Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 10 (8.3.1901)
- Date
- 1901-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ktbaclion ü. Administration Wien. H/l. Novaragaffe 27. AmMngige Keilschrift für Mfche SanzjLhrsg . . ». 12 — Halbjsthrig . . . st. 6 — n k. österr. Posisimrcafla Check.Conto Nr. 846.251. Mtere^ett. Mr Lultnsbean»te; J n f«r a l SanMhrig ... 10.— 20 Heller vrr NoavareilleZeil«. Er? ch e i n t j e den F v e i t a g. Für Ausland: Ij sAbonnements Unb JniertionS» Sanzjährig .... 12 Ma.t betrüge sind in Wien zahlbar. 6 Rubel oder 16 FrcS. - —■ - ■ D 7 ■' ...» M»tt»: „Das Siegel Gattes ist Wahrheit!" Nr. 10. ieu, 8. Mär; 1901. Inhalt r Die jüdische Mittelschule. — Generalversammlung und Brudermahl her Wiener Chewra Kadischa. — Jüdische und christliche Rumänen. — Jüdische Toynbee-Halle in Wien. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Altgriechische und hebräische Musik, <i — Verschiedene Nachrichten. Die jüdische Mittelschule. Von Tr. L. S. Der jüngst in diesem Blntte veröffentlichte Artikel „Einiges fibev jüdische Realschulen" von Dr. A. F. enthielt soviel Treffliches und Beherzigenswrnhes in Bezug auf die Nothwendigkeit jüdischer Mittelschulen, dass es nur zu wünschen wäre, es möchten die Vorstände jener großen jüdischen Gemeinden der Monarchie, die wirklich in der Lage sind, eine jüdische Realschule aus eigenen Mitteln zu erhalten, sich die dort gegebenen Anregungen zu eigen machen. Die Redaclion der „Wahrheit" hat hiemit eine höchst zeitgemäße Frage in Fluss gebracht, an deren eingehender Discustion sich die beuifeiteu Fachmänner betheiligen sollten, und auch der geschätzte Autor des in Rede stehenden Artikels hat sehr gut daran gethan, aus die Orginisation der jüdischen Realschulen in Deutschland, speciell aber aufdieHirsch'sche Realschule zu Frankfurt a. M. hinzuweisen; denn vor allem soll das Gute und Zweckmäßige, das dort Wurzel gefasst hat, auch unseren österreichischen und ungarischen Gemeinden zur eifrigen Nachahmung ermnirtern und uns dasjenige, lvas uns noth thut, zum lebendigen Bewußtsein bringen. Nur wer, wie Schreiber dieser Zeilen, an einer jüdischen Mittelschule ^wirkt, weiß auch die Wichtigkeit derselben zu schätzen. Soll jüdischer Sinn in dem Herzen des Kindes Wurzel fassen, so muss es eine jüdische Schule besuchen, die sich ihrer Ausgabe als solche bewusst ist imb in diesem Geiste strebt und wirkt. ..Wie wichtig ist die jüdische Mittelschule vor allem schon für Kinder solcher Eltern, bei deüen das Judenthnm noch hochgehalten wird! Welche Verlegenheit bereiten ihnen Fest- und Ruhetage! Wenn auch die Kinder vom Schreiben und Zeichnen an diesen Tagen zuweilen dispensirt sind, so wird der Fortschritt des jüdischen Zöglings dennoch gehemmt, weil im Zusammenhange des Unterrichtes Lücken und Mängel entstehen. Hiezu kommt noch der Antisemitismus, der sich in allen Schulen eingenistet hat. Wie viel hat das jüdische Kind von seinen nichtjüdischen Collegen, ..oft sogar von dem eigenen Lehrer zu leiden, wie viel Zurücksetzung und Verhöhnung muss es erdulden, uiib . ist es da zu verwundern, wenn es sich schämt, Jude zu sein uird nur in seiner Religion allein den Urquell aller Uebel erblickt? Auch das Moment muss erwogen werden, dass jedermann sich eingestehen muss, dass die christliche Kirche gegenwärtig bestrebt ist, sich der Schulen zu bemächtigen. Warum sollen als» gerade wir.für die Erhaltung und Pflege unseres Glaubens nichts tbnn? Was nützt es, wenn die Eltern noch dem jüdischen Glaubell airhängen, mir jeder Faier des Gemüthes, mit jet-enr Schlage ihres Herzens sich znm echten Jndenthllme bekennen, die Erziehung ihrer Kinder aber — jener Reservearmee des Judenthums — dem Ungefähr überlassen müssen? Was nützt es, dass die Vorstände rer Gemeinden ihr einziges Augenmerk auf Synagogeltbauten oder ans Verschönerung des Gottesdienstes richten, wenn matt nicht für eine Jugend, für eine künftige jüdische Gemeinde sorgt, die durch Geist und Kenntniße fähig ist, sich zu einem vollkommenen jüdischen Leben zu rüsten, um den Kamps mit dem äußern und innern Feind auszunehmen. Das einzige Heilmittel ist die Schule, die jüdische Mittelschule, die als Pflanzstätte künftiger Juden betrachtet werde, wo Thaura und Derech-Erez gelehrt, religiöse und sociale Bildung gepflegt werden. Ich gestatte mir nun, nachfolgend in möglichst knapper Form ein Bild der jüdischen Realschule zu Vagujhely — der einzigen jüdischen Mittelschule der Monarchie — zu enlwenen. Der Gründer dieser Mittelschule war der durch seine Gelehrsamkeit berühmte Rabbi Josef Weiße s. A., Oberrabbiner zu Vagujhely. Dieselbe wurde 1862 gegründet, blickt also auf eine vierzigjährige Vergangenheit zurück. Fast die ganze Zeit führte diese Schule einen Kamps ums Dasein, bis es endlich dein als Schulmann weithin berühmten und auch beim urgarischen Ministerium in Achtung stehenden Dr. Bernhard So nuenteld, Präses der israel. Gemeinde zu Vagujhely, gelungen ist, das Institut aus eine sichere Basis zu stellen. Vor allem errichtete er ein den modernen Anforderungen entsprechendes Schulhaus mit großen Lehrsälen, . und seinen erfolgreichen Bemühungen ist auch die jährliche staatliche Subvention von 8000 — 10.000 K. zu verdanken. Die Schule wird von 160 Zöglingen besucht und verfügt über eine reichhaltige Bibliothek und Lehrmittelsammlung, für deren Bereichung die Gemeinde jährlich 1000 Kronen opfert. Das Institut hat vorläufig vier Elasten, doch dürste es in nächster Zeit zu einem achtclassigen ergänzt werden. Der Lehrkörper besteht aus 5 ordentlichen Professoren, einem Religionsprosessor und einem Musiklehrer. Der Director der Schule ist Herr Jakob Ältmann, früher Assistent am Polytechnikum zu Budapest, der dadurch zur Hebung der Schule beiträgt, dass er dieselbe auß I t I * ’>■{ 3k F iL V