Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 10 (8.3.1901)
- Date
- 1901-03-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063072--01242-3067815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10. . Die Wahrheit. Nr. 10. instiuctivenl Gefühl bie ^ocatfaibe oict besser getroffen, als die Bearberrer dieser „echten Anlquiläleii". Von den verschiedenen NuNttnern gefiel um nieisteii die wirklich «llcrthüanlich anninlhende (1. Iahrhunderl n. Cl>r.) auch durch die siiiumungsvolic Wiedergabe von Frl. VeiaEioldderg, iorvie eine melodiöse, aber weniger anlik klingende Or>e an die Mnsc. Die atrchristr lichen Gesänge — mir Katakomben'Szenerie und griechischer! Gewandung —fielen Nicht aus dem Namen, so lange Ebor und Znstrumellie unisono zusamm«»gingen, sobald aber bei jedem. Peiiodenschlnis mo erne Eadenzen erklangen, wurde man aus. der Slimmnttg gerissen. Ter dritte Theiß enthielt all-hebräische Gesänge mit orientalischen Tecorationen und diio Gewandung nach Ueberlieiernngen verschiedener jüdisch.r Gemeinden in England, Temschland und Frankreich. Tas Pnbliknin verhiell sich ziemlich kühl diesem Experimente gegenüber, das meiner Meinung mach als misslungen zu betrachten ist. Es bleibt nur hinzuznsügeu, dass das „Berliner Tonkünulerolchesler" von Professor Frendenberg mit Auswand sehr lebhafter Lewegungen dirigirt wurde und dass vor den allgriechischen Gesängen die Onverlnre zu „Iphigenie in Anlis" von Gluck (auch grichiiche Musik?) und. vor den hebräischen Gesängen die Ouvertüre zu „Joseph in Aegypten" von Möhul — eine doch zu wohlseile Aenßerlichkeit — gespielt wurdet - Verschie-ene Nachrichten. Wie« Sonntag, .den 10. M., 2 Uhr Nachmittags findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Emanuel Weiß, Obercantor m Budweis, mit Fräulein Clara Kraus aus Wien statt. Wie«. Am l l. d. M. feiern die Eltern der Frau Amalie Beck, Präsidentin des Josesstädter Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines, ihre goldene Hochzeit. Herr Abraham Zack und seine Gattin Katharine sind seit einigen Zähren von Austerlitz nach Wien übcrsiedelt, um im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel ihren Lebensabend ruhig und angenehm zu verbringen. Herr Abraham Zack, ehemaliger Bürgermeister von Austerlitz, erfreut sich wegen feiner biederen und wohlthäiigen Gesinnung einer allgemeinen Beliebtheit, und wird gewiss jeder, der diese ehrenwerthe Familie kennt, lebhaften Anrheil an dem Freudenfeste des alten Ehepaares nehmen. Wrr wünschen dem greifen Jubelpaare ein frohes glückliches Alter, und dass sie dem Kreise ihrer Lieben noch lange erhalten bleibe t mögen. Wien. Der weltbekannte Meistersahver, Herr Max Luriou, hat sich mit Frl. Helene Spitzer, Tochter des im 2. Bezirke bekannten Cafetiers, Herrn Leopold Spitzer <Casü Dogenhof, Praterstraße), verlobt. Zing.-Hstr«. T'e Großindustriellen, Herr Leopold Mäh in Ung.-Osua und. Herr Julius May in Ung.-Hrad'.sch, wurden vom Kaiser in den Adelstand mit dem Prädicate „Edler von" erhoben. In der hiesigen Gemeinde herrscht über diese Auszeichnung allgemeine Freude, da Herr von May sich als warmfühlender Jude an Men Institutionen in hervorragender Weise betheiligt. Austerlitz. Donnerstag, den 28. v. M., fand in Wien die Verödung des Ottakringer Polizeiarztes Herrn Dr. Karl Prager mit Frl. Louise Strach, Tochter des beliebten Cultusvorstehers, Herrn Josef Strach aus Austerlitz, statt. Aöudapest. Herr Bcla Sonnenschein, Disponent der Großbandlungsfirma Fischer u. Kohn, vermählte sich nnt Fräulein Margit; Schwarz, Tochrcr des Buchhändlers Ignaz Schwarz. Tie religiöse! Eheschließung iand im Beisein, eines zahlreichen Publikums im großen ' Tempel in der Tabakgasse statt. Obcrcantor Prof. Adolf Lazarus - besorgte den cantoralen Thett der Feier und entzückte durch den Vortrag! eines prächligen Solo. Rabbiner Dr. M. Kayserling ertheilre den Segen! der Religion, wobei er an Die Neuvermählten eine meisterhafte Ansprache! richtete. Bei dem Hochzeitsmale, das der Familientraner U'egen blos im engnen Kreisen stattgesundeu, verrichtete Obercantor Jacob B a ch m a n n da'- Tischgebet und brillirte dabei mit seinen herrlichen Stimmmitteln.; Ujpest. Tie Gattin .unseres allverehrten Oberrabbiners, Dr.; L n dw i g V e n e t l a n er, genas, nachdem sie schön glückliche Mutter s dreier reizender Mädchen ist, eines gesunbeu' Knaben. Tr. Venetianer! erbat sich nun von seiner Geiüeinde, sie möge bei der Circumcision seines Neugeborenen die Gevatterslelle annehmen. Der Vorstand der Gemeinde sagte bereitwilligst zu und hat säimntliche Gemeindemitglieder und einige Honoratioren — ausschließlich Juden - zu dieser Feierlichkeit, deren Arrangement sie selbst besorgte, eisige laden. Die Beschneid trug fand am 3. März im festlich beleuchten Tempel, nach'dem vom Obercantor M a r h i a s M a t y a scelebrirtcn Morgengoltesdienste, statt. In Vertretung der Gemeinde übernahm Präsident Weiß das "Ehrenamt eines Gevatters. Als Operateur fungirte der Gemeindeangestellte Sam. Braun. Nach vollzogener Circumcision begaben sich die Festgäste — einige hundert an der Zahl— in den großen, reich decorirten Prünksaal des hiesigen Cultusveremes, allwo das Frühstück servirt und. geistreiche Reden gehalten wurden. Unter den Erschienenen bemerkten wir die Vorsteher und die Mitglieder des Ausschusses der Gemeinde, der Chewra und vieler cultureller und. gemeinnütziger Vereinigungen. So sahen wir den Gemeinde- Präsidenten Moriz Weiß und den Vicepräsidenten Dr. Heinr. Lichtmann, den Präsidenten der Chewra Kadischa Josef Hadl, den Präsidenten des Cultusveremes Dr- Simon Führer, Dr. Elias Adler, Oberrabbiner irr Altofen, Dr. Julius Weißbürg, Rabbiner in Pest, Reichstags-Abgeordneter Dr. Theodor Wolfner, Comitats-Oberphhsicus Dr. Sam. Hedervary, Dr. Jakob Wolfner u. A. Außer den anwesenden Berufsrednern. den Rabbinen, zeigten auch andere Persönlichkeiten ein ganz' vorzügliches Rednertalent. Dr. Hedevarh sah in dem Feste ein Doppelbündnis: der Neugeborene schloss den Bund mit der Religion, und dessen Vater erneuerte und befestigte den Bünd mit der Gemeinde. Präsident Moriz Weiß bemerkte, als er an die Spitze der Gemeinde gestellt wurde, da. befürchtete er, dass ihm, gleich Moses, das Wort der Rede fehlen werde. Sein Amtsvorgänger tröstete ihn damit, dass es gelingen dürfte, einen Ahron zu-finden, der für ihn sprechen werde. Und siehe da, während seiner Amtswirksamkeit hatte er das Glück, Dr. Venetianer (brausende? Eljenrufe, als Oberrabbiner seiner Gemeinde zuzuführen; nun habe er einen Ahron, wie er sich einen besseren nicht vorzustellen vermag. Armin Klein wies auf die Wanderung des Patriarchen Jakob hin. Als dieser auf dem Wege sein Haupt zur Ruhe lögen wollte, da stritten sich die Steine um die Ehre, das Kopfkissen des Stammvaters bilden zu können. Sie vereinigten sich sodann, und wurden zu einem ' Stein! Also ist's auch hier der Fall. Die einzelnen Mitglieder der Gemeinde bilden erst durch ihrer Vereinigung, die Gemeinde und diese hat heute die Gevatterstelle bei „dem Kinde der Gemeinde" ausgeübt. Dr. Hedevarh feierte den anwesenden Ablegaten Theodor Wolfner; dieser dankte und meinte in feiner Bescheidenheit, dass er zur heutigen Feier, welche die Gemeinde so rührend schön inscemrte, nicht als Abgeordneter, sondern als einfaches Mitglied der Gemeinde erschienen sei. Die Herren blieben von 8 Uhr Früh bis 11 Uhr Vormittags in bester Stimmung beisammen. Der Vorstand überreichte der liebenswürdigen Wöchnerin als' Gevatterangebinde namens der munificenten Gemeinde ein kostbares Geschenk und vertheilte nach dem feierlichen Acte 100 Kronen und eine Menge Bäckereien an arme. Gemeindemitglieder. Noch sei erwähnt, dass auf Anregung des Herrn Moriz Lichtmänn eine Sammlung für die Armen des heiligen Landes eingeleitet wurde, welche ein befriedigendes Resultat lieferte. Der Neugeborene heißt nach seinem verewigten Großvater, dem noch im ehrendsten Gedenken stehenden Nabbinatsassessor Albert Venetianer in Kecskemet. D. H. S. Zürich.. Im Vereine „Reunion" hielt Herr Landesrabbiner Dr. Tänzer aus Hohenems am 17. Februar einen Vortrag über „Saphir als Humorist" und erntete, mit seiner brillanten rhetorischen und stylistischen Leistung, die. anderthalb Stunden währte und von wahren Lachsalven begleitet war, einen glänzenden Erfolg. Der Abend wird uns allen unvergesslich bleiben. Am selben Abende prodncirte sich auch der neugegründete. Kammerchor, der ebenfalls Schönes bot. Am 18. Februar faud hier im. Hotel Central ',die Trauung des Innsbrucker Möbelfabrikanten Herrn Carl Fuchs mit Frl. Jutta Braunschweig statt, die Herr Dr. Tänzer vollzog. F. Stuttgart. Vorige Woche wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der nicht nur den Seinen ein guter Gatte und Vater, seiner Gemeinde ein treuer Lehrer, sondern auch ein Mann, welcher ein Freund aller Menschen war. Herr Prediger A b r a h a m, der langjährige Lehrer und Cantor der isr. Religionsgesellschaft, verschied im jugendlichen Alter von 43 Jahren. Schon jahrelang war der Verblichene von einem tückischen Leiden befallen, aber nie versäumte er es, täglich den Gottesdienst und jeden Sabbath den Schiur des Talmud-Thora-Vereines, dessen aufrichtiger Freund er war, zu besuchen. Nicht nur mit den Mitgliedern seiner Gemeinde, auch mit Rabbinen und Lehrern der Cultusgeineinde stand er in regem Freundschaftsverkehr. Sie alle trauern um ihn, der noch lange ein Vorbild seiner Gemeinde hätte sein können. Köln am Rhein. Vorige Woche feierte der hier überaus beliebte Rabbiner, Herr Dr. Frank, sein 25jäh'riges Dienstjubiläum. .. Seitens .der israelitischen Cultusgeineinde wurden dem Jubilar reichliche Ehrungen zutheil. Auch von auswärtigen Collegen und Freunden liefen Glückwunschtelegramme in Menge ein.