Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 23 (29.6.1900)
- Date
- 1900-06-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. Die Wahrheit. eite 9. Wien. (Ottakring.) Freitag, den 22. Juni ist der k. u. k. Lieutenant i. P., Herr Moriz Grünhut, Besitzer der großen silbernen Tapferkeits-! Medaille, im 71. Lebensjahre gestorben. Im Feldzuge im Jahre 1866! zog sich der Verblichene ein schweres Augenleiden zu, das allmälig zur! völligen Erblindung führte. Das Leichenbegängnis fand am 25. d. M. 1 unter zahlreicher Theilnahme statt. Wien. Vorige Woche ist nach kurzem Krankenlager Herr Heinrich i Elias, eine im zweiten Bezirke allgemein bekannte Persönlichkeit, ge-! storben. Der Verblichene, ein Cousin des Vorstehers der türk. Gemeinde! und Großhändlers. Abraham Elias, war ein ausgezeichneter Musiker und! stellte sein hervorragendes Compositionstalent auch in den Dienst der j Synagogenmusik, indem er mehrere Psalmen und Gelegenheitsgesänge! componirte, die bei verschiedenen Anlässen im hiesigen türk. Tempel zur! Aufführung gelangten. Das Leichenbegängnis fand am 22. d. M. unter j überaus zahlreicher Theilnahme von Verwandten, Freunden und Mit-! gliedern der türk. Gemeinde statt. Im Trauerhause stimmte Obercantor! Bauer mit dem Chore unter Leitung des Dirigenten Löwit einen stimmungsvollen Trauerchocal an, worauf Rabbiner Papo dem Ver-! blichenen einen Nachruf in spaniolischer Sprache hielt. Am Friedhofe! wurden zunächst die rituellen Gebete gesungen, dann sprach Herr Proi. j Nascher im Namen der persönlichen Freunde des Verblichenen einige : tiefbewegte Abschiedsworte. Am gleichen Tage wurde Herr Jsaias Schwarz, Vater des ob j seiner humanitären Bethätigungen allgemein verehrten Herrn I. Schwarz > unter großer Antheilnahme zu Grabe getragen. Eine ansehnliche Trauer-! Versammlung umstand das Grab des selten hochherzigen Verklärten.! I. Cantor Blatt recitirte die rituellen Gebete. Wien. Samstag, den 23. Juni fand im Tempel im 9. Bez., Müllnergasse, die Barmizwah-Feier des 13jährigen Arthur Schwarz, des Sohnes des Magistrats-Officials und Secretärs des Vereines : „Frauenhort", Herrn Max Schwarz, unter den üblichen Ceremonien statt. Der Barmizwah wurde zur Thora gerufen und nach Verlesung des Wochenabschnittes recitirte Obercantor Kläger einen „Mischeberach" und Prediger Dr. Gelbhaus hielt an den Confirmanden eine Ansprache. Wien. Montag, den 25. d. ist der Armenrath und Obmann des „Allgemeinen Unterstützungs-Vereines „Nächstenliebe", Herr Philipp! Weiner, Mitchef der Firma Weiner und Kohn, nach langem Leiden : im 57. Lebensjahre gestorben Der Verblichene, eine im zweiten Bezirke ' allgemein bekannte und hochgeachtete Persönlichkeit, war ein eifriger; Förderer humanitärer Institutionen, denen er mit einem guten, echt-; jüdischen Herzen ausgestattet, viele geistige und materielle Opfer brachte.; Das Leichenbegängnis findet Donnerstag, den 28. d. statt. Wien. Sonntag, den 24. d. W. fand im Tempel der türkischen "Gemeinde die Trauung des Frl. Irma Kl ab er, Tochter des Herrn; Wilhelm Klaber, mit Herrn Dr. Josef Wilheim statt. Der Trauungsact, i vem ein zahlreiches distinguirtes Publicum beiwohnte, wurde von : Rabbiner Papo und Obercantor Bauer vollzogen. Wie«. Dienstag, den 26. d. fand unter großer Betheiligung das j Leichenbegängnis des Herrn Simon Bauer. Vater des Fabrikanten! Herrn Leo Bauer, (Firma Lurie & Bauer), Vorsteher des Tempelvereines j im 6. und 7. Be;., statt. Die Trauergebete recitirte Obercantor Dünn-! mann. Den Nachruf hielt Rabbiner Dr. Taglicht.! Aaderi Am 26. d. versammelte sich eine kleine Trauergemeinde! am hiesigen Friedhofe am Grabe des am 8. August v. I. verstorbenen! Herrn Heinrich Berger, um seinen Mahnen bei Ausstellung seines! Leichensteines pietätvolle Ehre zu erweisen. Des Denkmals Inschrift erzählt in schlichten Worten von den vielen und dauernden wohlthätigen und frommen Institutionen, die der Verstorbene aus eigenen Mitteln in Wien und in Preßburg gegründet hat und gründen half. Religiöse Schul- .erziehung und Thorastudium waren die zwei großen Lichter, denen er nm Leben folgte und sein Bestes opferte. Möge sein Andenken ewig Lauern! Budapest. In wenigen Wochen wird es ein Jahr sein, dass Prof. David Kaufmann so ganz unerwartet aus dem Leben schied. Gestern fand nun an dem Grabe des tief Betrauerten eine pietätvolle Feier statt, deren Veranlaffung die Errichtung des Grabdenkmals bildete. Zahlreiche Verehrer, Freunde, Schüler und die Angehörigen des Verstorbenen fanden sich gestern Nachmittags um halb 4 Uhr auf dem israelisischen Friedhofe .nächst der Kerepeserstratze ein, um dem Andenken des so früh Heimgegangenen Gelehrten ihren Tribut zu entrichten. Wir bemerkten nebst den Familienangehörigen das Profefforen-Collegium der Landes-Rabbinenschule, den Rabbiner Dr. S. Kohn, Prof. Dr. Ignaz Goldziher, den Neupester Rabbiner Dr. L. Venetianer. Director Josef Bänöczi, Prof. Dr. S. Kraus, Director Abr. Lederer, Dr. G. Mahler, Dr. A. Frisch, Dr. Max Weiß, mehrere Mitglieder des Vorstandes der Pester israel. Religionsgemeinde und der Chewra Kadischa; Prof. Dr. M. Brann aus Breslau, der in Gemeinschaft mit dem Verewigten die „Monatsschrift für Geschichte u. d Wiffenschaft des Judenthums" herausgab, den Schwager Kaufmann's: Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau. Die Feier wurde mit einem Gebete um das Seelenheil des Verklärten, das unter Leitung des Obercantors Lazarus vom Männerchor des Tempels in der Tabakgaffe vorgetragen wurde, eingeleitet. Sodann hielt Doctor Rosenthal eine formvollendete, ergreifende Denkrede, in der er den so früh Entschlafenen als Gelehrten und Menschen würdigte und hervorhob, was die Familie in ihm besessen und was sie verloren bat. Der Hörer an der Landes-Rabbinenschule 9t. Blumgrund schilderte in ungarischer Sprache die Bedeutung Kaufmann's als Lehrer und den nachhaltigen Einfluss, den seine Vorträge auf seine zahlreichen Schüler ausübten. Prof. Lazarus stimmte einen Trauerchoral an, worauf Rabbiner Doctor Kohn die würdige Feier mit der Verrichtung des Kaddischgebetes schloss Wehmüthig gestimmt verließ die Trauerversammlung die Grabstätte Kaufmann's, auf der sich ein imposanter Obelisk aus weißem Marmor erhebt. In sinniger Weise wurden einige Verse aus dem Divan Jehuda Halevy's, des Lieblingsdichters Kaufmann's, als Grabschrift verwerthet. Aaja. Der hiesige Cantor, Josef Braunfeld, verlobte seine Tochter Szeren mit Herrn Isidor Singer aus Vukovär. Bei der Verlobungsfeier waren die Vorsteher der Gemeinde, der Chewra Kadischa und der hiesigen Vereine anwesend. Cantor Braunfeld erfreut sich hier in allen Kreisen großer Beliebtheit. Wir ersuchen die Gönner nnd Freunde unseres Blattes, in allen össentlichen Localen hier und in der Provinz „Die Wahrheit" zu verlangen. Kie Wedactiou Kundmachung betreffend die Errichtung von Minjanim für die hohen Feiertage. Yom Vorstände der israel. Cultusgemeinde wird hierait zur zur Kenntnis gebracht, dass zur Einrichtung temporärer Betlocalitäten für die hohen Feiertage durch Vereine und Privatpersonen im Sinne des § 86 des Statutes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde die Bewilligung des Cultusvorstandes einzuholen ist und sind hie kür folgende Normen festgesetzt : 1. Die mit einem Kronen-Stempel versehenen Gesuche zur Erlangung der Erlaubnis sind bis längstens 10. August «I. J. im Einreichungs-Protokolle der israel. Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, I. Stock zu überreichen. Später einlangende Gesuche werden zurückgewiesen und auf nicht gehörig belegte Geeuche wird keine Rücksicht genommen. — 2. Die Gesuchsteller haben für sich und die zu verwendenden Vorbeter (die Namen derselben sind in dem Gesuche anzugeben) genaue Ausweise über Character, Moralität und Befähigung zu erbringen. — 3. An weibliche Personen wird weder direct noch indirect eine Bewilligung ertheilt. — 4. Die als ßetlocale einzurichtenden Räume müssen sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist die Zusicherung des Vermiethers, sowie des Hauseigentümers wegen der diesfälligen Verwendung schriftlich beizubringen. — 5. Localitäten, welche bewohnt sind, dürfen nicht zu diesem Zwecke verwendet werden, wenn sie nicht vollkommen ausgeräumt und für diese Zeit ganz unbewohnt sind. — 6. In der Nähe von ständigen Bethäusern wird die Einrichtung eines temporären Betlocales nicht bewilligt. — 7. Der Vorstand beabs chtigt, den gegenwärtigen Bedarf an temporären Bethäusern durch eigene Massnahmen allmällig zu verringern und wird daher schon im heurigen Jahre nur im Falle thatsäehlichen Bedürfnisses die Genehmigung für ein temräres Bethaus ertheilen. — Die Bewilligung wird den Bet local-Inhabern nur gegen dem ertheilt, dass dieselben der Cultusgemeinde für unbemittelte Personen (Männer und Frauen) zusammen den zehnten Theil der von der Behörde genehmigten Sitzplätze unentgeltlich zur Verfügung stellen. — 9. Der Text einer etwa beabsichtigten Annoneirung oder Plakatirung ist dem Gesuche zur Genehmigung anzuschliessen. Es ist Pflicht einer jeden Partei, für eine entsprechend» Polizei-Aufsicht auf eigene Kosten zu sorgen. Wien, im Juni 1900. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Wien.