Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 32 (31.8.1900)
- Date
- 1900-08-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32. Die Wahrheit. Seite A. schmeichelhaftes Dankschreiben durch den Präses der Chewra Kadischa, Herrn Jacob Schidlof, übermittelt. Brün«. (Leichenbegängnis.) Am 23. d. M. wurde auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe ein Mann zur Erde bestattet, welcher zu den Gründern der hiesigen Gemeinde gehört hatte, an deren Spitze er auch einst gestanden. Es ist dies Herr Moritz Redlich, welcher aus kleinen Anfängen sich zu einer angesehenen Stellung auf dem Gebiete unserer Zuckerindustrie durch Intelligenz, Ehrenhaftigkeit und nie rastende Energie emporgerungen. Seine Leiche wurde aus Wien hieher überführt und mit allen Ehren der Erde übergeben. Eine große und vornehme Trauerversammlung gab ihm das letzte Geleite. Prof. Dr. M. G r ü nf e l d rühmte in seiner Trauerrede die kaufmännischen und menschlischen Vorzüge des Verblichenen. Wie er durch Thatkraft und Arbeitsamkeit im feindlichen Leben draußen sich anszeichnete, so.-war er im Heiligthum seiner Familie ein liebevoller Gatte, ein fürsorglicher Vater, so war er ein stets humaner Vorgesetzter seinen Beamten und Arbeitern. So kon' te mau von diesem Greise, er hatte das gesegnete Alter von 88 Jahren erreicht, sagen: „Eine herrliche Krone ist das Greisenalter, die gefunden wird auf dem Wege der Tugend." Die Trauerrede machte auf die große Trauerversammlung einen tiefen Eindruck. Unter Gebeten und Gesänge», ausgeführt von Obercantor Heller mit dem Chore, wurde die Leiche ins Grab gesenkt. iT'axan. * * Böhm.-^eipa Unser allverehrter Obercantor H. B e r m a n n feierte : vorige Woche unter überaus reger Theilnahme der Gemeinde ein Doppelj jubiläum als Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde und als Dirigent! des Gesangsvereines „Harmonia". Die Feier begann schon am Freitag! Abends mit einem solennen Gottesdienste, kam jedoch erst Samstag zu! Muffaf zur richtige,l Entfaltung. Unter Mitwirkung des Gesangsvereins j begann der Gottesdienst mit einem vorn, Jubilar componirten großen j „Hallel" mit Orgelbegleitung, und beim Aufrufen sang der Verein ein * zu ähnlichen Anlässen gleichfalls vom Jubilar componirtes deutsches Lied. Der Rabbiner war zur Zeit nicht anwesend. Nach dem Gottesdienste, der sich weihevoll und feierlich gestaltete, wurde der Jubilar in seiner Wohnung vom Vorstande der Cultusgemeinde und des Gesangsvereines und anj deren Deputationen herzlichst beglückwünscht, wobei ihm in Würdigung j seiner mannigfachen Verdienste Ehrengeschenke überreicht wurden. Samstag j Abend veranstaltete der Gesangverein im Thal-Saale einen Comemrs, an! welchem der größte Theil der Gemeinde theilnahm. Der Verlauf desi selben war ein sehr animirter, wozu die musikalischen und humoristischen i Vorträge — in ersteren haben hauptsächlich die beiden Töchter des Ju-! bilars mit Violine und Clavier Vorzügliches geleistet — beigetragen! haben. Um 12 Uhr arrangirte die Jugend ein Tänzchen, dem bis in die j späte Nacht recht flott gehuldigt wurde.! Aussig. Aus Anlass des 70. Geburtsfestes des Kaisers widmete die hiesige israelitische Cultusgemeinde den Betrag von 5000 Kronen und es sollen die Zinsen hievon alljährlich am Geburtstage des Kaisers für einen wohlthätigen Zweck verwendet werden. Staniskau. Samstag, den 18. August, 11 Uhr Vormittags, fan in unserem Gotteshause eine große Kaiserfeier statt, an welcher sämmtliche Gerichtsbehörden, die k. k. Staatsanwaltschaft, die k. k. Bezirkshauptmannschaft, der Bürgernieister mit den Stadträthen, der gesammte Cultusvorstand und zahlreiche Bürger und Gemeindemitglieder theil-! -nahmen. Unter Leitung des Obercantors Löwensohn stimmte der Chor den Sulzer'schen itp 'n an und hierauf hielt der Prediger Dr. Broude eine überaus schwungvolle polnische Festrede. Mit der Kaiserhyimre schloss die solenne Feier. ßxoat.'Kreuh. „Löbliche Redaction! Ich ersuche höflichst folgende Ergänzung zu dent in voriger Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Berichte über die hiesige Kaiserfeier am 18. August aufzunehmen: Der Berichterstatter scheint nur während der Rede des Herrn Rabbiners Dr. Engel im Tempel gewesen zu sein, sonst hätte er gewiss nicht die wirklich erhebenden Gesangsvorträge unseres Obercantors Herrn Buxbaum unerwähnt gelassen, die so viel zur Weihe des Festgottesdienstes beitrugen. Das zu constatiren, sei der Zweck dieser Zeilen. Hochachtungsvoll F—r." Berkin. Der „Jüd. Presse" wird aus Rees am Rhein über ein wahrhaft erhebendes Fest berichtet, das die dortige jüdische Gemeinde ihrem nach fünfzigjähriger Amtsthätigkeit aus dem Amte scheidenden Lehrer, dem durch seine chronologischen Arbeiten auch weiteren Kreisen bekannten Herrn L. Cohen, bereitet hat. Bei der veranstalteten Schulfeier pries der Loealschulinspector, Herr Superintendent Greven, das Leben und Wirken des Jubilars und überreichte den von Sr. Maj. dem Kaiser verliehenen hollenzollernschen Hausorden. Unter Worten des Dankes übergab sodann der Vorsteher der Gemeinde, Herr S. Wolff. dem scheidenden Lehrer eine kostbare goldene Uhr und Kette. Mit Declamationen der Schüler, welche ihre Verehrung und Dankbarkeit für den geliebten Jubilar in schöner Weise zum Ausdruck brachten, schloß die Feier, zu welcher, wie besonders hervorgehoben zu werden verdient eine große Anzahl christlicher Lehrer, sowie Schüler sämmtlicher christlichen Schulen des Ortes erschienen waren. Nach dem Mittagsmahle, welches die zahlreichen Gäste in fröhlichem Kreise vereinte, fand ein Festgottesdienst statt, dem die Honorationen der Stadt beiwohnten. Die Predigt hielt Herr Lehrer Spier-Wesel. Den Abschluss der Festlichkeiten bildete ein Bankett, welches einen großartigen Verlauf nahm. Neben dem Jubilar und seiner Familie wurden von den verschiedenen Rednern, den Herren Bürgermeister Sahler, Superintendent Greven, den Lehrern Schwartzkopf, Lilienfeld, Nußbaum rc. Trinksprüche gewidmet. In wohlthuender Weiie hat das Fest die unter den Bürgern unserer Stadt herrschende friedliche Eintracht abermals dargethan: Bekenner aller Confeffionen saßen im Festsaale brüderlich vereint; die christlichen Gesangvereine hatten schon Abends vorher dem Jubilar ein Ständchen dargebracht. Der Gefeierte selbst ertrug mit Jugendfrische alle Strapazen des Tages und harte mit bewunderungswerther Redegabe für jeden Redner Worte Dankes. Wir wünschen dem trefflichen Greise einen heiteren, ungetrübten Lebensabend an der Seite seiner wackeren Gattin, der verständnisvollen Genossin seines Mühens und Vollbringens. ivro»i i'»' T>itr ’n Kranüfnrt a. M. Die hiesige Stadtbibliothek hat wiederum eine große, werthvolle Bereicherung ihrer bekanntlich bereits äußerst bedeutenden Hebraica- und Judaica-Sammlung zu verzeichnen, indem einer ihrer Gönner, dem sie schon eine ganze Reihe von Zuwendungen verdankt, eine aus etwa zweihundert Nummern bestehende auserlesene Sammlung von Gesangswerken für den israelitischen Gottesdienst für Cantor, Chor und Gemeinde ankaufte und ihr zum Geschenk machte. Diese „musikalische Synagogen-Bibliothek" enthält die wichtigsten Notenwerke und Abhandlungen zur Geschichte des iynagogalen Ge anges. Die Werke von Sulzer, Naumburg, Deutsch, Lawandowski, Baer und vieler anderer Synagogencomponisten sind vorhanden. Unter den Handschriften seien besonders Consolo, der die alten Gesänge der spanischen Juden, und Cremieu, der die des südlichen Frankreich ausgezeichnet hat. Es wäre höchst wünschenswerth, dass wenigstens in den größeren jüdischen Gemeinden derartige Sammlungen angelegt und der Pflege des Synagogengesanges mehr Aufmerksamkeit und Interesse zugewendet würde. Litteratur. Berühmte ifraeMifche Männer und Krane» in der Kuttnrgeschichte der Menschheit. Unter diesem Titel erscheint demnächst aus der Feder des bekannten Schriftstellers und P.iblici>'ten Dr. Adolf Kohut im Berlage der Verlagsbuchhandlung von A H. Payne in Leipzig ein illustrirtes, glänzend ausgestattetes Prachtwerk in Lieferungen, welches nicht verfehlen wird, in den weitesten Kreisen Aussehen zu erregen. Gegenüber den fortgesetzten antisemitischen Agitationen, wie sie jetzt seitens einer gewissen Preffe und Fraktion an der Tagesordnung sind, ist es erfreulich. constatiren zu können, dass die besseren Elemente des deutschen Publikmns gegen diese Treibereien Stellung zu nehmen beginnen- Dieser Strömung Rechnung tragend, hat eine renommirte Verlagshandlung von unzweifelhaft arischer Abstammung und unverfälscht christlicher Gesinnung sich mit dem Verfasser verbunden, um den Juden Gerechtigkeit widerfahren zu lasten und dem Publikum zu zeigen, wie einschneidend viele Hunderte namhafter und hervorragender Juden und Jüdinnen in Vergangenheit und Gegenwart in die Geschichte und Culturgeschichte der Völker eingegriffen und welch' glänzende Culturarbeit sie geleistet haben. Hätte die moderne Gesetzgebung den Juden nicht schon längst die Gleichberechtigung nach schweren Kämpfen ertheilt, so hätten sie sie sich durch ihre Werke und Schöpfungen ehrlich verdient. Man kann dem durchaus originellen und zusammenfaffenden Prachtwerk nur mit Spannung ent» gegensehen. _