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Die Wahrheit · 1900-11-02 · Heft 40 (2.11.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 40 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ywwji'Hw Redaction u. Administration Wien, n/1, Novaragaffe 27. ü Ä. k öflerr. Postsparcassa { Kheck-Conto Nr. 846.251. I I n f t c a t f : 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Abonnements- und JnsertionS» betrüge sind in Wien zahlbar. ^abhängige Keiischnft für jüöische Intsre^en. Erscheint jeden Freitag. Mott» : «Das Siegel Gottes ist Wahrheit Lez»g8prei»:! Ganzjährig . . . St. 12.— j Halbjährig ... St. 6.— II _!! I!! Für Lultusbeamte: Ganzjährig ... St. 10.—!> Für Ausland: | Ganzjährig .... 12 Rark \ | 6 Rubel oder 16 FrcS.;i Klr. 40. Wien, 2. November 1900. Inhalt r Zur Abfertigung des „Leitmeritzer Wochenblattes!" — Wenn wir nur echte Juden, keine Kunstjuden wären. — Noch ein Wort über das Kol nidre. — Der geistige Fortschritt der Juden. — Aufgabe der jüdischen Volksschule. — Ignaz Weber. — Gemeinde- und Vereinsbote. — Zum fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläum des Cantors Elias Sänger in Berlin. — Zur Berufsfrage. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. Zur Abfertigung des „Leitmeritzer Wochenblattes". Da das genannte antisemitische Blatt die in voriger Nummer unseres Blattes veröffentlichten, streng sachlichen Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Schornstein über das Kolnidre-Gebet nach bekannter antisemitischer Manier mit einem neuerlichen Schmähartikel beantwortet hat, sah sich Herr Dr. Schornstein zu nachfolgendem offenem Schreiben an die Redaction des „Leitmeritzer Wochenblattes" veranlasst, das auch in der „Leitmeritzer Zeitung", dem Organ der liberalen Partei in Leitmeritz, veröffentlicht wurde. Als Antwort auf Ihren S ch m^äh a rt i k e l begnüge ich mich, festznstellen: 1. dass Sie gegen meine sachlichen Ausführungen nicht einen einzigen Beweisgrund auszubringen vermochten, dieselben vielmehr lediglich mit Beschimpfungen beantwortet haben; 2. dass die Anführung der von 'Ihnen citirten Stellen aus Choschem Hamischpat und Schülchan Aruch Iore deah, sofern dadurch der Schein erweckt werden soll, als enthielten diese Stellen irgend einen Beleg für ihre Behauptungen, eine groöe Iälschttng ist. Keine dieser Stellen enthält auch nur e i n Wort über Eide oder über das Verhältnis des Juden zum Christen; 3. dass „Akkum" auf deutsch „Stern- und Planeten-Anbeter" heißt, was Sie auffallenderweise anzugeben vergessen haben; 4. dass die Beweiskraft eines seit 40 I a h r e n aufgehobenen Patentes aus dem vorigen Jahrhundert genau ebenso groß ist, wie die Beweiskraft von Acten über Hexenprozesse! Auf Ihre Beschimpfungen wird kein Leser der „L. Z." von mir eine Erwiderung erwarten. Einen Kampf, der mit solchen Mitteln und in dieser Weise geführt wird, weiterzuführen, wäre unter meiner Würde. Dem ehrlichen und intelligenten Leser genügt das Gesagte zu seiner Orientirung. _ Ar. Schornstein. Wenn wir nur echte Juden, keine Lunstjuden wären. ^Schluss.) Unsere Randglossen galten bis nun dreien Anträgen des zweiten galizischeu Gemeindetages, die zumeist das durch jahrei lang fortgesetzte Berathuugeu breitgetretene Thema der Verj bessernng. der materiellen Lage unserer galizischeu Religionsj genossen behandelten. Erst im letzten Moment ist mau geradeso wie am Zionisten-Congress an die Cultur- und Erziehnugsfrage herangetreten. Während z. B. die Pseudopolen den gar so sehr beglückenden Antrag auf Einführung der polnischen Amtssprache bei allen Cultusämtern gleich auf Punkt 2 der Tagesordnung setzten, wurden die Anträge der jüdischen Erziehungs- und Culturarbeit auf den zweiten Sitzungstag verschoben. Ihr Berichterstatter merkte es wohl bald, dass man keine ernstgemeinten Anträge vorlegen, sondern nur in gewissen Kreisen ein wenig Reclame persönlicher Natur machen wollte. Hören wir nun die einzelnen Vorschläge zur Hebung des Iudenthums. Zunächst der erste Antrag des Tarnower Cultus- Vorstehers, Herrn Dr. Ringelheim, welcher den Schwerpunkt seiner vielgerühmten Fürsorglichkeit für das Judenthum in der Creirung eines Postens für einen jüdischen Vertreter im Landesschnlrathe verlegte. Wenn vielleicht der Herr Referent einen Candidaten ad hoc bereits im Portefeuille trägt, so möge er sich nur ein wenig gedulden, da noch sehr viel über die Qualität eines derartigen Vertreters des galizischeu Iudenthums im galizifchen Landesschulrathe zu sagen wäre. Man müsste in aller erster Linie die Frage entscheiden, welcher Schattiruug des galizifchen Iudenthums dieses Amt zu überlassen sei, ob der conservativen oder der assimilatorischen, und schließlich, ob die unterliegende Partei neidlos dem neuen Dignitär Folge leisten werde? Wir wollen zur Ehre unseres Volkes annehmen, dass die heilige Sache des jüdischen Schulwesens über alle Partei- und Personalinteressen obsiegen wird, dann wird aber erst die Frage zu behandeln sein, wie dieses Amt zu Nutzen des jüdischen Religionsunterrichtes im Rahmen des galizischeu Lauvesschulrathes verwerthet werden soll. Bei der bekannten clericalantijüdischen Strömung, welche leider in den obersten Zweigen der Staatsverwaltung dominirt, kann diese einzige schnlräthliche Stimme sehr leicht überhört und majorisirt werden. Unser jüdischer Schulrath darf sich darauf gefasst machen, dass jeeesmal, so seine Anträge nicht mit dem vekannten ad majoremDei gloriam übereinstimmen, dieselben a limine abgewiesen werden. Israels Heil kann also in dem Anträge Dr. Ringelheim I nicht liegen, allein es ist das gute Recht unseres Volkes, seine! eigenen judaistischen Fachkundigen im Landesschnlrath, wie nicht minder im Ministerium für Cultus und Unterricht zu besitzen.

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