Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1900
- Issue
- Heft 17 (18.5.1900)
- Date
- 1900-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ni. 17. Pie Wahrheit. Leite ll. ist die Tochter des Cultnsvorstehers Docenten Dr. Grünfeld und der Präsidentin des „Ferienheims". Frau Sophie Grünfeld. Die großen Sympathien, deren sich die Brauteltern allseits erfreuen, kamen durch mngemein große Anzahl der Hochzeitsgäste zum Ausdruck. Der gesammte Cultusvorstand. Vorsteher und Vorstandsdamen zahlreicher Vereine, und Vertreter aller Kreise der Wiener Gesellschaft wohnten dem Trauungsacte bei, den Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer Dollzogen. Men. Sonntag, den 20. d.. um 10 Uhr Vormittags, findet die Prüfung der Zöglinge des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummmeninstitutes im Jnstitutslocale. 3. Bezirk, Rudvlphsga'se Nr. 22, Patt. Wien. Herr S. Ronnenberg, Schüler des Obercantor j I. Bauer, welcher im hiesigen Leopoldstädter Tempel mit vielem Beifalle einen Probevortrag abgehalten hat, ist in Zürich zum ersten Cantor .gewählt worden.! Men. Die bekannte Ge'angsmeisterin, Frau Jda Fichna, ver-! anstaltete Freitag, den 11. d., im Jantsch-Theater eine Matinöe zu! Gunsten mittelloser Schülerinnen, bei welcher zumeist Eleven der ge-; nannten Schule mitwirkten. Es gelangten zur Aufführung: „Der Frei-! schütz" (2. Act»; „Das Glöckchen des Eremiten (3 Act); „Lohengrin" (;(2. Act, 2. Scene); die große Arie aus „Aida" (3. Act); „Figaro's; Hochzeit" (1. Act); „Die Hugenotten" ,2. Act); Fragment aus j „Boccaccio". Im Allgemeinen verdient die rationelle Ausbildung der Stimmen Anerkennung und einzelne Eleven erheben sich auch stimmlich : n'lber das Mittelmaß. Recht brav sang Frl. Lay als Ortrud, stimmlich ilobenswerth war Frl. Gehrer als Page in „Figaro's Hochzeit" und ganz besondere Erwähnung gebührt dem Frl. Gyarmathy, die als Aida mit ihrer prächtigen, wohlklingenden Stimme und durch empsindungsvollen Vortrag glänzte. Auffallend schlecht sang Herr Drexler den Max im „Freischütz". Wien. Knapp vor Schluss des Blattes erhalten wir aus München »die traurige Nachricht, dass unser hochgeschätzter Mitarbeiter und College, Obercantor Lach m a n n in Hürben, nach achttätiger Krankheit gestorben ist. Indem wir unserer Trauer über das Hinscheiden dieses nach verschiedenen Richtungen hochverdienten Mannes öffentlich Ausdruck Leihen, behalten wir uns vor, in nächster Nummer das Leben und Mirken desselben eingehend zu beleuchten, Z3rünn. „Die Juden in Polna und der Hülsner-Proceß." So 'lautet der Titel eines in der am »3. v. M. erschienenen Nunnner der Boskowitzer Zeitschrift „Czeska Samostatnost" erschienenen Artikels, wegen 'dessen Inhaltes nun der Verantwortliche Redacteur des genannten Blattes Franz Kleophas Swoboda von der hiesigen Staatsanwaltschaft wegen Vergehens im Sinne des Artikels 8 des Gesetzes vom 17. Dec. 1862, RGBl. Nr. 8, in Anklagezustand versetzt wurde. Andrychau, 13. Mai. Heute wurde hier eine ehrbare Greisin, N. Ringer, im Alter von 116 Jahren zur letzten Ruhe bestattet. In der heutigen Zeit dürfte ein so hohes Alter nur von Wenigen erreicht .werden, außerdem war auch die körperliche Rüstigkeit der Verblichenen eine bewunderungswürdige. Während ihres ganzen Lebens hat sie kein Augenglas benützt und sie war auch bis zum letzten Moment bei vollem Bewusstsein. Friede ihrer Asche ' Lemöerg. Die Stadt Radomysl in Galizien ist beinahe gänzlich abgebrannt. Mehr als 200 Häuser, meist Juden gehörig, sind durch das Feuer zerstört worden. Etwa 1000 Einwohner sind obdachlos. Auch ein Mädchen ist verbrannt. Die Noth ist groß. Hlagy-Abony. Am nächsten Schewuoth-Feste begeht unser Obercantor, Herr Leopold Rosen zweig, sein 25jähriges Amtsjubiläum, aus welchem Anlasse die Gemeinde und Chewra-Kadischa sein Werk „Schirath Jehuda" auf eigene Kosten drucken lässt. Dem Jubilare wird es gewiss auch an anderen Ovationen, namentlich aus Collegenkreisen, nicht mangeln. A -Egerszeg. Eine Deputation der hiesigen Handelsschüler hat unserem ersten Cantor, Herrn Isidor Glück, einen Tactstock aus Elfenbein und eine prachtvoll ausgestattete Adresse überreicht. Herr Glück ist seitens der Direction der Handelsschule zum Gesangslehrer der Anstalt vorgeschlagen worden. Hroßwardein. (Der verweigerte Eid.) Vor dem Bezirksgerichte in Großwardein erschien kürzlich der orthodoxe Rabbi Moriz Fuchs in einer Proceßverhandlung als Zeuge Nachdem er seine Depositionen gemacht hatte, wurde er vom Bezirksrichter zur Eidesablegung ausgefordert Rabbi Fuchs erklärte sich zur Ablegung des Eides bereit, doch ersuchte er den Richter, er möge ihm gestatten, bedeckten Hauptes zu schwören, weil ihm seine Religionsaesetze das Schwören mit entblößtem Haupte verbieten. Dem gegenüber bestand der Richter auf der gesetzlich vorgeschriebenen Eidesablegung mit unbedecktem Haupte. Der Rabbi erklärte nun, dass ihn zum Ausbehalten des Hutes durchaus keine Achtungslosigkeit vor dem Gesetze, sondern lediglich religiöse Rücksichten bewegen, die er unter allen Umständen respectiren müsse. Der Richter drohte dem Rabbi dreimal hintereinander mit Geldstrafen von 50, respective 10O und 150 Kronen, worauf ein anwesender Advocat den vermittelnden Antrag stellte, der Rabbi solle ohne Hut, aber mit einein kleinen Sammtkäppchen auf dem Haupte, den Eid ablegen. Der Rabbi blieb aber dabei, dass er nur vollkommen bedeckten Hauptes schwören wolle. Bezirksrichter Besseney verurtheilt den Rabbiner zr einer Geldstrafe von 200 Kronen, gegen welchen Beschluss der Rabbi an den Gerichtshof appellirte. Zacanzen. L i e b e s ch i tz bei Saaz. Rabbiner, zugleich Kore. 1200 Kronen, frei Wohnung. Emolumemte. Besetzung am 1. November. Gesuche bis 15. Juni an den Vorstand. Salamim A!tiiiaiin’fi1)e Waisen-Mstiuig. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bringt zur Kenntnis, dass am Sterbetage des seligen Herrn Salomon Altmann (21. des Monats Ab) 16. August 1900 die Zinsen obiger Stiftung per Kr. 118.- an zwei Vater- und mutterlose Waisen ohne Unterschied des Geschlechtes, welche das 15. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, zu gleichen Theilen zu verleihen sind. Zur Bewerbung zulässig sind Waisen, welche nebst glaubwürdigen Armuts- und Sittenzeugniffen auch solche über Schulbesuch mit gutem Ersolge, beibringen. Den Vorzug erhalten in erster Reihe Verwandte des seligen Herrn Salomon Altmann, in zweiter Reihe aus Oesterr.-Schlesien Stammende, endlich in deren Ermanglung jene, deren Eltern als Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde angehört haben. Die vollständig instrllirten Gesuche sind im Einreichungs-Protocolle der hiesigen israei. Cultusgemeinde (l., Seitenstettengasse 4, I. Stock) bis 15. Juni 1900 zu überreichen, woselbst Gesnchsblangueite während der Amtsstunden (9 12 Uhr) unentgeltlich zu beheben sind. Wien, am 1. Mai 1900. Drr Vorstand drr ilr. Cultusncmrinde Wien. Interessante Bücher zu sehr herabgesetzten Preisen. OZah'er, v ., Biblische Chronologie und Zeitrechnung der Hebräer. 1887. 208 S. statt tl. 2.— tl. — .50 Keusch, Prof. Dr.. Biblische Schöpfungsgeschichte und ihr Verhältnis zu den Ergebnissender Naturforschung. Statt tl. l.öu, nur tl. —.8" Strassburgrer, Geschichte der Erziehung und des Unterrichtes bei den Israeliten von der Vortalmud-Zeit bis in die Gegenwart. Statt fl. 3.—, nur fl. 1.25 rrisds der Judenfrage,! Mit einem Anhang »Zur Geschichte <les Antisemitismu.su. 189 >. 250 Seiten. Statt fl. 1.20, nur fl. —aiO Herzberg; '*r., Jüdische Familienpapiere. ,Kine ganz vortreffliche Novelle) 320 S. Statt fl. 2.40, >i«r fl. 1.2>» Kohn S. tVerfasser des »Gabriel«), Alte und neue Erzählungen aus dem böhm. Ghetto. 290 Seiten, (wie neu!) Statt fl. 1.8U, nur fl. 1.— Maltzan H. von. Der Messias der Juden. Roman aus der Geschichte des XVII. Jahrhunderts. 200 Seiten, (wie neu!). Statt fl. i.2ü, nur tl. —n0 Klosterzell Kat hi V, Ella das Judenkind. Zeitroman, 3 Hände, zus. 1010 Seiten. Statt fl. 9.—, mlr ll- 2.— Sacher-Masocb, Qalisiscas Ssschichten. 2 Bande. Statt a fl. 2.40. nur a fl. —.80 Französische Justizmorde im 1 <. u. 18. Jahrhumlen. 1898. Statt tl. J 0 nur fl. ..>0 §09^ Toleranz'cneh. Aufsätze und Aussprüche über die Freiheit der .Meinungsäusserung; 09* im 17., 18. und 19. Jahrhundert. Aufsatze von Spinoza, Montesquieu. Rousseau, gM- Voltaire, Buckle! Mill, etc. Statt fl. 1.—. nur fl. —.45 Leroy-Beanlieu, Die Juden und der Antisemitismus. Deutsch von C. v. Vicenti. 350 Seiten. Statt fl. 1.50, für nur fl. — Dieses Buch hat ein Christ und ein Franzose geschrieben! ,a. d. Vorrede.) Es ist eines der besten Bücher, die in dieser Frage geschrieben wurden; durchaus unparteiisch, muss dasselbe Jedermann interessiren. Karpeles Gast., Heinrich Heine und der Rabbi von Bacharach. 04 Seiten.. Statt (Ladenpreis) fl. 1.—, . für nur fl. —.30 Eine glänzende Studie des berühmten Heine-Forschers. Sämmtliche Bücher sind sehr gut erhalten iwie neu). — Versandt gegen Nachnahme oder Voreinsendung des Betrages von R. Löwit, Buchhandlung, Wien, I. Bez., Rothenthurmstrasse 32. lEHne Orgel mit 7 Registern und modernem Gehäuse, sehr hübsch und kräftig intonirt. im bestem Zustande, erbaut von Carl Schiffner-Prag. ist billigst zu verkaufen bei dem Brüx. Tempelchor- Verein in