Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1901
- Issue
- Heft 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063062-3063071--01222-3067794- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nedaetion u. Administration Wien, n/J, Novaragaffe 27. X. I. österr. Postfparcaffa Anakhängige Keilschrift für jüöische fiqtgSftsift: 1 Ganzjährig . St. 12— } Halbjährig ... X. 6.- Thrst.Lonto Nr. 840.251. Interessen. Für Lnltns beamte: > » f « r a t < SanzMrig ... X. 10.— 20 Heller per Rouporeille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: ILdonnements- und Insertion«. ganzjährig .... 12 Stark betrüge find in Wien zahlbar. fiiiti: „Das Sieget Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 16 Frc«. tlr. 9. Wien, 1. März MI. Anhalt r Purim. — Jüdische und christliche Weltanschauungen. — Aus der Ersten Wiener Toynbee-Halle.^— Jüdisch Alterthümer und Kunstwerke. — Ein Ballfest. — ' Die Juden in Budapest. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zur Besetzung der Obercantorstelle in Karlsbad. — Verschiedene Nachrichten. Me geehrten Kerren Abonnenten, welche mit dem KöonnemenLsöetrage im Rückstände stnd, werden ersucht, denselben umgehend einsenden zu wessen. Aie Administration. Purim. Von den Propheten geht das Wort Und hat bis jetzt stch nicht verloren: In höchster Noth ist Gott ein Hort Dem Erbe, das er sich erkoren. Und wundersam ist seine Kraft, Dess Räthsels Lösung schwer man findet. Durch schwache Hand er Hilfe schafft. Die Mächtigsten sie überwindet. So stellte sich der Hirtenknab' Dem Riesen Goliath entgegen; Zum Scepter ward sein Hirtenstab, Sein Gottvertrau'n des Volkes Segen. Und immer, wenn des Feindes Faust In Wuth sich gegen Juda ballet. Wie Meeressluth es Hass umbraust Und Mordgeheul ins Ohr ihm schallet; Da bricht ein Lichtstrahl durch die Nacht, Das Grauen weicht, die Nebel schwinden; Von Oben tönt's: Dein Retter wacht. In Nöthen lässt er stets sich finden. So hat sich Judas Himmelslicht Im Perserland mit Nacht umzogen, Verleumdung spann ein Bösewicht, Hoch thürmte er der Lüge Bogen. „Der fremde Volksstamm, der erdreist Will trotzen unseres Glaubens Lehren, Nährt sich von unsrem Marke feist. Wird reich von uns'res Schweißes Zähren." „Ein Fremdling und von fremder Rac', Und sollen ihn gewähren laffen? Wir dulden ihn, er lohnt uns Hass, So ist es Pflicht, ihn auch zu hassen." So Häm an schlau zum König sprach. Im Tone fromm, im Sinn' verschlagen; Nicht denkt der Fürst hierüber nach. Will seinem Günstling nichts versagen. Alsbald ein Blutbefehl erfloss. Zu morden frei und zu berauben Die Söhne Judas, klein uud groß. Zu schützen so der Perser Glauben. Empor zu Gott von Weh' erfüllt Ruft Juda: „Vater, uns erhöre!" Und schon war Gottes Zorn gestillt. Getrocknet jede Leidenszähre. Ein schwaches Weib, doch anmuthsvoll. Der Tugend Stern, von Licht umfloffen. Von ihm ein Meer von Freud' erquoll Dem Volk in Thränen hingegoffen. Durch treue Stammanhänglichkeil Hat Ester ihren Sieg errungen, Ihr Volk vom Untergang befreit, Den bösen Feind ins Grab gezwungen. So kann der Name E st e r sein Dem Stamme Juda als ein Zeichen, Dass er Bestand und Fortgedeih'n Durch treuen Bund nur kann erreichen. Baden. _ I. Inseld. Jüdische und christliche Weltanschauung. Die Erregung, welche die Antwort des preußischen Znstizministers aus die Interpellation des Abgeordneten Peltasohn unter den deutschen Juden hervorgerufen hat, dauert noch immer fort und spiegelt stch in zahlreichen Proteftartikelu d-.'r jüdischen Blätter Deutschlands wieder. Die Sache ist auch viel zu ernst, als dass man sie ruhig hinnehmen könnte, uud die Einmnthigkeit, mit welcher gegen die Erklärungen des Innizminifters und einzelner, die Ausführungen desselben billigender Abgeordneter auf jüdischer Seite Front gemacht wird, ist immerhin ein erfreulicher Beweis, dass es unseren Glaubensbrüdern an der nöthigen Energie nicht mangelt, ihre schwer errungenen und durch Verwaltungsmaßregeln ohnehin stark zugestutzten Rechte mannhast zu vertheidigen. Unter den merkwürdigen Anschauungen, welche die Debatte im Landtage zu Tage förderte, glänzte auch die Aeußerung des Abgeordneten Landgerichtsdirector Schnitz in Düsseldorf, dass die Abneigung der christlichen Kreise gegen jüdische Beamte tu dem Unterschiede der christlichen und jüdischen Weltanschauung gegründet sei. Solche Worte durften natürlich nicht ohne Widerspruch bleiben, und die Antwort auf dieselben ha^