Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. S. Die Wahrheit. Seke 11. Me«. Der »Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien" besucht am Montag, den 4. März a. o. um 3/4 3 Uhr nachmittags unter technischer Leitung: 1. Das seit 3 Jahren durch besondere Neuheiten bereicherte „Hygienische Museum" für Gewerbe und Industrie I., Ebendorferstraße 6. 2. Das „Jüdische Museum" I., Rathausstraße 13, welches besonders im letzten Jahre hochinteressante historische Stücke aufgenornmen, unter Führung des Präsidenten Baurath Wilhelm Stiaßny. Zusammenckunst 2 Uhr Nachm, im Cafe Medak (Künstlercafe I., Franzens- 'ring 18.) Damen und Gäste willkommen. Für die Vereinsleitung: -S. Brod, Präsident. Alfred Kisch, Schriftführer. Wien (Ottakring). Sowie alljährlich veranstaltete auch heuer die hiesige „Chewra Kadischa" im Tempel der israel. Cultnsgeipeinde Ottakring, Hubergasse 8, am Vorabend des 7. Adar (25. Februar) für die verstorbenen Vereinsmitglieder ein solennes Requiem. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn Cultusvorsteher Salomon R o s n er -als gleichzeitiges Ehrenmitglied des Vereines, den Präses und Ehrenmitglied Dr. Anton Löwy, den Vicepräses Sigmund Weiler, Cassier Samuel Kohn, die Controllore Adolf Kohn und Moritz Pick, ferner die Ausschussmitglieder Leopold Kohn, Lepold Trebitsch, Samuel Brandl, Hofes Weinberger und Moritz Auspitz. Weiters den Bethausvorstehcr "Alexander Steiner, das Ehrenmitglied des Vereines Bernhard Trnka, nebst vielen Honorationen der Gemeinde und Deputationen der übrigen humanitären Vereinen. Nach dem Minchagebet wurde vom I. Cantor, Herrn Moritz Schlesinger, Psalm 49, componirt von Sulzer, in ergreifender Weise vorgetragen, wobei er von dem unter der tüchtigen Leitung des Chordirigenten Isidor Porth stehenden Chore unterstützt wurde. Eine wirkungsvolle Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Julius Max Bach. Nach Verlesung der Namen der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder wurde das Schiwißi gesungen, womit die Feier stimmungsvoll endete. Wien. Das Costümfest des unter dem Protectorate der Frau Gräfin Kielmannsegg stehenden humanitären Vereines „Lopoldstädter Kinderschuh", welches! am Mittwoch, den 20. v. in den Sosiensälen stattfand, hat alle Erwartungen glänzend übertroffen. Die Besucherzahl übertraf dem Vernehmen nach alle bisherigen Veranstaltungen. Die Sofiensäle wiesen, Dank der Unterstützung des Herrn Direktors Baumgartner, der Ehrenmitglied des Vereines ist, eine Decorations- und Illuminations- Pracht auf, wie sie nur selten zu sehen ist. Reizende Mädchen und Frauengestalten gabem dem Feste einen erhöhten Glanz. Um das Gelingen des Festes haben sich verdient gemacht ein Damen- und Herrencomite bestehend aus 150 Personen unter der Leitung Ider Herren Dr. Szamek und Adolf Kraus, ferner M. Lindenberg und die Damen Frau Fanni Lindenberg und Frau Jda Kraus. Wudapek, 20. Februar. Gestern, Dienstag, um 6 Uhr, fand die Sitzung der israel. ung. litt. Gesellschaft im Prunksaale der Gemeinde statt. Die Sitzung eröffnete der Präsident, Herr Paul Tenzer. Sodann setzte Herr Privatdocent Dr. Max Schächter seinen in einer früheren Sitzung begonnenen Vortrag über jüdische Aerzte fort. Er schilderte eine Reihe berühmter jüdischer Aerzte ans dem Mittelalter und neuerer Zeit und zeigte, welch' große Rolle sie in der Cnlturentwickelung ihrer Zeit spielten und wie sie sich durch Aufopferung in ihrem Berufe, Collegialität und besonders durch Frömmigkeit auszeichrieten. Eingehend sprach er über Moses den Maimon. Auch <ms der jüngsten Zeit führte Herr Schächter eine Fülle der Beispiele ärztlicher Pflichterfüllung an. Hierauf folgte ein Vortag Ignatz Reisner's unter dem Titel „Die Juden in London". Ln der Einleitung seines Vortrages sprach er vom jüdischen Ethnos und hielt die Zeit für gekommen, dass die Judenheit ihr Augenmerk der Erforschung ihres eigenen Ethnos zuwende. Die ethnologische Erforschung der Juden war bisher mehr Sache der Romanschriftsteller, als der Gelehrten; Sacher-Masoch, Zangwill, Baronin Örceßko haben auf diesem Gebiete Erhebliches geleistet. Einen wissenschaftlichen Versuch bietet das kürzlich erschienene Buch „The Jew in London" von Büffel. Der Vortragende las aus demselben einige sehr charakterisirende Daten über die jüdischen Einwohner London's vor und sprach schließlich die Hoffnung aus, dass „The Jew in London" in anderen Großstädten bald Nachahmung finden werde. Den Schluss bildete die Causerie des Serrn Sigm. Szollöst über „Pester jüdische Mädchen". Der Vortragende charakterisirte mit feinem Humor die Mädchen der Leopold-, Theresien- und Elisabethstadt und zeigte, dass bei der Kategoristrung der Pester Mädchen die financiellen Verhältniße die größte Rolle spielten. Die geistreichen Pointen versetzten das Publikum in die heiterste Stimmung. Szöllösi kam in seiner Vorlesung auch auf die Theaterfrage, Feminismus, Easvhaus k. zu sprechen. Das distiuguirle Publikum nahm sammtliche Borträge sehr beifällig auf. Zum Schlüsse dankte Herr Paul Tenzer namens der Gesellschaft dem Publikum und den Vorlesern und erklärte den heurigell Cyklus für geschlossen. ZLudapelt. Wer den Tempelgang am Freitag Abend in der Rombach-Synagoge noch nicht selbst gesehen hat, der hat keinen Begriff davon, wie überfüllt immer der Tempel bis auf das letzte Plätzchen ist. Größtentheils strömt die Jugend herbei, um unseren beliebten Obercantor Bachmann zu hören, und kein Freitag vergeht, ohne dass ein neuer „Lecho dodi" oder ein „Weschomru", von Bachmann selbst componirt, zum Vortrage gelangt. Der starke Tempelbesuch ist das alleinige Bervienft Obercantor Bachmann's, uird siehe da, derselbe Obercantor hat kaum das Gehalt, um sein Haus auf anständige Weise, seiner Stellung angemessen, erhalten zu können. Dies ist leider Thatsache, aber Thatsache ist auch, dass unser allgewaltiger Vicepräses, Herr Sam. Deutsch, der von mehreren angesehenen Gemeindemitgliedern angegangen wurde, doch endlich etwas für Bachmann zu thun, kurz und bündig erklärte: „wir können nicht!" Er versteht es wohl, fast sämmtlichen Gemeindemitgliedern die Cultussteuer von Jahr zu Jahr zu erhöhen, um das angebliche Deficit zu decken und vielleicht abermals Paläste a!a Waisenhaus zu erbauen, dafür wird sein Name gewiss auch in Stein gehauen werben, aber immerhin wäre von unserem Vicepräses auch das eine überaus verdienstvolle und wahrhaft menschliche Handlung, wenn er unserem beliebten Obercantor Bachmann die nothwendige Gehaltserhöhueg bewilligen würde. Vielleicht tragen diese Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte „Die Wahrheit" dazu bei, um den allmächtigen Herrn Vorsteher hiezu zu bewegen. W. A. Szemcz. Dienstag, den 19. Februar, feierten hier der Präses der Chewra Kadischa, Herr Ludwig Lindner. und dessen Gattin ihre silberen Hochzeit, an welcher zahlreiche Verwandte, Freunde und Gönner des Jubelpaares theilnahmen. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner M. L. Marmorstein würdigte in schöner Rede die Verdienste des Jubilars in seiner Eigenschaft als Präses des Chewra Kadischa und Vorstandsmitglied der Gemeinde. Das Jubelpaar gedachte schon Tags zuvor der Armen und Dürftigen der hiesigen Gemeinde. Möge es in ungetrübter körperlicher und geistiger Frische auch die goldene Hochzeit erleben. I. L. Wrkiczka. Vorigen Mittwoch starb hier in einem Alter von 78 Jahren Frau Resel Templer, geb. Landau. Die Verblichene, Gattin des bedeutenden Talmudisten und Hebraisten, Herrn Marcus Templer, war eine Enkelin des berühmten Kreisrabbiners, Herrn Moses David Landau, in Neusandez und zeichnete sich durch wahre Frömmigkeit und Herzensgüte aus. An ihrer Bahre trauert neben dem bekannten Rabbiner, Herrn Dr. Bernhard Templer, noch ihr zweiter Sohn, Herr Moritz Templer, Buchhalter beim Großindustriellen kais. Rath I. 2. Pcrlberger in Klasno. Bekanntmachung. Es wird hiemit bekannt gegeben, dass die Mazzoth- Bäckerei des Adolf Schmidl (Friedmann’s Eidam) II. Bz., Marchfeldgasse 21, (Verkaufslocale L, Gronzagagasse 2 u. 4, Hotel Metropole) unter der besonderen Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinat3-Collegiums der hiesigen israel. Cultusgemeinde steht. . Wien, am 25. Februar 19H. Der Vorstand dm* israel. Cultusfjemeinde Wien. „Israelitische jQIiaru zu 'Wien.“ Der Verein bezweckt: 1. Die Volkserziehung bei den Israeliten durch Errichtung oder Unterstützung von Schulen und durch ander» , geeignete Mittel za fördern; 2. Israeliten, wo sie ihres Glaubens wegen zu leiden haben, eine wirksame Stütze zu bieten. Durch Leistung eines Jahresbeitrages von mindestens drei Gulden ö. W. wird man ordentliches, durch einmalige Zahlung ron hundert 8. ö. W. lebenslängliches Mitglied des Vereines. Anmeldungen zu Beiträt werden erbeten unter der Adresse: „Israelitische Allianz zu Wien“ I., Weihburggasse 10. I. Stock.