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Die Wahrheit · 1900-08-17 · Heft 30 (17.8.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 30 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30. Die Wahrheit. Seile 7. werde voraussichtlich viel geredet werden und er hoffe, dass den vielen Worten auch entsprechende Thaten folgen. Eines aber wolle er versichern : Wenn Alle morgen nach Palästina gehen, bleibe er nicht zurück. Unter endlosen Beifall betrat Dr. H e r z l die Rednerbühne. Er sprach Deutsch, ziemlich allgemein. Er schien müde vor den Borconferenzen. Max N o r d a u sprach Englisch, ebenfalls unter jubelnd-m Beifall. Die unter den heutigen Verhältniffen noch für den 8tatus quo schwärmten, wären keine echten Juden. Nur im Zionismus kann eine Hoffnung auf Besserung unserer Lage gefunden werden. Es sprachen noch zahlreiche Anwesende meist dem Gros unverständlich. — Gestern fand zu Ehren der Delegierten im Regents-Park etn großes Gartenfest statt. Die heutige erste Sitzung begann unter colloffalem Andrange nach 10 Uhr. Der Einzug der Delegierten, namentlich der Führer, vollzog sich unter frenetischem Beifall der Zuhörer und sonstiger Gäste. Die Verhandlung wurde von dem Präsidenten des Actionscomitvs Dr. Theodor H e r z l mit einer von fortwährenden Beifallssalven unterbrochenen Rede eröffnet Dr. Herzl begann mit einigen Complimenten zur Wahl Londons als diesmaligen Congreßort, der Hauptstadt jenes Landes, in welchem die Juden sich aller Freiheiten erfreuen Dabei könne er aber nicht umhin zu bemerken, dass eine weitere stärkere Einwanderung in England schädliche Folgen haben könne. Vor vier Jahren hielt man es für Blödsinn, von einer jüdischen Nation zu sprechen, heute sei das Umgekehrte der Fall. Nur die Wiederbesiedlung Palästinas könne die Judenfrage einer zufriedenstellenden Lösung entgegenführen. Die Weissagung der Propheten und unsere 2000jährige Hoffnung werde kn Erfüllung gehen. Endloser Beifall begleitete jeden Satz der halbstündigen Rede, nach deren Beendigung einige Geschäfte formaler Natur vorgenommen wurden. Nun betrat unter betäubenden Applaus Max N o r d a u die Tribüne, um „über die heutige allgemeine Lage der Juden" zu sprechen. Der Redner ließ die Vorkommniffe seit dem vorjährigen Congreß Revue passieren, der Ausbruch der Leidenschaften in Deutschland und Oesterreich, um dann auf Rumänien überzugehen. Eine Paralelle des „Auszuges aus Rumänien" könne nur im Auszug der 30,000 Protestanten aus Salzburg gefunden werden. Mit scharfen Worten geißelte Nordau die Art der „Wohlthat", die Juden ihren armen rumänischen Brüdern zu Theil werden ließen. Wäre jenes Geld uns seit 3 Jahren zugeflossen, was hätte dafür nicht Alles in Palästina gethan werden können! In einer prächtigen Apostrophe wandte sich N o r d a u an die reichen Juden, doch endlich einzusehen und einzugestehen, dass nur im Zionismus eine radieale Hilfe gefunden werden könne. Möchte der rumänische Auszug wenigstens das Gute haben, die Berechtigung der zionistischen Bewegung klar zu stellen! — Der Eindruck der Rede war unbeschreiblich, eine Viertelstunde lang währten die „Bravos" und „Hurras", das Händeschütteln und Umarmen des Redners. — Die Sitzung wurde dann unterbrochen. Nachmittags wurden zunächst verschiedene Comitss gewählt. Sodann sprach als erster Referent Mr. L. N. G r e e n b a u m über die Lage der Juden in England, wobei er namentlich den verschiedenen Missionsgesellschaften einige herbe Wahrheiten sagte. Weiter sprach Dr. Alexander Marmore k-Paris und Andere. Eine sehr große Anzahl Zeitungsberichterstatter sind anwesend und sämmtliche Londoner Blätter Leitartikeln, sowohl gestern wie heute, besprachen den Congress. Die Ansichten darüber sind natürlich sehr verschieden. Allgemein gelobt wird Dr. Herz l's ruhige, fast zu geschäftsmäßige Art der Behandlung des zionistischen Problems. Zangwill's ironisirende Bemerkungen sind von vielen Seiten misverstanden. An N o r d a u s Rede wird vielfach getadelt, dass er sich zu sehr bei der Blutbeschuldigung aufgehalten habe, die weniger einen Raffenals religiösen Character und daher mit dem Zionismus directwenig zu thun habe. B. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anlässlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers sindet im orthodoxen Bethause, II., Große Schiffgaffe 8 (Schiffsynagoge), Samstag, den 18. d., 10 Uhr Vormittags, ein solenner Gottesdienst statt. Wie«. Der Festgottesdienst im türkischen Tempel anlässlich des 70. GeburtStages des Kaisers findet Freitag, den 17. d. M., 6 Uhr Abends, statt. j Wien. Anlässlich des 70. Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers : Franz Josef I. finden in säimntlichen Bethäusern der israel. Cultusgemeinde; in Wien, Samstag, den 18. August, um 9 Uhr Vormittags, feierliche j Gottesdienste statt. ' Wien Im Bethaufe „Marpe Lanefesch", II., Glockengaffe 4, findet ■ anlässlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers, Samstag, den 18.! d. M., 10 Uhr Vormittags, ein feierlicher Gottesdienst statt, wobei die Festpredigt von Sr. Ehrw. Herrn N. Friedmann abgehalten wird. Wie«. Der neuengagirte I. Cantor der Wiener israel. Cultusgemeinde, Herr Dan. Fuchs, hat Freitag, den 10. d., beim Abendgottesdienste im Leopoldstädter Tempel zum ersten Male fungirt. Wien. Dienstag den 7. d. wurde in der außeordentlichen Generalversammlung des Leopoldstädter Bethaus-Vereines „Montefiore", Taborstraße 38, der Begründer dieses Vereines, Herr Jakob Weiß (in Firma Kohn & Weiß), in Anerkennung seiner bedeutenden Verdienste um den Verein, über Antrag des Herrn Wilhelm Fleischmann, einstimmig und ohne Debatte zum ersten Ehrenmitgliede ernannt, j Wien. Mittwoch den 8. d. wurde Herr Med. Dr. Adolf Reiß i unter zahlreicher Theilnahme seiner Berufsgenoffen und anderer Kreise i und Körperschaften zu Grabe getragen. Se. Ehrw. Herr Rabbiner M.! Kramer gedachte mit beredten Worten der hohen Tugenden des Berbli- , chenen als Mensch und Jude, und als er den Schmerz seines alten! Vaters, seiner jungen Gattin, die ihm erst vor einigen Tagen den : ersten Sohn geschenkt hatte, schilderte, da blieb kein Auge thränenleer.! Am Grabe hielten Herr Dr. Reißberg im Namen des Vereines der Aerzte,! und Herr Wilh. Fleischmann im Namen des BethausvereineS „Monte-! störe" tiefempfundene Nachrufe. Zum Schluffe recitirte der Cantor des | „Montesiore"-Vereines, Herr Heinrich Groß, in ergreifender Weife das! »El mole rachamim“. j Wien (S ech s h a us). Samstag, den 18. d. M., feiert Herr Cantor Carl G r ü n f e l d sein 2öjähriges Amtsjubiläum als Cantor im Betbausvereine Sechshaus, UV., Storchengasse. Der Jubilar hat sich abgesehen von seiner ausgezeichnete» Amtsführung, besonders auf humanitärem Gebiete außerordentliche Verdienste erworben und ist Präses des hiesigen Unterstützungsvereines für arme Wöchnerinnen. Herr Cantor Grünfeld, der in den westlichen Bezirken Wiens besondere Achtung sich erfreut, wird auch in den Kreisen seiner Collegen allgemein verehrt. Wade». (Ehrung.) Am 13. d. wurde dem gewesenen Cultus-! Vorsteher und jetzigem Cultusvorsteher-Stellvertreter Herrn Anton Schneider in unserer Cultusgemeinde eine seltene Auszeichnung zu I Theil. Infolge Beschlußes des Cultusausschuffes wurde in Würdigung! der Verdienste des Herrn Anton Schneider um die Badener Cultusgemeinde dessen Portrait für den Sitzungssaal angeschafft und demselben j ein Ehrendiplom überreicht. Die hiezu anberanmte Festsitzung vollzog sich! in sehr würdiger Weise, wobei Herr Cultusvorsteher Moriz Leitner : und Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich tiefempfundene Ansprachen! an den Gefeierten hielten. i Aungbunzkau. Im Alter von 64 Jahren starb hier am 5. d. M. | nach kurzer Krankheit Herr Salomon Kornführer. Lehrer und j Secretär der hiesigen israel. Cultusgemeinde. Das Leichenbegängnis fand j am 7. d. unter großer Theilnahme statt. j Arag. (Ein neues jüdisches Hotel.) Dieser Tage überj siedelte das altrenominirte Koscherhotel Robitichek in das neu«! 4stöckige Hotel B r i st o l. Langegaffe. Das Hotel ist mit allem modernen! Comfort eingerichtet. Die Speisesalons im 1. Stock sind in seceffionistischer! Manier elegant und bequem ausgestattet. Imposant ist der prächtige, mit i Riesenspiegel geschmückte Tanzsaal. Im I. Stock befindet sich auch eine! geräumige Terafse. Der 2 Stock enthält einen schön möblirten Bedeckj saal. an welchen sich der würdig eingerichtete, mir einem Trauhimmel! versehene Trauungssaal anschließt. Das Restaurant, eine Sehenswürdigkeit j Prags, erfreut sich eines lebhaften Zuspruches.! Aeumarüt (Galizien). Am 16. d. hat in Brzesko die Trauung l des Cantors Josef R o s e n b l a t t mit Fräulein Toni Kaufmann aus - Brzesko stattgefunden. Der Bräutigam hat vor Jahren noch im knabenhaften Alter als herumreisendes Chasendl große Triumphe gefeiert und wurde auch in Wien, wo er sich unter dem Namen „Joffele Chasendl" in mehreren orthodoxen Bethäusern mit seinen Meschorerim producirte, vielfach bewundert. Weusoht. Für die hiesige Cultusgemeinde wurde Herr Philipp Kraus, bisher in Siklos, als Obercantor einstimmig gewählt und j tritt derselbe am 1. September sein Amt an.! - ■ - —.==-^ — =-..^ j flC Mr ersuchen tiöffidjlt trat Einsendung I der restlichen Aöonnementsöeträge. j J>te Administration.

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