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Die Wahrheit · 1901-04-26 · Heft 16 (26.4.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 16 (26.4.1901)
Date
1901-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion u. Administraiioi, U?ien. II/l, Novaragaffe 27. St k österr. Posisvarcassa Theck-Conto Nr. 840.251. _ || 3 n f (t a t t j 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnementsnnd JnjertionS» beträge sind in Wien zahlbar. ^abhängige Heiischrift für Mfche Intere^eu. Erscheint jeden Freitng. Matt« : „Das Siegel Gottes ist Wahrheit ßejngspseis: Ganzjährig . . St. 12.— Halbjährig ... St. 6.— Für Lultus beamte: Ganzjährig ... St. 10.— Für Ausland: Ganzjährig .... 12 Mark 6 Rubel ober 10 FrcS. Nr. 16. Wien, 86. Äpril IM. Inhalt: Kranzablösungs-Spenden. — Wieder eine Blutlüge. — Stefan BLthory's Decret gegen die Ritualmordlüge. — Der jüdische Kaufmann. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zur Organisationsfrage. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. Kranzabiösungs-Zpenden. Dem focialistischen Grundgedanken der jüdischen Religion entsprechend, der sich schon in der biblischen Gesetzgebung wiederholt manisestirt, hat auch die Gleichheit und Brüderlichkeit aller Menschen durch mannigfache Bräuche und Sitten beredten Ausdruck gesunden. Gleichheit im Leben wie im Tode, ist eine uralte Paiole des Judenthums, und diesem Principe entsprach es auch, dass bei jüdischen Leichenbegängnißen stets eine streng gewährte Uniformität und Einfachheit obwaltete. Kein Pomp, kein Prunk, meofor atto ul’ofor toschuw. Ob ein Jude aut den höchsten Stufen der menschlichen Gesellschaft seine Lebensarbeit vollendete, oder in der niedersten Sphäre sein Dasein beschloss; ob er mit Glücksgütern gesegnet, oder in bitterer Armuth seine müden Augen zum ewigen Schlummer schloss; wurde er mit schlichten Sterbekleidern in einem einfachen Holzsarg in die Erde gebettet, und keine äußerliche Erscheinung verrieth, was der Verstorbene im Leben bedeutet hat. Diese uralte Vülersitte wurde gleich anderen bisher hochgehaltenen Traditionen in neuerer Zeit durchbrochen, und allmälig hat sich auch bei jüdischen Leichenbegängnißen eine gewisse Prunkentfaltung eingeschlichen. Nicht nur die Vornehmen und Reichen, sondern auch die mittleren und unteren Stände haben sich von jüdischer Sitte losgesagt, und besonders ist es zur Gepflogenheit geworden, die irdischen Reste geliebter Verwandter und Freunde mit reichen Blumenkränzen zu bedecken. Es mag auch in der Widmung duftender Blumen und Blüthen ein schöner Sinn liegen, aber sie entspricht nicht dem jüdischen Gebrauche und außerdem werden alljährlich viele Tausende von Gulden verschwendet, die einem wohlthätigen Zwecke zugeführt, der Menschheit reichen Segen bringen könnten. Wohlthar ist die schönste Blume im Garten der Menschheit, ihr Duft ist unvergänglich, und diese Blume sollen wir niederlegen auf die Gräber unserer Lieben, sie wird ihnen ein ewiges Andenken sichern. Schon zu wiederholten Malen wurde diese Frage öffentlich discutirt, aber bisher, wenigstens in Wien, mit geringem Erfolge. Vielleicht hat die neuerliche Anregung, die von der Wiener „Chewra Kadischa" ausgeht, mehr Glück, und in diesem Sinne veröffentlichen wir im Nachstehenden eine an uns gelangte Zuschrift, deren Beherzigung wir unseren Glaubensgenossen wärmstens anempfehlen: „Einer mehrseitigen Anregung folgend, hat der Verein „Chewra Kadischa" eine Neueinrichtung getroffen, die überall sympathisch ausgenommen werden dürfte. Es wurde in den letzten Jahren die bedauerliche Wahrnehmung gemacht, dass auch bei jüdischen Leichenbegängnissen, entgegen den Traditionen, welche die einfache, prunklose Bestattung gebieten, die Widmungen von Kranz- und Blumenspenden überhandnehmen. Die „Chewra Kadischa" hat nun veranlasst, dass — ohne der freien Entschließung jedes Einzelnen irgendwie vorgreifen zu wollen — in jedem Trauerhaus ein würdig ausgestattetes Buch aufgelegt wird, worin die Freunde der Familie an Stelle der Kranz- und Blnmensvenden den äquivalenten Betrag für wohlthätige Zwecke einschreiben können. Noch vor 30 Jahren hat man in 'Wien auch bei christlichen Leichenbegängnißen es abgelehnt, diese au" Frankreich imporiirte Sitte, oder besser, Unsitte des Kranzspendens einzubürgern. Als vor Jahren sich eine Agitation entwickelte, lieber die nothleidenden Vereine zu unterstützen als die kaum den Tag überdauernden Blumen zu gebrauchen, da war es nur die Genossenschaft der Ziergärtner, die mit aller Macht dagegen remonstrirte. Wir Juden haben wahrlich kein Interesse daran, dieser Genossenschaft zuliebe eine Unsitte nachzuahmen, die vorgeschrittene Gemeinden in Deutschland, Böhmen und Ungarn längst abgeschafft haben. Allen human gesinnten Glaubensbrüdern und Schwestern bleibt es überlassen, dieser Anregung im gegebenen Falle zn entsprechen und für dieselbe Propaganda zu machen." Wieder eine Sluttüge. Freitag, den 12. d. M., war die im Dorfe Plavnica bei. Belovar wohnende Bäuerin, Maria Jvorka, mit ihrem fünfjährigen Kinde nach Belovar zum Einkäufe gekommen. Unterwegs übergab sie ihren Knaben einem bekannten Bauern, der jedoch das Kind nicht genügend beaufsichtigte, so dass das Kind in Verlust gerieth. Das Kind verirrte sich nämlich auf die Landstraße, wo es von einem Gastwirthe, Ivan Pavicic aus Stefanje, gefunden wurde, der dasselbe, da es auf seine Fragen nichts zu antworten wußte, anstatt gleich zur hiesigen Polizei zu bringen, auf feinem Wagen mit sich nach Hause — etwa zwei Stunden Fußweg von Belovar — nahm, wo er es volle sechs Tage eoetmülhig bewirlhete. Nach feiner Angabe hatte er auch diesen Vorfall der dortigen Polizei sofort gemeldet. Trotz der regsten Thätigkeit der Polizeiorgane blieb bis

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