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Die Wahrheit · 1900-07-06 · Heft 24 (6.7.1900) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 24 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24. Die Wahrheit. Seite 7. Lmderraub in Galizien. Die „Oesterreich-Israelitische Union" ersucht uns um Ans-! nähme folgender Mitteilung: Am 7. August 1899 verließ die! minderjährige Noza, revte Rochme Weiß in Wieliczka heimlich das Elternhaus unter Mitnahme von Wasche, Kleidern und zweier Sparcassebücher. Aus einem zurückgelassenen, an das Mädchen gerichteten Briefe ging hervor, dass ein junger Bursche namens Josef I u ß k i e w i c z, sie verleitet hatte, sich in ein Kloster zu flüchten und daselbst taufen zn lassen. Am folgenden; Tage kehrte Rosa Weiß ins Elternhaus zurück, entfloh jedoch! am 1. September neuerdings, hielt sich vier Tage hindurch bei! dem Gemeindeausseher Adam Z a p a l s k i in Wieliczka auf! und wurde am 5. September nachts von Adam W i a r o w s k i j unter Beihilfe Zapalskis in das Kloster der Felicianerinnen! zu Krakau gebracht. Unmittelbar nach der zweiten Flucht des! Mädchens hatte der Vater Marcus Weiß die Anzeige bei der! Polizeibehörde erstattet und um Ausforschung seines Kindes > gebeten. Der Williczkaer Polizeiinspector I a r s i k erklärte dem! Vater, er wisse wohl, wo das Mädchen sei, er sei aber nicht! dazu da, um jüdische Kinder ins Elternhaus zurückzubringen, j Am 7. September richtete Marcus Weiß an die Krakauer! Polizeibehörde die Bitte, ihm die erforderliche, im Gesetze begründete Assistenz zur Erwirkung einer Unterredung mit seiner! Tochter zn gewähren. Die Erfüllung dieser Bitte wurde Wochen-! lang verzögert, bis endlich der Polizeicommissär Tomasik! beauftragt wurde, Marcus Weiß und einer gewissen W e i s s e r! aus Szuczanik dessen Tochter gleichfalls von den Felicianerinnen! zurückgehalten wurde, ins Kloster zn begleiten. Der Commissär - ließ beide Väter im Hofe warten und erschien nach zwei Stunden! mit einem Protokolle, das angeblich mit den Mädchen ausgei nommen worden war und wonach sich dieselben weigerten, mit j ihren Vätern zu sprechen. Im November 1899 erwirkten Marcus Weiß und Schaul S t r a u ß b e r g, der in der gleichen traurigen Lage war, eine oberhirtliche Erlaubnis, ihre Kinder zu sprechen. In dem Schreiben des Fürstbischofs wurde die Oberin angewiesen, die Mädchen für die Unterredung mit ihren > Vätern „vorzubereiteu". Die Oberin verweigerte jedoch den I Vätern den Zutritt ins Kloster mit dem Bemerken, dass ihre Kinder sie nicht sehen wollten. Diese Aussage steht im Widerspruche mit den Angaben der Gattin und einer zweiten Tochter des Marcus Weiß, welche Rosa wiederholt durch eine Spalte j des Gartenthores gesprochen hatten und denen letztere weinend j klagte, dass man sie eingesperrt halte, obwohl sie gerne nach i Hause möchte. Auch die Anrufung der Gerichte ist. gleichwie I im Falle Araten, bisher erfolglos geblieben.! Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Vorstand der Cultusgemeinde hat in einer Reihe von Sitzungen neue Bestimmungen betreffend die Prüfungen für das Lehramt der israel. Religion an Volks-, Bürger- und Mittelschulen ausgearbeitet, welche in der Kanzlei der Cultusgemeinde auf Wunsch ausgefolgt werden. Wie«. Vor einigen Tagen beging im engsten Familien- und Freundeskreise Herr Gemeinderath Donat Zifferer sein fünfundz wanzigjähriges Jubiläum als Stadtbaumeister. Der Jubilar hat sich durch seine fachmännische Thätigkeit einen bedeutenden Ruf erworben- Bei der architektonischen Neugestaltung Wiens war er eifrigst mit am Werke und auch im Auslande hat er manche wertvolle Aufgabe durch-! geführt. Nicht zufrieden mit der beruflichen Wirksamkeit bethätigt j Gemeinderath Zifferer sich seit jeher hervorragend auf dem Gebiete der j Ärmenpflege, und sein Name ist verknüpft mit einer Reihe bedeutender humanitärer Einrichtungen. Auch die hochherzige Gattin ves Jubilars,; die Präsidentin des „Frauenhort", Frau Rosa Zifferer, nimmt großen | Antheil an der Förderung humanitärer Institutionen. Dem wackeren j Ehepaare sei bei diesem Anlasse die öffentliche Anerkennung ihres gemeinnützigen Wirkens nicht vorenthalten. Wien. (Befähigungsprüfung für Kindergärtnerinnen.) Der 32. Jahrescurs der ersten mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien. II., Schiffamtsgaffe 15, wurde durch die am 21. Juni unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspectors Dr. Rieger abgehaltene Befähigungsprüfung abgeschlossen, bei welcher sämmtliche 21 Candidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen zur Aufnahme in den am 15. September beginnenden 33. Jahrescurs der Anstalt, aus welcher bis nun 818 Kindergärtnerinnen hervorgingen, werden bei der Direction entgegengenommen, bei welcher auch Prospecte erhältlich sind. Wie«. Freitag, den 29. Juni, fand die Schlufsprüfung der Talmud-Thoraschule der türkischen Gemeinde in Anwesenheit des verdienstvollen Präsidenten der Gemeinde, Herrn Marcus M. Ruffo, des Schulinspectors Dr. Ed. T h a l e r und vieler anderer Mitglieder statt. Die Zöglinge gaben exakte Antworten und die Leistungen des Lehrkörpers, bestehend aus Religionslehrer David Moscona, Frl. Auipitz und Oberlehrer Weber, welcher seit dein Ableben des jüngst verstorbenen Directors Em. Groag die Leitung der Schule übernommen hat, fanden allgemeine Anerkennung. Zum Schluffe hielt DirectorWeber eine schwungvolle Ansprache und gedachte auch in pietätvoller Weise des verstorbenen Directors Groag. Mit der Absingung mehrerer Schullieder und der Volkshymne, unter Leitung des Gesangslehrers Löwit, schloß die Feier. Wien. Am jüngsten Samstag hielt, einer Einladung des Bethaus - Vorstandes „Marpe Lanefesch" Folge leistend, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Simon Schreiber aus Erlau, ein Enkel des berühmten „Chasam Sofer," in Anwesenheit eines überaus zahlreichen Auditoriums eine Gastrede. Fast sämmtliche Bethausvereine waren durch ihre Vorstände vertreten, selbst aus den entlegensten Bezirken fehlten dieselben nicht. Der ehrwürdige Redner mahnte zum Frieden und zur Eintracht. Insbesondere meinte er, müssten die Gesetzestreuen, das Emporblühen der Bethausvereine freudigst begrüßen, statt sich gegenseitig zu befehden und das Entstehen von neuen Vereinigungen mit scheelen Augen zu betrachten. In gehobener Stimmung verließen die Andächtigen das Gotteshaus. Wien. Unter überaus zahlreicher Theilnahme von Hochzeitsgästen aus den besten Wiener Gesellschaftskreisen fand Sonntag, den 1. Juli, im Tempel in der Seiteustettengaffe die Trauung des Fräulein Jenny Lederer, Tochter des bekannten Fabrikanten Herrn Gottlieb Lederer (Firma Lederer u. Wolf), mit Herrn Heinrich Friedländer, Disponent des „Wiener Bankverein." statt. Wien. Sonntag den 1. Juli fand im türk. Tempel die Trauung des Fräulein Regine A l k a l a v aus Belgrad mit dem Großhändler Emil I. F a r ch y aus Budapest in Anwesenheit zahlreicher Hochzeitsgäste statt. Der Präsident der Gemeinde, Herr Marcus M. Ruffo führte den Hochzeitszug an. Die Trauungsfunction versahen Rabbiner Papo und Öbercantor Bauer. Wien. Montag, den 2. d. M.. fand das Leichenbegängnis des Realitätenbesitzers und Liqueurfabrikanten Herrn Simon M a r m o r e k unter sehr großer Betheiligung statt. Der Verstorbene genoß in Folge seinen biederes Charakters und seiner Frömmigkeit allgemeine Werthfchätzung und war Mitglied vieler humanitärer Vereine. In Vertretung der türk. Gemeinde, deren Tempelmitglied der Verstorbene über25 Jahre war, waren Öbercantor Bauer, Cantor Löwit und die Beamten Buonaventura und Semo beim Leichenbegängniße anwesend. Rabbiner Dr. Bach hielt einen tiefempfundenen Nachruf und schilderte den Lebenslauf--des Verblichenen. Von kleinen Anfängen brachte er es durch Fleiß und Ausdauer zu Vermögen und Ansehen. Öbercantor Singe r recitirte die üblichen Gebete unter Affistenz des Männerchores. Beim offenen Grabe hielt Öbercantor Bauer im Namen der türk. Gemeinde einen kurzen Nachruf, worauf er nach sephard. Ritus das Maskir- und Kaddischgebet recitirte. Wien. Herr Edmund König st ein, Mitchef der bekannten Fabriksfirma und Hausbesitzer Brüder Königstein, hat sich mit Fräulein Margit K o h n, der anmuthigen, hübschen und liebenswürdigen Tochter des Hotelbesitzers „zum Herrnhaus," Herrn V. Kohn in Sillein, verlobt. Beide Familien genießen in weiten Kreisen große Achtung. Wien. Sonntag, den 1. Juli, fand das Leichenbegängnis der im zweiten Bezirke bekannten Restaurateurin Frau Hatfchek unter großer Theilnahme statt. I. Cantor Blatt versah die Trauerfunction. — Die beiden Restaurationen in der Praterstraße und im Prater wird der älteste Sohn wie bisher weitersühren. Ätzgersdorf. Anlässlich des 70jährigen Geburtstages des Kaisers beschloß die israelitische Liesing-Atzgersdorfer Bethausgenoffenschaft nach den Plänen des Wiener Architekten Richard Esriel einen Tempel für 400 Personen zu bauen. Die Grundsteinlegung erfolgt am 18. August unter feierlicher Betheiligung der Behörden und angrenzenden Stadgemeinden.

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