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Die Wahrheit · 1900-10-12 · Heft 37 (12.10.1900) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 37 (12.10.1900)
Date
1900-10-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 37. eines Drittels nach je 2 Jahren. Es sind also in diesem Jahre 21 Cultusvorsteher zu wählen. Was nun die Vorbereitung zu den Wahlen selbst und die Bestimmung des Zeitpunktes derselben anbelangt, so gibt der Präsident unter Hinweis aus § 9 der Wahlordnung, wonach mit der Leitung der gesammten Wahlhandlung der Präsident der Cultusgemeinde beiraut ist, Folgendes bekannt: Die Wählerlisten werden vom 14. October l. I. an in der Gemeindekanzlei zur Einsichtnahme der Wahlberechtigten aufliegen. Hievon wird die-Verlautbarung in der kaiserlichen „Wiener Zeitung" rechtzeitig erfolgen. Die Wahltermine werden, vorbehaltlich etwaiger durch Umstände bedingter Abänderungen, folgendermaßen festgesetzt: Die Wahlen durch die Gesammthcit der Wähler werden für Sonntag den 25- November, eine eventuelle engere Wahl wird für Sonntag, den 2. December l. I. anberaumt. Die Wahlen durch die Gruppe der Höherbesteuerten werden Dienstag, den 4. December, eine e.ventuelle engere Wahl wird Donnerstag, den 6. December l. I. stattfinden. Der Präsident betraut die Herren Ober-Ingenieur von Mises und OberFinanzrath Dr. Rappaport mit dem Amte der Auslosung. Es werden von denselben folgende 8 Herren von Len angeführten 14 Herren in nachstehender Reihenfolge ausgelost : kaiserl. Rath Friedrich Vogel, Emauuel Hoffman», Landesjchulrath Dr. Gustav Kohu, kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, Dr. Alfred Berger, I. Vice Präsident Dr. Alfred Stern, Präsident kaiserl. Rath Klinger und Dr. Maximilian Steiner. Der Präsident gibt der sicheren Ueberzengung Ausdruck, Lass die ausgelosten Herren, deren Mandate erst mit Ende Lieses Jahres endigen, an allen jenen wichtigen Agenden, die noch vor Jahresschluss erledigt werden müssen, thätigen Antheil nehmen, insbesondere bei den Budgetverhandlungen Mitwirken werden, da diese große Umsicht erfordern auch im Hinblicke auf Len Umstand, dass die Steuerleistuugeu der Gemeindemitglieder Audachtsstätten an den Hohen Aesttagen Herr Architekt Fleischer stellt mit Bezug auf einen in Mr. 36 unseres Blattes unter obigem Titel veröffentlichten Artikel, in welchem ein von der Chewra-Kadischa in Fünfhaus veranstalteter Gottesdienst einer abfälligen Kritik unterzogen wurde, den Antrag, diese Angelegenheit der I. Section zur Untersuchung und Berichterstattung znzuweisen. Dieser Antrag wird der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugeführt. Grabdenkmal für Goldstern. Herr Vice-Prästdenl Landesschulrath Dr. Kohn referirt namens des Vertretercollegiums über die Errichtung eines Grabdenkmales für den seeligen Obercantor Josef Goldstein. Den unvergänglichen Verdiensten, die sich der Verewigte um die Verherrlichung des Gottesdienstes in der Gemeinde erworben hat, soll durch diesen pietätvollen Act ein Zeichen dauernder Ehrung gesetzt werde». Dem Ersuchen des Vertretercollegiums entsprechend, hat Herr Architekt Fleischer in uneigennützigster Weise und um in seiner Kunst dem dahingeschiedenen Sangeskünstler den Ehrenzoll abzustatten, mit kundiger Meisterhand Skizzen und Pläne eines Grabdenkmals entworfen. Die Kosten desselben werden sich auf circa 4000 Kr. belaufen. Referent beantragt, den einhellig gefassten Beschluss des Vertretercollegiums, betreffend die Errichtung eines Grabdenkmales für den seligen Obercantor Josef Goldstein nach den Fleischer'schen Entwürfen zu genehmigen und dem Architekten Fleischer für seine selbstlose künstlerische Thätigkeit den Dank des Vorstandes zu votiren. Diese Anträge werden angenommen. Diverse Nelerate. Herr Director Simon legt die von ihm im Aufträge der II. Section verfassten Instructionen für den Religionsunterricht au Volks- und Bürgerschulen vor. Diese Instructionen stellen sich als eine erläuternde Umschreibung und Auseinandersetzung jener Principien dar, welche zu dem durch Plenarbeschluss vom 2. Juni l. I. neu eingesührten Lehrplan für den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen geführt haben. Ohne für die Lehrer bindende Normen aufzustellen, werden die neuen Errungenschaften der Pädagogik verwerthet und wird für die 1. Unterweisung im Gebetbuche, im Pentateuch, in der biblischen und nachbiblischeu Geschichte eine methodische Richtschnur gegeben. Ein besonderes Augenmerk wird der Fernhaltung einer störenden Divergenz zwischen Schule und Haus auf religiösem Gebiete zugewendet. Herr Dr. Steiner erklärt diese Jnstructioue»» für das ausgezeichnetste Actenstück, welches auf pädagogischem Gebiete bisher vom Cultusvorstande erlassen worden ist, und bemerkt, der Schulsection das ehrende Zeugnis hervorragender Arbeilsfreudigkeit und Leistungsfähigkeit ausftellen zu müssen, welche Anerkennung besonders der Wirksamkeit der Sectionsobmannes Herrn Dr. Kohn und des Herrn Direktors Simon zukomme. Die von Herrn Director Simon verfassten und vorgelegten Instructionen werden genehmigend zur Kenntnis genommen. Dem Verfasser und Referenten wird der Dank des Vorstandes votirt. Herr Landesschulrath Vicepräsident Dr. Kohn referirt über Angelegenheiten der II. Section, und zwar: Die Activirung des II. Jahrganges des von der israelitischen Cultusgemeinde errichteten und mit einer Jahressubvenlion von 4000 Kronen dotirien Religionslehiercurses an der Wiener israelitisch-theologischen Lehranstalt und die Publikation der diesbezüglichen Verlautbarungen werden genehmigend zur Kenntnis genommen. Der Gemeindebibliothek wird zur Anschaffung voll Büchern eine außerordentliche Dotation von 500 Kronen votirt. Aus der Osias Schorr'scheu Stiftung für Rabbinats- und Lehramtscandidaten an der Wiener israelitisch-theologischen Lehranstalt sollen in Anbetracht des Umstandes, dass einerseits seit dem Ableben des Testators und Stifters, des seligen Herrn Osias Schorr, ein Zinsenerträgnis von circa 10.400 Kr. sich augesammelt hat, andererseits die formelle Constitnirnng der Stiftung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, mit ftiftungsbehürdlicher Genehmigung noch vor Activirung der Stiftung Stiftplätze per je 600 Kr. zunächst an RabbinatScandidaten zur Verleihung gelangen. Diese Anträge werden nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Vicepräsident Dr. Stern, Dr. Adolf Stein, Regierungsrath Dr. Steger u. A. betheiligen, genehmigt. Die Beschlussfassung über die Verleihung von Stift- Plätzen per je 400 Kr. an Religions-Lehramtscandidaten wird Vorbehalten. In der an die öffentliche Sitzung sich anschließenden vertraulichen Sitzung wurden Personalien und andere Currentien erledigt. Sohin wurde die Sitzliug um halb 2 Uhr Nachmittags geschlossen. _ Joel Wolf. Von Landesrabbiner Dr. Tänzer in Hohenems. Wenige Wochen sind es her, seit die orthodoxe Jsraeliten- Gemeinde in Preßburg — „das kleine Jerusalem" — ihren langjährigen Vorsteher, Herrn Joel Wolf, unter Trauer und Thränen zur ewigen Ruhe bestattet hat. Joel Wolf war ein in Preßburg ungemein populärer und seit Jahrzehnten vielgefeierter Name, dessen'Träger ein ganzes -Programm verkörperte, das ihn zu einer der wichtigsten Stützen seiner Gemeinde und ihres altehrwürdigen Gepräges machte. Das Grab Joel Wolf's kennzeichnet eine tiefe Lücke im öffentlichen wie privaten Leben der Preßburger orthodoxen Judengemeinde, von der im Interesse des Judenthums nur gewünscht werden kann, dass sie nicht zu einer nnausfüllbaren werde. Es kann keineswegs Zweck dieser Zeilen sein, dem entschlafenen Führer der Preßburger Judeuschaft eine bleibende, ihn genügend würdigende Erinnerung zu sichern, in weit entsprechenderem Maße als die Nachwelt dies' vermöchte, hat er selbst bei Lebzeiten dafür Sorge getragen, denn in der Geschichte der Preßburger Judengemeinde, in den Herzen all ihrer Mitglieder, in den dürftigen Wohnungen all der zahllosen Preßburger Armen, in den Thränen, die seinem Sarge folgten, in den aufrichtigen Segenswünschen, die sich stets an seinen Namen knüpfen werden, in all dem hat sich Joel Wolf selbst verewigt. Doch das Judenthum wird nicht eben

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