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Die Wahrheit · 1900-06-22 · Heft 22 (22.6.1900) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 22 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22. Die Wahrheit. Seite 9. k All die schönen Reden in den Lehrervereinen über „die Stellung des jüd. Lehrers" nnd über „die Lage" der Cultnsbeamten sind zwecklos, solange nicht sämmtliche Cautoreu und "jüdischen Lehrer allwärts sich zusammeuthun und der Regierung deutlich die herrschenden Zustände schildern. Nur die ^Regierung kann hier Helsen, indem sie die definitive Anstellung der Cultusbeamten vorschreibt. Dann werden sich auch viele talentvolle, deutsche, junge Leute diesem Berufe widmen, und der jüd. Beamte wird von der Gemeindevertretung eine seinem Stande würdige Behandlung und von den Gemeindemitgliederu Achtung und Ehre erlangen dürfen, wie wir es bei unfern christlichen Mitbürgern jeden Tag beobachten können. Der Christ sieht in seinem Kircheubeamten den Diener Gottes, und der Jude betrachtet den Cultusbeamten als den „Meschubbod", den Diener der Gemeinde. Das ist der gewaltige Unterschied. Ein deutscher Cultusbeamter. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Zur Besetzung am Leopold st ädter Tempel.) Wie wir vernehmen, ist Herr Bela G u t m a n n, Obercantor-Stellvertreter in Budapest, vom Vorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde für die Leopoldstädter Synagoge engagirt worden und sind die in den letzten Tagen diesbezüglich gepflogenen Verhandlungen bereits zu Ende gediehen. Außerdem soll, entsprechend einer in unserem Blatte schon früher gebrachten Meldung, Herr Daniel Fuchs als Cantor zur Disposition des Vorstandes angestellt worden sein. Hiemit wäre die Wiener Cantorsrage, die fast ein Jahr weitere Kreise der Gemeinde intereffirte, erledigt. Wien. In der letztstattgehabten Plenarsitzung des Bethausvereines „Montefiore" wurde Herr Heinrich Groß einstimmig als Cantor für das Bethaus, II., Taborstraße 38, acceptiert. Wie». König Alexander von Serbien hat dem Generaldirector des Gisela-Vereines, Commerzienrath Arnold Marek, das Commandeurkreuz des Sava-Ordens verliehen. . Wien. Herr Ludwig S ch.oß_K.L rjjtjx „KwLv""" Wien- Sonntag, den 24. d., 1 Uhr Nachmittags, findet im türkischen Tempel die Trauung des Herrn Dr. Josef Wilheim aus Parkany mit Frl. Irma Klaber, Tochter des Herrn Wilhelm Klaber (Firma Wilhelm Klaber und Bruder) statt. Wien. Herr Joab Friedman n, Beamter der Escomptebank, Sohn des Herrn Lector M. Friedmann, hat sich mit Fräulein Regine Offenberg, Tochter des Herrn Jacob Offenberg, verlobt. Wien. Sonntag den 24. Juni l. I. um 4'/.. Uhr Nachmittags, für die Zeichen der Sympathien und Zuneigung den herzlichsten Dan im Namen der Familie ans. Der Bürgermeister, Pfarrer, sowie die Lehrerschaft sandten dem Jubelpaare svecielle Gratulationen. Ans Amsterdam erhalten wir folgende Zufchrift: „Geehrter Herr Redacteur! Ich hatte bisher zwar nicht das Vergnügen. Ihr geschätztes Blatt zu halten, der Zufall aber wollte, dass mir Nr. 17 der „Wahrheit" vom 18. Mai in die Hände kam, und ich im Artikel „Die Entwicklung des Synagogen-Gesanges" von Herrn Obercantor Josef Singer eine lobende Empfehlung des im vorigen Jahre erschienenen Werkes »svtnr« Todoh Lo-El“ unseres Obercantors Jsaac Heymann las. Beim Beginn des Artikels machte mich das Wort der „greise Obercantor" stutzig und verwundert rief ich aus: Unser Obercantor ist ja durchaus nicht greis! Da siel mir aber ein, dass der Jrrthum vielleicht daher rührt, dass der große Ruf des Herrn Heymann in der That seit vielen Jahren allgemein verbreitet ist, weil er von der frühesten Jugend an in seinem heiligen Berufe thätig ist. Zudem wird es weitere» Kreisen wahrscheinlich nicht bekannt sein, dass Herr Jsaac Heymann bei seiner Aufnahme hierorts als Obercantor noch nicht achtzehn Jahre alt war, und da es am vergangenen.117122» 44 Jahre geworden sind, dass Herr Heymann sein hohes Amt angetreten hat, so ist er gegenwärtig noch nicht 62 Jahre alt. Sein Aussehen ist aber wenigstens um 20 Jahre jünger, und seine Stimme ist so jugendlich und frischklingend geblieben wie zur Zeit, als er zum Probevortrag hierher kam. Jeder Ton ist wie rein gestimmtes Instrument, der Umfang seiner Tenorstimme ist fast unberechenbar, dabei kann man seine Pianotöne in allen vier Winkeln der Synagoge hören. Wer spricht erst von seiner kunstvollen, perlenden Coloratur und von seinen herrlichen Recitationen. Es ist wohl überflüffig. dass ich alle diese Vorzüge seiner so trefflichen musikalischen Leistungen erwähne, ich will aber hauptsächlich damit das Merkwürdige hervorheben, dass Herr Heymann seine göttlichen Gesangsgaben noch gerade so besitzt, wie man sie von ihm viele Jahren früher hörte. Hier in Amsterdam wissen wir es am allerbesten nox '121 2S?p [7211 schreibe ich es Ihnen, geehrter Herr Redacteur der „Wahrheit", da Ihr geschätztes Blatt auch die Wahrheit wissen muss. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnet Ihr ergebenster dam und Cassenrendant der Hauptisraelitischen Gemeinde, eine allgemein geachtete Persönlichkeit. Die Red.) Dacance» in Aentschkand. W i t t st 0 ck. Vorbeter, Relig.-Lehrer u. Schächter. Gehalt 900 M., freie Wohnung u. Nebeneinkommen — Stettin Ein Rabbinatscandidat als Prediger für die Feiertage. Offerte an Vorstand der Synag.-Gem. — Chemnitz. Synagogendiener, welcher Befähigung als Schächter und Vorbeter hat. Gehalt 1500 Mk. u. beträchtliches Nebeneinkommen. — Egeln b. Magdeburg. Cantor, Relig.-Lehrer u. Schochet. Gehalt 900 M., freie Wohnung und Nebeneinkommen. findet im Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Gisela Z i r n e r, Tochter des Herrn Marcus Zirner, mit Herrn Dr. Jonas Braun statt. Z^roßnitz. Am 17. d. M. fand hier die Trauung des Fräulein Elsa Blümel, Tochter des allgemein verehrten Fabriksdirectors der hiefigen Mandl'schen Fabrik, Herrn Alois Blümel, mit Herrn Schwarz, fiatt. Dem Trauungsacte, den Herr Rabbiner Dr. Goldschmied vollzog, wohnten alle Honorationen der Stadt und Gemeinde und viele Gäst^ bei. Dem als Gast anwesenden Onkel der Braut, Herrn I. Cantor I. Schiller aus Wien, war die cantorale Function vom Brautvater verehrt worden, »doch verzichtete derselbe zu Gunsten seines hiesigen Collegen, Herrn I. Cantor Bunimowitsch, der die Function auch in ausgezeichneter Weise versah. Lichtenstadt. Die Feier der goldenen Hochzeit des einer. Cantors rund Religionslehrers, Herrn I. Rinds köpf, hat einen über alles Erwarten glänzenden Verlauf genommen. Im reichgeschmückten und mit Laubguirlanden gezierten Tempel versammelten sich die Festgäste, insbesondere war die hiesige Bevölkerung aller Kreise stark vertreten, die Lehrer und Beamtenschaft, ferner Gäste aus Schlackenwerth, Joachimsthal, Karlsbad. Merklsgrün, Bekannte und ehemalige Zöglinge und Schüler waren zahlreich erschienen, so dass der Tempel nicht alle fassen konnte. zDas Brautpaar wurde vom Cultusvorstande, Herrn Sigm. Binder, mit dem Ausschuffe in den Tempel abgeholt, worauf die Familie, darunter 29 Enkel und 6 Urenkel, sich einstellten. Nach einem vortrefflich executirten 'Präludium des Herrn Lehrer Woidez sang Herr Rabbiner Spielmann einige Psalmen und hielt hierauf eine herzliche Ansprache an das Jubelpaar. Dessen ältester Sohn, Herr Religionslehrer Max Rindskopf aus Litten, sprach hierauf dem Cultusvorstande wie auch den Erschienenen Ittel GoldlchmidL'fche Zttsinng für Techniker. Neßrrrswttwra i uni* Wraukemoärker. j Der Vorstand der hiesigen israel. Cultusgemeinde bringt hiermit > zur Kenntnis, dass die Zinsen aus den vom Herrn Moriz Ritter von - Goldschmidt zum Andenken an seine in Gott ruhende Mutter, Frau Ettel I Goldschmidt, gegründeten Stiftungen im October des Jahres 1900 zur! Verleihung kommen u. z. für einen Techniker ä fl. 100.—, für eine Leh-! rerswitwe ä fl. 100.— und für einen Krankenwärter beziehungsweise Krankenwärterin, ohne Unterschied der Confeffion & fl. 30. — . Bedingungen: 1. Die Techniker und Lehrerswitwen muffen der israel. Confeffion angei hören, aus Frankfurt a. Main gebürtig oder im österr. Kaiserstaate! geboren sein, die Techniker in Wien studieren, und die Lehrerswitwen in j Wien oder nächster Umgebung wohnen. 2. Nebst den Armuthszeugnissen! haben die Techniker Studienzeugniffe, die Lehreswitwen vom Wiener! Rabbinate ausgestellte Wolverhaltungszeugnisse und die Krankenwärter! resp. Krankenwärterinnen Dienstzeugnisse von öffentlichen Instituten oder j beglaubigten Privatpersonen beizubringen. Den Vorzug haben n) Ver-! wandte des Stifters Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt oder seiner! Gattin, Frau Nanette geb. Landauer, b) Lehrerswitwen, welche eine große! Anzahl unversorgter Kinder haben. Die Gesuche werden im Einreichungsi Protokolle der israel. Cultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4. I. Stock, woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, in den Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittag, bis 31. 3uli 1900 entgegengenommen. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genuffe eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Wien, am 15. Juni 1900. Der Vorstand der ifral. Cultusgcmcinde Wien.

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