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Die Wahrheit · 1900-10-02 · Heft 36 (2.10.1900) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 36 (2.10.1900)
Date
1900-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36. Di« Wahrheit. Seite 9. O, möchten wir doch das edle Beispiel unserer großen Vorfahren nachahmen. Legten wir doch endlich mal ab das "falsche Gewand Assimilation, in das uns unsere falschen Freunde und schlechten Berather gesteckt, jene Zwangsjacke, die in Israel Uneinigkeit, Zwietracht und Feindseligkeit hervorgerufen. Möchte doch der Friedenshanch der Versöhnung in unser Gemüth einziehen, aus dass wir wiederum jene jüdisch-nationale Tracht „Gleichheit" anlegen. Der Hohepriester, erzählt der Talmud, musste an diesem' heiliger: Tage bei seinem Eintritte in das Allerheiligste, um Versöhnung für Israel zu bewirken, die goldenen Kleider ablegen und weiße Gewandung anziehen. Ja, so wir das Werk der Versöhnung verrichten, so wir diese hochpriesterliche Flinctiou ausüben, so wir in das Allerheiligste eintreten wollen, um für der Menschheit Heil thntig zu sein, so müssen wir die „goldenen Gewänder" ablegen, müssen wir die Schranken wegschaffen, die Dämme einreißen, die gähnende Kluft überbrücken, die Arm und Reich von einander trennen. Gerechtigkeit, Liebe und Gleichheit, gleichsam die weiße Gewandung des Hohenpriesters, müssen unsere Kleider bilden. Nur in dieser jüdisch-nationalen Uniform können wir, wie einst unsere Ahnen, die Töchter Zions aus dem Feste der Freiheit erscheinen. Mögen wir diese Jaum Kippurlrhre beherzigen, ans dass der wahre Versöhnungstag sür Israel und die Gesammtmenschheit anbreche, wo in das gewaltige Schosar gestoßen und der Well die Heilbotschast verkündet wird: „Die Sclavei' werden in Freiheit gesetzt und die Laildbesitznngen kehren au ihre ursprünglichen Herren zurück ..." Verschiedene Nachrichten. Wien. Der k. k. n.-ö. Landesschulrath hat mittelst Erlasses vom 17. September 1900, Z. 10829, dem Vorstande der Israel. Cnltusgemeinde in Wien eröffnet, dass der Herr Minister sür Cultus und Unterricht laut des Erlasses vom 12. Septemner 1900, Z. 25894, gestattet hat, dass das Lehrbuch sür den israelitischen Religionsunterricht: Anerbach, kleine Schul- und Hausbibel, I. Theil,^ 10. Auflage, und II. Theil, 6. Auflage, Leipzig, Brockhaus, noch im Schuljahre 1900—1901 in Verwendung genommen werde. Wien. Unser langjähriger Mitarbeiter, der bekannte Schriftsteller Herr Rabbiner Dr. Friedländer in Pisek, hat sich vor Kurzem hier einer Operation unterziehen müssen, die er, Gott sei Dank, glücklich überstanden hat. Er befindet sich bereits auf dem Wege der Besserung und dürste in kürzester Zeit wieder so weit hergestellt sein, um sich seinem Berufe mit der bekannten Hingabe lvidmen zu können. Wien. Unser geschätzter Mitarbeiter, Herr Dr. Alfred Feilchenf e l d, der bisher in Hamburg pädagogisch thätig war, ist nach Fürth in Bayern als Director der dortigen israelitischen Realschule berufen worden und hat seinen neuen Wirkungskreis bereits angetreten. Herr Dr. Feilchenfeld, der seine philologischen Studien in Berlin absolvirt hat, genießt den Ruf eines ebenso tüchtigen als gewissenhaften Schulmannes, und die Anstalt, deren Leiruüg ibm nunmehr anvertraut wurde, hat an ihm eine glückliche Requisition gemacht. ZSrünn. Herrn Obercantor Josef Heller in Brünn kam folgendes Schreiben zu: Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben gemäß Zuschrift des Oberst-Kämmerer-Amtes vom 26. August 1900, Zl. 1553 der Bitte um Allergnädigste Annahme der von Euer Wohlgeboren zur Feier des Allerhöchsten 70jährigen Geburtsfestes componirten „Jubelhymne" huldreichst zu willfahren und anzuordnen geruht, dass Euer Wohlgeboren sür die bei diesem Anlasse manifestirte loyale und patriotische Gesinnung der kaiserliche Dank bekannt gegeben werde. Im Grunde Erlasses des hohen k.k. mähr. Statthalterei-Präsidiums vom 29. Augnst 1900, Zl. 5267 Präs, beehre ich mich Euer Wohlgeboren von diesem Acte der Allerhöchsten Gnade in die erfreuliche Kenntnis zu setzen. Der k. k. Regierungsrath und Polizei-Director: S o i c a. Kohenems. (Erzherzog Eugen in der Synagoge.) Aus Hohenems in Vorarlberg wird uns berichtet: Anlässlich eines mehrstündigen Aufenthaltes in Hohenems empfing Erzherzog Eugen am 20. d. eine Deputation der hiesigen Jsraelitengemeinde. bestehend aus dem Rabbiner Dr. Tänzer, sowie den beiden Vorstehern Michael Menz und Ivan Rosenthal, wobei er den Besuch der imposanten alten Synagoge in Aussicht stellte. Nach Besichtigung der Pfarrkirche fuhr denn auch der Erzherzog in Begleitung seines Adjutanten, des Kreisgerichtspräsidenten v. Larcher, des Bezirkshauptmanues v. Ziegau, des Bürgermeisters und des Gemeinderathes von Hohenems vor der Synagoge vor. Unter Führung des Rabbiners besichtigte er das schöne und große Gebäude auf's Eingehendste. Mit Jnteresie vernahm der Erzherzog auch die historischen Erörterungen des Rabbiners über die Deckengemälde in der Synagoge, ein Geschenk des ersten in der ehemaligen Reichsgrafschaft Hohenems amtirenden österreichischen Amtmannes. Nach längerem Verweilen verließ der Erzherzog sichtlich befriedigt die Synagoge. Budapest (Ritual Mordpropaganda in Ungarn.) Das Gendarmerie-Commando Debreczin erhielt folgendes Telegram von dem Gendarmerieposten-Commando in Abot-Salok: „Heute wurde hier Rosalia Pentek ermordet. Es liegt offenbar Ritualmord vor. Die Einwohnerschaft des Dorfes ist furchtbar erregt." Die Gendarmerie hat sofort verfügt, dass ein verstärkter Posten nach dem genannten Orte abj gehe, um die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die jüdischen! Einwohner zu schützen Eine Untersuchung zur Eruirung sowohl des! Mordes, als auch des Verbreiters des Gerüchtes, dass ein Ritualmord j vorliege, wurde eingeleitet. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Meldung j bestätigt. i Hemesvar. (I u b i l ä u m des O b e r c a n t o r s Löweni herz.) Tie hiesige innerstädtische Cnltusgemeinde begeht am Tage des j Simchas-Thorafestes das 25jährige Amtsjnbilänm ihres Oöercantors j Eduard Löwenherz. Ter Jubilar gehört zu den hervorragendsten! Repräsentanten des Cantorenstandes und sein Ruhm reicht weit über die! Grenzen seiner Gemeinde. Das imposante Fest soll durch eine Tempeli fei er eingeleitet werden, nach welcher die Gemeindereprüsentanz dein Ju-! bilar ein Ehrengeschenk nebst Adresse überreichen wird; Abends findet! ein Festbankett statt. Obercantor Löwenherz hat sich ans dem Gebiete des j modernen Synagogengesanges besondere Verdienste erworben und viele I unge Collegeu achten in ihm ihren verdienstvollen Lehrer. An seinem Juj biläum wird sich auch die nichtjüdische Bürgerschaft Temesvars in großem j Maße betheiligen.' ' Samöor. Am 15. beginnen an der zrveiclassigen priv. Handels-! schule des S. Weinberg die Vorlesungen. Diese Anstalt ersrent sich in Galizien — als einzige Schule dieser Art — großer Beliebtheit, indem von allen Gauen des Kronlandes die jüdische Jugend nach Sambor kommt, um in diese,n Institute ihre kaufmännische Ausbildung zu erhalten.! Der Umstand, dass bis nun mehrere hundert junge Leute eine gründliche i commercielle Ausbildung erhalten haben und sogar in Wien in den ersten! Häusern gut dotirte Posten bekleiden, verschafft dieser Anstalt immer j mehr Geltung selbst unter der orthodoxen Bevölkerung, die bis nun der! Ansicht war. dass die Jugend gleich ihren Altvorderen Handel ohne! Buchhaltung treiben kann. Der Inhaber und Leiter der Anstalt Herr S. Weinberg, hat für sein Institut die besten Kräfte acceptiert und trotzdem diese Anstalt aus eigenen Mittel erhalten wird, ist auch für unbe* mittelte Schüler Fürsorge getroffen, indem solche vom Schulgelde befreit und mit Lehrbüchern und Schreibrequisiten versehen werden. Das Bestreben des Schulinhabers ist, der in commercieller Beziehung arg vernachläffigren Jugend Galiziens das Fundament für den kaufmännischen Beruf zu legen und der galizischen Kaufmannschaft einen commerciell! gebildeten Nachwuchs zu schaffen. Ueber die Leistungen der Jugend haben i sich die Vertreter der hiesigen Behörden während der Anwesenheit j derselben bei den öffentlichen Schlussprüsungen in höchst schmeichelhafter i Weise geäußert._’ ___ | In Iotge der Ieiertagebaven wir" de» Kr-! scheinungstermin dieser Kummer non Ireitag! den 28. September auf den heutigen Hag verschöbe« und geben gleichzeitig bekannt, dass ans demselben Krunde die nächste Kummer Ireitag, den 12. Kctober erscheint Die Kedaction

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