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Die Wahrheit · 1901-03-15 · Heft 11 (15.3.1901) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 11 (15.3.1901)
Date
1901-03-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 11. Die Wahrheit. Nr. 11. mit in die Kehilla zu bringen verspricht. Tüchtigkeit und tüchtiges Können, Erfahrung und gut fachmännische Gebahrnug verschlägt nichts bei jener Sorte von S-achverständigeu, die nur das lieben, was obenauf wie ' Kork schimmt. -Was sollen aber jene Bedanernswerthen thuu, die zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre in einer Gemeinde „gecantort" haben und nun auf einmal bemüsfigt werden, mit ihrer |bunft wo anders nach Brot zu pilgern? Ich wette Eins gegen Hundert, dass auch die essen wollen, und mit ihnen ihre Angehörigen, eine hübsche Anzahl junger Mäuler, die tüchtig essen, aber noch nichts verdienen können. Ist das jüdisch und menschenfreundlich? Wo bleibt da der jüdisch-edle Wohlthätigkeitssinn, jene rühmliche Garde der b'ue sisrael bajsciianim rachamanim? ... (Schluss folgt.) Verschiedene Nachrichten. . Wie«. Der Privatdocent an der Universität in Wien, Dr. Samuel S teinherz, wurde zum außerordentlichen Professor der histor.Hilfswissenschaften an der deutschen Universität in Prag ernannt. Wie«. Im literarischen Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" findet Sonntag, den 17. März, ein Vortrag des Herrn Berthold Feijw e l statt. Gäste sind hcrzlichst willkommen. Agla«. (Tempel- Gesang-Verein „Schir Zion".) Heitere und genussreiche Stunden bot für alle Anwesenden der am 6. d. im Saale des Hotel „Drei Fürsten" abgehaltene musikalische Vortrag- Abend des Vereines, an welchem Angehörige der ausübenden und beitragenden Mitglieder, die ehrenwerthen Vorstände' der Gemeinde und anderer Corporationen und viele Gönner . des Vereines aus Nah und Fern als Gäste theilnahmen. Schon die beiden ersten Chöre „Das erste Lied" von Abt und „Erinnerung" von Otto v. Wolden wurden vom Publikum mit lautem Jubel begrüßt und stürmisch zur Wiederholung begehrt. Eine Ueberraschung seltener Art wurde den Theilnehmern dieses Vergnügungsabendes geboten, als zwanzig junge Mitglieder, zumeist israelitische Studirende der hiesigen Mittelschule, welche ein Hausorchesterunseres Vereines bilden, einen vom Chormeistcr Josef Kohn, dem Dirigenten dieser Capelle, componirten „Vereinsmarsch" nach dem Motive unseres Vereinsspruches mit einer Präcision, wie mau es nur von Berufsmusikern gewöhnt ist, zu Gehör brachten. Als sich der Beifall für die jungen Spielleute gelegt hatte, trug die Hauscapelle „Fragmente" aus „Troubadour" und als Zugabe das anheimelnde „Märchen" von Komzak mit hinreißender Wirkung vor. Ein Mitglied des Orchesters, Stud. Armin Spielmann, überreichte dem Dirigenten im Namen seiner Spielgenossen als Zeichen der Anerkennung einen zierlichen, werthvollcn Tactstock, dankte demselben für die der Vereinigung gewidmeten Müheleistungen, während ein anderes Mitglied, der Octavaner Carl Weiner, durch Uebcrreichung ciner prächtigen Dankadresse demselben weitere Ehrung bezeugte. Darauf folgten zwei Lieder „Waldesgespräch" von Rob. Schuhmann und „Die böse Farbe" von Fr. Schubert, vorgetragen vom Vereinsmitgliede. Frau Rosa Epstein, einer sehr beliebten Sängerin von hervorragendem Vortragstalent, das sich ebenso sehrauf dem Gebiete des Heiteren wie des Ernsten bewährt. Die Dame wurde mit Ovationen überschüttet und durch eine Blumenspende ausgezeichnet. Zwei Cellopiecen „Das Gebet" von Fr. Strobl und „A la Mazurka" von Fr. Nelk, boten dem Publikum Gelegenheit, sich von der Meisterschaft unseres Chol Meisters auf diesem Instrumente zu überzeugen. Beide Piecen wurden so ganz in dem pocsievollen Geiste der Composition zum Ausdruck gebracht. Dem Vortragenden wurden für die künstlerische Leistungen die lebhaftesten Ovationen dargebracht. Nun trat der Gesammtchor mit den gemischten Chören „Nachtlager von Granada" von Kreuzer und „Schatzerl klein" von Zebngraf wieder in Action, wobei ebenfalls die treffliche Schulung der Sänger und das schön klingende Pianiffimo, das bei starken Chören selten vorkommt, zur Geltung kanr.- Der zweite Chor musste auf Verlangen des Publikums wiederholt -werden. — Die folgende Nummer kündigte ein claffisches Trio an, eine „Serenade" für Violin, Cello und Clavier von Beethoven, welches meisterhaft gespielt wurde. Den Violinpart absolvirte der Studirende Arthur Sobotka mit ficherer Bogensöhruug und reiner Intonation; Chormeister Kohn enttlockte seinem Instrumente die herrlichsten Töne, während ihre Partnerin, Fräulein Anna Hellmann, sich als hervorragende Pianistin erwies, welche .die Kunst des Phrasirens vollkommen siine hat. Das Publikum ehrte -dieses Spiel, durch laute Beifallsbezeugungen. Der folgende „Gesang- Walzer" von C. v. Weinzierl musste auf stürmisches Verlangen zweimal gesungen werden. Wenn nach solch trefflich ausgeführten Musik- und Gesangstücken das Publikum noch auf zwei ernste Gesänge wie Ant. Rubinstein's „Asra" und einer „Arie" aus der Oper „Die Jüdin" reges Jntereffe bekundete, so war dies ein deutlicher Beweis, welche Zauberkraft die schöne- Tenorstimme unseres Obercantors auszuüben vermag. Er erntete für seine gesanglichen Leistungen allgemeines Lob. Den vom Chormeister Kohn componirter Walzer „An der Jglawa", Welcher jüngst Sr. k. u. k. Hoheit, dem hier weilenden Erzherzoge Leopold Ferdinand, ehrfurchtsvoll gewidmet und von demselben huldvollst angenommen wurde, trug das Hausorchester mit dem besten Erfolge vor. Die melodiösen Klänge erregten gerechtes Aufsehen und das Publikum applaudirte dem Componisten, Ein Musikfreund überreichte demselben einen Lorbeerkranz als Ehrenzeichen. Nach einer längeren Pause folgte die Aufführung der einactigen Operette „Zehn Mädchen und kein Mann^ von Franz von Suppe. Das Operettenpersonal bestand aus den Damen r Frau Rosa Epstein, Frl. Sophie Beran, Valeria Bergmann, Olga Chitz, Emma Engel, Olga Engel, Louise Kohn, Ella Pollak, Emma Pollak, Paula Spitz, Adele Weißberger und den Herren: Arthur Pollak, Josef Stettner. Die Regie leitete der Regisseur des hiesigen Stadttheaters, Herr Robert Laube, die musikalische Leitung war in den Händen unsereswackeren Chormeisters. Die Darsteller entledigten sich mit echt schauspielerischer Routine ihrer Rollen und hatten die Lacher auf ihrer Seite.. Das Publikum war über diese Aufführung höchst befriedigt und spendete jedem Einzelnen volles Lob. Rach der Vorstellung wurde dem Leiter Josef Kohn von den Damen des Operettenpersonals ein prächtiger Kranz überreicht. In animirtester Stimmung verflogen die Stunden; den Kranz liebreizender Mädchen, welche sich um das Gelingen des heiteren Abends verdient gemacht haben, erwartete eine reichliche Entlohnung — der ersehnte Tanz. Es war bereits Mitternacht geworden, da das angesagte „Kränzchen" in seine Rechte trat, fröhlich drehten sich die Paare im Kreise bis zum Morgengrauen. Dem Vergnügungs-Comito, voran den Herren Fritz Kohn und Carl Pollak, das seine Obliegenheiten in solch zufriedenstellender Weise erfüllte, wurde volle Anerkennung zugesprochen. A. B. HepttH (Tempelverein — Kinderfest.) Das Schützen- Haus war der Schauplatz eines sehr gut besuchten Kinderfestes. Nachdem Herr Dr. Kurrein auf den Zusammenhag des religiösen Purimsestes mit den nun folgenden Vergnügungen hinwies, nahm die Hauptnummer des Abends, das.Märchenspiel „Der Rattenfänger im Zauberberge," seinem Anfang. Nur eine Summe von unermüdlicher Ausdauer und Geduld konnte so Ausgezeichnetes zu Wege bringe^ Die in dem Märchenspiel .vorgeführten Tänze, von liebreizenden, jungen Mädchen ausgeführt, erhoben sich künstlerisch weit über eigentliche Dilettantenleistungen. In diesem Liedcrspiel wechselten Chor- und Sologesänge. Zwei sehr jugendliche Geiger producirten sich hierauf in gewinnender Weise. Was weiter folgte, rief unter der Kinderschaar eine kleine Revolution hervor. In dem Märchenspiel „Die goldenen Eier" gab es nicht blos was zuim Lachen, sondern auch Prächtiges auzuschauen. - Ein veritabler König im Purpurmantel, ein Hofstaat mit goldbetreßten Uniformen,; eine Fee, ja — ein Teufel (!) stand auf der Bühne. Das Stück mit der hübschen Moral wurde unbändig beklatscht. Die große Mühe wurde mit Jauchzen und Jubel von der Kinderschaar lustig belohnt. Frl. Regina Altschul,. Herr Oberlehrer Freund und Obercantor Dawison haben Treffliches mit den kleinen Dilettanten geleistet. Wir schließen aber, denn Beifall, von unzähligen kleinen Händchen geklatscht, spricht eindringlich er als Referentenarbeit. Ein besonderes Verdienst um das vom Tempel - verein veranstaltete Fest hat sich dessen Obmann Herr Ernst Bechert erworben. Wudapest. Am letzten Purim besuchte der vielverdiente Präses der Pester Chewra Kadischa, Herr Moses E h r l i ch, in Begleitung seiner Hochverehrten Frau Gemalin. das der Chewra gehörende uüd von ihr in opferfreudiger Weise aufrecht erhaltene isr. Altersversorgungshaus. - Das edle Paar kam unerwartet und verblieb den ganzen Abend bei den Alten — 58 an der Zahl denen .sie durch ihre Leutseligkeit einem reudigen Festabend bereitete. S.

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