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Die Wahrheit · 1900-09-14 · Heft 34 (14.9.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 34 (14.9.1900)
Date
1900-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34. Die Wahrheit. Seite 7. in Wien, Johanna Bleier in Littttz und Amalie Bleier in Kkirnnitz. Nachdem Herr David AbeleS als Maftir zur Thora gerufen worden war, recittrte Herr Obercantor A. Freifinger einen der Feier angemeffenen -Mischeberach in gewohnter würdiger Weise. Die in herzlichen Worten gehaltene Ansprache des Rabbiners, Herrn Dr. A. Posmanski, machte auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck. Nach dem Gottesdienste fand rm Restaurant I. Ornstein eine Festtafel statt, welcher sämmtliche Angehörige des Jubelpaares, 43 an der Zahl, beiwohnten. Das greise -Ehepaar war Gegenstand lebhafter Ovationen. Hderberg. Unter außerordentlich zahlreicher Theilnahme von Vertretern der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden, der israelitischen Cultusgemeinden und anderer Festgäste hat Sonntag den •3. d. M. die Einweihung des neuerbauten Tempels in Oderberg-Bahnhof stattgefunden. Unter den Anwesenden bemerkten wir den k. k. Landesregierungsrath Johann Werlik, den Bürgermeister Josef Edler von Pöttenschlag-Ledermayer, die katholische und evangelische Geistlichkeit, "Rabbiner und Vertreter der Cultusgemeinden Mähr.-Ostrau, Prerau, "Friede?, Bielitz, Teschen, Troppau, Klosterneuburg, Ratibor, Beamte der österreichischen und preußischen Bahnen rc. Nach der im alten Bethause durch Herrn Rabbiner Dr. Tauber aus Prerau gehaltenen Abfchiedsrede bewegte sich der Festzug zu dem im maurischen Style erbauten neuen Gotteshaufe, welches der Präsident der Cultusgemeinde Mähr.-Ostrau, Herr M. Straßmann, dem Schutze der Behörden übergab. Nach Verlesung "der Schlusssteinlegungs-Urkunde, die von sämmtlichen Festgästen unterschrieben worden war und dem Anzünden des ewigen Lichtes, fand unter Absingung der üblichen Psalmen durch den hiesigen Obercantor mit dem Chore der feierliche Umzug mit den Thorarollen statt. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Jacob Schira aus Mähr.-Ostrau die Festrede, die sich auf den Schriftvers: „Es zieht der Ewige »in in seine heiligen Hallen" stützte. Besondere Verdienste um den Tempelbau haben sich die Herren Dr. Max Beer, Hermann Jmmerglück, Leopold Keßler, Victor Lustig, Moritz Saphir und David Spitzer erworben. KoHeuems. In meinem in Nr. 33 der „Wahrheit" veröffentlichten Aussatze „Die Jsraelitengemeinde in Totis" ist aus Versehen der Name des um die dortige Jsraelitengemeinde und ihren Cultus hochverdienten Mitgliedes der Repräsentanz, des Tovaroser Kaufmannes, Herrn B e r A n t a l, weggeblieben, was ich hiemit mit Vergnügen nachholrn will. Rabbiner Dr. Tänzer. Aunzkau. (Silbernes Amtsjubiläu m.) Folgender Bericht gehl uns von befreundeter Seite leider etwas verspätet zu: Am 1. September feierte der hiesige israelitische Prediger und Lehrer, Herr M. T i n t n e r, das 25jährige Jubiläum seiner hiesigen Wirksamkeit. Das Fest begann am Sonnabend früh um 8 Uhr mit einem Festgottesdienste in der festlich geschmückten und erleuchteten Synagoge. Text der Predigt Mar Psalm 71, 17. 18. Herr Prediger Tintner sprach in herzlich bewegten Worten und hielt einen Rückblick auf die verlebte Zeit in Bunzlau, gedachte auch der Heimgegangenen Brüder und Schwestern. Der Chor war seiner Ausgabe voll gewachsen, und auch die Organistin, Frau Goldinger, war sehr gut disponiert. Auf die Predigt folgte ein Gebet für Kaiser und Reich, für Stadt und Gemeinde Darauf wurde der Priestersegen gesprochen. Die Gebete und Gesänge trug Herr Tintner mit seiner schönen, klangvollen Baritonstimme in jugendlicher Frische vor. Diese Andachtsstunde wird der Gemeinde unvergesslich bleiben. — Es folgte hierauf die Feier im Hause. Um 11 Uhr erschienen der Vorstand und eine Deputation der Repräsentanten der hiesigen Synagogengemeinde im Hause des Jubilars. Herr Sanitätsrath Dr. Sachs richtete an Herrn Tintner in längerer, schwungvoller Ansprache Worte der Anerkennung, die sowohl die Gemeinde als auch ihren Seelsorger ehrten. Sodann sprach der erste Synagogenvorsteher, Herr S. Hammer, herzliche Worte und überreichte dem Jubilar namens der Gemeinde ein ehrendes größeres -Geldgeschenk. Der zweite Vorsteher, Herr Bankier I. Rubinstein, überreichte dem Jubilar namens der Gemeinde einen Silberkasten mit Widmung. Der Lehrerverein, der Magistrat der Stadt Bunzlau, als auch .Herr Bürgermeister Salomon, der einen kostbaren Pokal seinem Freunde -überreichte, gratulirten in herzlichster Weise. Der Vorsitzende des „Schlesisch-Posenschen isr. Lehrerveines", Herr Professor Dr. Badt-Breslau, gratulirte in einem ehrenden Schreiben. Briese, Telegramme, Angebinde aller Art und kostbare Blumenspenden aus allen Himmelsgegenden liefen ein. Sonntag um 9Vz Uhr fand in dem Schullokal ein Festact statt, wobei der Vorsitzende der Schuldeputatton in einer Ansprache dem Herrn Religionslehrer Tintner zu seinem Amtsjubiläum in herzlichen Worten -gratulirte und Schüler und Schülerinnen durch Vorträge die herzlichsten Glückwünsche in feierlicher Weise bei Ueberreichung eines herrlichen Blumen-Arrangements darbrachten. Herr Tintner dankte in bewegten, herzlichen Worten und schloss mit einem Gebete. Diele Gratulanten strömten in das festlich geschmückte Heim des Herrn Tintner, aber der schönste Schmuck desselben bleibt die Zufriedenheit und Glückseligkeit, die in diesem Hause waltet, die treue biedere Gatttn und die liebenswürdige Familie. Möge es noch lange, lange so bleiben! Erzähkrng von 26Mt*r* Hülfe» (34. Fortsetzung.) Er fing es an zu begreifen, dass die Liebe der Mutter dem Kinde eine Schuld auflade für alle Zeit, die von diesem in aller Zeit, und wenn es bis ans Ende aller Zeiten ginge, durch keine Art von Entgeltung getilgt werden kann. Alles was seine Schwester Fin7el ihm gesagt, ehe er den verhängnisvollen Schritt that. und entscheidend für sein Leben wurde, alles was sie ihm damals in die Seele gerufen, alle Erinnerungen, die sie damals in seine« Gemüthe zu wecken gesucht, und die abgeprallt waren von seinem durch Leidenschaft geleiteten Herzen, wie schwache Pfeile von einem Eisenpanzer, alles dieses stand jetzt erst lebendig da vor seiner Seele, nicht als Wort, als leerer Schall, sondern als tiefstes, innerstes Erlebnis; und wer ihn das gelehrt hatte, war ei» Kind, sein Kind! So — musste er sich in Beschämung, ja in tiefer Zerknirschung gestehen — so hat mich meine Mutter aus Händen herumgetragen, so hat sie mich gepflegt und gewartet, wie Marie unser Kind. So hat sie mich gehütet bei Tag und bei Rächt, sich keine Ruhe vergönnt und keine Rast. So ist sie bei mir gesessen und hat mich eingewiegt, und so hat sie mich eingesungen mit frommen Liedern, wie Marie unser Kind. Ach, ^es waren aber andere fromme Lieder, es ist darin nichts vorgekommen von einer Mutter Gottes, was meine Mutter mir gesungen hat! So hat sie mich genährt und hat mir Nahrung gereicht, so hat sie mich eingewickelt und so ist sie mit mir im Zimmer auf und ab gelaufen vor Freude, wie Marie es macht. Ach was ist eine Mutter, was steht sie aus für ihr Kind, und wie thut sie alles von ganzem Herzen mit tausend Freuden! Welcher Mensch ist jemals im Stande, seiner Mutter das abzuzahlen, was sie für ihn gethan und geduldet hat, und wem gebührt ein größerer Dank als ihr! Dank, ach, wie habe ich gedankt! wie Hab ich ihr heimgezahlt, was sie mir gethan hat all mein Leben laug! Während das Kind zur Freude der Eltern heranwuchs, beschenkte der Himmel auch Josefs Schwester Fintel mit einem Kinde. Es war ein Knäblein und erhielt den Namen des verstorbenen Großvaters, es wurde Wolf geheißen. Die Freude über dieses Kind war groß. Finkel sah in diesem Kinde, das ihres Vaters Namen trug, den Vater wieder ausersteheu, und Jittesch, die Großmutter, wußte gar nicht, wie sie Gott danken solle für diese Gnade, die er ihr zugefügt. Jakob Löb, welcher der Geburt dieses Kindes mit banger Hoffnung entgegengesehen, hatte während der Zeit, da sein geliebtes Weib in schweren Nöthen darniederlag, ein Gelübde gethan und unter Thränen sein Gebet zu Gott emporgesendet. Lass sie die schwere Zeit überstehn, Herr des Weltalls, und erfreue sie, die schon so viel Prüfungen ausgestanden! Wenn Du ihr über die schwere Zeit, der sie entgegengeht hinübergeholsen haben wirft, dann will ich als Dank dafür ein neues „Sefer-Thora" schreiben lassen und will es ausstatteu mit silbernen Geräthfchaften; das nehme ich auf mich! Die schwere Zeit war nun vorübergegangen und Jakob Löb säumte nicht, sein Gelübde zu erfüllen. Er bestellte das „Sefer-Thora" bei dem Thoraschreiber, der im ganzen Lande als der berühmteste galt, und es gab jetzt freudiger Ereigniffe die Menge, die einander fast auf dem Fuße folgten. Zuerst wurde das Kind, da es acht Tage alt war, in die Synagoge getragen, um in den Bund des jüdischen Glaubens ausgenommen zu werden. Darauf folgte die übliche Gasterei, bei der es manchmal heiterer zu sein pflegt, als selbst bei einer Hochzeit. Und hier war dies gewiss der Fall. Dann wurde, nachdem der Knabe dreißig T age alt geworden war, die „Auslösung des Sohnes" veranstaltet. Das erstgeborene Söhnchen wurde in Sammt und Seide eingewickelt, mit goldenen Ketten, Perlenschnüren umwunden, alles was kostbar ist, um dasselbe gehängt und so wie ein Märchenwesen aus tausend und einer Nacht, auf rine große, flache silberne Schüssel gelegt, um es dem Manne aus dem Stamme der Priester, dem es nach Gottes Gesetz zufiel und zu eigen war, für wohlgezählte zwanzig Silbermünzen abzukaufen und auszulösen. (Fortsetzung folgt.)

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