Vorträge gibt, welche die Vertreter der oben erwähnten Religionen auf dem Weltkongresse gehalten. Es würde viel zu weit führen, wenn wir aus die einzelnen Vorträge näher eingehen wollten. Charakteristisch für die Verhältnisse in Amerika ist die Thatsache, dass das Motto aus dem Propheten Maleachi Cap. II, V. 10 : „Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uni erschaffen?" *) Wir eitleren wörtlich nach Prof. Wilhelm v. Zehender, der, die Weltreligionen auf dem Columbiaeongres» von Chicago. 2. Auflage 1900, Gotha, Fr, And. Perthr». Preis 4 Mart. von dem englischenOberrabbiner H. Adler vorgeschlagen und angenommen worden ist. Interessant sind folgende Bemerkungen, die Minas Tscheraz, Professor in London in seinem Vortrage „Die armenische Kirche" machte: „Hier in der Versammlung von Chicago sieht man, wie die Hirten aller Nationen, die Vertreter aller Religionen, sich gegenseitig mit Ehrinrcht und mit sympathischen Gefühlen begegnen. In den Augen der Welt muss dies den Glauben und die Hoffnung wecken, dass die Schranken, welche die verschieschiedenen Religionen umschließen, nicht von Eisen find, sondern dass sie vielmehr nur aus Eis bestehen, welches an den ersten Souuenstrahlen der Liebe zerschmilzt." Von actnellem Interesse dürften auch folgende Worte sein, die Pung Kräng Au, erster Secretär bei der chinesischen Gesandtschaft in Washington in seinem Vortrage über den »Confucianismus" aussprach: „Die fremden Missionäre der letzten 30 Jahre sind aber nur mit den untersten Schichten der chinesischen Bevölkerung bekannt geworden. Sie bekümmerten sich weder um die Landeseinrichtungen, noch um die Unterrichtsmethoden und waren nur darauf bedacht, fremde Sprache, fremde Lehren und fremde Schrift in China einzuführen. Die turbulenten Elemente der Bevölkerung fanden oft ihren Bortheil darin, Christen zu werden, weil die Missionäre unter besonders hohem diplomatischen Schutz standen. Die Missionäre selbst schienen aber größeren Wert auf die Zahl ihrer Proselyten zu legen, als auf deren moralische Charaktereigenschaften. AuS diesem Grunde kam es oft zu Ruhestörungen, denen gewöhnlich einige Missionäre zum Opfer sielen. Die nachfolgenden Bestrafungen vermehrten regelmäßig und in steigender Proportion den Hass — nicht gegen die Regierung, sondern gegen die Missionäre. Die christlichen Missionäre, welche nur mit der Hefe des Volkes und mit gebildeten Männern von lockeren Sitten verkehren, können dem Confucianismus weder schaden noch nützen. Weise Lehrer können nichts anderes thun, als die Menschen auf den Weg der Tugend und des guten Benehmens führen und sie vom Bösen fern halten. Dadurch sichert man ihnen den freiesten Lebensgenuss, der ohne Beeinträchtigung der Rechte anderer möglich ist. Wenn die christlichen Missionäre in China die Liebe zu Christus, die sie im Herzen tragen, zeigen uao de» chinesischen Volke wirklich eine Wohlthat erweisen wollen, dann wäre vor allen Dingen nüthig, dass sie neben ihren religiösen Angelegenheiten auch noch in anderen Zweigen menschlichen

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