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Die Wahrheit · 1900-06-01 · Heft 19 (1.6.1900) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1900
Issue
Heft 19 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die WayvHsit Nedactio» u. Administration: Wien, II/l, Novaragaffe 27. i ft f. österr. Postsparcasia Mmbhäitgige Heikschrifi kür jüöische fiejngspteis: Ganzjährig . . . ft. 12.— jj Halbjährig .... ft. 9__ j Check-Conto Nr. 846.251. Interessen. Für Lultusbeamte: ' Inserat«: Ganzjährig ... ft. io.— ii 20 Heller per Nonpareille-Zeile. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: ij Abonnements- und Jnsertions» ij Ganzjährig .... 12 Mark i1 betrüge sind in Wien zahlbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" 6 Rubel oder 16 Frcs. Nr. 19. Wie», 1. Zmn 199«. Inhalt r Refidim und Sinai. — Gemeindenöthen. — Affaire Araten. — Gemeinde- und Bereinsbote. — Notizen. — Zur Organisationsfrage. -- Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Nihilist. Diejenigen Herren Abonnenten, welche Sommerfrischen ober Curplatze aufsuchen, werben behufs Nachsenbung des Mattes um Angabe der Abreffen gebeten. Refidim und Sinai. Eine zeitgemäße exegetische Betrachtung zum Schewuoth-Feste. Von Kerm. Z3erkiner. Fast 4000 Jahre alt ist die Geschichte des jüdischen Volkes. Von den vielen großen Momenten, die es erlebt und die einen Markstein bilden nicht nur in seiner, sondern in der Geschichte der Menschheit gibt es keinen, der an Wichtigkeit an die Gesetzgebung am Sinai auch nur im Entserntesten heranragte, an jenen großen Tag, der das kleine jüdische Volk zum Träger einer großen Mission gemacht. Nicht oft genug kann dieses betont werden, namentlich in einer Zeit wie die, in der wir leben und die so sehr jener vor 3500 Jahren ähnelt; jener Zeit, da Egypten der unfreiwillige Mitarbeiter an der physischen und geistigen Befreiung der Juden geworden, weil Gott es so gewollt. Aber kaum befreit, waren sie innerlich gespalten, hatten sie ihre Stärke nach Innen eingebüßt, nach Innen und nach Außen. Auch darin gleichen sich Vergangenheit und Gegenwart. Das Uebel, das ein Erbübel unseres Volkes geblieben, erzeugte den Feind. Auch er ist unser Erbfeind geblieben. Und damals fanden sich Männer, die beide besiegten: den Erbfeind und das Erbübel. Vergiss nicht, jüdisches Volk! Denke an den Erbfeind und was ihn gezeugt! Israel vergaß nur zu bald. — — „Und sie zogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai," lesen wir Eingangs unseres Festabschnittes. Kaum zwei größere Gegensätze gibt es als Refidim und Sinai. „Refidim" und „Sinai." Dort das jüdische Volk in seiner Zersplitterung, in Parteien ausgelöst, einander bekämpfend; hier die Einheit und Einigkeit des Volkes, geeint in sich und mit seinem Gotte, bereit die göttlichen Worte der Welt zu schenken, sie vor der ganzen Welt zu vertreten. Und sie sind Gemeingut aller Gesitteten geworden. „Wenn die jüdische Bibel nichts weiter enthielte wie die Zehngebote und das 19. Capitel des 3. Buches Mosis (Kedoschim), dann wäre sie schon werth, als das größte Moralgesetzbuch zu gelten, das jemals geschrieben worden oder geschrieben wird," io äußerte sich einst ein christlicher Philosoph. Nimmt man noch den bekannten Ausspruch Alexander von Humboldts über den 104. Psalm hinzu, so muß man sich wirklich fragen, was eigentlich mit der Verkleinerung der Bibel, dieses großen jüdischen Geisteswerkes seitens „fortgeschrittener" jüdischer Gelehrter bezweckt werden soll? „Refidim" und „Sinai." Sie sind zwei berechtigte Eigenthümlichkeiten unseres Volkes geblieben. Schon Moses hatte das vorausgesehen. Nicht umsonst sprach er von dem spy rnpp ay, dem „Volke mit dem steifen Nacken". Aber er erflehte von Gott dessen Erhaltung, obgleich es diese Eigenschaft besaß und durch die ganze 4000jährige Geschichte hindurch sich bewahrt. Steifnackig waren die Juden gegen Gott und gegen sich selbst, aber diese Steisnackigkeit war ihr Erhalter."• „Wo hundert Juden beisammen sind, da haben sie hnndertundein verschiedene Meinungen," behauptet der Volkswitz. Diese eine Meinung aber ist der uns angeborene Oppositionstrieb, der in den Zeilen der Noth die Oberhand behielt über alle Angriffe und Gefahren, und Israels erhaltende Kraft geblieben ist. Darum auch harte unser großer Lehrer und Führer in den Zehngeboten schon gewarnt, es möchte nicht „Refidim" zu einem Stammesgebrecheu, zu einem Erbübel werden. Ganz versteckt steht diese Warnung und man wird uns vielleicht sophistischer Deuteleien zeihen, indem wir aus einer als schwierig bekannten Stelle dieses herauslesen. Jmerhin sei es gewagt, umsomehr, als wir auch suchen werden zu beweisen, was wir behaupten. Zweimal kommt in den Zehngeboten 'n '3:x vor, das erste Mal in Erinnerung an unsere Befreiung ans dem egyptischen Sclavenfoch, das zweite Mal, indem Gott droht, dass die Sünden der Väter an den Kindern sich rächen werden. Man mag die Bibel vom ersten bis zum letzten Blatt durchgehen und man wird schwerlich aus eine in ihrer Härle geradezu unverständlichere und mit dem Geiste der immer und innner betonten göttlichen Barmherzigkeit mehr im Widerspruche stehende Stelle stoßen. Wie oft nicht finden wir Eltern, die sich die erdenklichste Mühe geben, ihre Kinder im Geiste der Bibel zu erziehen. Umsonst. Und umgekehrt begegnen wir Kindern, denen in der Jugend jeder moralische Halt gefehlt, zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft sich entwickeln, das bekannte Sprichwort vom „Apfel, der nicht weit vom Stamme fällt" Lügen strafen. Und versichert nicht auch die Bibel, „dass die Eltern

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