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Die Wahrheit · 1900-11-30 · Heft 44 (30.11.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 44 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rrdaction u. Administration Wien. 11/1, Novaragaffe 27. «. t. Lstrrr. Pofisparcassa Anabhängige Keilschrift für Mische «<m<*nU: j Ganzjährig . . . M. 12.— Halblährig ... ft. 6.— Sheck-Conto Nr. 846.251. Interessen. Für Laltns beamte: > » s * a t e : Ganzjährig ... ft. 10.— 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: AtonnemrntS- und JnfertionS» Ganzjährig .... 18 Merk betrüge find in Wien zahlbar. Matt« : »Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 16 FrcS. Ar. 44. Aien, 30. November 1900. Inhalt: Die Wahl in den Wiener Cultusgemeindevorstand. — Jüdische Toynbee-Halle. — 'Strahlengarben. Verschiedene Nachrichten. — Moriz Rosenhaupt. — Leopold Stern. — Feuilleton: Heimweh. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Me geehrten Kerren Abonnenten werden Höflichst und dringendst ersucht, den restlichen Aöonnementsöetrag einsenden zu «rossen. Aie Administration. Die Wahl in den Wiener Cultusgemeindevorstand. Vielleicht zum ersten Male in der Wiener Cultusgemeinde gab es einen lebhaften Wahlkampf und zwar einen Wahlkampf, der sich nicht nur um Personenfragen, sondern um principielle Fragen drehte. Diese Thatsache an und für sich wäre als Beweis des Wiederauflebens des Gemeinesinnes in den Kreisen des Wiener Judenthums höchst erfreulich, wenn nicht verschiedene Begleiterscheinungen der Cultuswahlen begründeten Anlass zu Verstimmung und Besorgnis gäben. Diese Erscheinungen eingehend zu besprechen, wollen wir nach Beendigung der noch ausständigen Wahlen in einer rückschauenden Betrachtung versuchen, aber einen Vorfall müssen wir schon heute mir aller Entschiedenheit missbilligen. Wahlumtriebe und Wahlintriguen sind wohl in jedem Falle zu verurtheilen, aber im politischen Kampfe, wo die Leidenschaften durch das Streben nach politischen und materiellen Rechten heftig angefacht werden, sind sie wenn auch nicht berechtigt, so doch einigermaßen erklärlich. Anders sieht jedoch die Sache bei den Eultuswahlen. Hier gilt es, die richtigen Männer zu finden für die Verwaltung von Institutionen, die durchaus hehren und idealen Zwecken, wie Cultus, Humanität, Jugenderziehung rc. dienen. Und solche Wahlen dürfen niemals durch unreine Mittel getrübt werden, ganz abgesehen davon, dass wir Inden heute bei der allgemeinen Anfeindung die Bestellung unseres eigenen Hauses mit reinen Händen vornehmen müssen. Tarum erachten wir es als unsere publicistische Pflicht, unserem tiefsten Bedauern Ausdruck zu leihen über den Missbrauch, der bei Veröffentlichung von Wahlaufrufen mit den Namen einzelner Gemeindemitglieder getrieben wurde, und weiters darüber, dass diese Thalsache in zwei vielgelesenen Tagesblätrern, „Neue Freie Presse" und „Neues Wiener Tagblatt", der großen Oeffentlichkeit durch Erklärungen und Gegenerklärungelt vorgeführt wurde. Entschiedene Missbilligung verdienen die Verfasser des Wahlaufrufes ebenso sehr wie die betroffenen Personen, und gewiss auch die Redactionen der beiden genannten Blätter, die wohl * den Herren den Rath hätten ertheilen können, die schmutzige Wasche daheim auszuwaschen. Wohin führen derartige Erscheinungen? Dahin dass unseren Gegnern willkommener Anlass geboten wird das Judenthum pauschaliter zu verunglimpfen, und thatsächlich hat ein antisemitisches Tagblatt es sich nicht entgehen lassen, den erwähnten Vorfall in überaus hämischer Weise zu glossiren. Leider müssen wir gestehrn, dass diese abfällige Kritik vollauf gerechtfertigt war, wenn auch den auf die Allgemeinheit gezogenen Conclusionen entgegengetreteten werden muss. Doch für heute genug von diesem unerquicklichen Vorfall lind wenden wir uns nun dem Wahlergebnis zu. Gewählt wurden: Heinrich Kling er mit 1913 Stimmen, Dr. Alfred Stern mit 1831 Stimmen, Dr. Gustav Kohn mit 3041 Stimmen, Dr. Alfred Berger mit 1754 Stimmen, Emanuel Hoffman n mit 1676 Stimmen, Wilhelm P o l l a k mit 2972 Stimmen, Dr. Maximilian Steiner mit 1738 Stimmen. Für das achte Mandat mit 6jähriger Functionsdauer, und ebenso für die Ersatzwahl mit 4jähriger Fnnctionsdauer ijt eine engere Wahl nochwendig. Der betreffenden Kundmachung des Vorstandes entnehmen wir Folgendes: Der Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde bringt hiemit zur Kenntnis, dass die engere Wahl für ein Vorstandsmitglied auf die Dauer von 6 Jahren und für ein Vorstandsmitglied auf die Dauer von 4 Jahren Sonntag, den 2. Aecemver 190v vorgenommen wird. Die Herren Wähler werden eingeladen, sich an dem oben bezeichneten Tage, an dem auf ihrer Legitimations-Urkunde bestimmten Wahlorte mit ihrer Legitimations-Urkunde persönlich einzufinden. Die Abgabe der Stimmzettel beginnt um 9 Uhr früh und wird um 2 Uhr Nachmittags beendet. Die näheren Bestimmungen enthalten die W 3, 4, 5, 9, 10, 15 und 17 der Wahlordnung und die M 2 und 3 des Cultussteuer-Regnlalivs' In die engere Wahl kommen: Für die 6jährige Mandatsdauer: Kerman« KttSogen, Productenhändler, XX., Rafaelgaffe 12 un Ir. Leopold Kalm, Hof- und Gerichts-Adv ocat, VII., Linden gaffe 11.

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