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Die Wahrheit · 1901-02-08 · Heft 6 (8.2.1901) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1901
Issue
Heft 6 (8.2.1901)
Date
1901-02-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Aie ahrbeit Redaktion u. Administration Wien. 11/t. Novaragaffe 27. Unabhängige Keilschrift für Mische Ganzjährig . . . K- 12.— Halbjährig K. k. Sstrrr. Postjparcaffa Interessen. Lhrck.Conto Nr. &46.251. Für Lultusbeftmte: 1» f t c ft t e: Ganzjährig ... 9. ist.— 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: jRbonnementS» «nd Insertion»» Ganzjährig .... 12 WM betrüge sind tn Wien zahlbar. Kokt«: .Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 8 Rubel oder 16 Ire». Ar. 6. Vien, 8. Februar 1901 Inhalt r Einiges über jüdische Realschulen. — Geschichte der Juden in Budapest. — Jüdische und christliche Rumänen. — Gemeinde- und Vexeinsbote. — Reflexionen. — Verschiedene Nachrichten. 2HP Wir ersuchen dringendst um Kinsendung der restlichen AösrwerrrerrLsöeträge. Kie Administration. Einiges über jüdische Realschulen. Von Dr. 21. F. Die Frage der jüdischen Realschulen, die in Deutschland schon vor vielen, vielen Jahren zur praktischen Lösung gelangt ist, hat bei uns in Oesterreich erst in letzter Zeit an Actuellität gewonnen und vielleicht wird sich in nicht allzuferner Zeit die öffentliche Discuffion mir diesem wichtigen Thema beschäftigen müssen. Zur gründlichen. Vorbereitung derselben hielten wir es für angezeigt, an einen bei hervorragendsten jüdischen Pädagogen Deutschlands nrd L.. v einer jüdischen Mittelschule heranzutreten und ihn zr. 'tten, dass er in unserem Blatte Einiges über Geschichte Entwicklung und Einrichtung der jüdischen Mittelschulen in Deutschland veröffentliche. Indem wir nun die uns bereitwilligst zur Verfügung gestellte Arbeit im Nachfolgenden veröffentlichen, glauben wir nicht nur unseren Lesern einen hochinteressanten litterarischen Beitrag damit zu bieten, sondern auch allen jenen Factoreu, die sich mit dieser jüdischen Schulsrage zu beschäftigen haben werden, einen wesentlichen Dienst zu erweisen : Es ist Mendelsohn's unsterbliches Verdienst, dass er seinen Glaubensgenossen in Deutschland den Weg gewiesen zu den Pforten europäischen Culturlebens, dass er in ihnen das Verlangen geweckt hat, an der Bildung ihrer .Zeit selbst thälig theilzunehmen. Wie sehr auch der große Denker von vielen seiner Jünger misverstanden wurde, die dem Streben nach Assimilation die Satzungen der Väter und deren reichen Wiffensinhalt zu opfern bereit waren, fo bat fich durch Mendelsohn's glänzendes Beispiel der Drang nach zeitgemäßer Bildung unter den deutschen Juden Zimmer weiter verbreitet und die Möglichkeit und die Grundlage für ihre bürgerliche . Befreiung geschaffen. Aber noch war es den Juden nicht leicht gemacht, ihren Wissensdurst, zu befriedigen, da der Eintritt in die höheren Lehranstalten des Staates snr sie uoch mit Schwierigkeiten verknüpft war. Ehe^es noch gelang, diese Schtvierigkeitenhinwegzuräumen, fanden sich in einzelnen Gemeinden opferwillige Männer, die jüdische Lehrairstalten i-zur Förderung moderner Bildung unter ihren Glaubensgenoffen ins Leben riefen. So wurde 1801 von dem bekannten Israel Jacobsohn (späterem Finauzrath und Präsidenten des israelitischen Consistorillm zu Cassel) in seiner Vaterstadt Seesen am Harz eine Anstalt zur Heranbildung jüdischer Knaben gegründet. Dieselbe nahm auch christliche Kinder auf, um eine soziale Annäherung zwischen den verschiedenen Confessionen herbeizuführen und die Gegensätze möglichst auszugleichen. In gleichem Sinne wurde von einem Kreise modern gebildeter jüdischer Männer in Frankfurt a. M. 1804 eine Lehranstalt ins Leben gerufen, die — in Anlehnung an das bekannte Basedow'sche Pädagogium in Dessau — den Namen Philantropin erhielt. Bald nachher entstand durch die Hochherzigkeit des Jsak Her; Samson die nach ihm benannte Samsönschule zu Wolfenbüttel, in der Männer, wie Jost und Zunz, ihre erste Bildung empfingen. Die Franzschule in Dessau und die schon am Ende des 18. Jahrhunderts begründete Wrlhelm'sschule in Breslau haben sich nur wenige Jahrzehnte erhalten. Alle diese Anstalten waren zu dem Zwecke gegründet, die Assimilation der Juden zu fördern, und erstrebten vor allem eine tüchtige Ausbildung ihrer Zöglinge in vrofanem Wissen. Sie erreichten darin auch sehr gute Resultate uns erlangten großes Ansehen; namentlich das Philantropin in Frankfurt a. M. wurde wegen feiner vorzüglichen Leistungen sowohl in christlichen wie in jüdischen Kreisen sehr gewürdigt. Die Pflege jüdischen Wissens wurde neben den andern Lehrgegenständen allerdings nur in geringem Maße betrieben. Als nun durch die Hard^... trz'schen Gesetze in Preußen, um dieselbe Zeit auch in den : en r iberuxt deutschen Staaten, die öffentlichen Schulen den ub. i zngängl.ch wurden, glaubten die jüdischen Anstalten ihre Gleichberechtigung dadurch erweisen zu müssen, dass sie ihren jndi,^en Charakter immer mehr ab - streiften. Sie entwickelten sich mit der Zeit, namentlich seitdem das Liebeswerben von jüdischer ^ite in christlichen Kreisen nicht mehr zurückgewiesen wurde,;u interconfessic teilen Anstalten, bie auf den Christen mehr als aus den Juden Rücksicht nahmen und dem hebräischen Unterricht nur einfthr bescheidenes Plätzchen gönnten. Ja, diese Anstalten wurden bald Pflanzstätten für eine radkcale religiöse Reföriüihre Leiter und Lehrer gaben der ihnen an« ''verttallttn' '.ZMens'- zstmeist' das Beispiel gänzlicher Misachtüng dtr religiösen' Gesetze und Bräuche und redeten namentlich der t; 'Abschaffung, derjenigen Satzungen, die den Verkehr mit Andersä

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